Archive for the 'wo die Weser einen großen Bogen macht' Category

29
Jan
21

Golddigga

(Im Entwurfsordner gefunden, ich schubse es später auf 2018…)

Oder…. Drama in zwei Akten

Nicht unsere Goldmünzen! (Quelle ausnahmsweise: pixabay)

Erster Akt 2016: Meine Schwester und ich haben ein paar Goldmünzen geerbt. Da wir unerfahren im Goldgeschäft sind, beschlossen wir, dass ich sie mitnehme, um eine feine Liste zu erstellen und in einer excel-Tabelle sowohl Wert als auch Art der Münze festzuhalten. Gemeinsam haben wir eine erste Übersicht erstellt, Feinheiten wollte ich zuhause in Berlin recherchieren. Am Ende der Liste war ich etwas erschrocken-erfreut über das Ergebnis.
Nun war ich überzeugt, dass ich die Münzen gut verpacken und verstecken sollte, dass nicht sofort der gemeine Wohnungseinbrecher sofort unseren kleinen Schatz finden würde. Gesagt, getan, vergessen!
Mitte 2016 stelle ich fest, dass es etwa ein halbes Jahr her ist, dass ich die Münzen wirklich gut versteckt habe, so gut, dass ich vergessen habe, wo!
Ich wollte diese Münzen mit ins Ostwestfälische nehmen , um sie krisensicher im Tresor der Tante zu bunkern, und beginne eine wahnsinnige Suche. Und halte damit meine Umwelt und vor allem mich selber in Atem. Wie konnte das passieren?? Ehrlich gesagt, ist meine Wohnung nicht so groß, dass man sich daran verlaufen könnte, obwohl ich manchmal vom „Ost-“ und „Westflügel spreche.
Meine Schwester versucht, mir zu helfen. Ich solle mich an den Rechner setzen, die excel-Tabelle öffnen und versuchen, mich daran zu erinnern, was ich mit den Münzen danach gemacht habe. Ok, etwas hilft es, denn ich erinnere mich an mindestens einen Ort, wo sie nicht liegen. Ich habe gesucht und gesucht und gesucht, Selbstzweifel, lange Telefonate mit meiner Schwester… nichts! Außer der Hoffnung, dass sie beim nächsten Umzug auftauchen.
Zweiter Akt 2018: Die Münzen sind immer noch nicht aufgetaucht, allerdings wurden sie sozusagen zu analogen Meme. Immer wenn wir etwas nicht finden, sagen wir: „Ach, es wird bei den Münzen liegen!“
Bei meiner Schwester haben sich die Lebensumstände geändert, sie packt ihre Koffer und zieht von Hannover in die Nähe von Hildesheim. Als gute Schwester helfe ich ihr natürlich beim Ausräumen, Sortieren und Verpacken. So sitze ich vor ihrem Sideboard im Wohnzimmer und ziehe CDs, Briefe und Kästchen aus den Tiefen. Ganz hinten sehr ich ein hübsches Kästchen, welches mir vage bekannt vorkommt. Ich öffne es, stutze und stoße einen Urschrei aus! Meine Schwester stürzt in den Raum, befürchtet, dass ich mich böse verletzt habe an was auch immer und findet mich mit offenem Mund und allmählich in einen Lachflash abdriftend auf dem Boden sitzend.
Sie ahnen es: Ich habe gerade die Münzen gefunden! Nicht bei mir in Berlin irgendwo, sondern bei meiner Schwester in Hannover! Wir scheinen irgendwie einen gemeinsamen Blackout gehabt zu haben, damals in Höxter: ich, dass ich die Münzen gar nicht mitgenommen habe, dies aber offensichtlich vorhatte und sie, dass sie sie mitgenommen hat, obwohl wir es irgendwie anders gedacht hatten.
Long story short: inzwischen sind wohlverwahrt im Tresor, da wo sie eigentlich schon 2016 hinsollten… und ich habe seitdem ein Lebensmotto: „Er/sie/es ist/sind nicht weg, er/sie/es ist/sind nur woanders.“
Probieren Sie es aus: es passt immer!

08
Mrz
17

Frühling im Schwesterngarten

Auch wenn die Temperaturen nicht immer mit dem Wunsch nach Frühling, Sonne, Wärme einhergehen, sprießt es doch überall, so auch im Schwesterngarten.
Die Schneeglöckchen und die Winterlinge treten in Jahr für Jahr größer werdenden Rudeln auf, vor allem im Steingarten rund um die große Terrasse.


