Posts Tagged ‘Brandenburg

07
Apr
17

Brandenburgisches Wiedersehen

Demnächst gibt es wieder mehr Bilder aus den unendlichen Weiten Brandenburgs.
Ein paar erste Impressionen aus der Nähe von Luckau: blühende Bäume und Büsche auf der einen Seite und dann der Keilerkopf auf der anderen Seite, im Kornfeld verborgen. Der Rest fehlt, sicherlich ist der eine oder andere Braten oder ein paar Würste daraus entstanden.

Von weitem blumig…


… von Nahem blutig…

30
Aug
15

Erfrischung in Brandenburg/Havel

Nach dem Museumsbesuch verlangte es uns nach einer Erfrischung, zumal das Landesmuseum seit geraumer Zeit bedauerlicherweise kein Museumscafé mehr hat. Da Brandenburg ja geradezu von Wasser umschlossen ist, Weiterlesen ‚Erfrischung in Brandenburg/Havel‘

30
Aug
15

Archäologisches Landesmuseum Brandenburg

Seit 2008 gibt es ja in Brandenburg an der Havel das Archäologische Landesmuseum des Bundeslandes Brandenburg. Das Paulikloster, in dem es eingerichtet wurde, richtete man mit großem Aufwand wieder her, vor nicht allzulanger Zeit zeigte das google-Satellitenbild immer noch den Vorzustand ohne Dach, aber das nur am Rande. Aber wie dem auch sei, das Landesmuseum ist weiterhin vielen unbekannt, das merke ich immer wieder, wenn ich davon erzähle und erstaunte Blicke ernte.
Nun hat es eine neue Sonderausstellung, nach „1636“ die zweite „hausgemachte“. Der Sonderausstellungsbereich ist ein knapp 600 m² großer rechteckiger Raum, der sich an sich famos bespielen lässt. Die Sonderausstellung „Zeugen der Vergangenheit“ zeigt dann auch Objekte aus mehr als 100 000 Jahren archäologischer Landesgeschichte, von Ritzungen auf neanderthalerzeitlichen Knochen bis hin zu Relikten aus einem Fluchttunnel der 1960er Jahre, ein weites Feld also.
So zeigen die Ausstellungsmacher die ganze Bandbreite der neueren Ausgrabungsergebnisse aus dem Bundesland, von jungsteinzeitlichen Goldfunden und bronzezeitlichen Vogelgefäßen über die Hühnergötter aus Drense, importierte römische Luxusgegenstände, einen Schatzfund des 6. Jahrhunderts bis hin zu Schwertfunden des 11./12. Jahrhunderts und Ergebnissen von Untersuchungen im KZ Sachsenhausen. Tolle Objekte, leider war ich mit der Präsentation nicht so zufrieden: In zwei Reihen stehen die hohen Vitrinen im Ausstellungsraum, einzeln, in zwei Reihen mit sehr viel Platz in der Mitte, einer Landebahn gleich. Das geht doch heute besser, oder? Auf der rückwärtigen Ausßenseite der Glaskuben sind die erläuternden Texte befestigt, und zwar so, dass man, um den Inhalt der Vitrine zu betrachten, einmal herum gehen muss. Ich gestehe, dass ich die Hälfte der teilweise recht langen Textinhalte schon wieder vergessen habe. Die Exponate liegen überwiegend direkt auf den Glasböden, sie werden nur von der Lichtquelle oben an der Vitrinendecke angestrahlt. Auch das wirkt sehr „old school“, denn in aktuellen Schauen bemühen sich die Vitrineneinrichter, dass das Licht bis zu den Objekten nur einen kurzen Weg hat.
Die Ausstellung hinterlässt eine gewisse Enttäuschung, nicht wegen der Objekte, die wirklich toll sind, sondern wegen der Präsentation, die so gar nicht den tollen Exponaten angepasst zu sein scheint, sogar teilweise lieblos wirkt.
Schade, sehr schade…

