Posts Tagged ‘Frankreich

24
Sep
17

Pont Flavien

Brücken bauen, das konnten die Römer! Oder auch Triumphbögen. Manchmal waren die Brücken nicht nur einfache Verkehrsbauwerke, sondern auch Selbstdarstellung von Privatpersonen. Stellen Sie sich mal vor, dass Sie eine Brücke bauen lassen würden, einfach, weil Sie es können (meint, weil Sie es sich leisten können). Um 12 v. Chr. wurde diese Brücke über den Fluss Touloubre gebaut, klassisch mit einem Bogen, etwas ausgefallener mit den Triumphbögen an beiden Enden. Bezahlt hat, so verrät die Inschrift auf einem der Brückenbögen ein Priester namens Lucius Donnius Flavos. Die Brücke gehört zur Via Iulia Augusta, der römischen Fernstraße, die von Italen bis Arles und dann nach Spanien führte.


Auch hier, wie bei der Pont Julien, führte die Straße über Jahrhunderte nach den Römern immer noch auf der alten Trasse, bis nach dem 2. Weltkrieg. Gegen Ende des Krieges wurde das nördliche Portal durch Lastwagen stark beschädigt, aber natürlich inzwischen restauriert. In den Kalkstein haben sich über die Jahrhunderte die Spuren der Fuhrwerke und Karren eingegraben, sie sind gut zu sehen. Von den vier Löwen oben auf den Portalen ist nur einer römisch, die anderen drei stammen wohl aus dem 18. Jahrhundert.

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Heute führt die D10 nur wenige Meter westlich vorbei nach Saint-Chamas, welches zur Römerzeit bereits lange Zeit als ligurisch-keltisches Oppidum bestand. Der Ort liegt am Étang de Berre, einer großen Meeresbucht mit reichlich Industrie und etwa eine Stunde von Marseille entfernt, mittendrin also.. und doch kann man leicht vorbeifahren. Sollte man aber nicht, das Schauen lohnt sich!

19
Sep
17

Entrevaux – zwischen den Tälern

Nach einer Tour durch die voralpine Landschaft über die heute sehr bequem befahrbare Route über die N 85 (hier marschierte Napoleon 1815 auf der Rückkehr von Elba zumindest in Teilen lang) zuckelte unser Auto ohne den Umweg über Digne-les-Bains bis Barrème und dort auf der N 202 über St.André-les-Alpes, an Annot vorbei bis zum Zielort Entrevaux.


„Zwischen den Tälern“ bedeutet der Name, unzweifelhaft zutreffend! Schon von weitem sieht man bei gutem Wetter die Rückseite der mittelalterlichen Burg, die im 17. Jahrhundert weiter ausgebaut wurde. Die Rückseite hat aber wenig „17.“ an sich, finde ich.

Außer Ortsschild begüßt einen das „Un des plus beaux villages de France“-Schild, dies sollte man als Warnung betrachten, hier in der Hochsaison hinfahren zu wollen! Aber jetzt, im schönsten Septemberwetter ist es eine schöne Tour, die wir mit erfolgreichem Parkplatzfinden mit einem ersten Zwischenerfolg krönten. Der Var hat ein tiefes Tal in die Felsen geschliffen, das vom Besucher mithilfe einer Brücke überquert werden kann, heute nur als Fußgänger.
Die wechselvolle Geschichte als Bischofssitz seit dem 5. Jahrhundert, Zerstörungen, Besitzerwechsel und kurzzeitige Eroberung durch die Herzöge von Savoyen sind im französischen Wikipedia-Artikel zum Örtchen ausführlich dargelegt, und auch, dass der Baumeister Ludwigs XIV., Vauban, nie selber in Entrevaux war, wohl aber die Pläne zur Befestigung abgenickt hat. Und so wurde ab 1692 gebaut, aber nie fertiggestellt. Zwei Stadttore, die Port Royale und die Port de France erlaubten den Zugang zur Stadt über Zugbrücken, wobei bei beiden heute zwar noch „Zugbrücke“ dran steht, aber eine ziemlich sinnlose Verankerung der Ketten im modernen Gehweg nur zum Kopfschütteln reizt.

