25
Sep
16

Reineclauden-Walnuss-Streuselkuchen

Nach einem langen Tag auf diversen Autobahnen bin ich zurück. Aus dem Urlaub zurück, Koffer auspacken, Wäsche waschen, aber ein paar schöne Dinge gibt es doch noch!
Tomaten, Auberginen, Knoblauch, Pepperoni, Aprikosen und Reineclauden bringen den Duft der Provence noch einmal auf den Tisch.
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Und weil alles wirklich reif ist, muss es auch bald verarbeitet werden. Als erstes sind die Reineclauden dran, aus ihnen soll ein Kuchen werden, denn unsere Blumengießerin kommt zu Kaffee & Kuchen. Die Inspiration hierzu stammt (wieder) von Frau chili & ciabatta, etwas abgewandelt entstand der

Reineclauden-Walnuss-Streuselkuchen

Zutaten
Streusel
100 g Mehl
100 g brauner Zucker
60 g Walnüsse; gehackt
90 g Butter

Teig
120 g weiche Butter (hier: zur Hälfte Salzbutter)
150 g Zucker
2 Eier (Gr. L)
1 TL Zimt
140 g Mehl
40 g Walnussmehl
1 TL Backpulver
½ TL Salz (bei Salzbutter weglassen)
8 Reineclauden, in Spalten geschnitten

Zubereitung
Zutaten für den Rührteig auf Zimmertemperatur „erwärmen“ lassen.
Den Backofen auf 180° C (O-/U-Hitze) vorheizen. Eine Springform (24 cm Durchmesser) vorbereiten: den Boden mit Backpapier belegen, den Rand buttern.
Für die Streusel die Walnusskerne hacken, nicht zu fein, damit es noch nussig-knusprig. Alle Zutaten mit den Händen verkneten und kalt stellen.
Für den Rührteig die Butter mit dem Zucker in einer Schüssel mit dem Rührgerät hellcremig aufschlagen. Die Eier nacheinander zugeben. Mehle, Backpulver (und Salz) zusammen sieben und unter die Masse ziehen.
Den Teig in die Form geben und glattstreichen. Die Reineclaudenschnitze darauf legen. Zum Schluss den Streuselteig in dicken Streuseln auf dem Obst verteilen.
Den Kuchen etwa 50 Minuten backen (Stäbchentest), die Streusel sollen goldbraun sein.
Den Kuchen auf einem Gitter auskühlen lassen.
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Für den Kuchen habe das erste Mal einen Teil des Mehls durch Walnussmehl (Ölmühle Solling) ausgetauscht. Ich habe etwas mehr als die 20% wie empfohlen genommen, weil ich es vorher nicht gelesen hatte. Hat aber dem Backergebnis und dem Geschmack keinen Abbruch getan!
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22
Sep
16

Lichtspiele

Die Provence ist in meiner Vorstellung nicht unbgedingt das Land der Regenbogen, aber dieses Mal habe ich gleich an drei Tagen so abgeschnittene Teilregenbogen gesehen.
So auch gestern abend einen in zwei Teilen, als ich den indirekten Sonnenuntergang auf der Bank mit dem Blick nach Osten/Nordosten verfolgte. Da das Haus und der Hügelrücken hier dem gepflegten Sonnenuntergangspotting im Weg stehen, schaue ich mir halt bei Gelegenheit dessen Widerschein an. Und morgens natürlich die Vorboten des Sonnenaufgangs. Und gestern eben diese Lichtspiele mit Bonusmaterial.
Eigentlich saß ich vor dem Haus unter der Linde und las ein wenig, als ich dieses goldene Licht bemerkte, der Sonnenuntergang kündigte sich spektakulärer als sonst an. Auf der anderen Seite der Durance, Richtung Plateau von Valensole hatte bereits Nachmittags der Regen eingesetzt, der aber nicht bis zu uns herüberkam, allerdings die Hügel und das Vorgebirge in Unsichtbarkeit hüllte. Aber hier in Forcalquer hatten wir güldenes Licht. Den Regenbogen zu meiner Linken bemerkte ich zunächst auch gar nicht, dann musste ich eine Weile suchen, bis ich sein unauffälliges Pendant viel weiter rechts von mir sah, sehr schwach…


Währenddessen rutschte die Sonne immer weiter nach unten zum Horzizont und auch ihr Widerschein veränderte sich. Und so verwandelte sich das Licht von golden zu rotgolden, zu richensarot und dann zu einem undefinierbaren grauviolett, als das Licht dann für diesen Tag endgültig verschwand und die Schatten über die Hügel gezogen waren. Auch der Regenbogenstumpf blieb noch einen winzigen Moment zu sehen, dann hatte auch er sich „dünne“ gemacht.