Zeugen der Vergangenheit
20. Mai – 18. Oktober 2015

Archäologisches Landesmuseum Brandenburg, Paulikloster
Neustädtische Heidestraße 28
14776 Brandenburg an der Havel
Telefon: +49 (0)3381 – 41 0 41 12
Reguläre Öffnungszeiten
Dienstag bis Sonntag, 10 – 17 Uhr, Montag geschlossen

13
Dez
13

Wustermark

Wustermark an der Wublitzrinne bietet nur wenig, um eine elegische Landpartie dorthin an einem überwiegend nebeligen Tag zu unternehmen. Ich habe es trotzdem getan und ein paar Impressionen von der Bahnstation mitgebracht. Zwei Wellblechunterstände auf dem zwischen den beiden Gleisen gelegenen Bahnsteig, kein Fahrtkartenautomat, der Aufzug zum Bahnsteig außer Betrieb, die Treppe eben dahin ist perfekt, um auf selbiger zu stürzen und sich mindestens einen Oberschenkelhalsbruch zu zuziehen.

08
Mrz
13

Vielleicht…

Das Schuljahr neigt sich dem Ende zu, es wird höchste Zeit, sich für das, was danach kommt, ein paar Gedanken zu machen. So kam es, dass gestern ein neuer Bewerber für eine Stelle für das Jahr im Bundesfreiwilligendienst bei uns hereinschneite und „mal gucken wollte“. Wir zeigten nach besten Kräften, was wir so machen, warumwiesoweshalb. Mein Kollege macht den „nice guy“ und erklärt natürlich noch viel besser als ich, zudem hatte ich mich auf die Rolle „Ich schaue streng über die Brille und gebe hin und wieder wichtige Kommentare ab“ zurückgezogen. Und ganz wichtig: Fremder Leute Kindre SIEZEN! Weil ich ja auch gesiezt werden will, da bin ich komisch, ich weiß…
Und irgendwann fragte ich dann, was er denn werden wolle – ich weiß, in diesen Zeiten eine echt gewagte Frage! Der junge Mann guckte mich an, aber auch nicht so richtig und sagte: „Vielleicht Restauration..“
Nein, ich zuckte zusammen, nicht! RESTAURATION! Innerlich verdrehte ich die Augen, ach bitte! Der innere Klugscheißermodus springt dabei sofort an: „Restauration“ heißt zwar grundsätzlich „Wiederherstellung des ursprünglichen Zustands“, meint aber heute eher das „Wiederherstellen eines älteren, politischen Zustands“. Und das, was er vielleicht, unter Umständen in Erwägung zieht ist „Restaurierung“ (von Papier, Filmen, archäologischem Kulturgut etc.).
Ich sage aber nur „Aha“ und schaue, ob noch was kommt.
Bingo! „Vielleicht auch was anderes…“
Wusste ich es doch! Ich versuche, das triumphierende Aufblitzen in meinen Augen abzuschwächen, als ich mit meinem Kollegen einen wissenden Blick tausche.
Ich kann es nicht lassen und frage weiter: „Und? Haben Sie einen Plan B?“
Er: „Naja, wir haben bei der Informationsveranstaltung irgendwie so 18 Adressen bekommen. Aber ich wollte in Berlin bleiben.“
Ich: „Sie wohnen in Berlin?.“ (Mehr eine Feststellung als eine Frage)
Er: „Ja.“
Ich: „Na dann schreiben Sie doch auch eine Bewerbung nach Brandenburg.“
Bewegung kommt in seine Mimik.
Er: „NEIN! Da kann ich doch auch gleich ins Ausland gehen!“
Ich bin für eine Millisekunde sprachlos.
Ich dann: „Aber die haben dieselbe Währung und sprechen Deutsch!“
Er, meine Replik offensichtlich nicht begreifend: „Neee, ich habe keine Lust, erst vier Stunden zur Arbeit zu fahren.“
Ach, Ironie kann er auch nicht! Ich will aber so schnell nicht aufgeben.
Ich also: „Aber wenn Sie studieren wollen, dann sollten Sie schon etwas mehr Neugier auf Unbekanntes mitbringen.“
Er, leicht gequält: „Ich bin schon neugierig….“
Mein Kollege wartet das „ABER“ nicht ab und schlägt Costa Rica vor. Zu unserer Verwunderung findet er den Vorschlag besser als Brandenburg.