Die engen Gassen mit ihren Treppen, Durchgängen und der ehemaligen Bischofskirche locken zum Rundgang, überraschende Einblicken in einzelne Gebäude inklusive: eine Backstube, die mit Ofen, Schaufensterpuppen und einem Lobgesang auf das Bäckerhandwerk daherkommt oder eine Fotoausstellung zum Leben im Ort im frühen 20. Jahrhundert.

In einem Café am Place le Planet haben wir uns bei überbackenem Baguette und einem sehr ordentlichen Kaffee gestärkt, bevor wir auf einem anderen Weg wieder zur Port Royale zurückbummelten. Ein kleiner Laden mit Gewürzkuchen, „La Pain d’Epicerie“, lockte mich noch, denn die Besitzerin hatte den selbstgemachten Kuchen in den Sorte mit eingelegter Orange, mit eingekochter Aprikose, mit roten Früchten und Süßholz. Auch viele der Kräuter sammelt sie selber. Außerdem verkauft sie Lavendelhonig, der ausgesprochen lavendelig, aber nicht lavendelseifig schmeckt. Direkt neben dem Laden in der winzigen „rue du Marche“ hat sie ihre Backstube, die sie mir zeigte, als wir erst einmal in’s Plaudern über Gewürzkuchen, Pfefferkuchen, Weihnachtsgebäck und immaterielles Erbe (aka Omas Rezepte) kamen.
Mit Honigkuchen und Lavendelhonig bepackt, hochbeglückt, zogen wir von dannen, alleine dafür hätte sich die Tour gelohnt!

18
Sep
17

Saint-Maime

Schon oft bin ich unten im Tal am steilen Hügel von Saint-Maime vorbeigefahren, habe die Kapelle und den Turm gesehen, die wie Schattenrisse auf dem Steilkamm der abkippenden Muschelkalkbänke thronen. Den besten Blick hat man natürlich von unten, aber irgendwie fehlt noch ein Foto, denn es gibt keinen ordentlichen Halteplatz an der Straße.
Aber nun gut, ich wollte endlich einmal alles von Nahem sehen und dem Örtchen auch einen Besuch abstatten, wenn man schon in der Gegend ist.
Am Montagnachmittag war es dann soweit, kurz abgebogen und ein paar Kurven weiter standen wir mitten im Dorf an der Kirche. Hier gibt es einen kleinen Parkplatz, vermutlich auch der Platz, wo Veranstaltungen aller Art stattfinden. Festes Schuhwerk empfiehlt sich schon, wenn man die steilen Gassen hochsteigt und plötzlich nur noch einen kleinen Pfad vor sich hat, der sich steil nach oben windet.
Von der Burg ist nicht mehr viel vorhanden, das Schild mit der Schilderung der Geschichte direkt an den Kapelle der heiligen Agathe hat eindeutig schon bessere Zeiten gesehen. Immerhin kann man noch lesen, dass die Burg, die einst bestand, Raimond Berengar IV, Graf der Provence gehörte. Und angeblich sollen auch alle seine vier Töchter hier wichtige Jahre ihres Lebens verbracht haben, bevor sie allesamt Königinnen wurden: Margarethe heiratete Ludwig IX. den Heiligen von Frankreich, Eleonore den englischen König Heinrich III., ihre Schwester Sanchia Richard von Cornwall, der während des Interregnums zwischen Staufern und Habsburgern auch deutscher König war, und Beatrice den sizilianischen König. Nun, außer der Kapelle und dem achteckigen Turm sind nur noch ein paar Mauerreste erhalten, so dass die Vorstellung einer mächtigen Burg auch mir schwerfällt.


Der Ausblick auf die umgebende Landschaft mit ihren Dörfern, Burgen und Städten ist aber alle Male grandios, selbst, wenn einmal nicht die Sonne strahlt.

