04
Dez
16

Raureifwunderland an Fulda und Werra

Das Wochenende hat mit den tiefen Temperaturen, dem Nebel und der nachfolgenden Sonne dafür gesorgt, dass ein weißes Raureifwunderland nach draußen lockte. Entlang von Fulda und, kurz bevor die Werra den „Kuss“ mit der Fulda zur Weser vollführt, ging es am Samstag zu einem wunderbaren Stadtspaziergang rund um die Altstadt von Hann. Münden. Erst war die Welt weiß und grautonig,


dann kam die Sonne durch!


Mittelalterliche Werrabrücke

Mittelalterliche Werrabrücke

29
Nov
16

Schöner erben – unsere Oma Else

Noch immer sind wir im „schöner-erben“-Modus, meine Schwester und ich, noch immer ist nicht alles gesichtet, aber trotz mancherlei Ungemach finden sich immer wieder kleine Familienschätze, die für uns unbezahlbar sind. Hier ist wieder einer:
Unsere Oma Else hat uns ein posthumes Geschenk gemacht, sehr posthum, denn sie starb 1984. Aber sie war eine ordentliche Frau und hat in einer Schatulle einige Stapel an Papieren hinterlassen, die jetzt erst, als ihr jüngster Sohn, also unser Vater starb, an uns ging, an meine Schwester und mich.
Und zwischen diesen Papieren fand ich unsere kleine Weihnachtsgeschichte, die sich 1942 zutrug. Unser Großvater war in jener Zeit technischer Direktor einer kriegswichtigen Firma im Ostwestfälischen und somit auch in gewisser Weise eine Person des öffentlichen Lebens. Er selber hatte einen politischen Hintergrund, den man mit „aus der katholischen Arbeiterschaft stammend“ umschreiben kann und somit hat er sich nur auf Drängen den machthabenden Organisationen angeschlossen, offensichtlich erst immer, wenn es nicht mehr anders ging. Unsere Tanten erzählten uns davon, aber inzwischen können wir dieses auch in Papierform nachweisen. Hiermit gilt einmal der Dank an unseren Vater, dass er nichts weggeworfen hat!
Zurück zu unserer Oma Else: 1942 wurden auch bei ihrem Mann die Daumenschrauben einmal wieder angezogen, dass auch das letzte Familienmitglied in eine der braunen Organisationen eintreten sollte. Das war seine Frau, unsere Oma Else. Vier der fünf Kinder waren inzwischen bei den Jugendorganisationen eingefangen, nur sie war nirgendwo Mitglied. Das sollte sich ändern, befand man in der Stadt. Else bekam also Besuch von einer Frau Kaiser, die die Aufnahme und auch gleich das Erheben der Beitrittsgebühren besorgen sollte. Else wurde also gefragt, wie sie sich engagieren wolle, wollte Else aber nicht, sondern sie gab an, nur zahlendes Mitglied sein zu wollen. Dieses wurde natürlich weitergegeben. Schön, dass unsere Oma Jahre später eine Art Aktennotiz zu der ganzen Sache schrieb. else_3
Kurz vor Weihnachten 1942 bekam sie dann einen Brief, dass ihr Antrag abschlägig beschieden sei, sie würde nicht Mitglied in der NS-Frauenschaft werden.


Auf der Rückseite des Briefumschlages ging man offensichtlich zur Tagesordnung über: die Abrechnung vom Einkauf! Die Weihnachtsgans schlug mit 23 Mark zu Buche, Wurst, Speck, Leberwurst und Brot, summa summarum 30,10 Mark.
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Von den Kommentierenden gab es einen berechtigten Einwand, nämlich den Hinweis auf die Lebensmittelkarten, die 1942 natürlich in Gebrauch waren und dem Preis. Nicht nur Fleischwaren waren rationiert.

Die Schrift auf der Briefrückseite ist nicht von meiner Oma, ich werde recherchieren!