Ich will ihn nicht haben… Mal schauen, ob DAS irgendwen interessiert! Vielleicht geht er ja doch nach Costa Rica. Bitte, tun Sie’s für mich!

04
Feb
13

Landhaus Alte Schmiede Lühnsdorf

Eine Dorfstraße, die um 1900 neu errichtete Backsteinkirche, ein oder zwei alte Trafostationen und das Landgasthaus „Alte Schmiede“. Und viel Landschaft drumherum, das ist Lühnsdorf. Irgendwo südlich von Bad Belzig gelegen, die A9 ist weit genug entfernt, um nicht mehr gehört zu werden, aber nah genug, um als schnelle Anreisemöglichkeit genutzt werden zu können.alte schmiede_08
Eine gute Freundin hatte vor etwa zwei Jahren über die Website der Tourismusbörse Brandenburg das Programm „Winterliches Brandenburg“ entdeckt, in der Hotel, Pensionen, Gasthäuser und viele andere Angebote in das mal mehr, mal weniger winterliche Brandenburg einladen. Sie und ihr Freund waren so begeistert, dass sie dort ihre Hochzeitsfeier in schönster Herbstsonne ein dreiviertel Jahr später feierten. Und so kam ich das erste Mal nach Lühnsdorf.

Dieses Mal wollte ich den Winter genießen. Leider hatte dieser ja genau eine Woche vorher beschlossen, sich etwas aus dem Staub zu machen und einem grauen Schmuddelwetter Platz zu machen. Egal, ich hatte sowieso schon im Dezember gebucht, um auch sicher sein zu können, mich Anfang Februar hier für ein Wochenende erholen zu können. Das Zimmer ist liebevoll eingerichtet, außer dem Bett gibt es eine kleine Ecke mit Schreibtisch und zwei kleine Sessel. Ein Obstkörbchen und zwei Flaschen Wasser heißen den Gast willkommen, eine schöne Idee anstelle einer schnöden Minibar. Das Bad bietet eine Badewanne, in der man sich nach einem langen Spaziergang in der Kühle des Flämings wieder aufwärmen kann. Das Zimmer kostet während der Aktionswochen wohlfeile 59 € anstelle von 85 €, ein reichhaltiges Frühstück ist im Preis enthalten.

