Posts Tagged ‘Höxter

29
Nov
20

Es wird ruhiger

Seit bald zwei Wochen haben wir ein neues Modell in der Betreuung unserer Tante am Start: die ältere Damen-WG. Die Idee kam über eine Freundin, deren Schwester mit Anfang 70 genau wie meine Tante alleine wohnt und sich einsam fühlt. Sie schlug vor, die beiden Damen zusammenzubringen und auszuprobieren, ob eine Art WG funktionieren könnte. Die Schwester meiner Freundin würde die Hauswirtschaft mitsamt Einkaufen übernehmen, die Putzfrau der Tante soll weiterhin mit an Bord sein. Der Pflegedienst ist sowieso mit „an Bord“, denn einmal in der Woche wird die Medikation gestellt, so dass hier bei Bedarf schnell reagiert werden kann.
Also packten wir vor zwei Wochen mein kleines Auto bis zum Dach voll, die Schwestern packte ihren kleinen Hund mit ins Auto und los ging es. Ich hatte Urlaub und konnte der Freundinnen-Schwester in den ersten Tagen in den „Tanten“-Kosmos hineinhelfen.
Anna, die polnische Haushaltshilfe, war am Tag vorher abgereist. Die letzten Tage waren schwierig geworden, denn auf beiden Seiten waren die Kommunikationen von Missverständnissen und Nicht-mehr-Wollen geprägt. Und beide beschwerten sich jeweils über Messenger bei meiner Schwester und mir: das Essen schmeckt nicht, die Tante ist unfreundlich und so weiter. Nach zweieinhalb Monaten hatte unsere Tante auch fast 2 kg abgenommen, was bei einer Frau ihres Alters, Größe und Vorerkrankungen ganz und gar nicht gut ist.
Die erste Woche mit Elke, der Freundin-Schwester, lief an sich gut an, die beiden Damen verstanden sich gut und auch der kleine Hund der neuen Mitbewohnerin und der tanteneigene Dackel verstanden sich einigermaßen.
Endlich wurde das Tantenauto wieder in Betrieb genommen: einkaufen, Besorgungen erledigen, die Stadt kennenlernen.
Reibungsfrei war die Woche nicht, die Unzufriedenheit der Tante, dass sie nicht mehr alleine leben konnte, kam immer wieder durch und entlud sich manchmal – bei mir. Durch die Umzugsaktion des Schlafzimmers aus dem Dach- ins Erdgeschoss hat sich einiges im Haus verändert: die Kleidung ist, da unsere Tante keine neuen Schränke wollte, weiterhin im Haus auf Ober-, Erdgeschoss im neuen Schlafzimmer und in den Schränken im Keller verteilt. Nun ist das Problem, dass manches dann doch woanders gelagert werden muss, da die neuen Mitbewohnerinnen ja auch ein Zimmer benötigen. Dies führt dazu, dass manche Dinge woanders sind und dies führt zu Unzufriedenheiten, die sich dann ihr Ventil suchen.
Immerhin lässt sich das Zusammenleben mit Elke gut an, auch wenn ich in der Woche noch den Großteil der Mittagessen gekocht habe, konnte ich Tag für Tag Dinge „abgeben“, mit dem Gefühl, dass die Dinge gut laufen würden.
Nach nun zwei Wochen ist die erste Bilanz sehr gut: die Tante isst wieder mit Appetit, abends sitzen die beiden Damen eine Weile zusammen und plaudern, bis jede für sich entweder mit dem iPad in den Lesesessel verschwindet oder in ihr Zimmer mit Fernsehen.
Aber wir freuen uns, dass der gestern gelieferte Adventskranz zum gemeinsamen Frühstück seinen Auftritt hatte.
Wir sind dann mal vorsichtig optimistisch, dass wir nun ein Modell gefunden haben, dass meine Schwester und mich auch wirklich entlastet.

 

