24
Jun
15

Moesgaard Museum Aarhus

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Wie in die Landschaft hingegossen, liegt der gewaltige Neubau des Museums Moesgard zwischen Hügeln und Himmel. Die Außenstelle des Nationalmuseums Kopenhagen wurde im letzten Herbst eröffnet und lockt die Besucher in Scharen. Uns auch. Da heute die meisten Autofahrer mit elektronischer Navigationshilfe fahren, ist es offensichtlich nicht notwendig, eine großartige Beschilderung auf der Straße als Hilfe anzubieten, der Däne an sich scheint das Museum auch so zu finden, einige Kilometer außerhalb von Aarhus (seit 2011 nicht mehr Århus wegen des Sonderzeichens und dem Internet).
Moesgaard Museum_02Die Sonne schien, der Wind wehte, die Wolken zogen über den Himmel, aber die Archäologie zog mehr. WNatur, Kultur, Arkitektur” weiterlesen ‘Moesgaard Museum Aarhus’

18
Jun
15

Blau

Auch wenn der Himmel grau ist, blaut es an der Hauswand. Der Mohn ist mit der Hauswand farblich eine symbiotische Verbindung eingegangen.

17
Jun
15

Seebüll – Emils und Adas Garten

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Der Regen fiel vom grauen Himmel, ohne Unterlass. Als Urlauber geht man bei solchem Wetter am besten in ein Museum. Da erschien uns Seebüll mit dem Haus Emil Noldes ein geeignetes Ziel. Überall bei Niebüll im Nordfriesischen finden sich Hinweisschilder und so kamen wir trotz tiefhängender Wolken und Regenschleiern schnell ans Ziel.
Emil Nolde und seine Frau Ada hatten die Warft 1926 gekauft und hier das neue Haus nach Noldes Entwürfen bauen lassen, Wohn- und Werkstatt zugleich. Um das Haus entstand nach den Plänen Noldes ein Garten. Der Besitz, Haus und künstlerischer Nachlass gingen nach dem Tod Noldes in eine Stiftung ein, die heute Haus und Werk zugänglich macht.
Bevor man aber Haus und Garten anschauen kann, wird der Besucher durch das neue Museumsgebäude mit großzügigem Shop, Restaurant und eher kleinem Museumsbereich. Mit einem sehr ausführlichen Film über Leben und Werk Noldes wird der Besucher dann in die Ausstellung entlassen. Die eigentlich Werkschau findet jedoch im ehemaligen Atelier statt, Teile des Wohnhauses sind ebenfalls zu Ausstellungszwecken umgebaut, was ich insofern bedauerlich finde, da von der einstigen Hausaufteilung nur noch wenig zu erkennen ist, die Holzböden sind mit Teppichen ausgelegt, die Fenster sind verhängt, da die ausgestellten Bilder natürlich bei Dauerbelichtung Schaden nehmen können. So ist dem Besucher jedoch der Blick auf die Landschaft und den Garten verwehrt, dieser Blick ist jedoch wesentlich, um die Verbindung zum ausgestellten Werk Noldes herstellen zu können.
Im Bildersaal sind in mehreren Reihen enggehängt Ölgemälde zu sehen, in den sich anschließenden Räumen die Aquarelle, darunter auch ein Teil der “ungemalten” kleinteiligen Arbeiten aus der Zeit zwischen 1941 und 45 sowie die religiös inspirierten Werke.
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Der Garten, der die Initialen A und E in den Wegen aufnahm, zu dem auch das kleine reetgedeckte Gartenhäuschen gehörte, wirkt auf mich in Teilen irgendwie recht neu, nicht so, als befände er sich bereits seit Jahrzehnten am Ort. Für die Bäume und Gehölze trifft das nicht zu, dennoch… Im übrigen war es gar nicht so einfach, mit Regenschirm und Kamera zu hantieren und trotz Windboen und Regen den Blumen ihr schönstes Foto zu entlocken.
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07
Jun
15