Auch die Krokusse breiten sich allmählich über den moosigen Rasen aus. Zu unserer Kinderzeit standen nur drei Urahnen von ihnen dort. Ihr Erscheinen wurde jedes Jahr ängstlich erwartet und die Blüten liebevoll von uns Kindern umsorgt. Inzwischen haben sich die Frühlingsboten zu einem regelrechten zartlila Teppich ausgebreitet.
Tja, ein Großteil wird auch weiterhin im Schwesterngarten bleiben, ein Teil wird zusammen mit dem Schwesternhaus schon im nächsten Jahr für die neuen Besitzer blühen. Noch erfreuen wir uns aber an allen als „unsere Krokanten“.

05
Feb
17

Typveränderung

Sie kennen das, meine Damen und Herren, irgendwann ist die Frisur überarbeitungsbedürftig. Manche lassen sich vom Coiffeur ihres Vertrauens Haarverlängerungen ankleben, eine neue Farbe auftragen oder aber, das Haupthaar sichtlich kürzen. Eine Typveränderung muss her!

Auch bei unserem „Schwesterngarten“ war es allerhöchste Zeit für eine solche. Hin vom Modell „Ich glaube, ich stehe im Wald“ hin zu einem „Oh, es ist ein Garten“! Noch liegt eine Menge Arbeit vor uns, der Anfang ist aber gemacht, auch wenn das Urwaldgrün auch etwas hatte, aber leider alles andere als pflegeleicht war.garten-0

Auch im Hinblick auf den anstehenden Hausverkauf sollte der Garten etwas einladender werden, zumal auch zwei der großen Bäume überaltert und teilweise morsch waren. Die Nadelbäume waren schlichtweg zu groß. Außerdem soll man ja aus dem Haus auch wieder in den Garten schauen können und nicht nur vor eine Wand aus Nadelbaumgrün.

So rückten dann die Baumfäller mitsamt großem Gerät an!



Während ich mich mit baumarktüblichem Gerät am außer Kontrolle geratenen Kiwigestrüpp zu schaffen machte, gingen die Profis richtig an’s Werk.


Bis zum Einbruch der Dunkelheit waren eine Blau- und eine „normale“ Fichte, ein Walnussbaum, eine Kastanie, ein Apfelbaum und eine Korkenzieherweide gefällt. Die Zweige und kleinere Stammabschnitte wurden gehächselt, die beiden Anhänger waren abends gut gefüllt. Auch das Stammholz rollte vom Gehöft. Die Aufräumarbeiten zogen sich noch über den nächsten Vormittag hin, es verschwand auch der von mir produzierte Strauchschnitt, natürlich nur eine „Mädchenmenge“!



Als dann die Schwester kam, hatten wir einen wunderbaren Vorfrühlingstag im Garten und freuten uns über die ersten Boten des Frühlings.
fruehling

30
Jan
17

Alles wird gut!

