Archive for the 'Dreißigjaehriger Krieg' Category

19
Jun
16

Coburg, seine Veste

Großbritannien dominiert ja gerade die Schlagzeilen, da passt ja mein Beitrag, obwohl er deutlich weniger Aktualität hat. Ein bisschen England hat es auch in Coburg, denn hier wuchs der spätere Gatte von Queen Victoria auf, Albert von Sachsen-Coburg und Gotha auf, die Veste Coburg hoch über der Stadt war der Stammsitz seiner Familie. Die Geschichte der Burg reicht nach archäologischen Quellen bis in das 10. Jahrhundert zurück, die ältesten erhaltenen Baureste stammen aber erst aus dem 13. Jahrhundert. Gebaut und erweitert wurde so gründlich, dass älterest mehr oder weniger verschwand. Bauliche Spuren der „Romanisierung“ 1838 und den umfangreichen Renovierungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts haben das heutige Erscheinungsbild geprägt.


Aber ich war nicht wegen der Burg an sich dort, sondern die Kunstsammlung auf der Veste war der Grund für die Wochenendreise in’s Oberfränkische. Außerdem gab es eine Veranstaltung zum „militärischen Feuerwerk“ des 15.-17. Jahrhunderts.
In der Veste gibt es noch umfangreiche Bestände des ehemaligen Zeughauses, darunter neben den klassischen Handfeuer- und Schutzwaffen wie Musketen oder Helme und Panzerungen von Fuß- und Reitersoldaten, aber auch singuläre Stücke, wie Pechkränze und Feuertöpfe, die bei Belagerungen verschossen wurden und deutlich heißer als normales Feuer schlimmste Verletzungen bei den Getroffenen hervorrufen konnten. Kennt man heute aus Guerillakriegen und Aufständen immer noch, inklusive Fassbomben bei Selbstmordattentaten. An diesem Wochenende wurden diese Exponate als Nachbau mit deutlich reduzierter Ladung und Gefahrenpotential vorgeführt. Für den historisch Interessierten spannend, aber auch zum Nachdenken (einmal mehr) anregend.


Der Nachmittag verging viel zu schnell, die Vorführungen zur Artillerie des 15.-17. Jahrhunderts haben wir ausgelassen, allerdings habe ich ausgiebig die Darsteller des 14./15. Jahrhunderts bestaunt: ich hatte noch nie mittelalterliche Krieger in kurzen Hosen gesehen… Helden in Strumpfhosen kennt man ja auch aus mittelalterlichen Darstellungen, aber noch nie, nie, nie habe ich die in Shorts gesehen. Wobei ich mir sicher bin, dass das historisch korrekte Beinklein aus Wolle im Sommer schön kratzt.

Die Glassammlung in der Veste sucht ihresgleichen, neben dem „Hedwigsbecher“ in der Luther-Abteilung mag ich besonders die emailbemalten Gläser, die mit ihrem Detailreichtum zu Genuss-Sehen und manchmal auch zum Grinsen verführen.
Hedwigsbecher, Glasrätsel aus dem Vorderen Orient des 10.-12. Jhs.

Hedwigsbecher, Glasrätsel aus dem Vorderen Orient des 10.-12. Jhs.



Zu Schnell war der Nachmittag vorbei…

Öffnungszeiten
Sommermonate 2016 (19.03. – 06.11.2016)
täglich von 9.30 – 17 Uhr
Wintermonate 2016/2017 (08.11.2016 – 31.03.2017)
Dienstag bis Sonntag: 13 – 16 Uhr (montags geschlossen)
24., 25., 31. Dezember und Faschingsdienstag geschlossen
2017 (01.04. – 08.05.2017)
täglich von 9.30 – 17 Uhr
(09.05. – 05.11.2017)
täglich von 9.00 – 18 Uhr

Mehr Infos (Preise, Sammlungen online, etc.) siehe:
http://www.kunstsammlungen-coburg.de/