25
Okt
20

Erste Erfahrungen

Seit dem 4. September hat unsere Tante Miksgen eine haushälterische Begleitung aus Polen. Die erste neue Mitbewohnerin war nun sechs Wochen bei ihr.
Dorota kam in einem Kleinbus angereist, von Stettin nach Höxter. Mit einer fröhlichen Runde von vier weiteren Damen wirkte sie erst noch entspannt, dann, als der Transporter um die nächste Ecke verschwand, brach die Panik durch. Eine zierliche Frau, die kaum größer als ihr Koffer war, versuchte selbigen ins Haus zu ziehen, was uns dann zu zweit gelang.
Wir hatten ein Zimmer im Obergeschoss schön hergerichtet, Blumen auf den Tisch gestellt, einen Teil der Schränke für die Kleidung ausgeräumt, eine Leselampe am Bett installiert und selbiges frisch bezogen. Das Bad nebenan hatten wir ebenfalls etwas umdekoriert, neue Duschvorhänge, Badvorleger und so einiges mehr.
Dorota freute sich sichtlich und zog das Handy mit dem Übersetzungsprogramm von Tante Gugl hervor. Außer ein paar Bröckchen sprach sie kaum Deutsch, so dass wir auch für unsere Tante die Übersetzungs-App auf dem Pad installieren mussten. Gut, dass sie ein technikaffines Tantchen ist! Dennoch dauerte es eine Weile, bis sie sich eingearbeitet hatte. Und sie vermisst sehr, dass sie sich nicht spontan unterhalten kann. Meine Schwester und ich hofften, durch die neue Mitbewohnerin den Faktor „Einsamkeit“ reduzieren zu können, was sich aber nach kurzer Zeit als getrogene Hoffnung herausstellte. Die Aufgaben für die Haushaltshilfe waren mehr als übersichtlich, eine 40-Stunden-Woche konnten wir garantieren, inklusive Siesta-Zeit und Feierabend nach dem Abenbrot. Pflegerische Hilfe ist bei unserer Tante derzeit nicht notwendig. Ich habe das Wochenende damit verbracht, Dorota in alles einzuführen, im Haus und im Städtchen, Einkaufsmöglichkeiten gezeigt und wo es zum Hausarzt geht. Anders als von der Agentur zugesagt, weigerte sich Dorota allerdings, Auto zu fahren, obwohl ein Führerschein vorhanden war. Fahrradfahren war auch nicht so ihres. Also erledigte sie die Einkäufe zu Fuß, Größeres mussten meine Schwester und ich besorgen, wenn wir da waren.
Die Fähigkeiten Dorotas, Schmackhaftes auf den Mittagstisch zu bringen, um unserer Tante Miksgen das Essen etwas näher zu bringen, trogen leider auch. Möhrensalat ist zwar gesund, aber als Beilage etwa vier Mal in der Woche trug nicht zur Zufriedenheit der zu Bekochenden bei. Ansonsten wurde ein großer Bogen um frisches Gemüse gemacht, so dass die Qualität der zubereiteten Speisen selbst uns von ferne im wahrsten Sinne des Wortes „nicht schmeckte“. So sind meine Schwester und ich – bis auf Ausnahmen – wechselweise weiterhin jedes Wochenende in Höxter, um etwas gegenzusteuern. Und natürlich haben wir am Wochenende für die Verpflegung gesorgt, natürlich nicht nur für die Tante und uns, sondern selbstverständlich auch für Dorota, die sich nach den Mahlzeiten sofort auf ihr Zimmer zurückziehen und uns auch noch das Aufräumen überlassen wollte. Leider musste sie dann doch helfen….
Die Krisensituation innerhalb dieser Zeit konnte sie gar nicht meistern: unsere Tante klagte über Schmerzen in der Brust und wollte nicht aufstehen. Dorota schrieb mir eine Nachricht (auf polnisch) über einen Messengerdienst. Ich antwortet dank Übersetzungsprogramm auf polnisch, sie rief an und gab den Hörer an die Putzfrau weiter. Beide Damen waren sichtlich aufgeregt und kaum zu beruhigen. Der Bitte, meine Tante ans Telefon zu holen, kamen sie nicht nach. Und immer wieder: „Sie hat Schmerzen…“ Was sollte ich machen? Die beiden Damen waren nicht in der Lage, die „112“ und damit die Rettung zu verständigen, was ich dann nach zwei weiteren Telefonaten mit den beiden aus knapp 400km Entfernung gemacht habt. Die Rettung war schnell da und nahm unsere Tante aufgrund ihrer Vorerkrankung kurzerhand mit. Die Bitte an die Putzfrau, den bereits gepackten Koffer mitsamt der Hörgeräte und dem iPad, die für die Kommunikation so unglaublich wichtig sind, unverzüglich dem Krankenwagen hinterher zu bringen, kam sie gar nicht nach. Erst gegen Abend brachte sie den Koffer an die Krankenhauspforte und unsere Tante hatte kurz vor Mittag am Folgetag endlich ihre Sachen, trotz meiner fernmündlichen Bitten. Immerhin konnte ich mit dem behandelnden Arzt sprechen, immerhin hatte mein Anruf beim Hausarzt bewirkt, dass der an der medizinischen Versorgung der Tante beteiligte Arzt aus dem Krankenhaus schnell über wichtige Infos verfügen konnte.
Das dicke Ende kam dann wirklich zum Ende: als Dorota zurück in den Kleintransporter nach Stettin stieg, gingen meine Schwester und ich durch Zimmer und Bad und mussten zu unserem Entsetzen eine für sechs Wochen sehr lange Liste an Schäden verkraften. Die Agentur bietet 50 € Schadensregulierung für einen kaputten Toilettendeckel, einen durch verschüttetes und nicht weggewischtes Hochprozentiges ruinierte Tischplatte, ein verklebtes Sofa und eine aus der Verankerung gerissene Leselampe über dem Bett. Es kann passieren, dass Dinge zu Bruch gehen, aber als erwachsene Frau sagt man dann auch etwas, entschuldigt sich eventuell noch. Wir haben für das nächste Mal gelernt und gehen vor Abreise durch Zimmer und Bad.
Unsere Tante war erleichtert, als die Zeit mit Dorota zuende war, uns tut es unendlich leid, dass wir im Moment nicht mehr für sie tun können. Es ist anstrengend, diese Kümmerei aus der Ferne, was wir beide ja nicht tun würden, wenn wir beide „unser Miksgen“ nicht so lieb hätten.

 

