19
Sep
17

Entrevaux – zwischen den Tälern

Nach einer Tour durch die voralpine Landschaft über die heute sehr bequem befahrbare Route über die N 85 (hier marschierte Napoleon 1815 auf der Rückkehr von Elba zumindest in Teilen lang) zuckelte unser Auto ohne den Umweg über Digne-les-Bains bis Barrème und dort auf der N 202 über St.André-les-Alpes, an Annot vorbei bis zum Zielort Entrevaux.


„Zwischen den Tälern“ bedeutet der Name, unzweifelhaft zutreffend! Schon von weitem sieht man bei gutem Wetter die Rückseite der mittelalterlichen Burg, die im 17. Jahrhundert weiter ausgebaut wurde. Die Rückseite hat aber wenig „17.“ an sich, finde ich.

Außer Ortsschild begüßt einen das „Un des plus beaux villages de France“-Schild, dies sollte man als Warnung betrachten, hier in der Hochsaison hinfahren zu wollen! Aber jetzt, im schönsten Septemberwetter ist es eine schöne Tour, die wir mit erfolgreichem Parkplatzfinden mit einem ersten Zwischenerfolg krönten. Der Var hat ein tiefes Tal in die Felsen geschliffen, das vom Besucher mithilfe einer Brücke überquert werden kann, heute nur als Fußgänger.
Die wechselvolle Geschichte als Bischofssitz seit dem 5. Jahrhundert, Zerstörungen, Besitzerwechsel und kurzzeitige Eroberung durch die Herzöge von Savoyen sind im französischen Wikipedia-Artikel zum Örtchen ausführlich dargelegt, und auch, dass der Baumeister Ludwigs XIV., Vauban, nie selber in Entrevaux war, wohl aber die Pläne zur Befestigung abgenickt hat. Und so wurde ab 1692 gebaut, aber nie fertiggestellt. Zwei Stadttore, die Port Royale und die Port de France erlaubten den Zugang zur Stadt über Zugbrücken, wobei bei beiden heute zwar noch „Zugbrücke“ dran steht, aber eine ziemlich sinnlose Verankerung der Ketten im modernen Gehweg nur zum Kopfschütteln reizt.

Die engen Gassen mit ihren Treppen, Durchgängen und der ehemaligen Bischofskirche locken zum Rundgang, überraschende Einblicken in einzelne Gebäude inklusive: eine Backstube, die mit Ofen, Schaufensterpuppen und einem Lobgesang auf das Bäckerhandwerk daherkommt oder eine Fotoausstellung zum Leben im Ort im frühen 20. Jahrhundert.

In einem Café am Place le Planet haben wir uns bei überbackenem Baguette und einem sehr ordentlichen Kaffee gestärkt, bevor wir auf einem anderen Weg wieder zur Port Royale zurückbummelten. Ein kleiner Laden mit Gewürzkuchen, „La Pain d’Epicerie“, lockte mich noch, denn die Besitzerin hatte den selbstgemachten Kuchen in den Sorte mit eingelegter Orange, mit eingekochter Aprikose, mit roten Früchten und Süßholz. Auch viele der Kräuter sammelt sie selber. Außerdem verkauft sie Lavendelhonig, der ausgesprochen lavendelig, aber nicht lavendelseifig schmeckt. Direkt neben dem Laden in der winzigen „rue du Marche“ hat sie ihre Backstube, die sie mir zeigte, als wir erst einmal in’s Plaudern über Gewürzkuchen, Pfefferkuchen, Weihnachtsgebäck und immaterielles Erbe (aka Omas Rezepte) kamen.
Mit Honigkuchen und Lavendelhonig bepackt, hochbeglückt, zogen wir von dannen, alleine dafür hätte sich die Tour gelohnt!