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21
Sep
16

Zartviolette Flora

Heute gibt es mal etwas „Flora“ zur Abwechslung.
Schon in der letzten Woche bin ich an einem Feld voller hellvioletter blühender Pflanzen vorbeigekommen. Und nachdem ich an einem der ersten Tag hier in der Region auch einen Hof gesehen habe, der neben Biogemüse und Olivenöl auch Safran der Provence anpries, bin ich stillschweigend davon ausgegangen, dass es sich um Herbstkrokusse handelte.
Auch heute sah ich sie im Hinterland der Gorge du Verdon, als wir durch die lichten Eichenwälder voller krüppliger, aber tapferer Bäume unterwegs waren. Die Hänge lagen im Sonnenlicht, es duftete unvergleichlich nach Kräutern, Laub und sonnenglühenden Felsen. Ein paar Handvoll Rosmarin hier, einige Stengel wildem Lavendel da, Thymian und sogar Minze habe ich heute gesammelt, gemischt wird aber nicht.
Auf einer Wiese bei einer leider verschlossenen Kapelle blühte es wieder zuhauf in zartem Lila. Da ich mir nicht sicher war, ob es sich um Herbstkrokusse oder eben Herbstzeitlose handelte, habe ich nur mit der Kamera „draufgehalten“.
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Nun, wo ich recherchieren kann, ist das Ergebnis eindeutig: Herbstzeitlose!
Die Ähnlichkeit zu Safrankrokussen scheint recht hoch zu sein, wo der Safrankrokus drei Staubblätter hat, weist die Herbstzeitlose sechs auf. Die Blätter der Herbstzeitlosen sind nur im Frühling zu sehen, nicht aber zur Blüte im Herbst, dafür ähneln die Blätter dem Bärlauch und aber auch den ebenfalls giftigen Maiglöckchen.
Drum Vorsicht mit dem spontanen Entschluss, in’s Safrangeschäft einsteigen zu wollen.

20
Sep
16

Wilde Tiere!

Herrschaft! Ist das hier aufregend!
Vor zwei Jahren brachte uns das Geraschel im Unterholz in’s Grübeln (wilde Schildkröte), heute das Quaken aus dem Baum über uns, dann aus dem Bambus am Rande unseres Sitzplates.
Wir haben unsere ganze Ausrüstung und unsere wissenschaftliche Neugier aufgefahren, um auch dieses tierische Rätsel zu lösen.
Es sind Laubfrösche, die hier quaken, mindestens zwei. Und einen konnten wir in einer spektakulären Fotoaktion auf die Speicherkarte bannen.
Aber sehen Sie selbst!

Suchbild als Schattenriss - Tip: Elegantes Bein!

Suchbild als Schattenriss – Tip: Elegantes Bein!


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Da guckt er, der Frosch!

Da guckt er, der Frosch!

20
Sep
16

Stadt – Land – Fluss

Der geneigte Leser hat sicher schon mitbekommen, dass wir hier Ferien auf dem Land machen. Forcalquier ist zwar ein kleines Städtchen mit etwa 5000 Einwohnern, aber eben auch Land. Unsere Unterkunft liegt außerhalb der Stadt und ist als „Gîte rural“, als „ländliche Unterkuft“ bezeichnet. Das trifft es ziemlich genau, denn wenn man hier abends vor dem Häuschen sitzt, welches zu einem um einen Hof gruppierten kleinen ehemaligen Bauernhof gehört, dann ist es ziemlich still. Nicht ganz, denn man hört manchmal die Nachbarin plaudern oder die Bienen summen, die Spatzen in Banden um die Bäume flitzen oder den stolzen Rotschwanz oben auf dem Schornstein vom Nachbarhaus singen. Manchmal meckert auch die Katze rum und – fast vergessen – habe ich am Samstag nachmittag den anderen Nachbarn kreissägen gehört, ach, und manchmal hört man auch die Esel auf der Weide ihr freudiges I-Ah (provenzalisch natürlich, sie mögen kein Hochsprachliches Eselisch). Morgens schaut man dem Sonnenaufgang zu und abends die Lichtspiele vom Sonnenuntergang, den man hier nicht sieht, denn der kommt von hinter dem Hügel wech.