Wie ging es mit unserem Erbfall weiter?
Da die Lebensgefährtin bereits Jahre vor dem Tod unseres Vaters ein eingetragenes Wohnungsrecht auf Lebenszeit bekommen hatte, waren wir in der Situation, dass meine Schwester und ich zwar Haus und Garten geerbt hatten, aber auch mit einer überaus schwierigen Belastung.
Das Wohnungsrecht war ohne weiteren Kommentare eingetragen, d.h. also auch für uns, dass die Frage, wer die Kosten trägt, auch von unserem Vater nicht bedacht worden war. Denn die gesetzlichen Grundlagen sehen vor, dass lediglich die reinen Verbrauchskosten wie Heizung (inkl. Wartung und Schornsteinfeger), Strom, Wasser, Abwasser und Müllgebühren umlagefähig sind,d.h. vom Nutznießer zu bezahlen sind. Alles weitere, was in einem Mietverhältnis zulasten des Mieters geht (Versicherungen, Grundsteuer B, etc.) würde von uns zu bezahlen sein. Keine sehr verlockenden Aussichten, dass das Haus uns Kosten verursachen würde, die wir aus unserem eigenen Einkommen gegenzufinanzieren hätten, dass somit auch keinerlei Rücklagen für Reparaturen und Unterhaltung zu bilden wären und dann das Schlimmste: da das Wohnungsrecht auf Lebenszeit ausgestellt war, konnten wir nicht einmal absehen, wie lange diese prekäre finanzielle Situation andauern würde. Eine Aufteilung des Hauses und Vermietung eines Teiles war auch nicht möglich, da die Eintragung im Grundbuch für das gesamte Haus galt.
Wir haben lange überlegt, diese Erbschaft auszuschlagen, aber für die ersten Jahre hätte das Barvermögen des Vaters als Finanzierung noch ausgereicht. Zudem hing an dem Ganzen noch ein sehr wichtiges Wegerecht, aber das ist eine andere Geschichte. Kurz und gut, es gab gewichtige Gründe, NICHT auszuschlagen, aber wir haben sehr, sehr lange nachgedacht und seitdem wir von der Eintragung wussten, auch häufig schlecht geschlafen haben.
Nun, nach der Beerdigung ging es munter weiter: unsere Versuche, etwas Ruhe in die ganze Geschichte zu bekommen, standen von Anfang an nicht gut. Wir hatten uns vorgenommen, uns als ruhige, wohl erzogene Menschen zu verhalten, um möglicherweise die Emotionen auf beiden Seiten etwas „herunterzukühlen“. Da die Dame aber stets von ihrer Korona gehässiger Freunde umgeben war, die ihr zuredeten, uns auf gar keinen Fall irgendwie einen Fußbreit entgegenzukommen, wurde jedes Gespräch zur Nervenprobe.
Alle Absprachen wurden innerhalb kürzester Zeit torpediert. Als im März Heizöl angeliefert wurde, welches wir vorfinanzieren wollten, wurde der arme LKW-Fahrer solange angeschrieen, dass sie nur 1000 l abnehmen würde, aber selber bezahlen wolle, dass er unseren Auftrag über „volltanken“ ignorierte, aber dafür lebend vom Hof kam! Das Ergebnis war, dass nicht mehr zu kalkulieren war, wieviel Öl noch im Tank war (Erbmasse!). Dies ist nur ein Beispiel… oder das Auto unseres Vaters, welches sie einfach so behalten wollte, da sie bei der Anschaffung knapp 25% des Kaufpreises vorgestreckt hatte.
Als Mitte des Jahres der Sohn überraschenderweise das Gespräch darauf brachte, dass „Omma“ ja auch nicht ewig 190 m² putzen könne und irgendwann sicher ausziehen würde, war für uns klar, dass wir die Chance auf eine Ablösung des Wohnungsrechtes die einzige Möglichkeit war, Ruhe in unsere eigenen Leben hinein- und nach 26 Jahren diese Frau endlich aus unseren Leben hinauszubekommen. Die Preisverhandlungen zogen sich noch etwas hin, aber im September war es dann soweit, dass wir eine Vereinbarung treffen konnten, die wir notariell absegnen ließen. Sie verzichtete auf das Wohnungsrecht, welches aus dem Grundbuch gelöscht wurde, sollte binnen dreier Monate aus dem Haus ausziehen. Im Gegenzug zahlten wir ihr in zwei Etappen sehr viel Geld und gehen nun getrennte Wege.
Nach der Unterzeichnung, als meine Schwester und ich draußen auf der Straße standen, schossen mir die Tränen der Erleichterung aus den Augen.
Anfang November haben wir das Haus übergeben bekommen, natürlich mit noch fiesen Kleinigkeiten, wie sehr kurz abgeschnittene Lampenkabel oder aus der Wand gerissene Gardinenstangen. Aber egal!
Wir haben seitdem alles ausgeräumt und entrümpelt, viele lustige, traurige, überraschende und tolle Sachen gefunden. So haben wir beispielsweise 268 Ausgaben der Hobby-Hefte zwischen 1955 und 1974.
Und eine Menge Arbeit natürlich, denn wir wollen die bösen Geister aus dem Haus treiben, was sich nur mit ordentlich weißer Wandfarbe erledigen lässt und demnächst mit ordentlich viel Räucherkram und einem rauschenden Fest.
Wir haben auch lange darüber nachgedacht und untereinander, auch mit der Tante viel diskutiert, ob wir das Haus behalten oder verkaufen. Wir haben uns für letzteres entschieden, denn wer in Berlin oder Hannover sitzt, kann nur schwer von Höxter aus bis dahin zur Arbeit fahren. Für eine grundhafte Renovierung fehlt uns das Geld, die Zeiten sind derzeit für Immobilienverkäufe in der Kleinstadt noch einigermaßen gut. Die demografischen Zahlen zeigen, dass das nicht so bleiben wird.
Für uns ist aber das Wichtigste, dass wir nun mit vielen Dingen abschließen und wieder zuversichtlich nach vorne schauen können!