Stadt der Baumkuchen – Salzwedel

Die Zubereitung eines Kuchens auf einem Spieß, über einer größer werdenden Teigrolle vor offenem Feuer dünkt ja irgendwie mittelalterlich, in Salzwedel lebt aber bis heute eine ganze Berufssparte von der Herstellung der Spezialität, die inzwischen auch von der EU mit „geschützter geografischer Angabe“ geadelt wurde. Ich war gespannt auf das Städtchen und natürlich auch auf die Baumkuchenbäckerei ebenda. Knapp außerhalb der Altstadt, sozusagen im Schatten eines der Stadttore, des Neuperver Tores ließen wir das Auto stehen und machten uns zu Fuß weiter in die Stadt auf.
Salzwedel nennt sich übrigens wieder „Hansestadt“, seit 2008 sind sie im Verbund der neuen Hansestädte aufgenommen. Der Hanse sind auch die „Wasserspiele“ gegenüber vom Rathausturm gewidmet, die Städtenamen sind auf Metallplättchen geprägt, die den Rand bilden.
In der Stadt bemerkt man eine angenehme Munterkeit, die sich auch darin äußert, dass man bei der Stadtplanung erkannt hat, dass das vollständige Verbannen des Autoverkehrs aus einem historischen Stadtkern doch nicht so hilfreich für kleine Geschäfte und Dienstleister ist, wie das in der Frühzeit der Fußgängerzonen gesehen wurde. So ist dank eines klugen Einbahnstraßen- und Spielstraßensystems der Durchgangsverkehr zwar beruhigt, dennoch ist auch die Innenstadt per Auto erreichbar.


Und so haben mehr kleine Geschäfte überlebt, als ich in einer kleinen Kreisstadt erwarten hätte. Allenthalben wird in den Cafés auf die lokale Spezialität „Baumkuchen“ verwiesen. So schlenderten wir durch die kleinen Straßen und gelangten auch zum offensichtlichen „Big Player“ im Baumkuchengeschäft: Kruse Baumkuchen, die als besondere Attraktion eine Besichtigungstour entlang der hauseigenen Produktion anbieten. Kurios ist allerdings, dass der neugierige Besucher nicht nur schauen darf, sondern vor Befriedigung der Neugier erst einmal 1 € in eine Besuchervereinzelungsanlage mit Drehkreuz werfen sollte. Zum Glück hatte der Reisegefährte kein Kleingeld, daher würde ich mich alleine „zu Grütze“ ärgern! Das Quittungspapier war auch ausgegangen, Kleinkram, aber es hätte mich warnen sollen. Ich drehte noch frohgemut das Kreuz und befand mich mitten in der Welt der spiegelnden Scheiben. Auf der rechten Seite hätte ich aber schon muntere Kuchenbäcker sehen sollen, die den Teig aus Butter, Eiern und Mehl unter Zugabe von Zucker, aber ohne Backpulver vorbereiteten. Niemand, nur spiegelnde Edelstahloberflächen.

Ich las den erläuternden Text und ging zum nächsten Fenster weiter. Wieder niemand, der Edelstahlquirl in der großen Rührmaschine hing gereinigt an der Maschine. Noch ein Fenster weiter: wieder niemand, kein backendes Gebäck, nur leere Baumkuchenrollen, alles wohl gereinigt. Zum Schluss dieser enttäuschenden Tour wurde ich direkt vor die langen Verkaufstresen im angeschlossenen Café geleitet, Baumkuchen in knisterndem Glitzerpapier allenthalben. Die Baumkuchenfachverkäuferin sah mich auffordernd an. Aber so nicht, gute Frau! Ich formulierte höflich meine Enttäuschung ob der fehlenden Animation an der EU-geadelten Backfront und schloss die Frage an, ob ich denn dann meinen Euro als in Form eines um genau jenen reduzierten Einkaufes wieder bekommen würde? Die Dame verzog das Gesicht und teilte mir mit, dass man wohl dort gerade Mittagspause habe. Mittagspause? Ehrlich gesagt sah die Backstube aus, als ob sie eher Pfingstpause hätten. Ach ja, und im Übrigen, fügte sie hinzu, würde da ja ein Schild darauf hinweisen, dass in den Mittagspausen niemand Baumkuchen backen würde. Ich verneinte, es gab keinen Hinweis vor dem Drehkreuz. Jetzt war sie am Ende mit dem Verkaufslatein, dachte ich. Nein! Jetzt wurde der argumentative Hammer hervorgeholt: man habe mit denen ja auch gar nichts zu tun, sie seien hier schließlich das Café. Ahhh! Ich lachte sie einfach aus und meinte dann, dann wolle ich ihren Kuchen auch gar nicht mehr. Sie möge ihren Chef zu solchen Fachkräften aber bitte beglückwünschen. Vielleicht bin ich ja als Einzelkunde einfach zu wenig Kunde, denn man scheint eher auf busladungsweise Kaffeefahrten zu warten. Dann warten Sie mal weiter, Firma Kruse! Und die Website baumkuchen-kaufen.de zu nennen, spricht auch eine deutliche Sprache, gell?