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06
Nov
15

Lützen again

Wieder war 6. November, wieder war ich in Lützen zum Gustav-Adolf-Tag, der nun in Tag der Begegnung umbenannt wurde. Vor der Kirche in Meuchen standen Autos mit schwedischen Kennzeichen, einige Wagen mit Diplomatenkennung sah ich auch. Auch ich hatte dieses Jahr zwei Besucher aus Schweden dabei, denen ich vor Wochen von diesem Tag erzählt hatte. Beide haben Lützen als Ort der Schlacht, in der der bekanntestes schwedische König Gustav II. Adolf fiel, bereits besucht, keiner war jedoch am Gedenktag hier. Vor der Kirche durchliefen wir das Spalier der Sänger des Göteborger Universitätschores, der die Feierlichkeiten in Kirche und später an der Gedenkstätte musikalisch begleiten sollte. An der Kirchentür wurden wir von Bürgermeister und Pfarrer begrüßt, bevor wir in die kleine Kirche gingen. Wiederum diese eigentümliche Mischung aus örtlicher Bevölkerung, Vertretern der nordischen und estnischen Botschaften und Militärs, darunter auch ein Offizier des Heeres der Bundeswehr. Die schwedische Gemeinde aus Berlin schickte auch dieses Jahr ihre Pastorin, so dass neben dem schwarzen mächtigen Talar der Kirche Luthers auch das etwas freundlichere, fast katholisch wirkende Habit der Schwedin etwas Farbe in den Gottesdienst brachte. Von vielen unbemerkt waren zu Beginn des Gottesdienstes auch eine Gruppe Reeanactors in den hinteren Teil der Kirche getreten. In nachgefertigter Kleidung der Soldaten des Dreißigjährigen Krieges hatten sie die acht Männer die Nacht auf dem Schlachtfeld verbracht. Sie hatten dies, wie sie mir erzählten, getan, um auf ihre Weise der Soldaten zu gedenken, die in Angst und Spannung damals vor 383 Jahren ihre letzte Nacht in Erwartung der Kämpfe und vielleicht auch des eigenen Todes das Morgengrauen wenig Schlaf gefunden hatten.
Von den offiziellen Vertretern wurden sie nach dem Gottesdienst eher misstrauisch beäugt, von den Kindern der schwedischen Schule jedoch mit vielen Fragen bestürmt.
Der zweite Teil der Feierlichkeiten wurde in der Gedenkstätte bei Lützen begangen und wieder wurden eine Menge Kränze am Gedenkstein für den gefallenen König niedergelegt, zuletzt legten die Reenactors einen eigenen Kranz mit selbstgestalteter Kranzinschrift nieder, leider wiederum etwas scheel von offizieller Seite beäugt. So stellte es sich für mich aus der Warte der Beobachterin dar.
Es ist eine eigentümlicher Tag, der dem Gedenken eines Königs gewidmet ist, der eher aus dem Streben um die Vormacht im Ostseeraum und im Nordosten Deutschlands in den Dreißigjährigen Krieg eingetreten war als aus Sorge um die Glaubensgenossen, auch wenn man das aus streng protestantischer Sicht in Lützen hier sicherlich anders sieht. An jenem Tag habe ich nur zweimal den Hinweis auf die vielen tausend Toten, die man eben nicht mit Namen kennt, gehört, dort, während der Gedenkfeierlichkeiten. Merkwürdig, ich muss der Gedenkstätte nur den Rücken kehren, auf das Feld auf der anderen Straßenseite schauen und dann geht bei mir das Kopfkino zur Schlacht an…
Erst im Anschluss geriet der Tag mehr zu einem Tag der Begegnung: im Saal des Roten Löwen, des örtlichen Gasthauses fanden man sich Kaffee, Soljanka, belegten Brötchen und Bier zusammen. Die Gespräche dann waren für mich auch ganz spannend, es hat für mich sogar zu einem kurzen Schnack mit dem schwedischen Botschafter gereicht. Dem Gesandten der estnischen Botschaft fiel als erstes mein Fingerring auf, der einem Fund aus dem 12. Jahrhundert aus seiner Heimat nachgebildet ist – kurios! Schließlich landete ich an der langen Tafel neben dem Journalisten, den ich am Vortag in Halle kennengelernt hatte und den ich an den Stationen dieses Tages immer wieder traf, er hatte offensichtlich dieselbe Tagesplanung. Mein schwedischer Besuch staunte über die gelb-blaue Farbenpracht der Lützener Dekoration, ich auch… ein wunderlicher Tag!