Fundstück im Schwesternhaus

Fundstück im Schwesternhaus

11
Jan
17

Dona nobis pacem

Dies ist die Fortsetzung des Sternsinger-Beitrages, es bleibt weiter eher traurig!

Es hatte drei Stunden gedauert, bis vom hausärztlichen Notdienst (Wochenende auf dem Land!) jemand kam, um den Totenschein für unseren Vater auszustellen. Weiterlesen ‚Dona nobis pacem‘

09
Jan
17

Sternsinger

Als die Sternsinger im Flur standen, nur durch eine Tür von ihm getrennt, ist er gegangen. Ohne sich zu verabschieden. Als ich an sein Bett zurücktrat, war er weg.
fa
Heute vor einem Jahr ist mein Vater gestorben. Weiterlesen ‚Sternsinger‘

29
Nov
16

Schöner erben – unsere Oma Else

Noch immer sind wir im „schöner-erben“-Modus, meine Schwester und ich, noch immer ist nicht alles gesichtet, aber trotz mancherlei Ungemach finden sich immer wieder kleine Familienschätze, die für uns unbezahlbar sind. Hier ist wieder einer:
Unsere Oma Else hat uns ein posthumes Geschenk gemacht, sehr posthum, denn sie starb 1984. Aber sie war eine ordentliche Frau und hat in einer Schatulle einige Stapel an Papieren hinterlassen, die jetzt erst, als ihr jüngster Sohn, also unser Vater starb, an uns ging, an meine Schwester und mich.
Und zwischen diesen Papieren fand ich unsere kleine Weihnachtsgeschichte, die sich 1942 zutrug. Unser Großvater war in jener Zeit technischer Direktor einer kriegswichtigen Firma im Ostwestfälischen und somit auch in gewisser Weise eine Person des öffentlichen Lebens. Er selber hatte einen politischen Hintergrund, den man mit „aus der katholischen Arbeiterschaft stammend“ umschreiben kann und somit hat er sich nur auf Drängen den machthabenden Organisationen angeschlossen, offensichtlich erst immer, wenn es nicht mehr anders ging. Unsere Tanten erzählten uns davon, aber inzwischen können wir dieses auch in Papierform nachweisen. Hiermit gilt einmal der Dank an unseren Vater, dass er nichts weggeworfen hat!
Zurück zu unserer Oma Else: 1942 wurden auch bei ihrem Mann die Daumenschrauben einmal wieder angezogen, dass auch das letzte Familienmitglied in eine der braunen Organisationen eintreten sollte. Das war seine Frau, unsere Oma Else. Vier der fünf Kinder waren inzwischen bei den Jugendorganisationen eingefangen, nur sie war nirgendwo Mitglied. Das sollte sich ändern, befand man in der Stadt. Else bekam also Besuch von einer Frau Kaiser, die die Aufnahme und auch gleich das Erheben der Beitrittsgebühren besorgen sollte. Else wurde also gefragt, wie sie sich engagieren wolle, wollte Else aber nicht, sondern sie gab an, nur zahlendes Mitglied sein zu wollen. Dieses wurde natürlich weitergegeben. Schön, dass unsere Oma Jahre später eine Art Aktennotiz zu der ganzen Sache schrieb. else_3
Kurz vor Weihnachten 1942 bekam sie dann einen Brief, dass ihr Antrag abschlägig beschieden sei, sie würde nicht Mitglied in der NS-Frauenschaft werden.


Auf der Rückseite des Briefumschlages ging man offensichtlich zur Tagesordnung über: die Abrechnung vom Einkauf! Die Weihnachtsgans schlug mit 23 Mark zu Buche, Wurst, Speck, Leberwurst und Brot, summa summarum 30,10 Mark.
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Von den Kommentierenden gab es einen berechtigten Einwand, nämlich den Hinweis auf die Lebensmittelkarten, die 1942 natürlich in Gebrauch waren und dem Preis. Nicht nur Fleischwaren waren rationiert.

