17
Jun
08

Eingelegtes Gemüse


Letztens, bei einer Ausstellungseröffnung in der Slawenburg Raddusch wurde folgender Sinnspruch gehört und mir weiter erzählt: „Die Gurke ist das Parteiabzeichen des Spreewälders.“

Was für ein Satz! Eigentlich hätte hiernach Stille, in der man eine Stecknadel zu Boden hätte fallen hören müssen oder doch eine Gurke in die Einlegeflüssigkeit. Wozu ein Spreewälder so ein „Parteiabzeichen“ braucht, ist mir nicht ganz klar geworden, das konnte mir auch mein Gewährsmann, der Ohrenzeuge nicht erklären.
Die Gurke kenne ich ja noch aus Kindertagen, die war leicht stachelig, wenn ich eine geschwind zum Abendbrot pflücken sollte. Die aus dem Glas, die selbsteingeweckten, mochte ich gar nicht mehr, nachdem der Cousin meiner Schwester und mir gar schreckliche Geschichten über die blässliche, geschälten, weichgekochten Teile, die dort in der Gewürzlake dümpelten erzählt hatte. Ich kann sie ja hier nicht wiederholen, wer weiß, wer das noch liest!
Als ich im Sommer 2006 eine Weile in der Gegend von Lübbenau weilte, fragte mich meine Kollegin Jutta nach ein paar Wochen, ob ich denn schon ein paar von den Gurkenbüschen gesehen hätte. Sie als offensichtliches Stadtkind war offensichtlich noch nie einer freilaufenden/-wachsenden Gurke außerhalb eines Glases begegnet und ich hatte überhaupt gar keine Ahnung, wie sie sich die Aufzucht und Hege der gemeinen Spreewaldgurke vorstellte. Einen „Gurkenflieger“ hatte sie auch noch nie gesehen, nicht mal im Fernsehen und lachte mich erstmal aus, als ich sie danach fragte.

Der Spreewald lebt aber gut von diesem gurkigen Image. Kaffeefahrtengeschenke gibt es nur mit ordentlichem Gurkenanteil, in Lübbenau stehen überall Büdchen, in der die eingelegte Gurke feilgeboten wird. Pech hat man aber, wenn man jenseits der Kaffeefahrt-Sperrstunde in die Stadt geht, nach etwa 18.30 Uhr. Dann sind alle Stände geschlossen, auch wenn den Besucher noch der leichte Duft würzigen Essigs aus den aus Riesenfässern gebauten Verkaufsbüdchen entgegen wabert. Es gibt einen Gurkenradweg mit einer radelnden Gurke im Emblem.
Wie ich bei wikipedia nachlesen konnte, wo ich auch jenes wunderbare Bild fand, werden die Gurken gar nicht mehr monatelang der Gärung übergeben, sondern schlichtweg innerhalb eines Tages erhitzt, in Laugen gewälzt und dann der Würztunke in’s Glas beigegeben. Das ist doch etwas ernüchternd.
Na dann, werde ich mal einkaufen gehen, mir ist plötzlich nach saurer Gurke, dabei ist mir relativ egal, ob sie aus dem Spreewald kommt oder nur so aus dem Glas.

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