Zum Abschluss haben wir noch einen kleinen Gang durch das alte Dorf gemacht, welches auch etwas im Dornröschenschlaf liegt, denn das moderne Leben findet weiter im Tal statt. Aber ein paar geklaute Feigen, diese Jahr durch die Trockenheit zwar sehr klein, aber auch sehr schmackhaft, haben mir den Spazierganz zusätzlich versüßt.

Und wie es sich für mich gehört, habe ich auf dem eigentlich komplett beräumten Friedhof doch noch etwas gefunden.

17
Sep
17

Le Pont romane de Mane

Nur wenige Spazierminuten westlich der ehemaligen Priorei von Salagon liegt die Brücke über die Laye versteckt. Die Route N 100 Richtung Apt geht seit dem 19. Jahrhundert einige hundert Meter weiter südlich über eine kaum bemerkbare Richtung Apt, aber hier scheint die Zeit etwas stehengeblieben zu sein.
Es hat in diesem Sommer wieder sehr wenig geregnet, so dass das Flüßchen Laye kaum mehr als ein rinnsaliger Bach ist, der sich durch die Kalkfelsen schlängelt. Im Winter oder zur Schneeschmelzenzeit dürfte hier aber ordentlich mehr Wasser das Tal hinuntertosen.
Die Sonne genießend setzten wir uns auf einen Steinblock am Ufer des Rinnsales und schauten einfach nur in den blauen Himmel. Drei Bögen hat sie, die Brücke und Wellenbrecher, die die Massen bei Hochwasser im Zaum halten sollen. Ziemlich steil geht der schmale Weg hoch und wieder herunter.


Die Beschilderungen schreiben „pont roman“, also „romanische Brücke“, dem Wikipedia-Artikel, in dem sie als römisch angesehen wird, muss man nicht glauben, denn die römische Straße Via Domitia verlief südlich von Mane. Außerdem scheint die Brücke doch diverse Umbauten bis in die frühe Neuzeit erlebt zu haben. Und meiner Meinung nach wurde sie vor nicht allzu langer Zeit umfassend überarbeitet, denn der Straßenbelag auf der Brücke zeigt so gar keine Karrenspuren, die sich im Laufe der Jahrhunderte in den weichen Kalkstein des Baumaterials eingeschliffen haben müssen.

Aber wenn man da am Ufer sitzt und einfach nur den Urlaub genießt, ist das auch vollkommen egal. Wir hatten die Brücke für uns ganz alleine, fast eine halbe Stunde lang. Dann kam eine Familie mit umfangreicher Picknickausstattung und wir zogen schnell weiter….

16
Sep
17

Besançon – ein erstes Kennenlernen

Wie oft waren wir an Besançon vorbeigefahren, wenn wir auf der Autobahn Richtung Süden fuhren! Dabei haben hier meine französischen Zweiteltern hier ihre ersten Jahre verbracht, hier hatte er seinen ersten Job nach dem Studium, sie arbeitete in einer der Bibliotheken.
Wir hatten uns relativ spontan für die Hauptstadt der Region Franche-Comté entschieden, nur eine schnelle Recherche auf meiner Lieblingsseite für eine Unterkunft in Frankreich geschaut und schon ein wunderbares chambre d’hôte mitten in der Altstadt gefunden.
Bis wir uns durch diverse Staus an diversen deutschen Autobahnbaustellen gequält hatten, bis wir dann da waren, dämmerte es schon. Die die Stadt überblickende Zitadelle, die besterhaltene Befestigung des französischen Barock-Star-Baumeister Vauban, lugte über Dächer und Fluß, unser Auto schob sich durch die quirligen Viertel außerhalb der ruhigeren Altstadt, noch drei Einbahnstraßen den Hügel hoch und runter und wieder hoch, ein Telefonat mit dem Vermieter und schon wurden wir sehr freundlich in Empfang genommen. Hinter einer kleinen unscheinbaren Tür führte eine steile Holztreppe nach unten, aber unser Zimmer lag gleich hinter der ersten Tür. Bequemes Bett mit Lichtspiel im Betthaupt, kleines, aber feines Bad, tea-making-facility, was braucht es mehr?