07
Nov
14

Lützener Nebel

Jahrestage sind so eine Sache. An manche Tage erinnert man sich gerne, andere Erinnerungsdaten sind mit mehr Nachdenken und Gedenken verbunden. So ein Tag ist der 6. November 1632 gewesen, nach altem julianischem Kalender. Heute wäre es der 16. November, aber in Lützen wird das Gedenken an die Schlacht von 1632 jedes Jahr am 6. November begangen.
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Ich hatte schon davon gehört, dass dies ein sehr feierlicher Anlass sei, der unter Beteiligung von Schweden, Finnen und Balten gefeiert würde, dabei war ich aber noch nie. Aber nun erst einmal eines nach dem anderen. Zunächst einmal zur „Schlacht von Lützen“: wir befinden uns mittem im Dreißigjährigen Krieg, seit 1630 mit schwedischer Beteiligung. Über die Gemengelage, wer warum wieso und wann in den Wahnsinn eingestiegen ist, kann ich hier nicht ausführen, darüber lassen sich seit bald 400 Jahren Gelehrte und andere Historiker in ganzen Bibliotheken voller Bücher aus, nur soviel: es war nur am Rande ein Religionskrieg, auch wenn ich das gestern häufiger gehört habe. Aber steigen wir mal ein paar Wochen vor der Schlacht in die Berichterstattung ein: die schwedische Armee unter ihrem charismatischen König Gustav II. Adolf lag mit dem kaiserlichen auf der Gegenseite unter dem Generalissimus Albrecht Wenzel Eusebius von Wallenstein vor Nürnberg fest. Die Belagerung und die Erzwingung einer militärischen Entscheidung war etwas schief gelaufen für den Schwedenkönig, beide Armeen bereiteten sich schon fast auf den Abzug in die verschiedenen Winterlager vor. Damals wurde nämlich während des Winters im Prinzip nicht gekämpft, nur um’s Überleben. Daher trennten sich auch die Heere in kleinere Verbände und verteilten sich über die verschiedenen Regionen in Mitteleuropa, um diese gründlich „leerzufressen“. Und so begann eine Art Katz- und Mausspiel zwischen den schwedischen und kaiserlichen Truppen samt ihren Verbündeten, ob es denn noch einmal eine Möglichkeit einer offenen Feldschlacht geben würde. Beide Truppen zogen gen Kurfürstentum Sachsen, Wallenstein setzte sich bei Weißenfels, Gustav Adolf bei Naumburg fest, wieder sausten die Spione und Kundschafter hin- und her, ob irgend etwas passieren würde. Schließlich gab Wallenstein den Befehl, dass sich seine Truppenteile in unterschiedliche Richtungen in ihre Winterlager aufmachen sollten. Auf den Moment hatte Gustav II. Adolf gewartet: kaum war er sicher, dass soviele Truppen abgezogen waren, dass er einen Angriff wagen konnte, setzte er sein Heer in Bewegung. Von Weißenfels bis Lützen sind es nur ein paar Kilometer, die Gegend ist fast pfannkuchenflach, nur ein kleines Flußtal ist zu überwinden, um auf den perfekten Platz für eine Feldschlacht zu gelangen. Der Überraschungsangriff gelang nicht ganz, aber in der vermutlich kalten Nacht vor dem 6. (16.) November verbrachten beide Truppen kampfbereit in der Nähe des späteren Schlachtfeldes, am nächsten Morgen standen dann ab etwa 10 Uhr alle bereit, aufeinander loszugehen.
