08
Mrz
13

Vielleicht…

Das Schuljahr neigt sich dem Ende zu, es wird höchste Zeit, sich für das, was danach kommt, ein paar Gedanken zu machen. So kam es, dass gestern ein neuer Bewerber für eine Stelle für das Jahr im Bundesfreiwilligendienst bei uns hereinschneite und „mal gucken wollte“. Wir zeigten nach besten Kräften, was wir so machen, warumwiesoweshalb. Mein Kollege macht den „nice guy“ und erklärt natürlich noch viel besser als ich, zudem hatte ich mich auf die Rolle „Ich schaue streng über die Brille und gebe hin und wieder wichtige Kommentare ab“ zurückgezogen. Und ganz wichtig: Fremder Leute Kindre SIEZEN! Weil ich ja auch gesiezt werden will, da bin ich komisch, ich weiß…
Und irgendwann fragte ich dann, was er denn werden wolle – ich weiß, in diesen Zeiten eine echt gewagte Frage! Der junge Mann guckte mich an, aber auch nicht so richtig und sagte: „Vielleicht Restauration..“
Nein, ich zuckte zusammen, nicht! RESTAURATION! Innerlich verdrehte ich die Augen, ach bitte! Der innere Klugscheißermodus springt dabei sofort an: „Restauration“ heißt zwar grundsätzlich „Wiederherstellung des ursprünglichen Zustands“, meint aber heute eher das „Wiederherstellen eines älteren, politischen Zustands“. Und das, was er vielleicht, unter Umständen in Erwägung zieht ist „Restaurierung“ (von Papier, Filmen, archäologischem Kulturgut etc.).
Ich sage aber nur „Aha“ und schaue, ob noch was kommt.
Bingo! „Vielleicht auch was anderes…“
Wusste ich es doch! Ich versuche, das triumphierende Aufblitzen in meinen Augen abzuschwächen, als ich mit meinem Kollegen einen wissenden Blick tausche.
Ich kann es nicht lassen und frage weiter: „Und? Haben Sie einen Plan B?“
Er: „Naja, wir haben bei der Informationsveranstaltung irgendwie so 18 Adressen bekommen. Aber ich wollte in Berlin bleiben.“
Ich: „Sie wohnen in Berlin?.“ (Mehr eine Feststellung als eine Frage)
Er: „Ja.“
Ich: „Na dann schreiben Sie doch auch eine Bewerbung nach Brandenburg.“
Bewegung kommt in seine Mimik.
Er: „NEIN! Da kann ich doch auch gleich ins Ausland gehen!“
Ich bin für eine Millisekunde sprachlos.
Ich dann: „Aber die haben dieselbe Währung und sprechen Deutsch!“
Er, meine Replik offensichtlich nicht begreifend: „Neee, ich habe keine Lust, erst vier Stunden zur Arbeit zu fahren.“
Ach, Ironie kann er auch nicht! Ich will aber so schnell nicht aufgeben.
Ich also: „Aber wenn Sie studieren wollen, dann sollten Sie schon etwas mehr Neugier auf Unbekanntes mitbringen.“
Er, leicht gequält: „Ich bin schon neugierig….“
Mein Kollege wartet das „ABER“ nicht ab und schlägt Costa Rica vor. Zu unserer Verwunderung findet er den Vorschlag besser als Brandenburg.

Ich will ihn nicht haben… Mal schauen, ob DAS irgendwen interessiert! Vielleicht geht er ja doch nach Costa Rica. Bitte, tun Sie’s für mich!

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12 Responses to “Vielleicht…”


  1. 1 karu02
    8. März 2013 um 10:45

    Schön ironisch! Diese Begebenheit mitten aus dem Leben erinnert mich an ähnliche. Du hast das wunderbar auf den Punkt gebracht.

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  2. 8. März 2013 um 10:59

    Hihi, köstlich – wenn’s nicht auch traurig wäre!

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  3. 8. März 2013 um 17:12

    Muss man nicht sowieso öfter ins „Ausland“ nach Brandenburg wenn man bei Euch arbeitet?
    Das hättest Du dem jungen Mann nicht vorenthalten sollen!

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  4. 7 Philipp Elph
    8. März 2013 um 17:38

    Merke: Es gibt keine dummen Antworten, nur dumme Fragen! ;-)

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  5. 9. März 2013 um 22:22

    Mailand oder Madrid ? Hauptsache Italien ! (Andreas Möller, und der ist immerhin Millionär geworden…)

    Spass beiseite, mir tun die Turbo-Abiturienten irgendwie auch leid. Und wenn ich mich richtig erinnere, war ich mit 17 auch noch ziemlich planlos. ich glaube, ich wollte damals Geologe werden, warum auch immer.

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    • 10. März 2013 um 10:59

      Ist doch gut, dass du dich umentschieden hast. Immerhin hast du dich entschieden!
      Nein, das, was mich besonders auf die Palme gebracht hat, war gar nicht die Tatsache, dass er noch nicht genau wusste, was er machen will, sondern dass er sein Popöchen nicht aus dem heimatlichen S-Bahnring heraus bekommt!
      Ich habe übrigens derzeit vier BuFDis, bei denen ich auch nach ca. 6 Monaten nicht weiß, ob sie wissen, wo es denn hingehen soll… Morgen kommt noch eine, der man nahegelegt hat, sich ganz was anderes auszudenken. Nun, da ist sie aus Brandenburg nach Berlin gekommen und will mal zwei Tage bei uns „reinschnuppern“.

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  6. 11 joulupukki
    11. März 2013 um 08:35

    hihi, Rich gnadenlos :-D

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  7. 12. März 2013 um 18:22

    Snrk.
    (Erstaunlich vieles wird im Alter besser!)

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