Kurz vor dem Sonnenaufgang

Kurz vor dem Sonnenaufgang


So sitzen wir hier abends, trinken unseren Pastis vor dem Essen, das zumeist aus schmackhaftesten, da reifen Tomaten aller Farben und Formen mit ein wenig Salz und Pfeffer und lokalem Olivenöl besteht, mit ein wenig Brot vom Bäcker und hinterher oder dazu mit Ziegen- und Schafskäsen, Entschleunigung pur.
Aber heute waren wir spontan in der Stadt, der Provinzhauptstadt sozusagen, in Aix-en-Provence oder Aix, wie man hier sagt, weil man ja weiß, dass man in der Provence ist.
Verkehr, Kreisel und die Suche nach einem Parkplatz, enges Parkhaus, so fing der Stadtrundgang an. Inzwischen ist es unser 4. Besuch in Aix, dieses Mal waren wir das erste Mal alleine da. 2008 mit Anke, 2012 und 2014 haben wir meinen „kleinen Bruder“ aus Schüleraustauschzeiten getroffen, der hier einige Jahre verbracht hat und inzwischen als waschechter Nordfranzose froh ist, wieder in der Nähe von Lille zu wohnen („Bienvenue chez les Schties“ verkehrt herum). Und heute alleine! Wir sind durch die Straßen geschlendert und haben geschaut. Wer in der Innenstadt zu tun hat, ist entweder irgendwie mit der Universität verbandelt (Student, Prof oder Verwaltungsangestellte/r) oder hat eine gut gehende Kanzlei/Praxis. Der Rest der Flaneuere sind Touristen oder Leute, die an einem Dienstagnachmittag sonst nichts vorhaben, aber genügend Geld, um in den zahlreichen hochpreisigen Boutiquen einzukaufen.
In den Stadtpaläste der Renaissance-, Barockzeit und des 18. Jahrhunderts spiegeln die Hoch-Zeit von Aix wieder, als zwar die Provence nicht mehr eigenständig, aber mit Sitz des Bistums und des (abhängigen) Regionalparlamentes bis zur Französischen Revolution bedeutender als Marseille war. Die Universität ist eine der ältesten Frankreichs (gegründet 1409), wichtige Institute befinden sich bis heute in der Innenstadt.
Am Place de la Mairie ließen wir uns in einem Café nieder und tranken einen mittelmäßigen petit café und ließen die Blicke wieder schweifen. Nach kurzer Zeit setzte sich ein Mitglied der „jeunesse dorée“ aka Kind reicher Eltern mit seinem Beagle (Vorsicht: das wird der neue Modehund!) an den Tisch neben uns und verursachte bei uns Heiterkeitsausbrüche mit seiner so offensichtlich plakativen Lektüre eines antiquarischen Exemplars von Nabokovs „Lolita“, immer wieder durch intensiven Wischtelefongebrauch unterbrochen.

Bald hatten wir genug von der Stadt und reisten entlang der Durance (Fluss) zurück in die Ruhe auf dem Bauernhof.

Nun fragen wir uns nur noch, ob Frösche/Kröten auf Bäume klettern, denn das Gequake eben kam eindeutig von oben.
Nachtrag: Sie können, besonders, wenn sie Laubfrösche sind!
(Fotos im nächsten Exklusivbeitrag!)

