Posts Tagged ‘Ostwestfalen

30
Jan
17

Alles wird gut!

Wie ging es mit unserem Erbfall weiter?
Da die Lebensgefährtin bereits Jahre vor dem Tod unseres Vaters ein eingetragenes Wohnungsrecht auf Lebenszeit bekommen hatte, waren wir in der Situation, dass meine Schwester und ich zwar Haus und Garten geerbt hatten, aber auch mit einer überaus schwierigen Belastung.
Das Wohnungsrecht war ohne weiteren Kommentare eingetragen, d.h. also auch für uns, dass die Frage, wer die Kosten trägt, auch von unserem Vater nicht bedacht worden war. Denn die gesetzlichen Grundlagen sehen vor, dass lediglich die reinen Verbrauchskosten wie Heizung (inkl. Wartung und Schornsteinfeger), Strom, Wasser, Abwasser und Müllgebühren umlagefähig sind,d.h. vom Nutznießer zu bezahlen sind. Alles weitere, was in einem Mietverhältnis zulasten des Mieters geht (Versicherungen, Grundsteuer B, etc.) würde von uns zu bezahlen sein. Keine sehr verlockenden Aussichten, dass das Haus uns Kosten verursachen würde, die wir aus unserem eigenen Einkommen gegenzufinanzieren hätten, dass somit auch keinerlei Rücklagen für Reparaturen und Unterhaltung zu bilden wären und dann das Schlimmste: da das Wohnungsrecht auf Lebenszeit ausgestellt war, konnten wir nicht einmal absehen, wie lange diese prekäre finanzielle Situation andauern würde. Eine Aufteilung des Hauses und Vermietung eines Teiles war auch nicht möglich, da die Eintragung im Grundbuch für das gesamte Haus galt.
Wir haben lange überlegt, diese Erbschaft auszuschlagen, aber für die ersten Jahre hätte das Barvermögen des Vaters als Finanzierung noch ausgereicht. Zudem hing an dem Ganzen noch ein sehr wichtiges Wegerecht, aber das ist eine andere Geschichte. Kurz und gut, es gab gewichtige Gründe, NICHT auszuschlagen, aber wir haben sehr, sehr lange nachgedacht und seitdem wir von der Eintragung wussten, auch häufig schlecht geschlafen haben.
Nun, nach der Beerdigung ging es munter weiter: unsere Versuche, etwas Ruhe in die ganze Geschichte zu bekommen, standen von Anfang an nicht gut. Wir hatten uns vorgenommen, uns als ruhige, wohl erzogene Menschen zu verhalten, um möglicherweise die Emotionen auf beiden Seiten etwas „herunterzukühlen“. Da die Dame aber stets von ihrer Korona gehässiger Freunde umgeben war, die ihr zuredeten, uns auf gar keinen Fall irgendwie einen Fußbreit entgegenzukommen, wurde jedes Gespräch zur Nervenprobe.
Alle Absprachen wurden innerhalb kürzester Zeit torpediert. Als im März Heizöl angeliefert wurde, welches wir vorfinanzieren wollten, wurde der arme LKW-Fahrer solange angeschrieen, dass sie nur 1000 l abnehmen würde, aber selber bezahlen wolle, dass er unseren Auftrag über „volltanken“ ignorierte, aber dafür lebend vom Hof kam! Das Ergebnis war, dass nicht mehr zu kalkulieren war, wieviel Öl noch im Tank war (Erbmasse!). Dies ist nur ein Beispiel… oder das Auto unseres Vaters, welches sie einfach so behalten wollte, da sie bei der Anschaffung knapp 25% des Kaufpreises vorgestreckt hatte.
Als Mitte des Jahres der Sohn überraschenderweise das Gespräch darauf brachte, dass „Omma“ ja auch nicht ewig 190 m² putzen könne und irgendwann sicher ausziehen würde, war für uns klar, dass wir die Chance auf eine Ablösung des Wohnungsrechtes die einzige Möglichkeit war, Ruhe in unsere eigenen Leben hinein- und nach 26 Jahren diese Frau endlich aus unseren Leben hinauszubekommen. Die Preisverhandlungen zogen sich noch etwas hin, aber im September war es dann soweit, dass wir eine Vereinbarung treffen konnten, die wir notariell absegnen ließen. Sie verzichtete auf das Wohnungsrecht, welches aus dem Grundbuch gelöscht wurde, sollte binnen dreier Monate aus dem Haus ausziehen. Im Gegenzug zahlten wir ihr in zwei Etappen sehr viel Geld und gehen nun getrennte Wege.
Nach der Unterzeichnung, als meine Schwester und ich draußen auf der Straße standen, schossen mir die Tränen der Erleichterung aus den Augen.
Anfang November haben wir das Haus übergeben bekommen, natürlich mit noch fiesen Kleinigkeiten, wie sehr kurz abgeschnittene Lampenkabel oder aus der Wand gerissene Gardinenstangen. Aber egal!
Wir haben seitdem alles ausgeräumt und entrümpelt, viele lustige, traurige, überraschende und tolle Sachen gefunden. So haben wir beispielsweise 268 Ausgaben der Hobby-Hefte zwischen 1955 und 1974.
Und eine Menge Arbeit natürlich, denn wir wollen die bösen Geister aus dem Haus treiben, was sich nur mit ordentlich weißer Wandfarbe erledigen lässt und demnächst mit ordentlich viel Räucherkram und einem rauschenden Fest.
Wir haben auch lange darüber nachgedacht und untereinander, auch mit der Tante viel diskutiert, ob wir das Haus behalten oder verkaufen. Wir haben uns für letzteres entschieden, denn wer in Berlin oder Hannover sitzt, kann nur schwer von Höxter aus bis dahin zur Arbeit fahren. Für eine grundhafte Renovierung fehlt uns das Geld, die Zeiten sind derzeit für Immobilienverkäufe in der Kleinstadt noch einigermaßen gut. Die demografischen Zahlen zeigen, dass das nicht so bleiben wird.
Für uns ist aber das Wichtigste, dass wir nun mit vielen Dingen abschließen und wieder zuversichtlich nach vorne schauen können!