Chantal erklärte uns geschwind den Stadtplan, gab Empfehlungen für einen kulinarisch gelungenen Abend und erklärte uns den Weg die Treppe hinunter, über den kleinen Hof und zu ihr in das Nachbarhaus, wo wir am nächsten Morgen frühstücken würden.
Die Altstadt rund um die Kathedrale St-Jean ist geprägt von den barocken Höfen der Kleriker, aber auch von der Universität, die in den verschiedenen Instituen hier ihren Sitz hat. Durch die Gassen und kleinen Straßen schlenderten wir zum Bistrot „L’Effet Boeuf“, welches Produkte der Region mit Fleisch vom Charolais-Rind zu soliden, köstlichen Gerichten zusammenzaubert. Auch der Wein aus dem Rhônetal und (der Reisegefährte) vom lokalen Bier ließ sich gut trinken.
Dann wurde noch ein Rundgang durch die abendlich illuminierte Stadt angeschlossen, in der es auf den Straßen recht ruhig war.

Auch wenn Besançons Ursprünge weit vor die Römer zurückreichen, haben diese doch deutlische archäologische und architektonisch gut erkennbare Spuren hinterlassen: am Square Castan stehen Säulen, die zu einem Amphitheater gehören sollen (Ansicht des Ausgräbers aus dem 19. Jh.) sehr dekorativ in einem kleinen Park mit römischen Resten und denen einer mittelalterlichen Kirche und knapp um die Ecke das Prachtstück: die Porte Noire, der seit dem Mittelalter porta nigra genannte Triumphbogen, welcher für Mark Aurel um 175 n. Chr. errichtet wurde. Leider fehlt dem Bogen die Quadriga mit triumphierendem Kaiser und die Porta ist auch nicht mehr nigra, denn sie wurde vor einigen Jahren aufwendig restauriert. Für ein schönes Nachtlicht hat es nicht mehr gereicht, aber man muss einfach nur auf ein Auto mit Licht warten, dann klappt’s auch mit der Illumination! Tagsüber sind die Einzelheite von mythischen Szenen, Kämpfen zwischen Fußtruppen und Berittenen sowie florale Motive deutlisch besser zu erkennen, aber… nun ja.

Nun sind ja die barocke Festung auf dem Berg und weitere Reste des Verteidigungssystems seit 2008 Teile des Welterbes der UNESCO. Grund genug also, den Weg nach oben zu gehen. Es gibt zwei: einmal den relativ einfachen über die Straße, die durch den römischen Bogen, vorbei an der Kathedrale den Hang hochkurbelt und einen Treppenweg, der quasi über die Hintertür den Berg hochklettert. Wir haben letzteren genommen, weil der Reisegefährte „Treppe ist bestimmt schöner“ meinte. Nehmen Sie den einfacheren, sie sind nicht so außer Atem, wenn Sie oben ankommen! Zumal die Treppenstufen zum Teil ausgetreten und unterschiedlich hoch sind, das mag ich ja gar nicht, ich, die ich so gerne umknicke!

Aber dann war uns das Glück wieder holder: es war Wochenende des Denkmaltages, les journées de la patrimoine. Das ersparte uns den Eintritt von 10,60 €/pro Person. Zwar sind da wohl auch die Eintritte für die unterschiedlichen Museen und Sammlungen enthalten, aber dazu braucht man bestimmt deutlich mehr Zeit, als wir uns nehmen wollten. Die Multimediashow über die Geschichte des Festungsbaus in der ehemaligen Kapelle war auf alle Fälle sehr, sehr sehenswert!

Der Blick über alte und neue Dachlandschaften ist auf alle Fälle etwas Anstrengung bei der Besteigung der Festung wert!

Abschließend haben wir noch einen kleinen Rundgang unten in der Stadt gemacht, einen schnellen Kaffee getrunken und uns dann auf den Weg weiter nach Süden gemacht.