19
Sep
16

Bergetappe im Montagne de Lure

Das Wetter war heute morgen durchwachsen, nach Süden hin blauer Himmel, nach Norden ziemlich grau und windig. Und warm sollte es nur im Tal werden, so die Wettervorhersage. Also perfekt für eine Wanderung oben im Gebirge. Wanderschuhe, winddichte Jacken, Sonnenschutz, Sonnebrille, Halstuch, ein wenig Picknickzubehör und zu trinken. Wir wollten natürlich nicht unten aus dem Tal starten, denn das hätte unsere Kondition doch überfordert, aber so eine Tour von der Skistation unterhalb des Sommet de Lure auf etwa 1300 m bis hoch zum Gipfel mit den Signalstationen auf ca. 1850 m. Es gibt einen Fernwanderweg, da wir aber kein geeignetes Kartenmaterial dabei hatten, wollten wir entlang der Straße laufen, die zu dieser Jahreszeit nur von Extremradlern und sehr wenigen Autos befahren wird. Von St-Étienne-les-Orgues führt die D 113/D53 durch die allmählich immer karger werdende Landschaft den Berg hinauf. Auf halber Höhe gibt es das ehemalige Kloster Notre Dame de Lure, von dem nur noch die Kirche mit offenen Fensteröffnungen steht samt einem kleinen Hof, der von einem genügsamen Kirchenwärter (aka Aussteiger?) betrieben wird (Bericht folgt). Als wir dann an der Skistation unseren Halt einlegten, waren wir weit und breit die einzigen. Inzwischen hatte sich die Sonne durchgekämpft, so dass wir bereit zum Laufen waren. Schuhwechsel im Auto, dann… der heftige Wind riss mir die Autotür aus der Hand. Der Blick auf’s Autothermometer verriet: 11°C, gefühlte 0°C! Die Jacke hielt zwar den Wind ab, aber ich wünschte mir sofort lange Skiunterwäsche, denn eine Etage tiefer pfiff der Mistral heftig durch alles durch. Aber wir wollten doch wandern! Zunächst ignorierten wir Wind und Kälte und schauten uns am Panorama nach Süden und an der kargen, fast alpinen Vegetation satt.

Blick nach Südwesten

Blick nach Südwesten



Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts weideten hier oben Schaf- und Ziegenherden in großer Zahl, einige wenige scheinen noch hier zu sein, wie uns die Schafköttel verrieten.
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Nach zwanzig Minuten waren wir aber so ausgekühlt, dass wir doch eine Planänderung beschlossen: in Etappen mit dem Auto weiterfahren, an den Besucherstationen mit den Erläuterungen je nach Wind- und Temperaturgefühl eine kleine Tour einlegen.
Auch so verbrachten wir einige Stunden dort am Sommet de Lure, wobei der Höhepunkt der erste Blick nach Norden auf die verschneiten Gipfel der französischen Alpen war. Und vor uns breitete sich die nördliche Provence mit dem Val de Juberon, ein Teil der Drôme aus, wie in einem barocken Theaterstück in hintereinander gestaffelten Kulissen.
Die letzte Etappe auf den Gipfel mit dem Wald an Sendemasten haben wir dann doch erlaufen, auch wenn der Wind einen fast umgepustet hat und das Fotografieren resp. das (Still-)Halten der Kamera wirklich schwierig war.

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Leider kann ich die Gipfel nicht namentlich identifizieren, vielleicht kann einer der werten Leser….??
Der Wind hatte auch etwas Gutes: er blies die Wolken mehr und mehr vom Himmel, der immer blauer wurde. Tief unter uns konnten wir bis fast Sisteron sehen, welches mit der eindrucksvollen Felspforte des Durancedurchbruches unser nächstes Ziel sein würde.

Und zu guter Letzt zeigte sich sogar der Mont Ventoux westlich von uns gnädig im Licht, nachdem wir ihn in den letzten Tagen nur wolkenverhangen gesehen hatten.

Fernwanderweg - der Abstieg, nichts für mich!

Fernwanderweg – der Abstieg, nichts für mich!


Während wir über Schlangenlinienstraßen in’s Tal schraubten, stiegen die Temperaturen stetig an, in Sisteron gab es spätsommerliche 26°C, Sonne pur und ein Eis.

18
Sep
16

Fremde Fauna

Auf Reisen lernt man ja immer dazu, heute Neues zur provenzalischen, lokalen Fauna.
Nicht ganz ungefährlich ist hier offensichtlich das geflügelte Einhornschaf mit sternförmigen Augen! Es kommt kleinräumig rund um die Warnstelle hinter Mâne vor.
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