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18
Sep
17

Saint-Maime

Schon oft bin ich unten im Tal am steilen Hügel von Saint-Maime vorbeigefahren, habe die Kapelle und den Turm gesehen, die wie Schattenrisse auf dem Steilkamm der abkippenden Muschelkalkbänke thronen. Den besten Blick hat man natürlich von unten, aber irgendwie fehlt noch ein Foto, denn es gibt keinen ordentlichen Halteplatz an der Straße.
Aber nun gut, ich wollte endlich einmal alles von Nahem sehen und dem Örtchen auch einen Besuch abstatten, wenn man schon in der Gegend ist.
Am Montagnachmittag war es dann soweit, kurz abgebogen und ein paar Kurven weiter standen wir mitten im Dorf an der Kirche. Hier gibt es einen kleinen Parkplatz, vermutlich auch der Platz, wo Veranstaltungen aller Art stattfinden. Festes Schuhwerk empfiehlt sich schon, wenn man die steilen Gassen hochsteigt und plötzlich nur noch einen kleinen Pfad vor sich hat, der sich steil nach oben windet.
Von der Burg ist nicht mehr viel vorhanden, das Schild mit der Schilderung der Geschichte direkt an den Kapelle der heiligen Agathe hat eindeutig schon bessere Zeiten gesehen. Immerhin kann man noch lesen, dass die Burg, die einst bestand, Raimond Berengar IV, Graf der Provence gehörte. Und angeblich sollen auch alle seine vier Töchter hier wichtige Jahre ihres Lebens verbracht haben, bevor sie allesamt Königinnen wurden: Margarethe heiratete Ludwig IX. den Heiligen von Frankreich, Eleonore den englischen König Heinrich III., ihre Schwester Sanchia Richard von Cornwall, der während des Interregnums zwischen Staufern und Habsburgern auch deutscher König war, und Beatrice den sizilianischen König. Nun, außer der Kapelle und dem achteckigen Turm sind nur noch ein paar Mauerreste erhalten, so dass die Vorstellung einer mächtigen Burg auch mir schwerfällt.


Der Ausblick auf die umgebende Landschaft mit ihren Dörfern, Burgen und Städten ist aber alle Male grandios, selbst, wenn einmal nicht die Sonne strahlt.

Zum Abschluss haben wir noch einen kleinen Gang durch das alte Dorf gemacht, welches auch etwas im Dornröschenschlaf liegt, denn das moderne Leben findet weiter im Tal statt. Aber ein paar geklaute Feigen, diese Jahr durch die Trockenheit zwar sehr klein, aber auch sehr schmackhaft, haben mir den Spazierganz zusätzlich versüßt.

Und wie es sich für mich gehört, habe ich auf dem eigentlich komplett beräumten Friedhof doch noch etwas gefunden.

17
Sep
17

Le Pont romane de Mane

Nur wenige Spazierminuten westlich der ehemaligen Priorei von Salagon liegt die Brücke über die Laye versteckt. Die Route N 100 Richtung Apt geht seit dem 19. Jahrhundert einige hundert Meter weiter südlich über eine kaum bemerkbare Richtung Apt, aber hier scheint die Zeit etwas stehengeblieben zu sein.
Es hat in diesem Sommer wieder sehr wenig geregnet, so dass das Flüßchen Laye kaum mehr als ein rinnsaliger Bach ist, der sich durch die Kalkfelsen schlängelt. Im Winter oder zur Schneeschmelzenzeit dürfte hier aber ordentlich mehr Wasser das Tal hinuntertosen.
Die Sonne genießend setzten wir uns auf einen Steinblock am Ufer des Rinnsales und schauten einfach nur in den blauen Himmel. Drei Bögen hat sie, die Brücke und Wellenbrecher, die die Massen bei Hochwasser im Zaum halten sollen. Ziemlich steil geht der schmale Weg hoch und wieder herunter.


Die Beschilderungen schreiben „pont roman“, also „romanische Brücke“, dem Wikipedia-Artikel, in dem sie als römisch angesehen wird, muss man nicht glauben, denn die römische Straße Via Domitia verlief südlich von Mane. Außerdem scheint die Brücke doch diverse Umbauten bis in die frühe Neuzeit erlebt zu haben. Und meiner Meinung nach wurde sie vor nicht allzu langer Zeit umfassend überarbeitet, denn der Straßenbelag auf der Brücke zeigt so gar keine Karrenspuren, die sich im Laufe der Jahrhunderte in den weichen Kalkstein des Baumaterials eingeschliffen haben müssen.

Aber wenn man da am Ufer sitzt und einfach nur den Urlaub genießt, ist das auch vollkommen egal. Wir hatten die Brücke für uns ganz alleine, fast eine halbe Stunde lang. Dann kam eine Familie mit umfangreicher Picknickausstattung und wir zogen schnell weiter….