06
Okt
20

Sorgen-Tante

Meine Schwester und ich haben ein gemeinsames Hobby: unsere Tante. Tante M. ist die älteste Schwester unseres Vaters, der 2016 verstorben ist und die letzte der fünf Geschwister. Seit ihrer Pensionierung im Rheinland hatte sie mit ihrer jüngeren Schwester eine Lebens- und Wohngemeinschaft im gemeinsam gebauten Bungalow auf einem Riesengrundstück, waren glücklich und froh mit Rasenmähertraktor und Dackel. Leider spielte das Leben nicht ganz so gut für die beiden, denn die jüngere starb im Herbst 2011 nach hartem Kampf gegen den bösen Krebs. Bevor sie sich selber erlaubt hat, ihre Augen für immer zu schließen, haben wir ihr versprochen, dass wir für ihre Schwester immer da sein werden. Und dieses Versprechen halten wir seit bald neun Jahren. Zunächst war es relativ einfach, denn Tante M., nennen wir sie Mieksgen (westfälisch für „Mariechen“) war auch alleine mit Hund und Garten und Haus und Trecker gut beisammen, hinter die seelische Fassade ließ sie nur selten blicken. Die Jahre gingen dahin und Mieksgen wurde auch älter. Der Tod ihres jüngsten Bruders, unseres Vaters nahm sie mehr mit, als sie zeigen wollte, obschon der Tod der vertrauten Schwester sicherlich für sie tausendmal schlimmer war. Nach und nach klappten Dinge nicht mehr so wie „früher“, kein Wunder, wenn man Mitte 80 ist. Abgesehen von der russischen Putzfrau, ihrer persönlichen Nemesis, lehnte sie Hilfeangebote ab. Das Autofahren haben wir ihr nicht ausreden können, erst nachdem sie vor anderthalb Jahren fast an einer fast schlimm ausgegangenen Zahngeschichte nach Hannover in die Zahnklinik musste, konnten wir es erfolgreich verhindern. Wir haben ihr eine Haushaltshilfe gesucht, die Montags und Donnerstags mit ihr Einkaufen fahren sollte, zur Bank und ähnliche Dinge erledigen helfen. Nicht immer klappte das, denn die Chefin war ja sie und wenn sie sagte, dass sie nichts brauchte, wurde nichts eingekauft, sondern die Dame ging mit dem Hund spazieren.
Meine Schwester und ich sind inzwischen wechselweise JEDES Wochenende in Höxter, was uns mehr als belastet, denn meine Schwester und ich müssen ca. 2 h resp. gute 4 h mit dem Auto fahren, um in die Wesermetropoloe zu gelangen. Und wenn wir da sind, arbeitet die Zeit gegen uns, ich komme in der Regel am Freitag nachmittag/abend und bleibe bis Samstag abend, um wenigstens einmal in der Woche etwas zur Ruhe zu kommen. Meine Schwester fährt zumeist so früh am Samstag los, dass sie zum Frühstück um 9 Uhr mit Brötchen und Markteinkäufen da ist, Rückfahrt meist abends. Inzwischen verbringen wir auch Teile unseres Urlaubs zur häuslichen Unterstützung dort. Und Miksgen sagt, dass sie noch alles alleine kann. Naja, über ein Messengerprogramm auf ihrem iPad hält sie uns gut auf dem Laufenden, auch wenn sie „heute mal wieder keine Lust zum Arbeiten“ hat, ja das darf frau ja auch mit inzwischen 92! Aber sie muss sich helfen lassen oder in eine Einrichtung mit 24/7-Betreuung, was sie nicht will.
Wir haben uns aufgerieben, meine Schwester und ich, indem wir versucht haben, ihre Betreuung durch Dritte zu verbessern, Missus wollte nicht. Wir haben mit ihr diskutiert, vorgeschlagen: Neinwillichnicht, Neinbrauchichnicht, Neingehtdochnoch! Irgenwann haben wir uns damit abgefunden, dass wir im Fall der Fälle nur reagieren können. Allerdings sagte uns das auch jede/r, der/die mit Eltern/älteren Verwandten zu tun hat. Seit heute haben wir den 3. Krankenhausnotfall mit/bei ihr: Nr. 1 besagte Zahnklinik in Hannover, Nr. 2 schwerer Sturz mit Platzwunde Mitte August und nun Nr. 3 mit Brustschmerzen. Einige ambulante Besuche nach kleineren Stürzen hat sie erfolgreich vor uns geheimgehalten, irgendwann kam doch immer alles raus, sie freute sich, uns ein Schnippchen geschlagen zu haben, wir machten uns noch mehr Gedanken..
Seit Vorfall Nr. 2 haben wir über eine Agentur eine Haushaltshilfe aus Polen, Dorota, die bei ihr im Haus wohnt und uns das Ärgste abnehmen soll: die Sorge um vernünftiges Essen und Unterstützung im täglichen Leben. Ein bisschen hatten wir auch die Hoffnung, nicht mehr jedes Wochenende nach Höxter zu müssen und somit pro Nase die Fahrt auf vielleicht einmal im Monat reduzieren zu können. Die Hoffnung hat sich nach einem Monat zerschlagen, wir werden weiterhin fahren müssen, denn so umfassend, wie wir uns die Versorgung gewünscht haben, ist sie nicht. Und die Sprachbarriere ist höher als gedacht, wir kommuniziern über google translator. Miksgen hatte sich auch jemanden zum Plaudern gewünscht, das ist nicht möglich. Natürlich gibt es auch Haushaltshilfen/Pflegerinnen, die deutlich besser sprechen können, aber dies kostet gleich deutlich mehr, was dann die gute Pension doch nicht hergibt, denn der Pflegegrad und somit der Zuschuss der Pflegekasse ist noch sehr überschaubar.

Vieles lässt sich bis jetzt aus der Ferne steuern: Überweisungen funktionieren so: Tante bekommt den Brief, öffnet ihn und macht ein Foto mit dem iPad, welches sie uns schickt. Dann kommen wir mit online-Banking um die Ecke. Allerdings besteht sie auf den guten alten Kontoauszügen aus dem Drucker ihrer Sparkasse, auch wenn sie von uns wunderbare Ausdrucke mitgebracht bekommt. Irgendwas ist immer!