Fundstück im Schwesternhaus

Fundstück im Schwesternhaus

09
Jan
17

Sternsinger

Als die Sternsinger im Flur standen, nur durch eine Tür von ihm getrennt, ist er gegangen. Ohne sich zu verabschieden. Als ich an sein Bett zurücktrat, war er weg.
fa
Heute vor einem Jahr ist mein Vater gestorben. Weiterlesen ‚Sternsinger‘

12
Nov
16

Unser Haus

So, ab und zu werde ich nun doch etwas zu den Erlebnissen berichten, die meine Schwester und mich besonders beschäftigt haben, unter der Überschrift „schöner erben“.


Es ist in den letzten Monaten ja schon angeklungen, dass unser Vater verstorben ist und uns ein „nettes“ Erbe hinterlassen hat: das Haus unserer Familie mit einem Wohnungsrecht, welches er seiner Lebensgefährtin bereits 2012 eingeräumt hatte. Grundsätzlich ist es auch in Ordnung, wenn der überlebende Partner/die Partnerin in einer Lebensgemeinschaft abgesichert oder bedacht wird. Aber bitte doch nicht auf unsere Kosten, die den Unterhalt des Hauses aus ihrem eigenen Lebensunterhalt dafür bestreiten sollten ohne über die Immobilie frei verfügen zu können. Wenn wir ein fettes Aktienpaket oder die Kronjuwelen von Großbritannien geerbt hätten, kein Problem, aber haben wir halt nicht. Im Übrigen hätte die Dame die laufenden Kosten aus der Rente des ersten, verstorbenen Ehemannes durchaus selber bestreiten können. Um es klarzustellen: es ging um die Nebenkosten, die man bei Mieten auf die Mieter umlegen kann, diese hätten sich bei einer Wohnfläche von etwa 180 qm auf ca. 400 € inkl. Strom und Heizung belaufen.
So kamen wir zu einem Haus mit Grundstück, das uns nun mit den Begleitumständen seit mehr als drei Jahren Sorgen bereitet hat. Meine Schwester und ich haben schon lange vor dem Tod unseres Vaters überlegt, ob wir das Erbe antreten sollten oder nicht. Da aber an dem Erbe auch noch Wegerechte zum Grundstück unserer Tante hängen, haben wir uns nach schlaflosen Nächten zu einem gemeinsamen Weg entschlossen. Gespräche mit unserem Vater und seiner Partnerin verliefen ohne greifbares Ergebnis für uns, waren von Schreiereien der Dame und von irrationale Vorwürfen an unsere Adresse („ihr habt doch als Kinder Musikunterricht gehabt!“) begleitet. Selbst der Steuerberater unseres Vaters war ratlos, nachdem er einen Blick in das Testament unseres Vaters geworfen hatte. Der Vater hatte neben dem Wohnungsrecht von uns, seinen Erbinnen, auch verlangt, dass wir das Haus für kommende Generationen erhalten, die Familiengrabstätte für immer und ewig erhalten (und nachkaufen). Jaha, für die Stammburg und die Erbgrablege…
Schade nur, dass er an dem Haus (Baujahr 1953) weder etwas für die energetische Sanierung noch sonstige Erhaltung getan hat. Tapezieren zählt nicht dazu, nur so zu Information. Und in den letzten fünfzehn Jahren, in denen wir ihn immer einmal gefragt haben, ob er nicht in kleinen Schritten die Sanierung beginnen wolle? Schließlich hatte er seitdem Hausbau durch seine Eltern hier mietfrei gewohnt. Jedes Mal wurden wir barsch zurückgewiesen und zum guten Schluss bekamen wir das Haus mit Bewohnerin vererbt, verbunden mit der Aufforderung des Vaters in seinem Testament, ihr einen Platz im Familiengrab zuzugestehen. Zum Glück haben weder meine Schwester noch ich selber den Wunsch, jemals an der Seite unserer Eltern und der Partnerin bestattet zu werden! Vater, geschenkt!