17
Sep
17

Mane, Haute-Provence

Während in Deutschland gefühlt jeden Tag mehr Rollatoren auf den Bürgersteigen zu sehen sind, sieht man sie in Frankreich so gut wie nie. Entweder sind die Franzosen zu vernünftig, sich von diesen Dingern den letzten Rest eigener Körperspannung nehmen zu lassen, die Krankenkassen nicht so (vermeintlich) freigiebig oder die älteren Damen und Herren einfach zu stolz, mit so einem Ding durch die Gegend zu schieben. Möglicherweise wohnen sie auch einfach nur in einem Dorf mit Kopfsteinpflaster, Treppen drinnen und draußen und engen Hauseingängen.
Mane ist so ein Örtchen, eine Route National führt hindurch, da ist es in der Regel lebensgefährlich, auf den handtuchbreiten Gehsteigen vor einem großen Lastwagen zu balancieren, da bleibt man lieber auf der Straßenseite mit dem Hauptteil des Dorfes mitsamt Kirche, Bäcker und Lebensmittelladen. Der alte Teil des Dorfes schmiegt sich an den örtlichen Berg und breitete sich unterhalb der barocken Zitalle aus, die nach und nach von einem privaten Besitzer restauriert wird.

Anders als das benachbarte Forcalquier ist der Ort noch nicht dem Ausverkauf der alten Häuser an Wochenend- und Ferienbewohner aus Nah und Fern anheim gefallen, was zwar dem Erhalt mitunter abträglich ist, aber so ist der Nachbar eben nicht nur ein paar Wochen im Jahr Nachbar.


Der Bäcker backt selber, die Lebensmittelladen hat alles, was man braucht, nur den Metzger gibt es nicht mehr am Dorfplatz. Markt wird am Sonntag gehalten, nur ein paar wenige Stände sind nun, Ende September, aufgebaut: zwei Gemüsestände, ein Crêpestand und am Sonntag darf der Hähnchenbräter nicht fehlen. Hier kostet das propere Bauernhuhn 14 €, aber davon wird eine ganze Familie satt oder es reicht für die ganze Woche.
Außerdem gibt es ein Bistrot an der Kreuzung, an der man Richtung Manosque abbiegt. Hier muss die Bedienung den Kaffee, die Menthe à l’eau oder das Mittagessen über die Straße tragen, dafür ist immer etwas los.

16
Sep
17

Besançon – ein erstes Kennenlernen

Wie oft waren wir an Besançon vorbeigefahren, wenn wir auf der Autobahn Richtung Süden fuhren! Dabei haben hier meine französischen Zweiteltern hier ihre ersten Jahre verbracht, hier hatte er seinen ersten Job nach dem Studium, sie arbeitete in einer der Bibliotheken.
Wir hatten uns relativ spontan für die Hauptstadt der Region Franche-Comté entschieden, nur eine schnelle Recherche auf meiner Lieblingsseite für eine Unterkunft in Frankreich geschaut und schon ein wunderbares chambre d’hôte mitten in der Altstadt gefunden.
Bis wir uns durch diverse Staus an diversen deutschen Autobahnbaustellen gequält hatten, bis wir dann da waren, dämmerte es schon. Die die Stadt überblickende Zitadelle, die besterhaltene Befestigung des französischen Barock-Star-Baumeister Vauban, lugte über Dächer und Fluß, unser Auto schob sich durch die quirligen Viertel außerhalb der ruhigeren Altstadt, noch drei Einbahnstraßen den Hügel hoch und runter und wieder hoch, ein Telefonat mit dem Vermieter und schon wurden wir sehr freundlich in Empfang genommen. Hinter einer kleinen unscheinbaren Tür führte eine steile Holztreppe nach unten, aber unser Zimmer lag gleich hinter der ersten Tür. Bequemes Bett mit Lichtspiel im Betthaupt, kleines, aber feines Bad, tea-making-facility, was braucht es mehr?

Chantal erklärte uns geschwind den Stadtplan, gab Empfehlungen für einen kulinarisch gelungenen Abend und erklärte uns den Weg die Treppe hinunter, über den kleinen Hof und zu ihr in das Nachbarhaus, wo wir am nächsten Morgen frühstücken würden.
Die Altstadt rund um die Kathedrale St-Jean ist geprägt von den barocken Höfen der Kleriker, aber auch von der Universität, die in den verschiedenen Instituen hier ihren Sitz hat. Durch die Gassen und kleinen Straßen schlenderten wir zum Bistrot „L’Effet Boeuf“, welches Produkte der Region mit Fleisch vom Charolais-Rind zu soliden, köstlichen Gerichten zusammenzaubert. Auch der Wein aus dem Rhônetal und (der Reisegefährte) vom lokalen Bier ließ sich gut trinken.
Dann wurde noch ein Rundgang durch die abendlich illuminierte Stadt angeschlossen, in der es auf den Straßen recht ruhig war.