20
Nov
16

Wiener Impressionen 2016

November ist ja nicht die perfekte Reisezeit, aber nach ich bin in dem Monat gerne ein paar Tage in Wien, denn dort findet dann eine Tagung statt, an der ich sehr gerne teilnehme. Leider bleibt kaum Zeit zum Bummeln und in den kleinen Geschäften zu stöbern, aber auch dieses Mal habe ich mir ein paar Stunden nach dem letzten workshop gegönnt. Oder da der Tagungsort direkt am Rande des 1. Bezirks liegt, kann man auch mal fix nach dem letzten Vortrag und vor dem Abendempfang auf einen kleinen Spaziergang losziehen.


Leider war das Wetter nicht besonders toll, Regen am ersten Tag, am zweiten Tag feuchter Nebel und am dritten Tag Hochnebel und erst kurz vor dem Aufbruch zum Flughafen blauer Himmel mit Sonnenuntergang. Aber als Stimmungsaufheller, ganz legal und nicht verschreibungspflichtig, darf es dann auch mal im Caféhaus Eiles ein Punschkrapferl sein. Eines reicht mir aber pro Jahr, denn die sind ja doch krachsüß.
Für mich war das museuale Highlight bei diesem Besuch die Virgilkapelle, eine unterirdische Kapelle direkt vor dem Stefansdom, eine Außenstelle des Wien Museums, in die man vom U-Bahn-Eingang vor dem Stefansdom gelangt. Sie wurde 1972 bei den Bauarbeiten für die U-Bahn entdeckt und ausgegraben und nach einigen Jahren der Restaurierung seit letztem Winter wieder der Öffentlichkeit zugänglich. Mir hat besonders die tolle Aufbereitung im Audio- und Videoguide gefallen sowie die kleine Ausstellung zur Stadtgeschichte, viel Medien, aber gut gemacht.

Hinter die Kulissen im Naturhistorischen Museum durfte ich auch einmal wieder schauen, dem Naschmarkt habe ich nur einen Abstecher am Rand abgestattet, die agressiven Angeboten waren mir zuviel. Statt dessen habe ich fast zwei Stunden in einem kleinen Café einfach nur Tee getrunken und zugeschaut, wie der Himmel langsam blau wurde. Die Weihnachtsmärkte habe ich außen vor gelassen.

12
Nov
16

Unser Haus

So, ab und zu werde ich nun doch etwas zu den Erlebnissen berichten, die meine Schwester und mich besonders beschäftigt haben, unter der Überschrift „schöner erben“.