Die Schrift auf der Briefrückseite ist nicht von meiner Oma, ich werde recherchieren!

12
Nov
16

Unser Haus

So, ab und zu werde ich nun doch etwas zu den Erlebnissen berichten, die meine Schwester und mich besonders beschäftigt haben, unter der Überschrift „schöner erben“.


Es ist in den letzten Monaten ja schon angeklungen, dass unser Vater verstorben ist und uns ein „nettes“ Erbe hinterlassen hat: das Haus unserer Familie mit einem Wohnungsrecht, welches er seiner Lebensgefährtin bereits 2012 eingeräumt hatte. Grundsätzlich ist es auch in Ordnung, wenn der überlebende Partner/die Partnerin in einer Lebensgemeinschaft abgesichert oder bedacht wird. Aber bitte doch nicht auf unsere Kosten, die den Unterhalt des Hauses aus ihrem eigenen Lebensunterhalt dafür bestreiten sollten ohne über die Immobilie frei verfügen zu können. Wenn wir ein fettes Aktienpaket oder die Kronjuwelen von Großbritannien geerbt hätten, kein Problem, aber haben wir halt nicht. Im Übrigen hätte die Dame die laufenden Kosten aus der Rente des ersten, verstorbenen Ehemannes durchaus selber bestreiten können. Um es klarzustellen: es ging um die Nebenkosten, die man bei Mieten auf die Mieter umlegen kann, diese hätten sich bei einer Wohnfläche von etwa 180 qm auf ca. 400 € inkl. Strom und Heizung belaufen.
So kamen wir zu einem Haus mit Grundstück, das uns nun mit den Begleitumständen seit mehr als drei Jahren Sorgen bereitet hat. Meine Schwester und ich haben schon lange vor dem Tod unseres Vaters überlegt, ob wir das Erbe antreten sollten oder nicht. Da aber an dem Erbe auch noch Wegerechte zum Grundstück unserer Tante hängen, haben wir uns nach schlaflosen Nächten zu einem gemeinsamen Weg entschlossen. Gespräche mit unserem Vater und seiner Partnerin verliefen ohne greifbares Ergebnis für uns, waren von Schreiereien der Dame und von irrationale Vorwürfen an unsere Adresse („ihr habt doch als Kinder Musikunterricht gehabt!“) begleitet. Selbst der Steuerberater unseres Vaters war ratlos, nachdem er einen Blick in das Testament unseres Vaters geworfen hatte. Der Vater hatte neben dem Wohnungsrecht von uns, seinen Erbinnen, auch verlangt, dass wir das Haus für kommende Generationen erhalten, die Familiengrabstätte für immer und ewig erhalten (und nachkaufen). Jaha, für die Stammburg und die Erbgrablege…
Schade nur, dass er an dem Haus (Baujahr 1953) weder etwas für die energetische Sanierung noch sonstige Erhaltung getan hat. Tapezieren zählt nicht dazu, nur so zu Information. Und in den letzten fünfzehn Jahren, in denen wir ihn immer einmal gefragt haben, ob er nicht in kleinen Schritten die Sanierung beginnen wolle? Schließlich hatte er seitdem Hausbau durch seine Eltern hier mietfrei gewohnt. Jedes Mal wurden wir barsch zurückgewiesen und zum guten Schluss bekamen wir das Haus mit Bewohnerin vererbt, verbunden mit der Aufforderung des Vaters in seinem Testament, ihr einen Platz im Familiengrab zuzugestehen. Zum Glück haben weder meine Schwester noch ich selber den Wunsch, jemals an der Seite unserer Eltern und der Partnerin bestattet zu werden! Vater, geschenkt!