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Der schwedische König ritt sein teures Pferd Streiff irgendwo bei der Kavallerie in der Mitte des rechten Flügels. Was nun genau geschah, warum der König im Kampfgetümmel von seiner Leibgarde getrennt wurde und mitten in die feindliche Reiterei geriet, wird sich wohl nicht mehr herausfinden lassen, ob es der berühmte „Lützener Nebel“, der wieder wie aus dem Nichts entstanden sein soll (schwedische Redensart bis heute!) oder schlichtweg der Pulverdampf aus den abgefeuerten Waffen oder die Kurzsichtigkeit des Königs oder sein Pech war? Kurze Zeit später war er von einer Musketenkugel am Arm, mehreren Pistolenschüssen aus nächster Nähe und von mehreren Stichen von Blankwaffen getroffen, lag am Boden und starb. Und noch schneller waren die Plünderer aus den kaiserlichen Reihen da: bis heute fehlen sein goldener Siegelring, die Halskette, die Uhr, seine Stiefel und die Sporen. Seine berühmtes Elchkoller, eine Art kurzer Reitjacke aus dickem Elchleder wurde bis nach dem 1. Weltkrieg als Trophäe in Wien aufbewahrt, dann aber aus Dankbarkeit für humanitäre Hilfe Schwedens in den Hungerjahren nach dem 1. Weltkrieg zurück gegeben. Die Leiche des Königs wurde erst etwa eine halbe Stunde, nachdem er verschwunden war, gefunden und geborgen, bis auf’s letzte, vorletzte und vorvorletzte Hemd geplündert (es war ja kalt und der König trug drei Hemden übereinander). Der Leichnam wurde hinter die schwedischen Linien in das nächste Dorf nach Meuchen in die Kirche gebracht und dort notdürftig gereinigt, später nach Weißenfels, dort nach allen Regeln der damaligen Kunst einbalsamiert und für den Rücktranksport nach Schweden vorbereitet. Der Leichenzug ging über Wittenberg, über Spandau, Eberswalde, Prenzlau bis nach Wollgast, wo er noch im Dezember 1632 ankam, Streiff war noch dabei, lebend! Bis die königliche Leiche von dort aus weiter gen Stockholm reiste, wurde es Juli 1633. Hier macht mein Kopfkino immer eine dezente Ausblendung und schaltet erst wieder ein, als der massive Marmorsarkophag in Stockholm in der Ridderholmskyrkan hinter dem barocken Gitter verschwindet. Gustav II. Adolf wird somit endgültig zur Ikone der Protestanten.
Aber zurück zum Schlachtfeld: militärisch gesehen gab es eine eindeutiges Unentschieden, was sich nur deswegen zum Sieg der verbündeten schwedischen Armee auswuchs, weil die kaiserlichen Verbände als erste das Schlachtfeld verließen. Wer bleibt, hat gewonnen! Viele tausend Soldaten verloren an dem Tag ihr Leben, man geht von mindenstens fünftausend aus, noch viel mehr erlitten Verletzungen, an denen sie aufgrund mangelnder medizinischer Versorgung noch Wochen später starben.
Tja, und der Tag jährte sich gestern. Zufällig geriet ich in Meuchen in den protestantischen Gedenkgottesdienst, anschließend wanderten meine Begleiter und ich von Meuchen aus über das Schlachtfeld, dort, wo vor 382 Jahren die schwedische Armee und ihre Verbündeten auf etwa 2,5 km Breite ihre erste Aufstellung genommen hatte. Es war ebenso leicht nebelig mit kurzen Sonnenaugenblicken wie 1632, nur die Wildgänse waren erheblich friedlicher und angenehmer als die Soldaten damals.
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Wir liefen bis zur Gustav-Adolf-Gedenkstätte, die in der Nähe seines mutmaßlichen Todesortes seit dem 19. Jahrhundert entstanden ist. Hier war dann gerade der zweite Teil des Gottesdienstes gerade beendet und wir kamen gerade rechtzeitig an, um aus gebührender Entfernung die Vertreter der schwedischen, finnischen und estnischen Botschafter, Stiftungen und Schulen zu beobachten, die hier Kränze niederlegten. Es wirkte etwas so, als sei der König erst kürzlich verstorben.