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Dieses wird, je nach Anzahl der Gäste, im Wintergarten mit Blick auf den Garten und im angrenzenden Saal, eingenommen. Ein reichhaltiges Büffet steht für den Morgenhungrigen bereit, auf dem neben wenigen abgepackten Dingen vor allem eine gute Konfitüren-, Käse- und Wurstauswahl lockt. Letztere wird in anderer Zusammenstellung auch auf dem Brotzeitteller gereicht, wie ich abends mit einem Blick auf den Nachbartisch feststellen konnte. Kaffee und unterschiedliche Tees (inklusive einer Sanduhr für den perfekten 3 Minuten-Aufguss) werden frisch zubereitet an den Tisch gebracht, ebenso das Frühstücksei und am Sonntag auch Spiegel- und Rührei. Selbiges ist eine Wucht, denn es ist meilenweit von sonstigen Horrorversionen beim Brunch entfernt: frisch zubereitet, locker, für mich die perfekte Konsistenz eines Rühreis, hier mit einer Handvoll Speckwürfelchen und Schnittlauch gereicht.
Ja, die Küche, die lohnt sich auch, ausgiebig ausgetestet zu werden. Wie schon bereits bei der Hochzeit im Oktober 2011 ausprobiert, lohnt sich das Wiederprobieren auf alle Fälle. Zwei Abende hatten wir das Vergnügen. Im Gastraum war es kuschlig warm durch das Kaminfeuer, die Küche ist nur ein paar Schritte entfernt und bietet von außerhalb des Gasthauses auch vielfältige Einblicke in die Abläufe. Am ersten Abend probierten wir als Vorspeise angebratene Blutwurst mit Wachtel auf einem Wirsinggemüse. Für mich hätte das Gemüse ein Ideechen weniger Salz haben können, aber das wäre schon Meckern auf hohem Niveau. Die Wachtelkeule war auf den Punkt gebraten, etwas rosa und erfüllte meine Erwartungen voll und ganz. Lecker! Als Hauptgang standen das Kotelette vom Saalower Jungschweinrücken mit Schnittlauchkohlrabi und Kartoffelgratin sowie für den Reisebegleiter die Barbarie-Entenbrust mit Honig-Thymiansauce dazu Lauchzwiebeln und Schupfnudeln auf dem Tisch. Beides sehr zu empfehlen, die Kohlrabi, obschon ein kindliches Matschetrauma, waren so, dass ich meinen Frieden mit dem Gemüse machen konnte: leicht bissfest und mit Geschmack! Der Gratin war herzhaft gewürzt, so dass er dem Geschmack des Koteletts ordentlich standhalten konnte. Auch der Reisebegleiter war sehr angetan von der rosa gebratenen Ente, den knackigen Lauchzwiebeln sowie den kross angebratenen Schupfnudeln. Am kommenden Abend probierten wir die Rotebetesuppe mit Zandereinlage und die Wirsingrahmsuppe mit geräucherter Forelle als Vorspeise. Das Erdige der Rotebete und der Zander passten ebenso gut zueinander wie der kräftige Wirsinggeschmack gut mit dem Räucheraroma der Forelle. Als Hauptgang gab es ein Lachsfilet auf Gurkenrisotto mit einem reichhaltigen Salatteller, für mich die Ente, die der Reisegefährte am Vortag für gut befunden hatte. Ich konnte ihm nur sozusagen mit vollem Mund zustimmen. Die Anzahl der offenen Weine ist vernünftigerweise übersichtlich, aber gut ausgewählt. Zur Ente fand ich ein Glas Chateau Maurel 2009 (mehr weiß ich leider nicht mehr) passender als den empfohlenen österreichischen Blauen Zweigelt, zum Lachs wurde der empfohlene trockene Weiße Burgunder von der Mosel für gut befunden.
Auf das Dessert hatten wir am ersten Abend aus Kapazitätsgründen (nein, nicht in der Küche, eher in unserem Magen!) verzichten müssen, nur wollten wir am zweiten Abend das Eis probieren. Der ausgesuchte Becher, obwohl schon ohne Sahne bestellt, war mit einem joghurtigen Mohneis, dem Nuss- und Schokoladeneis leider zu viel für uns: ein Dessert, zwei Löffel, aber dennoch… Und der Service war unaufdringlich aufmerksam und zugewandt, dass es eine Freude war.

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Puh, nun suche ich wirklich etwas zum Meckern: Thea, das überdrehte Goldkind eines Gästepaares, die ihre Eltern auch mit anderthalb gut im Griff hatte…. aber da kommt nur mein privates Augenverdrehen bei Eltern, die mit „Thea-hier-schaumal“ und „Thea-was-willst-du-machen“ dem Satansbraten… ach, das lasse ich mal, dafür können die Betreiber dieses wunderbaren Landhotels wirklich nichts!

Derzeit gibt es Sonntags richtigen Sonntagsbraten, also ein prima Tip zum Kennenlernen, ich habe etwas mehr als eine Stunde von Tür zu Tür gebraucht:
Landhaus Alte Schmiede
Dorfstraße 13
14823 Niemegk-Lühnsdorf
tel 033843 922 0
web landhausalteschmiede.de

19
Jun
12

Wo ist das Risiko beim Friederich?