Die Dame weigerte sich, auch mit anwaltlicher Unterstützung, die für Mieter üblichen Nebenkosten an uns zu zahlen, lediglich ihre unmittelbaren Verbrauchskosten wie Öl für die Heizung, Wasser, Abwasser und Müllgebühren zahlte sie nach unendlichen Streitereien und mehrfacher Aufforderung. Der Punkt war, dass in der Urkunde über die Einräumung des Wohnungsrechtes dazu keine weiteren Bedingungen verbunden waren. Bitter war auch, dass man das Haus, hätte unser Vater langwieriger Pflege bedurft, nicht einmal zur Deckung von Kosten hätte verkaufen können. Kein Wunder, dass meine Schwester und ich viele schlaflose Nächte hatten, lange bevor der Erbfall nun wirklich eingetreten war.
Relativ bald nach dem Tod unseres Vaters und seiner Beerdigung (das wird irgendwann noch ein eigener Eintrag hier) saßen wir mit der Frau und ihrem Sohn aus erster Ehe zusammen, um Dinge zu klären. Wir wurden darüber informiert, dass die Dame nicht neben meinem Vater dereinst bestattet werden wolle. Und im Übrigen meinte der Sohn, dass seine Mutter nicht dauerhaft alleine in dem großen Haus leben könne, und er überdies keine Lust habe, sich dauernd um Reparaturen und Hilfewünsche seiner Mutter zu kümmern. Wir sollten uns einmal überlegen, ob wir sie nicht aus dem Haus herauskaufen wollten, nicht sofort, aber in ein paar Jahren.
Da aber die kommenden Monate geprägt waren von Streitigkeiten um die Kosten und Post vom gegnerischen Anwalt pünktlich vor den Wochenenden, beschlossen wir, in den sauren Apfel zu beißen, und, um auch selber endlich freie Hand zu haben, der „gegnerischen Partei“ das Wohnungsrecht abzukaufen. Die zu zahlende Summe lässt sich aus dem Wert des Hauses und der sogenannten Sterbetafel des statistischen Bundesamtes berechnen. Gemäß dieser statistischen Berechnung liegt ihre Lebensdauer bei einem Alter von 79 Jahren noch bei 9,86 Jahren. Noch knapp 10 Jahre Ärger bei gleichzeitigem Preisverfall des Hauses in einer Kleinstadt im Ostwestfälischen? Nein. Wir entschlossen uns, die Sache mit der Zahlung von Geld zu beenden. Nach mehreren Monaten erzielten wir endlich eine Einigung. Meine Schwester und ich bereiteten einen Vertrag vor, den wir bei einem Notar mit der Gegenpartei im September abzeichneten. Wir würden ihr einen Betrag in fünfstelliger Höhe auszahlen, während sie auf das Wohnungsrecht verzichtete, in dessen Löschung aus dem Grundbuch einwilligte und bis zum Ende Oktober aus dem Haus ausziehen würde.
So ist es inzwischen geschehen, meine Schwester und ich sind zwar „blank“, aber doch erleichtert, denn nun können wir über das Haus verfügen. Über den Winter wollen wir Haus etwas aufhübschen, den Garten von den größten Nadelbäumen befreien und dann im Frühjahr mal weiterschauen… Nein, keine von uns wird dort einziehen, wir wohnen und arbeiten in Hannover und Berlin.
Vielleicht holen wir uns noch eine Shamanin, um die bösen Schwingungen auszuräuchern!