Heute also Notfall Nr. 3! Ich bekam einen Anruf über whattsApp von Dorota, die, als ich mich höchst alarmiert meldete, gleich an die russische Putzchimäre weiterreichte. „Tante hat Schmerzen in Brrrust!“ Ich: „Haben Sie einen Krankenwagen gerufen?“ Sie so: „Neeiiin, weiß nicht wie!“ (Sie ist seit 1994 in Deutschland) Ich so: „Ist meine Tante aufgestanden, ist ihr schwindelig?“ Sie: „Neiinn, glaube nicht.“ Ich so: „Ich lege auf und rufe einen Krankenwagen.“ Das habe ich gemacht. Im übrigen gibt es einen Notrufknopf zum Umhängen, den zu drücken, darauf ist niemand gekommen. Ich habe zurück gerufen, dass der Krankenwagen kommt und dass eine der beiden Damen bitte das Tor zur Straße öffnen möge, die andere solle bitte den Koffer packen. Den Koffer haben sie im Krankenwagen nicht mitgenommen, aber die Tante, nur ohne Hörgerät, was auch sicherlich die Kommunikation nicht vereinfacht hat. Ich habe die Damen noch einmal angerufen, mit der Bitte, die Hörgeräte, das iPad und den Koffer bitte umgehend ins Krankenhaus zu schaffen. Ich kürze das Drama mal ab, in dem der Sozialdienst der KHs, die Dame an der Pforte und die Stationsschwester hilfreiche Rollen übernahmen, aber die Putzchimäre brachte alles erst gegen Abend ins Krankenhaus, nachdem sie mit ihrem Auto beim TÜV war! Dorota fährt kein Auto, by the way…
Morgen habe ich die Chance, den behandelnden Arzt zu sprechen, mal schauen, wie diese Geschichte weitergeht, so aus 400 km Entfernung!
Bis in Bälde….

03
Okt
20

Schweigen im Walde

…. im Walde….

Im März 2019 habe ich das letzte Mal hier geschrieben, aber mir oft vorgenommen, wieder aktiv zu werden. Nun, es ist einfach so viel in meinem analogen Leben passiert (habe ich, glaube ich, auch schon einmal geschrieben), dass ich es nicht geschafft habe, mit etwas Abstand davon hier zu berichten. Gut, da war der Tod meines Vaters und das schwierige Jahr, bis meine Schwester und ich den Nachlass einigermaßen unter Kontrolle hatten (2016/2017), berufliche Veränderungen, die ich mitunter auch als inhaltliche Rückschritte betrachtet habe (2017 – 2019) und dann seit 2019 gerade eine Explosion an Anforderungen im privaten und beruflichen Leben, die mit viel Aufwand und einem weiteren Umzug verbunden sind: eine Leitungsstelle in einer seit vielen Jahren vernachlässigten Einrichtung in Brandenburg an der Havel, die ich aus dem Koma treten möchte, gleichzeitig (wirklich auf den Tag!) ein Spenderorgan für meinen Mann, der die seit 10 Jahren andauernde Dialyse überflüssig macht, aber dennoch „nicht ohne“ ist und die für meine Schwester und mich überaus herausfordernde Pflege und Sorge um unsere inzwischen 92-jährige Tante. Wer das Blog hier kennt, weiß, dass ich in Berlin lebe und aus Höxter stamme, wo auch unsere Tante lebt. Und somit kommen viele, viele Kilometer zusammen, um sich dieser Herausforderung auch noch zu stellen.
Bislang habe ich dazu auch noch wenig geschrieben, denn die Tante las hier häufig mit und ich wollte manche Dinge vor ihr auch nicht unbedingt hier niederschreiben. Sie ist immer noch fleißig im Netz unterwegs, aber ihr Interesse hat sich mehr zu Tierfilmen auf youtube verlagert. So werde ich von den Herausforderungen für meine Schwester und mich nun doch berichten, denn inzwischen zeigt sich, dass in meinem Umkreis Viele ähnliche Probleme um älter werdende Eltern und Anverwandte haben und genauso wie meine Schwester und ich oft nicht wissen, wie wir alles weiterhin schultern sollen. Und wir sind nicht die Einzigen, die weit weg von den zu Pflegenden wohnen und uns oft zerreißen und unser Privatleben hintan stellen.
Aber der berufliche Wechsel bereitet mir auch viel Freude, ich habe hier an der Havel viele tolle Menschen schon kennenlernen dürfen und vor allem habe ich nach 32 Jahren Pause wieder begonnen, Geige zu spielen. Dies ist mitunter mühsam und frustrierend, manchmal auch nur serotoninausschüttend, aber ich habe mir ein Ziel gesetzt, nämlich wieder in einem (Laien-) Orchester zu spielen. Und diesem nähere ich mich zum Glück auch!

Und jetzt muss ich mich erst einmal mit dem veränderten WordPress-Gedöns hier vertraut machen.

25
Mrz
19

Besuch in Międzyzdroje 2019 und Misdroy 1939

Eigentlich wollten wir ja nach Lübeck, der beste Reisegefährte und ich, aber es kam anders. So wurde es Usedom für den kurzen Tapetenwechsel. Für mich oben auf meiner Liste der Wunschziele stand das Ostseebad Międzyzdroje, knapp östlich von Swinoujscie/Swinemünde, denn ich wollte mal nachschauen, wo meine Großeltern mit ihren fünf Kindern am Vorabend des Ausbruchs des 2. Weltkriegs im Urlaub waren. Die Tanten hatten meiner Schwester und mir vor Jahren davon erzählt und damals, 2009, wollten wir zu viert eigentlich dorthin ebenfalls zu einem verlängerten Wochenende fahren, generationsübergreifend. Aber kurz vorher hatte eine der beiden Tanten ihre Krebsdiagnose bekommen und wollte die Fahrt verschieben, was sie später bitterlich bereute, denn es wurde nichts mehr daraus. Und nun bald zehn Jahre später wollte ich zumindest „mal gucken“. Nun waren wir also da, das Wetter war uns für eine gute Stunde hold, sogar kurzzeitig mit blauem Himmel bei einer steifen Brise und kostenfreien Parkplätzen in der Ortsmitte. Beim Gang Richtung Strand fiel mir eines der wenigen älteren Gebäude im Ort auf, die Kapelle „Stella Matutina“, bei deren Namen etwas im Hinterstübchen klingelte, ohne dass ich mich an Details erinnern konnte.