Die Dame weigerte sich, auch mit anwaltlicher Unterstützung, die für Mieter üblichen Nebenkosten an uns zu zahlen, lediglich ihre unmittelbaren Verbrauchskosten wie Öl für die Heizung, Wasser, Abwasser und Müllgebühren zahlte sie nach unendlichen Streitereien und mehrfacher Aufforderung. Der Punkt war, dass in der Urkunde über die Einräumung des Wohnungsrechtes dazu keine weiteren Bedingungen verbunden waren. Bitter war auch, dass man das Haus, hätte unser Vater langwieriger Pflege bedurft, nicht einmal zur Deckung von Kosten hätte verkaufen können. Kein Wunder, dass meine Schwester und ich viele schlaflose Nächte hatten, lange bevor der Erbfall nun wirklich eingetreten war.
Relativ bald nach dem Tod unseres Vaters und seiner Beerdigung (das wird irgendwann noch ein eigener Eintrag hier) saßen wir mit der Frau und ihrem Sohn aus erster Ehe zusammen, um Dinge zu klären. Wir wurden darüber informiert, dass die Dame nicht neben meinem Vater dereinst bestattet werden wolle. Und im Übrigen meinte der Sohn, dass seine Mutter nicht dauerhaft alleine in dem großen Haus leben könne, und er überdies keine Lust habe, sich dauernd um Reparaturen und Hilfewünsche seiner Mutter zu kümmern. Wir sollten uns einmal überlegen, ob wir sie nicht aus dem Haus herauskaufen wollten, nicht sofort, aber in ein paar Jahren.
Da aber die kommenden Monate geprägt waren von Streitigkeiten um die Kosten und Post vom gegnerischen Anwalt pünktlich vor den Wochenenden, beschlossen wir, in den sauren Apfel zu beißen, und, um auch selber endlich freie Hand zu haben, der „gegnerischen Partei“ das Wohnungsrecht abzukaufen. Die zu zahlende Summe lässt sich aus dem Wert des Hauses und der sogenannten Sterbetafel des statistischen Bundesamtes berechnen. Gemäß dieser statistischen Berechnung liegt ihre Lebensdauer bei einem Alter von 79 Jahren noch bei 9,86 Jahren. Noch knapp 10 Jahre Ärger bei gleichzeitigem Preisverfall des Hauses in einer Kleinstadt im Ostwestfälischen? Nein. Wir entschlossen uns, die Sache mit der Zahlung von Geld zu beenden. Nach mehreren Monaten erzielten wir endlich eine Einigung. Meine Schwester und ich bereiteten einen Vertrag vor, den wir bei einem Notar mit der Gegenpartei im September abzeichneten. Wir würden ihr einen Betrag in fünfstelliger Höhe auszahlen, während sie auf das Wohnungsrecht verzichtete, in dessen Löschung aus dem Grundbuch einwilligte und bis zum Ende Oktober aus dem Haus ausziehen würde.
So ist es inzwischen geschehen, meine Schwester und ich sind zwar „blank“, aber doch erleichtert, denn nun können wir über das Haus verfügen. Über den Winter wollen wir Haus etwas aufhübschen, den Garten von den größten Nadelbäumen befreien und dann im Frühjahr mal weiterschauen… Nein, keine von uns wird dort einziehen, wir wohnen und arbeiten in Hannover und Berlin.
Vielleicht holen wir uns noch eine Shamanin, um die bösen Schwingungen auszuräuchern!