Und wieder war eine liebe Besucherin bei mir, die sich ein kulturelles Programm gewünscht hatte. Kein Problem, auch wenn wir am Sonntag eher die „Work-out“-Variante voranstellten und dann am Montag vor dem Problem der geschlossenen Museen standen. Im Grunde ist es ja kein echtes Problem, da dennoch genügend Alternativen zur Verfügung standen. Somit machten wir uns nach Potsdam auf, um die Ausstellung „Friederisiko“ anzuschauen, die anlässlich des 300. Geburtstages Friedrichs II. von Preußen alias „der Große“ im Neuen Palais zu bestaunen ist.

Die Sorge, in einer langen Schlange um Karten anstehen zu müssen, erwies sich als unbegründet, denn angesichts der gen 30°C steuernden Quecksilbersäule blieb ein Massenansturm aus. Rasch erwarben wir für je 14 € die Eintrittskarten, griffen das Heftchen mit den Exponatbeschriftungen, legten den im Preis inbegriffenen Leih-Audioguide um und wurden zum grünen Eingang geschickt. Für die Ausstellung gibt es drei unterschiedlich farbige Eingänge an unterschiedlichen Ecken des Palais, unserer war also der nördliche, grüne. Freundliche Aufsichtskräfte ließen uns ein, weitere freundliche Menschen halfen den Besuchern bei der ersten Orientierung im Gebäude.

Ansonsten rigide Besuchervorschriften: Keine Speisen, keine Getränke ist für mich immer nachvollziehbar, dann folgt bedauerlicherweise das Foto- und Filmverbot. Natürlich finde ich es in Ordnung, wenn der Rest der Welt nicht filmen und fotografieren darf, aber für mich könnte man doch eine Ausnahme machen, oder? Ich fotografiere auch immer ohne Blitz! Aber nein: Nix da!

Wie schon im Begleitheft angekündigt, gibt es keinen festen Rundgang, was angesichts dreier Eingänge in verschiedenen Bereichen des Palastes durchaus sinnvoll scheint. Aber dennoch hat es auch bei mir als geübtem Museumsbesucher ein Weilchen gedauert, bis ich mich zurecht gefunden hatte. Leider habe ich erst nach Durchwandern der Hälfte des Erdgeschosses begriffen, dass es für Kinder separate Texte im Hörführer gab, deren Nummern auf den seitlich an den Textkästen hängenden Papp-Schlüsseln vermerkt sind. Diese Kindertexte sind zum Teil sehr ideenreich und liebevoll komponiert und eingesprochen, so dass ich mich immer mal wieder bemüht habe, sowohl die für die kleinen Besucher als auch die für die Erwachsenen durchzuhören. Die Ausstellungsmacher haben bewusst auf einführende Texte in Druckform verzichtet, vor den hohen Fenstern hängen schwach durchscheinende Stoffbahnen mit zeitgenössischen Zitaten zum jeweiligen Thema des Raumes, die mich oftmals zum Grinsen anregten. Ein Grund für den weitgehenden Textverzicht schien mir, den Raumeindruck des historischen Gebäudes so wenig wie möglich zu verstellen. Denn auch das wurde mir erst nach einer Weile klar: das größte Exponat ist das Neue Palais selbst, wie Friederich etwas indifferent, was den Stil angeht, eigentlich zur Bauzeit schon aus der Mode, nur in Preußen nicht, bei dem Herrscher, der Louis XIV. bewunderte und Louis XV. verabscheute. Die Besucher werden über auberginefarbene Paneelen wie auf Laufstegen durch die Räume geführt, damit der kostbare Bodenbelag von Highheels und Turnschuhen verschont bleibt, die guten alten Filzpantoffeln haben ausgedient!

Nun gut, wir stürzten im Erdgeschoss gleich in die Abteilung „Dynastie“, in der Bilder der weitläufigen Verwandtschaft Friederichs gezeigt werden, wie der Audioguide nett erläutert: „Es ist fast wie ein Stehempfang…“ Über mehrere Räume verteilt lernen wir die ältere Schwester Wilhelmine, die ungeliebte Gattin Elisabeth Christine oder die jüngere Schwester Amalia kennen, die für ihren Bruder die Gastgeberin im Neuen Palais gibt. Nichts aufregendes, nichts, was den Besucher zur aktiven Beteiligung einlädt. Einen Bildschirm mit einer Präsentation der Verwandtschaftsverhältnisse habe ich gesehen, mehr nicht.