Kapelle als Erinnerungsstütze

Am Strand angekommen, erklommen wir die Seebrücke, die zur eher stillen Seebrücke in Ahlbeck schon in der Vorsaison quirlig und eher auf ein breites Publikum ohne güldene Löffel oder Kreditkarte aus ist. Diese betongestützte Version ist die dritte an diesem Ort, optisch erinnert nur der Eingangsbereich an die „Kaiser-Friedrich-Brücke“ von 1885. Man durchläuft eine kleine Enkaufspassage mit Gastrobereich, bevor man wieder Seeluft schnuppern kann.

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Das wunderbare Baisergetört hatte es mir absolut angetan, aber der Reisegefährte wollte partout nicht einkehren!
Bei dem starken Wind zeigten sich für die Ostsee ordentlich Wellen, die auf den breiten, Anfang März aber nur von Spaziergängern begangenen Strand, leider zogen auch bald schon wieder Regenwolken über den Horizont hinein. Als wir im Auto zurück nach Westen saßen, klatschen schon die nächsten Schauer gegen das Auto.

Als ich wieder zuhause war, bat ich unsere Tante um Details und Fotos vom Urlaub und sie lieferte!
Offensichtlich waren sie mehr als einmal in Misdroy, denn unsere Oma sieht auf den ersten Bildern jünger aus, zudem sind erst zwei von fünf Kindern zu sehen. Untergekommen waren sie wirklich beim „Morgenstern“, wie sie erzählte. Zur Kapelle gehörte ein Gästehaus, welches von Nonnen geführt wurde.

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Der erste Urlaub muss Anfang der 1930er Jahre gewesen sein, denn es sind nur die beiden ältesten Kinder auf den Fotos zu sehen, zudem ist unsere Oma Else noch dunkelhaarig.

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Beim zweiten Urlaub sind alle fünf Kinder dabei: K5 war unser Vater als Dreijähriger, K2 ist unsere Tante, K4 die zweite, mit der wir 2009 eigentlich zu viert verreisen wollten.

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Ein paar Bilder hatte ich bereits aus dem Nachlass unseres Vaters, unsere Tante schickte auch noch ein paar, die allerdings ®Tantencopy (mit dem iPad vom windows-Rechner abfotografiert wurden) sind und die ich bei nächster Gelegenheit nachreiche.

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05
Feb
17

Typveränderung

Sie kennen das, meine Damen und Herren, irgendwann ist die Frisur überarbeitungsbedürftig. Manche lassen sich vom Coiffeur ihres Vertrauens Haarverlängerungen ankleben, eine neue Farbe auftragen oder aber, das Haupthaar sichtlich kürzen. Eine Typveränderung muss her!

Auch bei unserem „Schwesterngarten“ war es allerhöchste Zeit für eine solche. Hin vom Modell „Ich glaube, ich stehe im Wald“ hin zu einem „Oh, es ist ein Garten“! Noch liegt eine Menge Arbeit vor uns, der Anfang ist aber gemacht, auch wenn das Urwaldgrün auch etwas hatte, aber leider alles andere als pflegeleicht war.garten-0

Auch im Hinblick auf den anstehenden Hausverkauf sollte der Garten etwas einladender werden, zumal auch zwei der großen Bäume überaltert und teilweise morsch waren. Die Nadelbäume waren schlichtweg zu groß. Außerdem soll man ja aus dem Haus auch wieder in den Garten schauen können und nicht nur vor eine Wand aus Nadelbaumgrün.

So rückten dann die Baumfäller mitsamt großem Gerät an!



Während ich mich mit baumarktüblichem Gerät am außer Kontrolle geratenen Kiwigestrüpp zu schaffen machte, gingen die Profis richtig an’s Werk.


Bis zum Einbruch der Dunkelheit waren eine Blau- und eine „normale“ Fichte, ein Walnussbaum, eine Kastanie, ein Apfelbaum und eine Korkenzieherweide gefällt. Die Zweige und kleinere Stammabschnitte wurden gehächselt, die beiden Anhänger waren abends gut gefüllt. Auch das Stammholz rollte vom Gehöft. Die Aufräumarbeiten zogen sich noch über den nächsten Vormittag hin, es verschwand auch der von mir produzierte Strauchschnitt, natürlich nur eine „Mädchenmenge“!



Als dann die Schwester kam, hatten wir einen wunderbaren Vorfrühlingstag im Garten und freuten uns über die ersten Boten des Frühlings.
fruehling

30
Jan
17

Alles wird gut!