Für ein erstes Beschnuppern war es sehr schön, aber an sich war es zu kurz, um die Stadt mit ihren schönen Ecken, den Innenhöfen, den Häusern, den freundlichen BisontinerInnen und ihrer wechselvollen Geschichte kennenzulernen.

22
Sep
16

Lichtspiele

Die Provence ist in meiner Vorstellung nicht unbgedingt das Land der Regenbogen, aber dieses Mal habe ich gleich an drei Tagen so abgeschnittene Teilregenbogen gesehen.
So auch gestern abend einen in zwei Teilen, als ich den indirekten Sonnenuntergang auf der Bank mit dem Blick nach Osten/Nordosten verfolgte. Da das Haus und der Hügelrücken hier dem gepflegten Sonnenuntergangspotting im Weg stehen, schaue ich mir halt bei Gelegenheit dessen Widerschein an. Und morgens natürlich die Vorboten des Sonnenaufgangs. Und gestern eben diese Lichtspiele mit Bonusmaterial.
Eigentlich saß ich vor dem Haus unter der Linde und las ein wenig, als ich dieses goldene Licht bemerkte, der Sonnenuntergang kündigte sich spektakulärer als sonst an. Auf der anderen Seite der Durance, Richtung Plateau von Valensole hatte bereits Nachmittags der Regen eingesetzt, der aber nicht bis zu uns herüberkam, allerdings die Hügel und das Vorgebirge in Unsichtbarkeit hüllte. Aber hier in Forcalquer hatten wir güldenes Licht. Den Regenbogen zu meiner Linken bemerkte ich zunächst auch gar nicht, dann musste ich eine Weile suchen, bis ich sein unauffälliges Pendant viel weiter rechts von mir sah, sehr schwach…


Währenddessen rutschte die Sonne immer weiter nach unten zum Horzizont und auch ihr Widerschein veränderte sich. Und so verwandelte sich das Licht von golden zu rotgolden, zu richensarot und dann zu einem undefinierbaren grauviolett, als das Licht dann für diesen Tag endgültig verschwand und die Schatten über die Hügel gezogen waren. Auch der Regenbogenstumpf blieb noch einen winzigen Moment zu sehen, dann hatte auch er sich „dünne“ gemacht.

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20
Sep
16

Wilde Tiere!

Herrschaft! Ist das hier aufregend!
Vor zwei Jahren brachte uns das Geraschel im Unterholz in’s Grübeln (wilde Schildkröte), heute das Quaken aus dem Baum über uns, dann aus dem Bambus am Rande unseres Sitzplates.
Wir haben unsere ganze Ausrüstung und unsere wissenschaftliche Neugier aufgefahren, um auch dieses tierische Rätsel zu lösen.
Es sind Laubfrösche, die hier quaken, mindestens zwei. Und einen konnten wir in einer spektakulären Fotoaktion auf die Speicherkarte bannen.
Aber sehen Sie selbst!

Suchbild als Schattenriss - Tip: Elegantes Bein!

Suchbild als Schattenriss – Tip: Elegantes Bein!


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Da guckt er, der Frosch!

Da guckt er, der Frosch!

20
Sep
16

Stadt – Land – Fluss

Der geneigte Leser hat sicher schon mitbekommen, dass wir hier Ferien auf dem Land machen. Forcalquier ist zwar ein kleines Städtchen mit etwa 5000 Einwohnern, aber eben auch Land. Unsere Unterkunft liegt außerhalb der Stadt und ist als „Gîte rural“, als „ländliche Unterkuft“ bezeichnet. Das trifft es ziemlich genau, denn wenn man hier abends vor dem Häuschen sitzt, welches zu einem um einen Hof gruppierten kleinen ehemaligen Bauernhof gehört, dann ist es ziemlich still. Nicht ganz, denn man hört manchmal die Nachbarin plaudern oder die Bienen summen, die Spatzen in Banden um die Bäume flitzen oder den stolzen Rotschwanz oben auf dem Schornstein vom Nachbarhaus singen. Manchmal meckert auch die Katze rum und – fast vergessen – habe ich am Samstag nachmittag den anderen Nachbarn kreissägen gehört, ach, und manchmal hört man auch die Esel auf der Weide ihr freudiges I-Ah (provenzalisch natürlich, sie mögen kein Hochsprachliches Eselisch). Morgens schaut man dem Sonnenaufgang zu und abends die Lichtspiele vom Sonnenuntergang, den man hier nicht sieht, denn der kommt von hinter dem Hügel wech.