Kurioserweise wurden wir sogar zum Empfang eingeladen, der in Lützen selber stattfand, der schließlich in der „Schlacht am Kuchenbüffet“ endete, irgendwie charmant, irgendwie auch ein wunderliches Erlebnis.
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12
Apr
14

Östermalms Saluhall in Stockholm

Södermalm gehört zu den jüngeren Stadtvierteln in Stockholm, es wurde erst im Laufe des 19. Jahrhunderts nordöstlich der Gamla Stan, der Altstadt aufgesiedelt und bebaut. Und so bekam das aufstrebende, chice Viertel 1888 an der südwestlichen Ecke des Östermalmtorg auch eine hübsche Markthalle.

Zum Glück für mein Portemonnaie war ich kurz nach der Einnahme des reichhaltigen Hotelfrühstücks für einen kleinen Rundgang dort, denn die Auslagen sind zu appetitlich drapiert. Auch zur Mittagszeit ist die Saluhall eine gute Adresse für leckere Häppchen und zum Leutegucken.

Sie hat auch eine eigene Website, die Markthalle: http://www.ostermalmshallen.se/
Öffnungszeiten: Mo – Do 09.30 – 18.00 Fr 09.30 – 19.00 Sa 09.30 – 16.00

11
Apr
14

Stockholms ältestes Pferd

Auf Bilder hatte ich es schon oft gesehen: Stockholms ältestes Pferd! Es hieß „Streiff“ und starb 1633 in bestem Pferdealter. Bekannt wurde es, weil sein Besitzer sehr prominent war: Gustav II. Adolf Vasa, König von Schweden. Der führte sein Heer ab 1630 in den Dreißigjährigen Krieg auf dem Kontinent und fiel 1632 in der Schlacht von Lützen.
Streiff überlebte die Kämpfe und wurde im Leichenzug des Königs bis an die deutsche Ostseeküste zwischen November 1632 und Juni 1633 mitgeführt. Es scheint, dass das Pferd dort getötet wurde, auf alle Fälle wurde es im wahrsten Sinne des Wortes entbeint, Fell, Hufe mitsamt Hufeisen wurden nach Stockholm verbracht und der Hengst als ausgestopftes Ausstellungsstück in die Leibrüstkammer gebracht. Diese hatte Gustav II. Adolf Vasa selber einrichten lassen, hier ließ er bereits zu eigenen Lebzeiten Kleidung, die er in (erfolgreichen) Schlachten getragen hatte, sammeln. Nun kam nach seinem Tod auch „Reliquien“ dieses wie einen (protestantischen) Heiligen verehrten Königs aus der Lützener Schlacht in die Leibrüstkammer: die drei blutdurchtränkten Hemden, die er an jenem Tag trug, die Strümpfe und sein Degen. Der Rest, inklusive der Taschenuhr, einer Kette, des Siegelringes, Hose und Stiefel, war der Leiche schon während der Kämpfe geplündert worde und blieben bis heute verschwunden. Der Koller aus Elchleder, eine Art Lederjacke für Reiter, gelangte erst nach Wien in die Sammlung der Habsburger, später in das Heeresgeschichtliche Museum und nach dem 1. Weltkrieg als Dank für schwedische Lebensmittelhilfen, wurde dieses Kleidungsstück des Königs an Schweden zurück gegeben.
Zurück zu Streiff: Der Hengst steht nun also in ausgestopfter Form in der Leibrüstkammer, angetan mit dem prächtigen roten Sattel, den er auch 1632 getragen hat, als er den König in die Schlacht trug. Nun nutzte ich die Gelegenheit und schaute mir die königlichen Ausstellungsstücke an, das Pferd, die Kleidung des Königs, der Degen, die Kleidung, die der Tote bis zu seiner Beisetzung in Stockholm trug. Streiff, immer noch schick sieht er aus. Nur die schwarzen Augenhöhlen finde ich gruselig.