Meinen Baumkuchen habe ich später bei der Konkurrenz gekauft, da durfte ich sogar bei einer sehr netten Baumkuchenfachverkäuferin probieren!
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06
Jun
15

Herrenhaus Münchehofe, lost place

richensa:

Der Ausflug, verbunden mit einem Kulturpicknick in einer wunderbaren Runde, während derer bei mir der Begriff “elegische Landpartie” in meinem Kopf Gestalt annahm, der inzwischen meine Lieblingskategorie hier in diesem Blog ist.

Ursprünglich veröffentlicht auf Erinnerungsengramme:

Manche Gebäude erzählen am meisten von ihrer Geschichte, wenn sie nicht frisch renoviert sind, sondern eher im Bettlergewand lauthals um Hilfe rufen. So ging es mir auch mit dem Herrenhaus in Münchehofe, als ich es am letzten Wochenende besuchte.
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Vor einiger Zeit flatterte mir eine e-mail in den Postkasten, in der zu einer Klanginstallation in einem leerstehenden barocken Herrenhaus in den Weiten Brandenburgs einlud. Das wollte ich sehen, das barocke Herrenhaus. Denn im besten Falle sind derartige Gebäude in Privatbesitz oder, viel häufiger, in derart schlechtem Zustand, dass der Zutritt aus baulichen Gründen verboten ist.
Seit einiger Zeit ist das Herrenhaus in Münchehofe, soweit zu erfahren war, in Privatbesitz. Ob Instandsetzungsarbeiten bereits begonnen haben, ist derzeit nicht zu erkennen, aber die Idee mit der Klanginstallation gibt bis Ende Juli die Möglichkeit, das Haus zu sehen.
Als ich es da stehen sah, am Rande des Dorfes, wirkte es ganz und gar…

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06
Jun
15

Die Mumie von K.

Friedrich Christian von Kalebuz ist unter diesem Namen kaum bekannt, wohl aber als „Ritter Kalbutz“ ist er in den Erzählungen meiner in der Nähe Berlins als Kinder der DDR aufgewachsenen Freunden wohl bekannt. Sie fuhren klassenweise dorthin und bestaunten die nackte Mumie des Mannes, der da unter Glas in seiner leicht verschrumpelten Herrlichkeit zu Gruseln und Kichern einlud.


Das Dorf Kampehl bei Neustadt an der Dosse lebte von seiner lange verstorbenen Anziehungskraft, denn so zeigte man den Kindern was lügnerischen Großgrundbesitzern passiert, die den armen, aber braven Bauern betrügt oder wie hier die Sage erzählt, den braven Bräutigam der Maid ermordet, die sich dem angeblichen „Recht der ersten Nacht“ des virilen Junkers entziehen wollte. Und das sollte ihnen gehörigen Respekt vor den Tugenden des Arbeiter- und Bauernstaates einflößen. Der „liebe Gott“ meiner Kindheit samt Beichtzwang in der katholischen Kirche war nicht so weit entfernt, so rein modellmäßig. Letztens sagte meine Freundin Frau Vau voller Inbrunst, dass sie doch so gerne mal wieder nach Kampehl wolle, dass ich nun auf der Rückfahrt von Lüneburg, die als „elegische Landpartie“ über mehr oder weniger stark befahrene Landstraßen führte, darauf bestand, jenen berühmten Ritter endlich einmal zu sehen. Rund um die mittelalterliche Feldsteinkirche schmücken sich diverse Cafés, DDR-Nostalgie-Scheunen, Rittersaal- und Töpfereigaststätten mit dem Namen des Ritters, angesichts des prächtigen Pfingstwetters waren auch alle wohlbesetzt von Familien, Motorradfahrern und Oldtimerbesitzern. Wir wollten aber nicht einkehren, sondern nur dem Freiherrn einen Besuch abstatten, aber so einfach ging das gar nicht. Vor der winzigen Einmann-Gruft des 18. Jahrhunderts an der Nordseite der mittelalterlichen Kirche saßen auf den Bänken schon etwa 20 Neugierige, die auch durch die Gruft geführt werden wollten. Mir war angesichts der geringen Größe der angebauten Gruft schon klar, dass kaum mehr als der Freiherr unter seiner Glashaube und eine sehr kleine Gruppe hineinpassen würden, viel Luft war sicher auch nicht mehr vorhanden, nur das kleine Fensterchen mit Gitter lässt ja Frisches hinein. Schließlich kam die letzte Gruppe aus dem kleinen Gelass, das Führungspersonal bestand auf einer Pause mit Getränk und Stulle, aber so war mir ein Blick hinein möglich. Der arme Freiherr, so ganz alleine liegt er da in einem barocken Sarg unter dem Glasdeckel, keine Familie, nur neugierige Gruselwillige. Die Motorradfahrercombo überschlugen, ebenso wie ich, wie lange man wohl warten müsse, bis man für den Obolus von 3 € die vermutlich wissenschaftlich kaum haltbaren Geschichten hören können würde. Ein echtes Geheimnis sind ja diese neuzeitlichen Mumien nicht, wie das Schild an der Zugangstür reißerisch ankündigte. Die Zutaten sind überschaubar: in der frühen Neuzeit bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts war es in Adels- und Bürgerkreisen geradezu Mode, die lieben Verstorbenen nicht mehr der Erde zum Vergehen zu überantworten, sondern stellte sie in oftmals reich verzierten Metallsärgen, manchmal auch in reichverzierten Holzsärgen, die innenliegend oftmals noch den Zinn-/Zinksarg enthielten. In den Särgen lagen oft Schüttungen von gerbsäurehaltigen Holzspänen unter den Leichen, die einerseits austretenden Flüssigkeiten auffingen, aber auch antiseptisch, wie auch die Metallsärge, und somit der Verwesung entgegen-, wirken. Nun war noch wichtig, dass die Gruft über ein ausgeklügeltes Belüftungssystem verfügte, die ausreichend kalte und trockene Luft zirkulieren ließ. Kurz und gut, wenn alle Voraussetzungen erfüllt sind, funktioniert die Mumifizierung auch weitweitwech vom alten Ägypten sehr gut. Hätte ich mal den vielen Besuchern erzählen sollen und dafür einen Euro kassiert…