Auch wenn Besançons Ursprünge weit vor die Römer zurückreichen, haben diese doch deutlische archäologische und architektonisch gut erkennbare Spuren hinterlassen: am Square Castan stehen Säulen, die zu einem Amphitheater gehören sollen (Ansicht des Ausgräbers aus dem 19. Jh.) sehr dekorativ in einem kleinen Park mit römischen Resten und denen einer mittelalterlichen Kirche und knapp um die Ecke das Prachtstück: die Porte Noire, der seit dem Mittelalter porta nigra genannte Triumphbogen, welcher für Mark Aurel um 175 n. Chr. errichtet wurde. Leider fehlt dem Bogen die Quadriga mit triumphierendem Kaiser und die Porta ist auch nicht mehr nigra, denn sie wurde vor einigen Jahren aufwendig restauriert. Für ein schönes Nachtlicht hat es nicht mehr gereicht, aber man muss einfach nur auf ein Auto mit Licht warten, dann klappt’s auch mit der Illumination! Tagsüber sind die Einzelheite von mythischen Szenen, Kämpfen zwischen Fußtruppen und Berittenen sowie florale Motive deutlisch besser zu erkennen, aber… nun ja.

Nun sind ja die barocke Festung auf dem Berg und weitere Reste des Verteidigungssystems seit 2008 Teile des Welterbes der UNESCO. Grund genug also, den Weg nach oben zu gehen. Es gibt zwei: einmal den relativ einfachen über die Straße, die durch den römischen Bogen, vorbei an der Kathedrale den Hang hochkurbelt und einen Treppenweg, der quasi über die Hintertür den Berg hochklettert. Wir haben letzteren genommen, weil der Reisegefährte „Treppe ist bestimmt schöner“ meinte. Nehmen Sie den einfacheren, sie sind nicht so außer Atem, wenn Sie oben ankommen! Zumal die Treppenstufen zum Teil ausgetreten und unterschiedlich hoch sind, das mag ich ja gar nicht, ich, die ich so gerne umknicke!

Aber dann war uns das Glück wieder holder: es war Wochenende des Denkmaltages, les journées de la patrimoine. Das ersparte uns den Eintritt von 10,60 €/pro Person. Zwar sind da wohl auch die Eintritte für die unterschiedlichen Museen und Sammlungen enthalten, aber dazu braucht man bestimmt deutlich mehr Zeit, als wir uns nehmen wollten. Die Multimediashow über die Geschichte des Festungsbaus in der ehemaligen Kapelle war auf alle Fälle sehr, sehr sehenswert!

Der Blick über alte und neue Dachlandschaften ist auf alle Fälle etwas Anstrengung bei der Besteigung der Festung wert!

Abschließend haben wir noch einen kleinen Rundgang unten in der Stadt gemacht, einen schnellen Kaffee getrunken und uns dann auf den Weg weiter nach Süden gemacht.

Für ein erstes Beschnuppern war es sehr schön, aber an sich war es zu kurz, um die Stadt mit ihren schönen Ecken, den Innenhöfen, den Häusern, den freundlichen BisontinerInnen und ihrer wechselvollen Geschichte kennenzulernen.

16
Sep
17

Die Mönche von Les Mées

Wieviele Autobahnparkplätze gibt es schon, die sich lohnen, doch anzuhalten? Ich meine nicht die, auf denen man notgedrungen (Treibstoff für das Auto oder sich selber oder zum Händewaschen) anhalten muss.
Mir fallen im Moment nur zwei ein, beide in Frankreich: einmal den mit dem wunderbaren Blick auf Carcassonne und dann diesen hier mit der Aussicht auf die Felsen von Les Mées. Auch wenn Carcassone im Sommer von Besuchern überschwemmt wird: es ist nur ein im 19. Jh. restauriertes Mittelaltermärchen! Aber von ferne schaut die Stadt sehr schön aus…
Auch bei Les Mées schaut man am besten aus der Ferne, denn wenn man am Fuße der Felsen steht, sieht man das Wesentliche kaum: die in einer langen Reihe stehenden Felsen (in Wirklichkeit nur ein Felsenband) sind von Wasser und Wind erodiert und sind dann nur groß, man selber klein. Aber von Ferne, da scheinen sie wie eine Wandergruppe jenseits der Autobahn unterwegs zu sein. Und so erzählt auch die Sage, dass die Felsen eigentlich verwandelte Mönche seien, die den Töchtern eines Mauren nachstellten, der aus dem heute Spanischen in die Provence gekommen sei (aka verschleppt). Zur Strafe für das unbotmäßige Verhalten der Mönche seien diese vom heiligen Donatus in eben jene Steinstelen verwandelt worden, um am Ort ihrer Untat Buße zu tun. Sie scheinen noch nicht damit abgeschlossen zu haben und stehen wie mit der Kapuze ihres Habits auf den gesenkten Köpfen da.
Also, wenn Sie auf der A 51 gen Süden reisen sollten, halten Sie auf dem Parkplatz an und schauen Sie über die Durance, vorzugsweise nachmittags, denn dann steht die Sonne günstig. Und warten Sie nicht zu lange: die Bäume an der Raststelle wachsen stetig die Aussicht zu!