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Gustav II. Adolfs Kleidung aus der Schlacht von Lützen 1632, Verwundungsspuren inklusive.

Streiff ist inzwischen Teil des Logos.

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Endstation Logo

Livrustkammaren Stockholm
Slottsbacken 3
111 30 Stockholm

Januar bis April: Di-Mi, Fr-So 11-17
Mai: von 11 bis 17 Uhr täglich
Juni: von 10 bis 17 Uhr täglich
Juli-August: täglich 10-18
September bis Dezember: Mo-Mi, Fr-So 11-17

Eintritt 90 SEK (Erwachsene)

21
Mrz
14

Steinzeitlandschaft

In der zurück liegenden Woche war ja bestes Wetter in Mitteldeutschland, frühlingshafte Temperaturen, blauer Himmel in Halle. Zeit für eine elegische Landpartie.

Das Ziel lag nur eine Stündchen nördlich von Halle: Bernburgs Umgebung. Eigentlich war es fast eine Zeitreise, ganz weit zurück in die Steinzeit, genauer gesagt in die Jungsteinzeit. Neolithikum. Viel ist allerdings von der Steinzeitlandschaft nicht mehr zu sehen, lediglich die eindrucksvollen Reste mächtiger Grabhügel mit Resten von Großsteingräbern, die in der Gegend um Bernburg ihre eine Exklave haben. Eigentlich erwartet man so weit südlich keine Megalithgräber mehr, ja, Norddeutschland, na gut, auch noch in der Altmark, aber hier? Dennoch sind sie da, keiner weiß, wieso die Erbauer nicht wie die neolithischen Nachbarn etwas zurückhaltender bestatteten. Aber gerade deshalt ist die Gegend um Bernburg schon um 1900 das Ziel neugieriger Altertumsforscher gewesen, die sich den mächtigen Grabkammern mit Spaten und Schaufel näherten und diese nach damals neuesten Erkenntnissen ausgruben. Die Zeichnungen und Beschreibungen, die sie damals anfertigten, sind auch heute noch als Dokumentationen erhalten und liegen im Archiv des Landesamtes für Denkmalpflege Sachsen-Anhalts. Und die damaligen Ausgräber erkannten besondere Formen und Verzierungen an den Funden und gaben ihnen einen Namen: „Bernburger Kultur“, in Fachkreisen auch heute noch unter diesem Namen bekannt.

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Angefangen haben wir mit dem „Pfingstberg“, ein künstlich aufgeschütteter Hügel, auf dessen Gipfel eine knapp 2 m hohe Steinstele steht. Der Hügel ist inzwischen mit Bäumen und Buschwerk bewachsen, so dass der Menhir nur dem sichtbar wird, der sich durch die Vegetation schlägt. Weiter untersucht ist der Hügel bislang nicht, man geht davon aus, dass der Menhir zum Gedenken an die Ahnen aufgestellt wurde, möglicherweise wurden hier auch Opfer dargebracht. In der lokalen Überlieferung heisst er auch „Schwedenstein“, was sicherlich damit zu erklären ist, dass der Hügel Teil eines riesigen Befestigung aus dem Dreißigjährigen Krieg war, die hier im Herbst 1644 innerhalb von wenigen Wochen von tausenden Soldaten der schwedischen Armee angelegt wurde. Nur ein Teil war auch von der Zeltstadt der einfachen Soldaten bedeckt, der Rest diente dazu, das Lager der gegenerischen kaiserlichen Armee und die Stadt Bernburg mit schwerer Artillerie beschießen zu können.

Heute ist alles ruhig, nur die kleine Landstraße nach Latdorf führt in ein paar Metern Entfernung vorbei. Die Landschaft ist leider durch die Kalkhalden tiefgreifend verändert, so dass der Blick nach Norden und Westen verstellt ist.

