Archive for the 'Geschwurbel' Category

15
Aug
17

Spreewaldgurken

Immer noch treibe ich mich in der Niederlausitz herum, etwas nordwestlich des eigentlich Spreewaldes, der Heimat der Spreewaldgurke.


Ich kannte zwar den Begriff „Gurkenflieger“, aber so nahe habe ich noch keinen gesehen. Es ist im Prinzip ein Traktor mit zwei langen Ausliegern, auf dem auf jeder Seite bis zu 30 Erntearbeiter liegen, die die Gurken per Hand ernten. Kopf runter, Arme runter und dann jeden Tag wohl so um die acht Stunden. Hier bei Zützen arbeiten nur zumeist junge Leute aus Polen und Rumänien. Sie werden frühmorgens mit einem ausgemusterterten Linienbus zur Arbeit gefahren, mit dem sie nach Feierabend auch zum Einkaufen gefahren werden. Inzwischen bekommen die Saisonkräfte immerhin auch den deutschen Mindestlohn. Dennoch: Es steckt viel Arbeit, Schweiß und sicher auch schmerzende Arme und Schultern im Gurkenglas und -eimerchen. Also, esst die leckeren Cornichons, die Gurkenhappen, die Senf-, Dill- und Gewürzgurken mit Bedacht!

26
Sep
16

Die Tuxi meines Vaters – Teil 2

Die Minikamera unseres Vaters hatte uns ein Rätsel aufgegeben, das es galt zu lösen.


DER FILM! Ob er sich noch entwickeln ließ? Und noch viel spannender: würde etwas zu erkennen sein?
Während meines Urlaubs war der Film also in der Entwicklung und heute habe ich ihn abgeholt. Auch der Chef des Fotoladens war sehr gespannt, ob die Entwicklung uns des Rätsels Lösung näher gebracht haben könnte, wie der Blick auf die Papiertüte zeigt, war der Entwicklung mindestens ein Telefongespräch zwischen Fotoladen und Labor vorangegangen.
tuxi-7
Mangels Leuchttisch musste der Filmstreifen am Fenster hinterleuchtet werden, ein wenig profimäßig ist wenigstens mein Fadenzähler mit zehnfacher Vergrößerung.


Viel war zunächst nicht zu erkennen, das Auffallenste war das „Schneegestöber“ verhieß nichts Gutes! Aber dann sah ich Beine… Beine mit Sandalen. Und auf einem Bild waren Häuser zu erkennen. Nichts, was ich auf Anhieb zuordnen konnte. Etwas Enttäuschung kam schon auf, um ehrlich zu sein.
Zum Glück habe ich einen etwas angejahrten Scanner, der über eine gute Auflichteinheit verfügt, mit dem ich also die Negativstreifen scannen konnte. Spannung pur!
Mehr Schneegestöber, aber endlich auch die ersten Umrisse. Eine Häuserzeile und das Gitter auf dem Balkon in Höxter, der von unserem Haus. Welcher von beiden? Der vordere oder der hintere zum Garten hinaus? Schwer zu sagen, die Hausecke… Ach, das Bild muss gespiegelt werden, dann waren schon einmal die Hausecke, das Balkongitter und das Nachbarhaus an der richtigen Stelle. Drei Fotos mit demselben Motiv.
1973-haeuser
1973_balkon-1
1973_balkon-2
1973_balkon-3
Aber es dauerte noch eine Weile, bis sich endlich für mich das Rätsel auflöste und sich die beiden Paar Füße zuordnen ließ.
Dankenswerterweise hat unsere Tante die beiden Fotoalben mit Kinderbildern, die sie mir und meiner Schwester schenkte, Seite für Seite abfotografiert, damit jede eine digitale Version des jeweils anderen Albums hätte. So ist das Schuhwerk der beiden folgenden Fotos hilfreich für die Identifikation der Tuxi-Fotos.