Es ist in den letzten Monaten ja schon angeklungen, dass unser Vater verstorben ist und uns ein „nettes“ Erbe hinterlassen hat: das Haus unserer Familie mit einem Wohnungsrecht, welches er seiner Lebensgefährtin bereits 2012 eingeräumt hatte. Grundsätzlich ist es auch in Ordnung, wenn der überlebende Partner/die Partnerin in einer Lebensgemeinschaft abgesichert oder bedacht wird. Aber bitte doch nicht auf unsere Kosten, die den Unterhalt des Hauses aus ihrem eigenen Lebensunterhalt dafür bestreiten sollten ohne über die Immobilie frei verfügen zu können. Wenn wir ein fettes Aktienpaket oder die Kronjuwelen von Großbritannien geerbt hätten, kein Problem, aber haben wir halt nicht. Im Übrigen hätte die Dame die laufenden Kosten aus der Rente des ersten, verstorbenen Ehemannes durchaus selber bestreiten können. Um es klarzustellen: es ging um die Nebenkosten, die man bei Mieten auf die Mieter umlegen kann, diese hätten sich bei einer Wohnfläche von etwa 180 qm auf ca. 400 € inkl. Strom und Heizung belaufen.
So kamen wir zu einem Haus mit Grundstück, das uns nun mit den Begleitumständen seit mehr als drei Jahren Sorgen bereitet hat. Meine Schwester und ich haben schon lange vor dem Tod unseres Vaters überlegt, ob wir das Erbe antreten sollten oder nicht. Da aber an dem Erbe auch noch Wegerechte zum Grundstück unserer Tante hängen, haben wir uns nach schlaflosen Nächten zu einem gemeinsamen Weg entschlossen. Gespräche mit unserem Vater und seiner Partnerin verliefen ohne greifbares Ergebnis für uns, waren von Schreiereien der Dame und von irrationale Vorwürfen an unsere Adresse („ihr habt doch als Kinder Musikunterricht gehabt!“) begleitet. Selbst der Steuerberater unseres Vaters war ratlos, nachdem er einen Blick in das Testament unseres Vaters geworfen hatte. Der Vater hatte neben dem Wohnungsrecht von uns, seinen Erbinnen, auch verlangt, dass wir das Haus für kommende Generationen erhalten, die Familiengrabstätte für immer und ewig erhalten (und nachkaufen). Jaha, für die Stammburg und die Erbgrablege…
Schade nur, dass er an dem Haus (Baujahr 1953) weder etwas für die energetische Sanierung noch sonstige Erhaltung getan hat. Tapezieren zählt nicht dazu, nur so zu Information. Und in den letzten fünfzehn Jahren, in denen wir ihn immer einmal gefragt haben, ob er nicht in kleinen Schritten die Sanierung beginnen wolle? Schließlich hatte er seitdem Hausbau durch seine Eltern hier mietfrei gewohnt. Jedes Mal wurden wir barsch zurückgewiesen und zum guten Schluss bekamen wir das Haus mit Bewohnerin vererbt, verbunden mit der Aufforderung des Vaters in seinem Testament, ihr einen Platz im Familiengrab zuzugestehen. Zum Glück haben weder meine Schwester noch ich selber den Wunsch, jemals an der Seite unserer Eltern und der Partnerin bestattet zu werden! Vater, geschenkt!
Die Dame weigerte sich, auch mit anwaltlicher Unterstützung, die für Mieter üblichen Nebenkosten an uns zu zahlen, lediglich ihre unmittelbaren Verbrauchskosten wie Öl für die Heizung, Wasser, Abwasser und Müllgebühren zahlte sie nach unendlichen Streitereien und mehrfacher Aufforderung. Der Punkt war, dass in der Urkunde über die Einräumung des Wohnungsrechtes dazu keine weiteren Bedingungen verbunden waren. Bitter war auch, dass man das Haus, hätte unser Vater langwieriger Pflege bedurft, nicht einmal zur Deckung von Kosten hätte verkaufen können. Kein Wunder, dass meine Schwester und ich viele schlaflose Nächte hatten, lange bevor der Erbfall nun wirklich eingetreten war.
Relativ bald nach dem Tod unseres Vaters und seiner Beerdigung (das wird irgendwann noch ein eigener Eintrag hier) saßen wir mit der Frau und ihrem Sohn aus erster Ehe zusammen, um Dinge zu klären. Wir wurden darüber informiert, dass die Dame nicht neben meinem Vater dereinst bestattet werden wolle. Und im Übrigen meinte der Sohn, dass seine Mutter nicht dauerhaft alleine in dem großen Haus leben könne, und er überdies keine Lust habe, sich dauernd um Reparaturen und Hilfewünsche seiner Mutter zu kümmern. Wir sollten uns einmal überlegen, ob wir sie nicht aus dem Haus herauskaufen wollten, nicht sofort, aber in ein paar Jahren.
Da aber die kommenden Monate geprägt waren von Streitigkeiten um die Kosten und Post vom gegnerischen Anwalt pünktlich vor den Wochenenden, beschlossen wir, in den sauren Apfel zu beißen, und, um auch selber endlich freie Hand zu haben, der „gegnerischen Partei“ das Wohnungsrecht abzukaufen. Die zu zahlende Summe lässt sich aus dem Wert des Hauses und der sogenannten Sterbetafel des statistischen Bundesamtes berechnen. Gemäß dieser statistischen Berechnung liegt ihre Lebensdauer bei einem Alter von 79 Jahren noch bei 9,86 Jahren. Noch knapp 10 Jahre Ärger bei gleichzeitigem Preisverfall des Hauses in einer Kleinstadt im Ostwestfälischen? Nein. Wir entschlossen uns, die Sache mit der Zahlung von Geld zu beenden. Nach mehreren Monaten erzielten wir endlich eine Einigung. Meine Schwester und ich bereiteten einen Vertrag vor, den wir bei einem Notar mit der Gegenpartei im September abzeichneten. Wir würden ihr einen Betrag in fünfstelliger Höhe auszahlen, während sie auf das Wohnungsrecht verzichtete, in dessen Löschung aus dem Grundbuch einwilligte und bis zum Ende Oktober aus dem Haus ausziehen würde.
So ist es inzwischen geschehen, meine Schwester und ich sind zwar „blank“, aber doch erleichtert, denn nun können wir über das Haus verfügen. Über den Winter wollen wir Haus etwas aufhübschen, den Garten von den größten Nadelbäumen befreien und dann im Frühjahr mal weiterschauen… Nein, keine von uns wird dort einziehen, wir wohnen und arbeiten in Hannover und Berlin.
Vielleicht holen wir uns noch eine Shamanin, um die bösen Schwingungen auszuräuchern!