Der nächste neolithische Halt war die „steinerne Hütte“, dieses Mal ein eindrucksvolles Megalithgrab inmitten einer alten Feldgrenze, die mit blühenden Weißdorf bestanden ist. Natürlich ist die Frage nach Henne und Ei überflüssig: das Megalithgrab ist sicher die Henne, die Gemarkunsgrenze das Ei.Bereits im Zusammenhang mit dem oben erwähnten Lagerbau im Dreißigjährigen Krieg wurde der zugehörige Hügel abgetragen, im Jahr 1918 zerstörten unsachgemäße Ausgrabungen die Reste der Grabkammer. Erst 1958 wurden die Steine wieder aufgerichtet, die Anlage rekonstruiert. Acht Meter lang ist sie, etwa zwei Meter breit und aus imposanten Sandsteinplatten bestehend, zwischen 4100 und 2700 v. Chr. wurde es über viele Generationen genutzt, wie die wenigen Funde bei der Nachgrabung 1958 zeigten. Heute wird der Platz als Picknickplatz genutzt, wie die Tüten mit den Logos einer großen Fastfoodkette zeigen, ein paar Meter entfernt werden offensichtlich auch Lagerfeuer abgehalten.

Weiter ging es den Feldweg entlang, nur ein paar hundert Meter weiter südlich liegt das „Spitze Hoch“, wiederum ein gewaltiger Grabhügel, der über der flachen Landschaft aufragt. 31 m lang und sechs Meter hoch ragt der Hügel über der offenen Landschaft auf. Genutzt wurde er, so die Ergebnisse der Ausgrabungen, seit etwa 3950 v. Chr. bis 2200 v. Chr. und dann mit einer Unterbrechung noch einmal in der jüngeren Bronzezeit um 1300 – 800 v. Chr. Forschungsgeschichtlich gehört er ebenfalls zu den wichtigsten Denkmalen Mitteldeutschlands, lässt uns die Tafel wissen, bereits in 1880er Jahren wurde er untersucht, sogar Textilreste konnten sichergestellt werden.

Der letzte Punkt an dieser Steinzeitreise war der „Bierberg“, ganz im Norden der Megalithgruppe, bedauerlicherweise hatten wir keine Zeit, die restlichen fünf zu besuchen. Die heutige Landesstraße L 64 schrammt ganz knapp daran vorbei, ein Teil des zugehörigen Hügel wurde beim Bau auch abgetragen. Aufgrund der Bauart als Ganggrab wird er ebenfalls der Bernburger Kultur zugeordnet, bedauerlicherweise ist auch diese Kammer irgendwann ausgeplündert worden. Eindrucksvolle 7 m lang, etwa 3 m breit und ursprünglich etwa 2 m hoch war dieser aus Sandsteinplatten gesetzte Anlage, nach Westen setzt ein kleiner Gang an. Von weitem sieht er mit den noch kahlen Robinien ein bisschen nach einem Bild von Caspar David Friedrich aus.

Die Steinzeitlandschaft rund um Bernburg und Latdorf lohnt einen Besuch auf alle Fälle, das, was an Funden noch erhalten ist, ist im Museum in Bernburg anzuschauen, bedauerlicherweise befindet sich die Sammlung in einem auch vom Museumsleiter als bedauerlich bezeichneten „Zwischenstadium“. Seit Jahren wird die große Schlossanlange renoviert, das Museum sollte längst in die fertigen Räume umgezogen sein, allerdings stockt der Bau. So sind die Funde zwar teilweise ausgestellt, Beschriftungen und Einordnungen fehlen leider.