Somit ist des Rätsels Lösung: Auf den Fotos im Film aus der Tuxi unseres Vaters sind meine Schwester und ich zu sehen, aufgenommen 1973, als sie etwa anderthalb Jahre alt war und ich somit viereinhalb.
Und damit hat uns unser Vater posthum ein unverhofftes, ganz großes Geschenk gemacht.

14
Sep
16

Da haben wir den Salat!

Im westlichen Teil der Provence erstreckt sich das Luberon, ein mitunter fast einsamer Teil der Provence. Kleine Dörfer auf Felsabhängen, durch enge, kurvige Landstraßen verbunden, dazwischen krüppelige Wälder mit Eichen, Kastanien und Ginsterbüchen. Trotz magerer Böden wird mitunter intensive Landwirtschaft betrieben, sofern dies in den Tälern möglich ist. Ansonsten ist die Gegend natürlich auch für ihren Lavendel und dessen wirtschaftlich interessanteren (aka mit höheren Erträgen lockenden) Lavendin bekannt. Heute knallte die Sonne nicht so vom Himmel wie in den letzten Tagen, daher wollten wir eigentlich in einer der kleineren Schluchten wandern gehen. Auf dem Weg zur Gorge d’Opedette fuhren wir an einem eigentümlichen Feld mit lustigen weißgrauen Plastikzipfelmützen vorbei. Da musste natürlich angehalten werden, um der Sache auf den Grund zu gehen!
Der beste aller Reisegefährten hielt an, ich sprang aus dem Auto und stapfte Richtung Feld.

Zipfelmützen!

Zipfelmützen!


Aha!

Aha!


Des Rätsels Lösung!

Des Rätsels Lösung!


Auf dem Feld warteten tausende von Salatköpfen unter diesen Abdeckungen auf die Ernte, offensichtlich sind diese Zipfeldinger ein Schutz der Pflanzen vor dem Austrocknen und der Sonne. Ohne Bewässerung kommt der Salat zwar auch nicht aus, aber sicherlich braucht es auf diese Weise viel weniger wertvolles Wasser. Und der Salat bildet auch richtige Salatköpfe aus und schießt nicht „in’s Kraut“.

11
Sep
16

Frühstück

Das Bäckerhandwerk in Frankreich drohte von der Übermacht der Supermarktbäckereien von Platz gefegt zu werden, in vielen Dörfern war der Bäckerladen der letzte, der seinen Laden schloss. Schließlich entsann man sich aber doch, auch mit politischer Unterstützung, dass das frische Baguette unter’m Arm so etwas wie ein immaterielles Weltkulturerbe ist. So wurde der „Boulanger artisinale“, also der handwerklich arbeitende Bäcker mit eigener Backstube, wieder entdeckt. Auch in Forcalquier gibt es in der Ortsmitte einen solchen, bei dem man im winzigen Ladenlokal in der Schlange während des Wartens auf die Flute, auf das Baguette, das petit pain au chocolat oder das Croissant pur beurre durch die Tür bis in die Backstube, im Idealfall sogar bis in den Ofen schauen kann.
Und auch noch etwas gehört zum „echten“ Bäcker resp. zur echten Bäckereifachverkäuferin oder Bäckersgattin: die Tüte mit den Croissant wird mit elegantem, fließenden Schwung zu zwei Zipfelchen verschlossen.

Nur echt mit den gezwirbelten Zipfelchen!

Nur echt mit den gezwirbelten Zipfelchen!


Und nach dem Gang zum Bäcker eilt man nach Hause, kocht einen Kaffee und genießt ein Croissant oder ein petit pain au chocolat mit einem Café au lait in der Bolle. Am besten draußen unter dem Blätterdach mit Blick über die Hügel der Haute Provence und für die Vitamine mit geschenkten Weintrauben, gekauften Feigen und mundgeraubten Brombeeren.

25
Aug
16

Die Tuxi meines Vaters

Gut Ding will Weile haben. Dieser Allgemeinplatz passt auch gut auf so manche Dinge in der Nachlassregelung unseres Vaters. Noch längst ist nicht alles erledigt, das Gute an der Sache, um das vorweg zu schicken, ist die Tatsache, dass meine Schwester und ich uns bisher um nichts untereinander gestritten haben. Und das ist auch gut so, um da mal ein oft kolportiertes Zitat aus Berlin zu bringen.