11
Feb
16

Des Friedhofsgärtners Zitronen

In der Regel geht man nur zum Friedhofsgärtner, wenn es um den Friedhof geht. Oder wenn man keine eigene Orangerie hat. In Höxter kann man seine Orangerie vom Balkon oder aus dem Garten bei der örtlichen Friedhofsgärtnerei und Kranzbinderei überwintern lassen. Eine win-win-Situation, denn im Winter braucht der Gärtner weniger Platz in seinen Gewächshäusern für die Anzucht von Stiefmütterchen und Primeln, die Zitruspflanzen sind dort zur Zwischenmiete.

Nun waren meine Schwester und ich nicht deswegen dort, sondern um die Gebinde für die Beerdigung unseres Vaters zu bestellen. Nur eine Station in jenen Tagen, unsere Liste der zu erledigenden Dinge war sehr lang. Sarggebinde, Handstrauß für uns für die Beerdigung, zwei Kränze (Tante und wir) und ein Herz aus roten Rosen (LAG), nur nichts vergessen, damit die LAG nicht wieder rumschrie.

Die Zitronen lagen dekorativ auf dem Tisch, an dem wir mit Herrn Fahle saßen, um die Einzelheiten zu besprechen. Die Wahl von Blumensorte und Farbe war schnell erledigt, nun stand noch der Spruch für die Kranzschleife zur Wahl. Die Tante und die LAG hatten sich für Kombinationen mit „stillem Gruß“ und „stillem Gedenken“ vorher entschieden, meine Schwester und ich brauchten noch Hilfe, denn „still“ wollten wir nicht. Aber auch da war Herr Fahle gut vorbereitet und reichte uns zwei Seiten mit möglichen Kranztexten. Von „Adieu“ bis „Ruhe sanft“ war eine breite Palette im Angebot. Echte Heiterkeit erregte der Vorschlag „Endlich Ruhe“! Wir entschieden uns schlussendlich für „Dona nobis pacem“ (Gib uns Frieden), denn wir hatten ja in den letzten anderthalb Jahren bereits einen Vorgeschmack auf den mutmaßlichen Ablauf dessen, was nach dem Tod unseres Vaters auf uns zu kommen würde, erlebt.

Als wir nun mit unserem Anliegen soweit fertig waren, fragten wir Herrn Fahle, was er denn mit den vielen Zitronen machen würde. Och, sagte er, er gar nichts, die liegen da zum Mitnehmen. Manche seiner Kunden würden extra vorbei schauen und sich welche holen und daraus Marmelade, Kuchen und so weiter machen. Die wären ja echtes Bio, ungespritzt. Och, sagte ich darauf, dann würde ich gerne ein paar mitnehmen.

Er packte uns dann die Tagesausbeute in eine Tüte und meine Schwester und ich entschieden schon auf dem Parkplatz, dass die bestimmt gut im Gin Tonic schmecken würden.

Taten sie auch!

In den mitunter absurden Tagen bis zur Beerdigung und danach, solange wir zu diesem Anlass noch in Höxter waren, haben wir die Zitronen aufgebraucht.
Zu rein therapeutischen Zwecken, ehrlich!
Gin Tonic 03

05
Mai
14

Schwalenberg

Hätten Sie gewusst, dass Schwalenberg einst das westfälische-lippische Gegenstück zu Gaugins Pont-Aven in der Bretagne war? Ich wusste es auch nicht, nur die Grafen von Schwalenberg, allen voran Widekind I. waren mir mit ihrer Herrschaftsausdehnung bis hin zu Vizevogtei über Corvey und Vogtei über Höxter ein schwaches Hintergrundflimmern in meiner Erinnerung der Heimatkunde. Widekind I. zog es offensichtlich in die weite Welt, denn er scheint mit Kaiser Lothar 1136/37 nach Italien gezogen zu sein, er kam allerdings nicht mehr zurück. Und schwupps, haben wir irgendwie den Bogen zur echten Richenza, der Gatting Lothars geschlagen, die ja für meinen Nick Patin gestanden hat, aber das nur am Rande.