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Kampehl, Koordinaten: 52° 52′ N, 12° 28′ O

05
Jun
15

Trainspotting

Manchmal bin ich ja auch mal zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Meinen gewohnten Zug nach Hause konnte ich heute aus Zeitgründen nicht nehmen, aber zwei Stunden später fährt ja wieder einer. Die Tram holte mich pünktlich am Dienstboteneingang ab, wir zockelten durch sommerlich heiße Halle zum Bahnhof. Obwohl mein Blick berufsmäßig oft zu Boden gerichtet ist, schaute ich heute frohgemut nach oben und es lohnte sich:

Blick nach oben

Blick nach oben


Ein Zweiergespann zweier Dampflokomotiven hatte im Hauptbahnhof der Halloren Halt gemacht, ein grüner Wagon und eine dritte Lok jüngeren Alters vervollständigten den munteren Reigen. Dunkler Rauch kräuselte aus dem Schornstein der ersten Zugmaschine, die auch noch einen beachtlichen Kohlehaufen im Tender mit sich führte. Ich hastete den Bahnhofsvorplatz mit meinen drei Taschen und dem Rollkoffer hoch, ein Blick auf die Uhr versicherte mir, dass ich noch ca. 20 min bis zur Abfahrt des eigenen neumodischen ICE haben würde. Ab in den Aufzug zu Gleis 8, das mobile Fotogerät war in Griffweite. Eine kleine Truppe professioneller Trainspotter mit beigen Hosen über weißbestrumpften Beinen in praktischem Schuhwerk, dafür mit schwerem Fotogerät ausgestattet, hatte sich schon in optimaler Schussposition aufgestellt. Ich Unprofi schoss mit der Knipse des Telefoniergerätes und erntete prompt stirngerunzelte Aufmerksamkeit mit meinem roten Rollkoffer.
Ich war rechtzeitig da, um zu sehen, dass wirklich mit reiner Muskelkraft und Kohlenschippe die Kohle in den Brennraum der Lok geschaufelt wurde.
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Ein schrill-wohltönender Pfiff und der Konvoi setzte sich ganz langsam in Bewegung. Hach!

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Als ich meinen Rollkoffer und mich wieder in die andere Richtung in Gang setzte, lief einer der echten Trainspotter an mir vorbei und schaute zu mir. Ich: „Ach, war das schön.“ Er, leicht abwertend: „Naja…“ Püh! Ich fand’s schön!

Dieser Blogeintrag ist dem legendären Lokfriedhof in Frankfurt/Oder gewidmet, den Frau Indica vor Jahren mitsamt toller Fotos in der Frühzeit von q*pe postete, damals ca. 2006 und den ich ein paar Monate später besuchte.




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