Wir laufen weiter durch die Abteilungen „Horizonte“, hier durch den Grottensaal, den Friedrichs Baumeister als architektonische Kopie berühmter Bauwerke in Italien, dem fernen Osten und England gefertigt haben. Eine für Menschen des 20./21. Jahrhunderts ungewohnte Wanddeko aus Muscheln, Austern und Mineralien und das noch „all-over-ornamented“ (aka „horror vacui“!). Ich persönlich würde solch eine Wanddekoration nicht haben wollen, aber das möge nur als Bemerkung am Rande verstanden sein. Weiter ging es durch eine Galerie antiker Marmorstatuen, die teilweise im 18. und 19. Jahrhundert zu vollständigen Figuren ergänzt worden waren, wieder ein Hinweis auf Friederichs Ansicht, sich mit antiken Helden irgendwie auf eine Stufe stellen zu können. In der sich anschließenden Marmorgalerie stehen in einzelnen Tischvitrinen Tafelaufsätze aus Gold und Silber, aufwändige Vasen aus Meißner Porzellan und Kronleuchter aus Bergkristall. An den Tischvitrinen hängen kleine Täfelchen, auf denen der Preis für die Preziosen zusammen mit einem Vergleich einer Dienstleistung oder für Waren des täglichen Lebens vermerkt ist. Endlich einmal kommt die Ausstellung im Leben der „normalen Menschen“ an, sonst darf der Besucher nur staunen. Und auch das darf er in den nächsten Räumen, in denen es um das „Tagesgeschäft“ geht: Friederichs Tagesablauf ist das Thema. Sein Tag begann um halb sechs morgens und bereits um halb zehn abends fuhr der Preußenkönig zu Bette. Der Tag war durchgeplant, auch das Flötespielen und das allabendliche Konzert hatten feste Zeiten. Wir gleiten durch die „blaue“ und die „fleischfarbene“ Kammer, beides Warteräume für Besucher des Königs, und gelangen über das Konzertzimmer in die „rosa Kammer“, ein Arbeits- und Empfangszimmer bis hin in die Schlafkammer des Königs, in der er auf einem Reisebett geschlafen haben soll. Ein Ankleideraum gab es nicht, das erledigte der König höchstselbst. Wenig zurückhaltend war Friederich offensichtlich bei den Ausgaben für Essen und Getränke: seine Vorliebe für Früchte war so groß, dass auch im Winter Obst in großer Menge vorgehalten werden musste, aber nicht der Apfel aus dem Havelland, sondern Süßkirschen, Melonen und Pfirsiche, deren Beschaffung extrem kostspielig war.

Auch die „Verhältnisse“, Friedrichs Freundschaften im Laufe seines Lebens, sind Thema einer Abteilung. Hatte er als Kronprinz in Rheinsberg noch einen Kreis von Freunden um sich, erfährt er als König tiefgreifende Änderungen, ausgelöst durch seine oft herrische und überhebliche Art: Freunde fliehen aus Preußen oder sterben irgendwo auf dem Schlachtfeld. Am Ende seines Lebens ist Friederich ein einsamer alter Mann, der lieber seine Hunde und sein Pferd um sich hat. Das Skelett seines letzten Lieblingspferdes Condé steht als Exponat in voller (Lebens-)Größe in einer Vitrine!