Aber zurück zum lippischen „Pont-Aven“: seit dem späten 19. Jahrhundert zog das abseits der großen weiten Welt gelegene Schwalenberg mit seinen ursprünglichen Bauernhöfen und dem besonderen Licht der Umgebung Maler von weit her an und somit  zum „Geiheimtipp der impressionistischen Landschaftsmaler“ wurde.  Ich muss leider gestehen, dass ich Hans Bruch, Hans Licht, Robert Koepke, Robert Kämmerer, Friedrich Eicke und ihr Werk nicht kannte, sie gehörten jedoch zum „harten Kern“ der Künstlerkolonie, die bis in die 1929er Jahre Schwalenberg immer wieder besuchten und hier arbeiteten. Auf der website der Kulturagentur Schloss Brake findet sich eine Liste der bekanntesten Maler jener Jahre, bedauerlicherweise sind die abgebildeten Gemälde sehr klein wieder gegeben.

 

Die Landpartie mit Schwester und Tante führte uns an einem schönen Frühlingssamstag nach Schwalenberg, im Rathaus wurde geheiratet, in den örtlichen Restaurants wurde Spargel angeboten, allerdings war es sonst sehr ruhig im alten Ortskern. Nur aus einem Fachwerkhaus drang lautstarkes Zanken zweier Kinder, beruhigend.

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02
Mai
14

Der Köterberg

Bei gutem Wetter ist er über weite Strecken zu sehen, vom Harz oder wenn man aus Richtung Hildesheim ins Weserbergland fährt oder natürlich auch aus der näheren Umgebung im Dreiländereck zwischen Ostwestfalen, Lippe und Niedersachsen. Streng genommen bemerkt man vor allem den Fernmeldeturm, der als Typenturm der ehemaligen Deutschen Bundespost die Kuppe seit Anfang der 1970er Jahre bekränzt.

Von den Versuchen, Bergbau an den Hängen des Köterbergs zu betreiben, ist auf den ersten Blick von oben nichts mehr zu entdecken, auch vom trigonometrischen Punkt, der seit 1831 zur Triangulation und somit zur preußischen Vermessung der Region diente, ist nichts mehr zu sehen. Der annähernd fünf Meter hohe Turm ist Ende der 1920er Jahre abgerissen worden, das Steinmaterial wurde im Haupthaus des Köterberghauses verbaut, welches sich nun als Ansammlung dunkelbraun gestrichener Holzgebäude präsentiert.
In unserer Kinderzeit sind meine Schwester und ich ein paar Mal dort oben gewesen, als Ausflug in der Grundschulzeit und auch einmal mit den Eltern zum Rodeln, damals als die Winter noch schneereich waren. Da unsere Tante zum Geburtstag auch eine „elegische Landpartie“ zugedacht war und die Richtung bereits lange vorher fest stand, musste natürlich ein Abstecher auf den Köterberg auf unsere Liste der Ziele für den Tag.
Bei schönstem Sonnenwetter starteten wir in Höxter, fuhren an Brenkhausen vorbei und durch das einstmals malerische Löwendorf, wo links der Straße die alten Bauernhäuser, rechts die Neubauten stehen. Liebhabern der europäischen Ethnologie (früher Volkskunde) und Voyeuren (rein wissenschaftlich) sei das Buch von Bernhard Klocke, Häuser und Mobiliar in einem westfälischen Dorf : Löwendorf, Kreis Höxter (Münster 1980) ans Herz gelegt, leider nur mäßige SW-Abbildungen.
Im Ort bogen wir nach rechts Richtung Nieste ab und schlängelten uns den Berg hinauf, durch das Dörfchen Köterberg und dann die letzten Meter bis zur Baumgrenze und Aussichtsplattform.
Im Sachkundeunterricht (einstmals als Heimatkunde bezeichnet) hatte ich noch als Höhe 499 m üNN gelernt, wikipedia lehrt mich nun 495,8 m üNHN. Damit hat die Umstellung von NN auf NHN den Berg rein rechnerisch 3,2 m Höhe gekostet. Was aber die Betreiber des Restaurants auf dem Berg nicht daran hindert, seine Höhe mit 500 m über dem Meeresspiegel anzugeben. Uns war es an dem Tag sowieso egal, denn wir wollten den frischen Wind und eine tolle Aussicht genießen. Bedauerlicherweise machte uns das Wetter aber schon einen milchigen Strich durch die Rechnung. Obwohl die Sonne noch schien, wurde es immer diesiger, was der Fernsicht erheblichen Abbruch tat.