21
Aug
16

Schneller Johannisbeerkuchen

Für das Wochenende hatte sich Besuch angesagt, Treffpunkt: das liebliche Ostwestfalen. Meine ehemaligen Austauscheltern des Schüleraustausches nach Arras in Nordfrankreich wollten nach vielen, vielen Jahren einmal wieder nach Höxter kommen. Wir kennen uns inzwischen seit mehr als 30 Jahren und so treffen wir uns mal hier, mal da, nicht immer alle, aber wir sehen uns doch meist mindestens einmal pro Jahr. Die ganze Familie ist so etwas wie der verwandtschaftliche Ableger der unsrigen Mischpoke geworden.
Das heißt auch, dass man sich auch gut vorbereitet, wenn die Eltern auf Besuch kommen aka Kuchen backt.
Beim Einkaufen war mir ein Körbchen rote Johannisbeeren in tiefstem Richensarot in’s Auge gefallen, die den Grundstock für mindestens einen Kuchen bilden sollten. Rezept hatte ich noch keines dazu, aber das Internet hilft ja immer bei der Ideenfindung, so auch jenes Mal.

Johannisbeerkuchen auf die Schnelle

2 Eier (Größe M)
220 g Zucker
1 TL Vanillezucker
150 g Mehl
1 TL Backpulver, Weinstein-
75 g geschmolzene Butter
200 g rote Johannisbeeren

Johannisbeeren waschen, vorsichtig trockentupfen und von den Reben zupfen, am besten mit einer Gabel, damit die Beeren ganz bleiben.
Ofen auf 180°C vorheizen.
Die Eier schaumig aufschlagen, den Zucker dabei langsam einrieseln lassen. Mehl und Backpulver mischen, auf die Masse sieben und am besten per Hand mit einem Schneebesen unterziehen. Die geschmolzene und leicht abgekühlte Butter unter die Masse heben.
In eine mit Backpapier ausgelegt Tarteform füllen, die Johannisbeeren auf dem Teig verteilen und 20 – 30 Minuten backen. Der Kuchen soll goldgelb werden, nicht zu dunkel werden lassen!
johannisbeerkuchen1
Abkühlen lassen, dann lässt sich der Kuchen mit dem Backpapier auch bruchfrei aus der Form heben.
Der Kuchen hat eine mandelige Note. Das Miteinander von Süß und Sauer fand großen Beifall, es wurde Sahne dazu gereicht.

 

07
Aug
16

Landpartie mit der Tante

Wenn der Sommer uns so ein schönes Wochenende gönnt, sollte man das auch nutzen. Nachdem im Schwesterngarten die Arbeit erledigt war, beschlossen die Tante und ich, eine kleine Tour durch die Gegend zu unternehmen.
Zunächst ging es in den Solling über Neuhaus und Winnefeld wieder herunter in’s Wesertal. In Meinbrexen wollten wir eigentlich kaffeesieren, aber da im Garten des Rittergutes das „Park- & Gartenwochenende“ stattfand, war es leider noch voller als sonst. Aber immerhin kam man in den Gartenbereich vor dem Herrenhaus.
Das Gebäude stammt aus dem späten 17. Jahrhundert und wird von der Familie von Mansberg in der 12. Generation bewohnt, die auch das zugehörige Gut mit Waldwirtschaft, dem Anbau von Erdbeeren, einem Laden mit Dekoartikeln und dem Café bewirtschaften. Hinter dem Herrenhaus liegt ein Landschaftspark, der nach den Ideen der Freimaurer gestaltet sein soll. Seit 2012 bemühen sich die Besitzer um Wiederherstellung des verwilderten Garten, den ich ja gerne gesehen hätte. Zum Tag des offenen Denkmals im September ist er das nächste Mal geöffnet, wir waren zu spät zur Führung da.



Und weiter ging es über Lauenförde und Beverungen nach Wehrden zurück an die Weser, nur auf der anderen Seite. Es gibt auch eine Radfahrer- und Fußgängerfähre über die Weser, die ein paar hundert Meter stromaufwärts vom ursprünglichen Übergang verlegt wurde. Hier an der alten Anlegestelle gibt es eine Gaststätte mit Außenplätzen, wo wir unseren zweiten Versuch starteten wollten, Kaffee zu trinken. Bei dem schönen Wetter war es auch hier sehr voll, leider roch es ziemlich nach Frittieröl. Unten am Ufer schauten wir nach Fürstenberg hoch, zum ehemaligen Jagdschloss der braunschweiger Herzöge und Porzellanmanufaktur. Es ist die zweitälteste in Deutschland, nach Meißen und produziert noch heute am Ort.

fuerstenberg 1
Auch Wehrden hat ein Schloss, welches ein paar hundert Meter entfernt liegt. Der ebenfalls nicht zugängliche Park zieht sich bis zur Weser hinunter, das Hauptgebäude der Anlage wurde auf den Grundmauern einer älteren Anlage errichtet, ein paar Jahre vor dem Bau in Meinbrexen. Auch Wehrden ist noch in Familienbesitz, ein Teil der Anlage ist aber als kleinere Wohnungen vermietet, ein größerer Teil, besonders die Wirtschaftsgebäude, ist unrestauriert. Der Park ist wiederum nicht zugänglich, obwohl mit „Drosteturm“, in dem die Dichterin Annette von Droste-Hülstoff sich bei ihren Besuchen gerne aufhielt und alter Baumbestand, zum Teil als NRW-Naturdenkmal klassifiziert, sicher einen Besuch wert wäre.


Kaffee und Kuchen gab es zum Spätnachmittag auf der Tantenterrasse, zurück im Tantengarten.




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