Wie ging es mit unserem Erbfall weiter?
Da die Lebensgefährtin bereits Jahre vor dem Tod unseres Vaters ein eingetragenes Wohnungsrecht auf Lebenszeit bekommen hatte, waren wir in der Situation, dass meine Schwester und ich zwar Haus und Garten geerbt hatten, aber auch mit einer überaus schwierigen Belastung.
Das Wohnungsrecht war ohne weiteren Kommentare eingetragen, d.h. also auch für uns, dass die Frage, wer die Kosten trägt, auch von unserem Vater nicht bedacht worden war. Denn die gesetzlichen Grundlagen sehen vor, dass lediglich die reinen Verbrauchskosten wie Heizung (inkl. Wartung und Schornsteinfeger), Strom, Wasser, Abwasser und Müllgebühren umlagefähig sind,d.h. vom Nutznießer zu bezahlen sind. Alles weitere, was in einem Mietverhältnis zulasten des Mieters geht (Versicherungen, Grundsteuer B, etc.) würde von uns zu bezahlen sein. Keine sehr verlockenden Aussichten, dass das Haus uns Kosten verursachen würde, die wir aus unserem eigenen Einkommen gegenzufinanzieren hätten, dass somit auch keinerlei Rücklagen für Reparaturen und Unterhaltung zu bilden wären und dann das Schlimmste: da das Wohnungsrecht auf Lebenszeit ausgestellt war, konnten wir nicht einmal absehen, wie lange diese prekäre finanzielle Situation andauern würde. Eine Aufteilung des Hauses und Vermietung eines Teiles war auch nicht möglich, da die Eintragung im Grundbuch für das gesamte Haus galt.
Wir haben lange überlegt, diese Erbschaft auszuschlagen, aber für die ersten Jahre hätte das Barvermögen des Vaters als Finanzierung noch ausgereicht. Zudem hing an dem Ganzen noch ein sehr wichtiges Wegerecht, aber das ist eine andere Geschichte. Kurz und gut, es gab gewichtige Gründe, NICHT auszuschlagen, aber wir haben sehr, sehr lange nachgedacht und seitdem wir von der Eintragung wussten, auch häufig schlecht geschlafen haben.
Nun, nach der Beerdigung ging es munter weiter: unsere Versuche, etwas Ruhe in die ganze Geschichte zu bekommen, standen von Anfang an nicht gut. Wir hatten uns vorgenommen, uns als ruhige, wohl erzogene Menschen zu verhalten, um möglicherweise die Emotionen auf beiden Seiten etwas „herunterzukühlen“. Da die Dame aber stets von ihrer Korona gehässiger Freunde umgeben war, die ihr zuredeten, uns auf gar keinen Fall irgendwie einen Fußbreit entgegenzukommen, wurde jedes Gespräch zur Nervenprobe.
Alle Absprachen wurden innerhalb kürzester Zeit torpediert. Als im März Heizöl angeliefert wurde, welches wir vorfinanzieren wollten, wurde der arme LKW-Fahrer solange angeschrieen, dass sie nur 1000 l abnehmen würde, aber selber bezahlen wolle, dass er unseren Auftrag über „volltanken“ ignorierte, aber dafür lebend vom Hof kam! Das Ergebnis war, dass nicht mehr zu kalkulieren war, wieviel Öl noch im Tank war (Erbmasse!). Dies ist nur ein Beispiel… oder das Auto unseres Vaters, welches sie einfach so behalten wollte, da sie bei der Anschaffung knapp 25% des Kaufpreises vorgestreckt hatte.
Als Mitte des Jahres der Sohn überraschenderweise das Gespräch darauf brachte, dass „Omma“ ja auch nicht ewig 190 m² putzen könne und irgendwann sicher ausziehen würde, war für uns klar, dass wir die Chance auf eine Ablösung des Wohnungsrechtes die einzige Möglichkeit war, Ruhe in unsere eigenen Leben hinein- und nach 26 Jahren diese Frau endlich aus unseren Leben hinauszubekommen. Die Preisverhandlungen zogen sich noch etwas hin, aber im September war es dann soweit, dass wir eine Vereinbarung treffen konnten, die wir notariell absegnen ließen. Sie verzichtete auf das Wohnungsrecht, welches aus dem Grundbuch gelöscht wurde, sollte binnen dreier Monate aus dem Haus ausziehen. Im Gegenzug zahlten wir ihr in zwei Etappen sehr viel Geld und gehen nun getrennte Wege.
Nach der Unterzeichnung, als meine Schwester und ich draußen auf der Straße standen, schossen mir die Tränen der Erleichterung aus den Augen.
Anfang November haben wir das Haus übergeben bekommen, natürlich mit noch fiesen Kleinigkeiten, wie sehr kurz abgeschnittene Lampenkabel oder aus der Wand gerissene Gardinenstangen. Aber egal!
Wir haben seitdem alles ausgeräumt und entrümpelt, viele lustige, traurige, überraschende und tolle Sachen gefunden. So haben wir beispielsweise 268 Ausgaben der Hobby-Hefte zwischen 1955 und 1974.
Und eine Menge Arbeit natürlich, denn wir wollen die bösen Geister aus dem Haus treiben, was sich nur mit ordentlich weißer Wandfarbe erledigen lässt und demnächst mit ordentlich viel Räucherkram und einem rauschenden Fest.
Wir haben auch lange darüber nachgedacht und untereinander, auch mit der Tante viel diskutiert, ob wir das Haus behalten oder verkaufen. Wir haben uns für letzteres entschieden, denn wer in Berlin oder Hannover sitzt, kann nur schwer von Höxter aus bis dahin zur Arbeit fahren. Für eine grundhafte Renovierung fehlt uns das Geld, die Zeiten sind derzeit für Immobilienverkäufe in der Kleinstadt noch einigermaßen gut. Die demografischen Zahlen zeigen, dass das nicht so bleiben wird.
Für uns ist aber das Wichtigste, dass wir nun mit vielen Dingen abschließen und wieder zuversichtlich nach vorne schauen können!