Aber immerhin einen echten Köter in Gestalt eines ewig hungrigen Rauhaardackels bietet der Berg auch, er gehört offensichtlich zu den Besitzern des kleinen Restaurants oben auf der Kuppe, die ebenfalls den Kiosk mitsamt einer skurrilen Auswahl an in die Jahre gekommenen Postkarten (werden nachgereicht!), Bockwurst und Eis betreiben.

Koeterberg 2

Köterberghaus mit Anbauten und Wappentier in der Bildmitte

 

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20
Okt
13

Herbstzeitbilder

Herbstzeit ist Pilzzeit, da mussten auch die kleineren und größeren Exemplare vor die Linse, denen ich in den letzten Tagen begegnete. Im Tantengarten und anderswo…

17
Jul
12

Warburg

Das Hauptziel unserer elegischen Landpartie war auch Wunsch meiner Tante das südostwestfälische Städtchen Warburg. Es ist das Mittelzentrum der Umgebung und gefiel uns vor allem durch die Vielzahl kleiner Geschäfte des Einzelhandels, die am Samstag mittag gut frequentiert waren. Fast 11.000 Bewohner bevölkern die heutige Kernstadt mit ihrem guten Bestand an Stadtmauer, Türmen, Kirchen, Kapellen und Fachwerkhäusern.
Auf der Suche nach einem Parkplatz in gemütlicher Schlendernähe zum Stadtzentrum gerieten wir durch mehrere Baustellen direkt in den heutigen Innenstadtbereich, der nördlich der Burganlage des 11. Jahrhunderts gelegenen Neustadt. Bereits im 10. Jahrhundert gab es auf dem Wartberg eine Burganlage, von der heute nur noch Reste der Burgkapelle als Andreaskapelle mit der Krypta aus dem 11. Jahrhundert erhalten ist.

Warburg, Andreaskapelle als letzter Rest der Burg

Eng sind die Straßen und überraschend steil, aber netterweise ist das Parken in Warburg auf den öffentlichen Parkplätzen ab Samstag 12 Uhr mittags und am 1. Samstag im Monat kostenlos. Frohgemut machten wir uns auf den Weg durch die „Oberstadt“. Die Sternstraße entlang, vorbei am örtlichen Museum, welches leider geschlossen hatte, zur um 1264 errichteten Kirche St. Johannes Baptist, bis hin zur Kaland- und Hauptstraße.

Warburger Neustadt, Kirchturm von St. Johannes Baptist

Warburger Neustadt, mittelalterlicher Treppengiebel mit Abdruck des abgerissenen Vorderhauses

Warburger Neustadt, Fachwerkhaus mit Weserrenaissance-Anklängen

Warburg, frühneuzeitliches Rathaus zwischen Alt- und Neustadt

Warburg, Blick auf die Altstadt

Noch während wir im Hutladen unsere Auswahl trafen, zogen dunkle Wolken herein, so dass wir ein mutmaßlich trockenes Plätzchen suchten und fanden. Das Warburger Pils konnten wir noch mit Blick auf die Andreaskapelle auf der Terrasse des Ratskellers verkosten, dann scheuchte uns der Starkregen doch ins Innere, wo wir uns für die weiteren Stationen der elegischen Landpartie mit Käse- und Wurstplatte stärkten.

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Unser nächster Halt sollte nun wieder gen Osten führen, Richtung Trendelburg, nicht aber, ohne ein paar Fotohalte rund um den Desenberg.