An „Risiko und Ruhm“, die Teile der Ausstellung, in der es auch um die Kriege Preußens geht, sind wir schlichtweg im gleißend gelben Treppenhaus vorbei gelaufen. Wahrscheinlich brauchten wir eine Pause, die wir im kleinen Schlosstheater im Obergeschoss in Form eines kleinen Barockkonzertes bekamen. Eine halbe Stunde lang spielten zwei Solisten des brandenburgischen Kammerorchesters Stücke aus Friederichs Zeiten, sehr schön erläutert von einem der beiden. Ansonsten ist das Pausemachen etwas schwierig, es gibt zwar Sitzgelegenheiten in den Räumen und natürlich auch im Treppenhaus, aber in dem historischen Palast natürlich kein Café. Packt einen Hunger und Durst, gibt es nur eins: hinaus aus der Ausstellung. Im Ticket-/Shopzelt werden kalte Getränke und Eis verkauft. Sitzmöglichkeiten Fehlanzeige. Am südlich gelegenen Eingang zum Palaisbereich haben wir beim Hinausgehen dann aber doch eine Art mobiler Biergarten entdeckt, zu spät!

Das Obergeschoss hat von uns noch einmal alles ab verlangt. „Europa und die Welt“: Frankreich, Russland, Österreich, Großbritannien… Und hier war dann endlich ein guter alter Bekannter von mir: James Keith alias Jakob Keith und sein Hut, der ihm in der Schlacht von Hochkirch vom Kopf fiel! Und die Briten mochten Friederich so, dass eine Weile „King of Prussia“ ein beliebter Pubname war – eine Info aus dem Audioguide…

„Königsbilder“: wie wurde der König zum „alten Fritz“? Hier hat mich die Totenmaske des 74-jährigen mit den scharfen Gesichtszügen doch sehr berührt, die so anders ist als die vielen Bilder, die bekannt sind. Das einzige Exponat in der Ausstellung, vor dem ich wirklich lange stehen geblieben bin!

In der Abteilung „Körper und Seele“ wurde das Thema der Vater-Sohn-Beziehung aufgegriffen, aber auch das der sexuellen Präferenz des Königs endlich beantwortet. Angenehm ruhig und unaufgeregt wird dem Besucher erklärt, welche Bedeutung bestimmte Themen der griechischen Antike erfahren, wenn es um die gleichgeschlechtliche Zuneigung oder Liebe im 18. Jahrhundert ging. Und dass es Friederichs Zeitgenossen ziemlich klar war, dass des Königs Herz niemals heiß für Frauen schlug. „Zum äußersten“ sei es aber vermutlich nie gekommen. Woher die Ausstellungsmacher das zu wissen meinen, haben wir nicht erfahren.

„Im Wettstreit“ mit Europa stand Preußen auch im Hinblick auf Seiden- und Möbelherstellung, in Theater-, Opern- und Tanzaufführungen, am Ende steht der preußisch-friederizianische Stil mit einer Mischung von Altem und Neuem, rückwärtsgewandt und nach vorne blickend auf einmal.

Bei unserem Rundgang bin ich dann bei der „Entwicklungspolitik“, der Abteilung zur friederizianischen Aufklärung, Innen- und Wirtschaftspolitik leider museumskonditions- und aufnahmetechnisch in die Knie gegangen: meine optischen und akustischen Speicher waren dabei überzulaufen.

Tja, mein Fazit: „Friederisiko“ ist eine Ausstellung für Besucher, die mit den Grundzügen neuzeitlicher Geschichte Preußens und Mitteleuropas vertraut sind, sich auf die Person des bekanntesten Preußenkönigs und sein von ihm selbst geschaffenes Abbild  einlassen wollen und bereit sind, sehr viel Inhalt zu schlucken. Ich persönlich habe den Ausstellungstitel nicht verstanden, möglicherweise wäre er mir in der Abteilung zu den preußischen Kriegszügen klar geworden.

Gefreut habe ich mich über das freundliche Aufsichtspersonal, welches immer für einen Schwatz zu haben war!

Dass es kein Gästebuch für Kommentare der Besucher gibt, fand ich schade, so konnte ich meine lobenden Worte nirgendwo loswerden.

Achja, es empfiehlt sich, mit den öffentlichen Verkehrsmiteln anzureisen, für die Auslöse des Parkscheins hätte ich glatt einen halben Liter Bier in Stavanger am Hafen kaufen können. Ab dem Potsdamer Hbf gelangt man mit der Buslinie 606 (Richtung Potsdam – Golm) auch zum neuen Palais.




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