Fundstück im Schwesternhaus

Fundstück im Schwesternhaus

31
Dez
16

Silvester oder: Früher war mehr Buffet…

Den Abschluss des Jahres 2016 begehen meine Schwester und ich gemeinsam, so wie vieles Andere auch im zurückliegenden Jahr.
Wir lassen es gemächlich angehen, Raclette in der deutschen Variante, so mit Tischgrill und Käsescheiben. Das Coctailkleid wird auch nicht angezogen, wir bleiben „casual“.
Früher wurde da glamouröser in unserer Familie gefeiert: das kalte Buffet wurde gerichtet, der Käseigel durfte nicht fehlen, der Kartoffelsalat und die Schnittchen. Ach, und die Luftschlangen mussten auch gepustet werden. Daran erinnere ich mich mit großem Spaß!
Mit ein paar Impressionen aus dem Familienarchiv wünsche ich Euch allen einen guten Rutsch, kommt gut in’s neue Jahr und feiert kräftig!


29
Nov
16

Schöner erben – unsere Oma Else

Noch immer sind wir im „schöner-erben“-Modus, meine Schwester und ich, noch immer ist nicht alles gesichtet, aber trotz mancherlei Ungemach finden sich immer wieder kleine Familienschätze, die für uns unbezahlbar sind. Hier ist wieder einer:
Unsere Oma Else hat uns ein posthumes Geschenk gemacht, sehr posthum, denn sie starb 1984. Aber sie war eine ordentliche Frau und hat in einer Schatulle einige Stapel an Papieren hinterlassen, die jetzt erst, als ihr jüngster Sohn, also unser Vater starb, an uns ging, an meine Schwester und mich.
Und zwischen diesen Papieren fand ich unsere kleine Weihnachtsgeschichte, die sich 1942 zutrug. Unser Großvater war in jener Zeit technischer Direktor einer kriegswichtigen Firma im Ostwestfälischen und somit auch in gewisser Weise eine Person des öffentlichen Lebens. Er selber hatte einen politischen Hintergrund, den man mit „aus der katholischen Arbeiterschaft stammend“ umschreiben kann und somit hat er sich nur auf Drängen den machthabenden Organisationen angeschlossen, offensichtlich erst immer, wenn es nicht mehr anders ging. Unsere Tanten erzählten uns davon, aber inzwischen können wir dieses auch in Papierform nachweisen. Hiermit gilt einmal der Dank an unseren Vater, dass er nichts weggeworfen hat!
Zurück zu unserer Oma Else: 1942 wurden auch bei ihrem Mann die Daumenschrauben einmal wieder angezogen, dass auch das letzte Familienmitglied in eine der braunen Organisationen eintreten sollte. Das war seine Frau, unsere Oma Else. Vier der fünf Kinder waren inzwischen bei den Jugendorganisationen eingefangen, nur sie war nirgendwo Mitglied. Das sollte sich ändern, befand man in der Stadt. Else bekam also Besuch von einer Frau Kaiser, die die Aufnahme und auch gleich das Erheben der Beitrittsgebühren besorgen sollte. Else wurde also gefragt, wie sie sich engagieren wolle, wollte Else aber nicht, sondern sie gab an, nur zahlendes Mitglied sein zu wollen. Dieses wurde natürlich weitergegeben. Schön, dass unsere Oma Jahre später eine Art Aktennotiz zu der ganzen Sache schrieb. else_3
Kurz vor Weihnachten 1942 bekam sie dann einen Brief, dass ihr Antrag abschlägig beschieden sei, sie würde nicht Mitglied in der NS-Frauenschaft werden.


Auf der Rückseite des Briefumschlages ging man offensichtlich zur Tagesordnung über: die Abrechnung vom Einkauf! Die Weihnachtsgans schlug mit 23 Mark zu Buche, Wurst, Speck, Leberwurst und Brot, summa summarum 30,10 Mark.
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Von den Kommentierenden gab es einen berechtigten Einwand, nämlich den Hinweis auf die Lebensmittelkarten, die 1942 natürlich in Gebrauch waren und dem Preis. Nicht nur Fleischwaren waren rationiert.

Die Schrift auf der Briefrückseite ist nicht von meiner Oma, ich werde recherchieren!

12
Nov
16

Unser Haus

So, ab und zu werde ich nun doch etwas zu den Erlebnissen berichten, die meine Schwester und mich besonders beschäftigt haben, unter der Überschrift „schöner erben“.