Kurz vor dem Sonnenaufgang

Kurz vor dem Sonnenaufgang


So sitzen wir hier abends, trinken unseren Pastis vor dem Essen, das zumeist aus schmackhaftesten, da reifen Tomaten aller Farben und Formen mit ein wenig Salz und Pfeffer und lokalem Olivenöl besteht, mit ein wenig Brot vom Bäcker und hinterher oder dazu mit Ziegen- und Schafskäsen, Entschleunigung pur.
Aber heute waren wir spontan in der Stadt, der Provinzhauptstadt sozusagen, in Aix-en-Provence oder Aix, wie man hier sagt, weil man ja weiß, dass man in der Provence ist.
Verkehr, Kreisel und die Suche nach einem Parkplatz, enges Parkhaus, so fing der Stadtrundgang an. Inzwischen ist es unser 4. Besuch in Aix, dieses Mal waren wir das erste Mal alleine da. 2008 mit Anke, 2012 und 2014 haben wir meinen „kleinen Bruder“ aus Schüleraustauschzeiten getroffen, der hier einige Jahre verbracht hat und inzwischen als waschechter Nordfranzose froh ist, wieder in der Nähe von Lille zu wohnen („Bienvenue chez les Schties“ verkehrt herum). Und heute alleine! Wir sind durch die Straßen geschlendert und haben geschaut. Wer in der Innenstadt zu tun hat, ist entweder irgendwie mit der Universität verbandelt (Student, Prof oder Verwaltungsangestellte/r) oder hat eine gut gehende Kanzlei/Praxis. Der Rest der Flaneuere sind Touristen oder Leute, die an einem Dienstagnachmittag sonst nichts vorhaben, aber genügend Geld, um in den zahlreichen hochpreisigen Boutiquen einzukaufen.
In den Stadtpaläste der Renaissance-, Barockzeit und des 18. Jahrhunderts spiegeln die Hoch-Zeit von Aix wieder, als zwar die Provence nicht mehr eigenständig, aber mit Sitz des Bistums und des (abhängigen) Regionalparlamentes bis zur Französischen Revolution bedeutender als Marseille war. Die Universität ist eine der ältesten Frankreichs (gegründet 1409), wichtige Institute befinden sich bis heute in der Innenstadt.
Am Place de la Mairie ließen wir uns in einem Café nieder und tranken einen mittelmäßigen petit café und ließen die Blicke wieder schweifen. Nach kurzer Zeit setzte sich ein Mitglied der „jeunesse dorée“ aka Kind reicher Eltern mit seinem Beagle (Vorsicht: das wird der neue Modehund!) an den Tisch neben uns und verursachte bei uns Heiterkeitsausbrüche mit seiner so offensichtlich plakativen Lektüre eines antiquarischen Exemplars von Nabokovs „Lolita“, immer wieder durch intensiven Wischtelefongebrauch unterbrochen.

Bald hatten wir genug von der Stadt und reisten entlang der Durance (Fluss) zurück in die Ruhe auf dem Bauernhof.

Nun fragen wir uns nur noch, ob Frösche/Kröten auf Bäume klettern, denn das Gequake eben kam eindeutig von oben.
Nachtrag: Sie können, besonders, wenn sie Laubfrösche sind!
(Fotos im nächsten Exklusivbeitrag!)