26
Sep
16

Die Tuxi meines Vaters – Teil 2

Die Minikamera unseres Vaters hatte uns ein Rätsel aufgegeben, das es galt zu lösen.


DER FILM! Ob er sich noch entwickeln ließ? Und noch viel spannender: würde etwas zu erkennen sein?
Während meines Urlaubs war der Film also in der Entwicklung und heute habe ich ihn abgeholt. Auch der Chef des Fotoladens war sehr gespannt, ob die Entwicklung uns des Rätsels Lösung näher gebracht haben könnte, wie der Blick auf die Papiertüte zeigt, war der Entwicklung mindestens ein Telefongespräch zwischen Fotoladen und Labor vorangegangen.
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Mangels Leuchttisch musste der Filmstreifen am Fenster hinterleuchtet werden, ein wenig profimäßig ist wenigstens mein Fadenzähler mit zehnfacher Vergrößerung.


Viel war zunächst nicht zu erkennen, das Auffallenste war das „Schneegestöber“ verhieß nichts Gutes! Aber dann sah ich Beine… Beine mit Sandalen. Und auf einem Bild waren Häuser zu erkennen. Nichts, was ich auf Anhieb zuordnen konnte. Etwas Enttäuschung kam schon auf, um ehrlich zu sein.
Zum Glück habe ich einen etwas angejahrten Scanner, der über eine gute Auflichteinheit verfügt, mit dem ich also die Negativstreifen scannen konnte. Spannung pur!
Mehr Schneegestöber, aber endlich auch die ersten Umrisse. Eine Häuserzeile und das Gitter auf dem Balkon in Höxter, der von unserem Haus. Welcher von beiden? Der vordere oder der hintere zum Garten hinaus? Schwer zu sagen, die Hausecke… Ach, das Bild muss gespiegelt werden, dann waren schon einmal die Hausecke, das Balkongitter und das Nachbarhaus an der richtigen Stelle. Drei Fotos mit demselben Motiv.
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Aber es dauerte noch eine Weile, bis sich endlich für mich das Rätsel auflöste und sich die beiden Paar Füße zuordnen ließ.
Dankenswerterweise hat unsere Tante die beiden Fotoalben mit Kinderbildern, die sie mir und meiner Schwester schenkte, Seite für Seite abfotografiert, damit jede eine digitale Version des jeweils anderen Albums hätte. So ist das Schuhwerk der beiden folgenden Fotos hilfreich für die Identifikation der Tuxi-Fotos.


Somit ist des Rätsels Lösung: Auf den Fotos im Film aus der Tuxi unseres Vaters sind meine Schwester und ich zu sehen, aufgenommen 1973, als sie etwa anderthalb Jahre alt war und ich somit viereinhalb.
Und damit hat uns unser Vater posthum ein unverhofftes, ganz großes Geschenk gemacht.