Es ist in den letzten Monaten ja schon angeklungen, dass unser Vater verstorben ist und uns ein „nettes“ Erbe hinterlassen hat: das Haus unserer Familie mit einem Wohnungsrecht, welches er seiner Lebensgefährtin bereits 2012 eingeräumt hatte. Grundsätzlich ist es auch in Ordnung, wenn der überlebende Partner/die Partnerin in einer Lebensgemeinschaft abgesichert oder bedacht wird. Aber bitte doch nicht auf unsere Kosten, die den Unterhalt des Hauses aus ihrem eigenen Lebensunterhalt dafür bestreiten sollten ohne über die Immobilie frei verfügen zu können. Wenn wir ein fettes Aktienpaket oder die Kronjuwelen von Großbritannien geerbt hätten, kein Problem, aber haben wir halt nicht. Im Übrigen hätte die Dame die laufenden Kosten aus der Rente des ersten, verstorbenen Ehemannes durchaus selber bestreiten können. Um es klarzustellen: es ging um die Nebenkosten, die man bei Mieten auf die Mieter umlegen kann, diese hätten sich bei einer Wohnfläche von etwa 180 qm auf ca. 400 € inkl. Strom und Heizung belaufen.
So kamen wir zu einem Haus mit Grundstück, das uns nun mit den Begleitumständen seit mehr als drei Jahren Sorgen bereitet hat. Meine Schwester und ich haben schon lange vor dem Tod unseres Vaters überlegt, ob wir das Erbe antreten sollten oder nicht. Da aber an dem Erbe auch noch Wegerechte zum Grundstück unserer Tante hängen, haben wir uns nach schlaflosen Nächten zu einem gemeinsamen Weg entschlossen. Gespräche mit unserem Vater und seiner Partnerin verliefen ohne greifbares Ergebnis für uns, waren von Schreiereien der Dame und von irrationale Vorwürfen an unsere Adresse („ihr habt doch als Kinder Musikunterricht gehabt!“) begleitet. Selbst der Steuerberater unseres Vaters war ratlos, nachdem er einen Blick in das Testament unseres Vaters geworfen hatte. Der Vater hatte neben dem Wohnungsrecht von uns, seinen Erbinnen, auch verlangt, dass wir das Haus für kommende Generationen erhalten, die Familiengrabstätte für immer und ewig erhalten (und nachkaufen). Jaha, für die Stammburg und die Erbgrablege…
Schade nur, dass er an dem Haus (Baujahr 1953) weder etwas für die energetische Sanierung noch sonstige Erhaltung getan hat. Tapezieren zählt nicht dazu, nur so zu Information. Und in den letzten fünfzehn Jahren, in denen wir ihn immer einmal gefragt haben, ob er nicht in kleinen Schritten die Sanierung beginnen wolle? Schließlich hatte er seitdem Hausbau durch seine Eltern hier mietfrei gewohnt. Jedes Mal wurden wir barsch zurückgewiesen und zum guten Schluss bekamen wir das Haus mit Bewohnerin vererbt, verbunden mit der Aufforderung des Vaters in seinem Testament, ihr einen Platz im Familiengrab zuzugestehen. Zum Glück haben weder meine Schwester noch ich selber den Wunsch, jemals an der Seite unserer Eltern und der Partnerin bestattet zu werden! Vater, geschenkt!
Die Dame weigerte sich, auch mit anwaltlicher Unterstützung, die für Mieter üblichen Nebenkosten an uns zu zahlen, lediglich ihre unmittelbaren Verbrauchskosten wie Öl für die Heizung, Wasser, Abwasser und Müllgebühren zahlte sie nach unendlichen Streitereien und mehrfacher Aufforderung. Der Punkt war, dass in der Urkunde über die Einräumung des Wohnungsrechtes dazu keine weiteren Bedingungen verbunden waren. Bitter war auch, dass man das Haus, hätte unser Vater langwieriger Pflege bedurft, nicht einmal zur Deckung von Kosten hätte verkaufen können. Kein Wunder, dass meine Schwester und ich viele schlaflose Nächte hatten, lange bevor der Erbfall nun wirklich eingetreten war.
Relativ bald nach dem Tod unseres Vaters und seiner Beerdigung (das wird irgendwann noch ein eigener Eintrag hier) saßen wir mit der Frau und ihrem Sohn aus erster Ehe zusammen, um Dinge zu klären. Wir wurden darüber informiert, dass die Dame nicht neben meinem Vater dereinst bestattet werden wolle. Und im Übrigen meinte der Sohn, dass seine Mutter nicht dauerhaft alleine in dem großen Haus leben könne, und er überdies keine Lust habe, sich dauernd um Reparaturen und Hilfewünsche seiner Mutter zu kümmern. Wir sollten uns einmal überlegen, ob wir sie nicht aus dem Haus herauskaufen wollten, nicht sofort, aber in ein paar Jahren.
Da aber die kommenden Monate geprägt waren von Streitigkeiten um die Kosten und Post vom gegnerischen Anwalt pünktlich vor den Wochenenden, beschlossen wir, in den sauren Apfel zu beißen, und, um auch selber endlich freie Hand zu haben, der „gegnerischen Partei“ das Wohnungsrecht abzukaufen. Die zu zahlende Summe lässt sich aus dem Wert des Hauses und der sogenannten Sterbetafel des statistischen Bundesamtes berechnen. Gemäß dieser statistischen Berechnung liegt ihre Lebensdauer bei einem Alter von 79 Jahren noch bei 9,86 Jahren. Noch knapp 10 Jahre Ärger bei gleichzeitigem Preisverfall des Hauses in einer Kleinstadt im Ostwestfälischen? Nein. Wir entschlossen uns, die Sache mit der Zahlung von Geld zu beenden. Nach mehreren Monaten erzielten wir endlich eine Einigung. Meine Schwester und ich bereiteten einen Vertrag vor, den wir bei einem Notar mit der Gegenpartei im September abzeichneten. Wir würden ihr einen Betrag in fünfstelliger Höhe auszahlen, während sie auf das Wohnungsrecht verzichtete, in dessen Löschung aus dem Grundbuch einwilligte und bis zum Ende Oktober aus dem Haus ausziehen würde.
So ist es inzwischen geschehen, meine Schwester und ich sind zwar „blank“, aber doch erleichtert, denn nun können wir über das Haus verfügen. Über den Winter wollen wir Haus etwas aufhübschen, den Garten von den größten Nadelbäumen befreien und dann im Frühjahr mal weiterschauen… Nein, keine von uns wird dort einziehen, wir wohnen und arbeiten in Hannover und Berlin.
Vielleicht holen wir uns noch eine Shamanin, um die bösen Schwingungen auszuräuchern!




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