27
Aug
17

Spreewaldimpressionen

Seit einiger Zeit habe ich einen Mitarbeiter aus Lehde, also mitten aus dem klassischen Spreewald. Vor einigen Jahren war ich schon einmal mit meinen Tanten durch den Spreewald gegondelt, wobei wir nachmittags durch die Kanäle gestakt wurden und an jedem Gurkenverkaufsstand zur Verkostung anhielten. Mein Kollege hat als Eingeborener vor einiger Zeit eine Lizenz zum Fahren eines Spreewaldkahns mit dem typischen Staken erworben, so wie sie sein Vater auch.
Nach Feierabend hatten wir uns also bei ihm in Lehde verabredet, um mit ihm eine Tour durch die Kanäle zu machen. Mit einem kleineren Kahn mit 10 Sitzplätzen ging es los, als besondere Freude waren seine Frau und seine zauberhafte kleine Tochter Lotte dabei.
Es war schon nach 18 Uhr, als wir losfuhren, leise schaukelnd, nur vom Staken fast lautlos bewegt. Die Kähne werden heute eigentlich nur noch für die Touristen benutzt, bis auf die Post in Lehde und die Müllabfuhr, aber die haben auch schon keine Holzkähne mehr. Da der Spreewald und seine Fließe Biosphärenreservat sind, gelten strenge Regeln für das Befahren der Kanäle. So dürfen an sich keine maschinenbetriebenen Kähne fahren, lediglich mit Genehmigung z.B. die Müllabfuhr. Nachts darf ebenfalls nicht gefahren werden, es sei denn, man ist Anwohner.
Alles wirkt sehr idyllisch, aber man darf nicht vergessen, dass der Spreewald eine menschengemachte Landschaft. Die Fließe sind holzgefasst, die Pfähle und Spunde müssen regelmäßig nach dem Winter repariert und unterhalten werden. Viel Arbeit, die offensichtlich immer seltener gemacht wird: sobald man sich von den Hauptfließen entfernt, sieht man, wie sich die Wildnis die einstigen Wiesen und Ackerflächen zurückholt.
Die Regeln des Natur- und Denkmalschutz scheinen sehr streng, wie mir auch unser native guide bestätigte: beim Erwerb eines Grundstückes darf nur der Baubestand renoviert werden, abgerissen und neu gebaut darf an sich nicht. So kommt es, dass einige Grundstücke mit ruinösem Bestand natürlich auch keinen neuen Eigentümer finden und alles vor sich hinrottet. Und so kümmert sich dann auch keiner um diese Abschnitte und alles verfällt weiter, ein Teufelskreis.


An den Hauptfließen und in manchen Vorgärten stehen die typischen Heubergen wohl auch eher als Zier, denn dass das Heu wirklich an das Vieh verfüttert wird.

Es wurde immer stiller, je weiter der Abend fortschritt, einzig die Mücken wetzten die Messer. Diese waren aber auch die Einzigen, die um die Uhrzeit „essen gehen/fliegen“ konnten, denn die Lokale entlang der Fließe schließen, sobald die Touristen den Kähnen entsteigen. Und das passiert spätestens gegen halb sechs. Dann wird es still, die Fließanrainer sind dann wieder unter sich, sitzen an den Knälen und angeln, grillen und trinken ihr eigenes Feierabendbier.


Etwas abseits von Lehde haben wir sogar einen Eisvogel aufgescheucht, ein Reiher flog und ein paar Eichehäher keckerten empört, dass wir noch fast zwei Stunden nach offiziellem „Dienstschluss“ unterwegs waren.

Sorbisch spricht übrigens kaum noch jemand, auch wenn der Spreewaldkrimi des ZDF es etwas anderes zeigt und die Tracht wird auch eher für die Touristen aus dem Schrank geholt, soweit unser stakender Kollege. Schade eigentlich…




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