Aber zurück zu einer echt kleinen Sache, die in einem der recht prall gefüllten Schränke schlummerte: es ist eine Miniaturkamera.
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Diese Kameras wurden in den 1950ern bis in die frühen 1960er Jahre von einem Lieferanten aus Frankfurt/M., Walter Kunik, vertrieben, aber von unterschiedlichen Herstellern produziert. Diese hier ist eine „Tuxi“ aus dem Jahr 1960. Ausgestattet ist sie mit der „achromatic“ Linse (25 mm) von Röschlein in Kreuznach. Zwischen 90 cm und unendlich konnte alles dazwischen scharf fokussiert werden. Verkauft wurde die Kamera mit einer Makrolinse zum Aufstecken, Gelbfiltern und Lederbehältnissen. Diese hier kann auch mit einem Blitz betrieben werden, ein Fuß ist aufgeschraubt. Der Auslöser hakt ein wenig.
Bisher haben wir keine weiteren Teile gefunden, aber es ist noch nicht aller Schränke Abend.
tuxi 2
Ich habe die Kamera nun seit knapp drei Wochen bei mir hier und gestern abend eine Überraschung entdeckt: es ist noch ein Film darin! Und zwar ein belichteter!
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Eingelegt war ein winziger Rollfilm von 17 mm Höhe, der 16 Bilder von 14 x 14 mm erbrachte. So habe ich vorhin den Film zu einem Fotogeschäft gebracht mit der Bitte um Entwicklung. Ich bin gespannt, ob da etwas herauskommt, denn der Film müsste ja seit etwa 50 Jahren in der Kamera ruhen. Und da die Kamera immer im Schrank lag, also relativ kühl und dunkel bin ich vorsichtig optimistisch.
Also, bleiben Sie dran, das ist ein Beitrag mit Fortsetzungspotential!
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Update vom 6.9.2016: Der Film ist nach Rücksprache mit dem Herrn im Fotogeschäft nun wirklich in die Entwicklung gegangen… Mehr nach meinem Urlaub…

15
Aug
16

Strausberger Platz

An einer sechsspurigen Straße zu wohnen, scheint auf den ersten Blick nicht besonders erstrebenswert, aber man muss Wohnungen auch eine Chance geben, in einer Großstadt sowieso. Freunde von mir haben ihre Wohnung in einem architektonischen Kleinod gefunden, ganz ohne Makler, nur über eine Wohnungsbaugesellschaft, einfach so. Und der Ausblick ist einfach grandios und einen Springbrunnen hat auch nicht jeder vor dem Haus.
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Lichtspiele von Sonne und Wolken veränderten die Ausblicke in jeder Minute. Da wir aber plauderten und kaffeesierten, blieb die Knipse meist in der Tasche.

05
Aug
16

Feines Fädchen

Gerne schaue ich ja im Stopfblog vorbei und denke mir immer, dass ich doch auch in meinen Schränken und Schubladen so manches Stück habe, welches von geschickten Fingern gestopft wurde. Zumeist habe ich keinen Fotoapparat zur Hand, wenn mir so ein Gespinst durch die Finger schlüpft. Aber gestern beim Bügeln passte alles: der Kopfkissenbezug war geplättet und der Fotoapparat in Griffweite.
Er hat die ungewöhnlichen Maße von 80 x 50 cm, wurde einst, vielleicht nach dem 2. Weltkrieg, wohl aus einem Tischtuch genäht. So konnte man sich auch in schlechten Zeiten auf Rosen betten, ich kann das sogar drei Mal. Nur ein Kissenbezug wurde gestopft, eine feine Nadelarbeit. Auch wenn keines meiner Kissen wirklich gut hineinpasst, werden sie immer mal wieder benutzt.


Frau lakritze gewidmet…




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