25
Sep
16

Reineclauden-Walnuss-Streuselkuchen

Nach einem langen Tag auf diversen Autobahnen bin ich zurück. Aus dem Urlaub zurück, Koffer auspacken, Wäsche waschen, aber ein paar schöne Dinge gibt es doch noch!
Tomaten, Auberginen, Knoblauch, Pepperoni, Aprikosen und Reineclauden bringen den Duft der Provence noch einmal auf den Tisch.
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Und weil alles wirklich reif ist, muss es auch bald verarbeitet werden. Als erstes sind die Reineclauden dran, aus ihnen soll ein Kuchen werden, denn unsere Blumengießerin kommt zu Kaffee & Kuchen. Die Inspiration hierzu stammt (wieder) von Frau chili & ciabatta, etwas abgewandelt entstand der

Reineclauden-Walnuss-Streuselkuchen

Zutaten
Streusel
100 g Mehl
100 g brauner Zucker
60 g Walnüsse; gehackt
90 g Butter

Teig
120 g weiche Butter (hier: zur Hälfte Salzbutter)
150 g Zucker
2 Eier (Gr. L)
1 TL Zimt
140 g Mehl
40 g Walnussmehl
1 TL Backpulver
½ TL Salz (bei Salzbutter weglassen)
8 Reineclauden, in Spalten geschnitten

Zubereitung
Zutaten für den Rührteig auf Zimmertemperatur „erwärmen“ lassen.
Den Backofen auf 180° C (O-/U-Hitze) vorheizen. Eine Springform (24 cm Durchmesser) vorbereiten: den Boden mit Backpapier belegen, den Rand buttern.
Für die Streusel die Walnusskerne hacken, nicht zu fein, damit es noch nussig-knusprig. Alle Zutaten mit den Händen verkneten und kalt stellen.
Für den Rührteig die Butter mit dem Zucker in einer Schüssel mit dem Rührgerät hellcremig aufschlagen. Die Eier nacheinander zugeben. Mehle, Backpulver (und Salz) zusammen sieben und unter die Masse ziehen.
Den Teig in die Form geben und glattstreichen. Die Reineclaudenschnitze darauf legen. Zum Schluss den Streuselteig in dicken Streuseln auf dem Obst verteilen.
Den Kuchen etwa 50 Minuten backen (Stäbchentest), die Streusel sollen goldbraun sein.
Den Kuchen auf einem Gitter auskühlen lassen.
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Für den Kuchen habe das erste Mal einen Teil des Mehls durch Walnussmehl (Ölmühle Solling) ausgetauscht. Ich habe etwas mehr als die 20% wie empfohlen genommen, weil ich es vorher nicht gelesen hatte. Hat aber dem Backergebnis und dem Geschmack keinen Abbruch getan!
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22
Sep
16

Lichtspiele

Die Provence ist in meiner Vorstellung nicht unbgedingt das Land der Regenbogen, aber dieses Mal habe ich gleich an drei Tagen so abgeschnittene Teilregenbogen gesehen.
So auch gestern abend einen in zwei Teilen, als ich den indirekten Sonnenuntergang auf der Bank mit dem Blick nach Osten/Nordosten verfolgte. Da das Haus und der Hügelrücken hier dem gepflegten Sonnenuntergangspotting im Weg stehen, schaue ich mir halt bei Gelegenheit dessen Widerschein an. Und morgens natürlich die Vorboten des Sonnenaufgangs. Und gestern eben diese Lichtspiele mit Bonusmaterial.
Eigentlich saß ich vor dem Haus unter der Linde und las ein wenig, als ich dieses goldene Licht bemerkte, der Sonnenuntergang kündigte sich spektakulärer als sonst an. Auf der anderen Seite der Durance, Richtung Plateau von Valensole hatte bereits Nachmittags der Regen eingesetzt, der aber nicht bis zu uns herüberkam, allerdings die Hügel und das Vorgebirge in Unsichtbarkeit hüllte. Aber hier in Forcalquer hatten wir güldenes Licht. Den Regenbogen zu meiner Linken bemerkte ich zunächst auch gar nicht, dann musste ich eine Weile suchen, bis ich sein unauffälliges Pendant viel weiter rechts von mir sah, sehr schwach…


Währenddessen rutschte die Sonne immer weiter nach unten zum Horzizont und auch ihr Widerschein veränderte sich. Und so verwandelte sich das Licht von golden zu rotgolden, zu richensarot und dann zu einem undefinierbaren grauviolett, als das Licht dann für diesen Tag endgültig verschwand und die Schatten über die Hügel gezogen waren. Auch der Regenbogenstumpf blieb noch einen winzigen Moment zu sehen, dann hatte auch er sich „dünne“ gemacht.

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