02
Jun
13

Landpartie im Regen

Es war schon seit einiger Zeit im persönlichen Veranstaltungskalender vermerkt, der Besuch auf der Festung Königstein in der Sächsischen Schweiz. Nach einem Blick auf die Wettervorhersage, der für Berlin Dauerregen und heftigen Wind ansagte, nicht jedoch ganz so Schlimmes für den Zielort, machten wir uns auf den Weg. Stets hoffend, dass die Vorhersage wenigstens ansatzweise stimmen würde, hatten wir die Autobahn bereits verlassen und eine Route an Radeberg vorbei auf Pirna zu eingeschlagen, als uns endgültig klar wurde, dass die Prognose und das tatsächliche Wetter nicht übereinstimmten: Es regnete, es nebelte und von der reizvollen Landschaft war so gut wie gar nichts zu erkennen.
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Der „Point of return“ war aber überschritten, für’s Umkehren konnten wir uns nicht entschließen. Radeberg – die Ortsumgehung hält uns vom Stadtkern fern, Pirna – die Elbe schwappt. Der Reisebegleiter wurde recht verdrießlich ob des ungenügenden persönlichen Wetterschutzes, hatte er sich doch auf die von mir verkündetet Prognose verlassen. Die Sichtweite betrug keine einhundert Meter mehr, nur ein paar Obstbaumreiehen rechts und links der Straße schimmerten durch den Nieselnebel.
Schließlich erreichten wir unser Ziel. Das großzügige Parkhaus ließ vermuten, dass sonst die Besucher strömen anstelle des Regens.
Bereits auf dem Weg zur Festung kamen uns deutlich mehr nassgeregnete Besucher entgegen als mit uns den Berg hinanstiegen. Ein Riesenaufzug brachte uns auf die Festung, der Panoramafahrstuhl war ob des schlechten Wetters nicht in Betrieb.


Oben empfing uns ein heftiger Wind und noch mehr Regen sowie ein Zeltlager einiger Reenactmentgruppen, die für eine Veranstalung der Festung Königstein ein Ereignis darstellen sollten, welches es so 1639 gar nicht gegeben hat: damals war das schwedische Heer an der uneinnehmbaren Festung vorbei gezogen und hatte sich weiter auf den Weg nach Böhmen gemacht. Dennoch wird dieses frisch kreierte Phantomereignis hier mit viel Verve dargestellt. Als wir ankamen, stellte sich eine Truppe in schwedischen Diensten gerade im strömenden Regen auf, bereit, auszurücken und etwa eine halbe Stunde später die Festung von der am Fuße gelegenen Stadt aus anzugreifen.
In strömendem Regen zogen sie auf die Stadt zu, bedauerlicherweise konnte man von den Festungswällen nichts mehr erkennen, mein Schirm wurde vom Wind zerlegt, die Kamera des Mobiltelefons ließ sich mit den klammen Fingern nicht mehr auslösen.

Der Reisebegleiter hatte längst unter einem Vordach Schutz gesucht, ich war ordentlich durchgeweicht. Zum Glück bot uns der Museumsshop Zuflucht vor den Unbilden des Wetter, das Café war überfüllt. Nach etwa 20 min kämpften sich die Reenactortruppen wieder durch die Redouten Richtung Burghof hoch, wo sie den wenigen Zuschauern noch ein kleines Nahkampfspektakel boten.

Klitschenass, aber gut gelaunt, zogen alle beteiligten Darsteller zurück in ihre Lager und labten sich bei heißer Suppe.

Selbst für den Reisegefährten und mich war Platz im Zelt der „Verlorenen“, eine köstliche heiße Leberknödelsuppe vom offenen Feuer und ein Becher Rotwein weckten die Lebensgeister im Nu, während der Regen auf das leinerne Zeltdach trommelte. Es wurden die Musketen gereinigt, gefachsimpelt, erzählt, gelacht und überlegt, wie man perspektivisch die Ausrüstung wieder trocken bekommt.
Vom Inneren der Festung haben wir nichts gesehen, denn bis wir uns ausgeplaudert hatten, war schon Feierabend im Museumsbetrieb. Zum Glück hatte die Bäckerei noch Brot und der Aufzug wartete mit der letzten Fahrt nach unten auch noch auf uns.
Der zweite Tag, der Sonntag sollte den Zuschauern die geglückten Eroberung der Festung bescheren, die Vorführungen wurden aber wegen des Dauerregens abgesagt.
Da haben wir wohl Glück gehabt, trotz nasser Haare, Hosen und durchweichter Schuhe.




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