15
Jul
12

Kein Bier auf Schloss Rheder

Der erste Halt auf der Rundreise durch den südlichen Kreis Höxter wurde schon nach einer nur etwa dreißigminüten Fahrt eingelegt. Rheder, wie oft waren wir als Kinder mit unseren Eltern durch den kleinen Ort mit seiner mächtigen Schloss- und Scheunengebäuden. Damals noch steingrau und mit dem Charme des baldigen Verfalls, leuchten die Gebäude heute in warmem Gelbtönen in der Ortsmitte und laden inzwischen zu einem Spaziergang durch den Schlossgarten, das Husarenmuseum und durch das Weidenpalais ein.
Das Anwesen ist im Besitz der Familie von Spiegel und Mengersen, die hier seit 10 Generationen, seit 1686 auch die Brauerei betreibt, leider hatten wir an jenem Samstag das Pech, dass der Direktverkauf nicht geöffnet hatte. Dafür konnten wir einen kleinen Plausch mit dem Freiherrn halten, der danach flugs im rosafarbenen Schlösschen verschwand. Die heutige noch bestehenden Gebäude sowie die Dorfkirche gehen auf die umfangreichen Umgestaltungen nach dem Dreißigjährigen Krieg zurück, für die der in Westfalen überaus geschätzte Johann Conrad von Schlaun im beginnenden 18. Jahrhundert verantwortlich zeichnen soll. Das Schloss selber wurde erst in der Mitte des 18. Jahrhunderts erbaut und unterscheidet sich stilistisch auch von der umgebenden Anlage. Neben dem Ausbau der Brauereianlagen wurde im 19. Jahrhundert der Park als Landschaftgarten umgestaltet, der noch heute die Umgebung prägt. Inzwischen gibt es außerhalb der direkten Schlossumgebung Installationen auf umgestürzten oder gefällten Bäumen in Form von eingravierten Texten der amerikanischen Künstlerin Jenny Holzer und denen ihres Landsmannes Henri Cole.
Als wir durch die Anlage streiften, fand gerade eine Hochzeit im Weidenpalais statt, die wir natürlich nicht stören wollten. So schlenderten wir über die Nethebrücke, um den besten Blick auf das Schloss zu erhaschen.
Wirklich schade, dass wir das Rheder Schlossbräu nicht kosten konnten, so blieb uns nur der Schluck aus der mitgeführten Wasserflasche und die Weiterfahrt nach Warburg.

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Öffnungszeiten des Bierverkaufs in Rhder (lt. Website)
Mai bis September Montag bis Freitag: 07.00 bis 16.00 Uhr
Oktober bis April Montag bis Donnerstag: 07.00 bis 15.45 Uhr, Freitag: 07.00 bis 15.00 Uhr,
weitere Einkaufsmöglichkeiten: HIER

14
Jul
12

Elegische Landpartie mit Tante und Schwester

Da sitze ich nun und schaue den schnell ziehenden grauen Wolken nach, die ganz bestimmt bald wieder ihre regenschwere Last abladen werden. Letztes Wochenende war es noch besser, zumindest zeitweise. Meine Tante hatte sich einen Ausflug von Höxter nach Warburg gewünscht, immerhin ist sie nun 84 Jahre alt und war in ihrem ganzen Leben dort noch nicht. Sie hat bereits in den 1970er Jahren mit ihrer Schwester Reisen um die ganze Welt gemacht, die knappen 45 km bis Warbung hingegen noch nie geschafft. Nun fanden meine Schwester und ich es an der Zeit, dieses Versäumnis dringend abzuschaffen!

So planten wir die Tour. Es wurden kleine Leckereien für unterwegs, genügend Wasser für die Erfrischung zwischendurch ins Auto geladen und eine Picknickdecke. Man weiß ja nie, wo es einen während dieser elegischen Landpartien so hinverschlägt.

Unser erster Halt war das Schloss Rheder südlich von Brakel. Brauerei und schöne Schlossanlage, das Haupthaus sieht aus wie aus einem Jane-Austen-Film entschlüpft.

Nach einem kleinen Spaziergang ging es weiter nach Warburg, dem Hauptziel. Hier gabe es einen schönen Rundgang durch die Stadt inklusive Hutshopping und Mittagessen.

Am Rande der Warburger Börde nach Nordhessen hat man wunderbare Blicke auf den Desenberg, diesen Vulkankegel mit Burg oben drauf. Weiter ging es bis zur Trendelburg, kurzer Stop bei den Kamelen oder waren es Dromedare?

Die Burg in Trendelburg ist in Privatbesitz und wird als hochpreisiges Hotel vermarktet, im Bergfried ist der Wellnessbereich inklusive Sauna. Für eine Kaffeepause hat das Landpartieportemonnaie gerade noch genügend Kleingeld parat.

Durch heftige Regenschauer führte der Weg auf die Hochebene von Haarbrück und Jakobsberg, bevor das treue Autogefährt hinter Jakobsberg die mit bis zu 15%igem Gefälle verlaufende Straße durch die Sturzbäche herunterschwimmt. Zurück über Beverungen und Godelheim ging’s nach Höxter, vorbei an pitschnassen Schützen durch die Altstadt.

Die einzelnen Halte mit Bildern folgen in den nächsten Tagen, versprochen!




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