19
Sep
16

Bergetappe im Montagne de Lure

Das Wetter war heute morgen durchwachsen, nach Süden hin blauer Himmel, nach Norden ziemlich grau und windig. Und warm sollte es nur im Tal werden, so die Wettervorhersage. Also perfekt für eine Wanderung oben im Gebirge. Wanderschuhe, winddichte Jacken, Sonnenschutz, Sonnebrille, Halstuch, ein wenig Picknickzubehör und zu trinken. Wir wollten natürlich nicht unten aus dem Tal starten, denn das hätte unsere Kondition doch überfordert, aber so eine Tour von der Skistation unterhalb des Sommet de Lure auf etwa 1300 m bis hoch zum Gipfel mit den Signalstationen auf ca. 1850 m. Es gibt einen Fernwanderweg, da wir aber kein geeignetes Kartenmaterial dabei hatten, wollten wir entlang der Straße laufen, die zu dieser Jahreszeit nur von Extremradlern und sehr wenigen Autos befahren wird. Von St-Étienne-les-Orgues führt die D 113/D53 durch die allmählich immer karger werdende Landschaft den Berg hinauf. Auf halber Höhe gibt es das ehemalige Kloster Notre Dame de Lure, von dem nur noch die Kirche mit offenen Fensteröffnungen steht samt einem kleinen Hof, der von einem genügsamen Kirchenwärter (aka Aussteiger?) betrieben wird (Bericht folgt). Als wir dann an der Skistation unseren Halt einlegten, waren wir weit und breit die einzigen. Inzwischen hatte sich die Sonne durchgekämpft, so dass wir bereit zum Laufen waren. Schuhwechsel im Auto, dann… der heftige Wind riss mir die Autotür aus der Hand. Der Blick auf’s Autothermometer verriet: 11°C, gefühlte 0°C! Die Jacke hielt zwar den Wind ab, aber ich wünschte mir sofort lange Skiunterwäsche, denn eine Etage tiefer pfiff der Mistral heftig durch alles durch. Aber wir wollten doch wandern! Zunächst ignorierten wir Wind und Kälte und schauten uns am Panorama nach Süden und an der kargen, fast alpinen Vegetation satt.

Blick nach Südwesten

Blick nach Südwesten



Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts weideten hier oben Schaf- und Ziegenherden in großer Zahl, einige wenige scheinen noch hier zu sein, wie uns die Schafköttel verrieten.
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Nach zwanzig Minuten waren wir aber so ausgekühlt, dass wir doch eine Planänderung beschlossen: in Etappen mit dem Auto weiterfahren, an den Besucherstationen mit den Erläuterungen je nach Wind- und Temperaturgefühl eine kleine Tour einlegen.
Auch so verbrachten wir einige Stunden dort am Sommet de Lure, wobei der Höhepunkt der erste Blick nach Norden auf die verschneiten Gipfel der französischen Alpen war. Und vor uns breitete sich die nördliche Provence mit dem Val de Juberon, ein Teil der Drôme aus, wie in einem barocken Theaterstück in hintereinander gestaffelten Kulissen.
Die letzte Etappe auf den Gipfel mit dem Wald an Sendemasten haben wir dann doch erlaufen, auch wenn der Wind einen fast umgepustet hat und das Fotografieren resp. das (Still-)Halten der Kamera wirklich schwierig war.

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Leider kann ich die Gipfel nicht namentlich identifizieren, vielleicht kann einer der werten Leser….??
Der Wind hatte auch etwas Gutes: er blies die Wolken mehr und mehr vom Himmel, der immer blauer wurde. Tief unter uns konnten wir bis fast Sisteron sehen, welches mit der eindrucksvollen Felspforte des Durancedurchbruches unser nächstes Ziel sein würde.

Und zu guter Letzt zeigte sich sogar der Mont Ventoux westlich von uns gnädig im Licht, nachdem wir ihn in den letzten Tagen nur wolkenverhangen gesehen hatten.

Fernwanderweg - der Abstieg, nichts für mich!

Fernwanderweg – der Abstieg, nichts für mich!


Während wir über Schlangenlinienstraßen in’s Tal schraubten, stiegen die Temperaturen stetig an, in Sisteron gab es spätsommerliche 26°C, Sonne pur und ein Eis.

17
Sep
16

Der Garten des Château Val Joanis

Etwas außerhalb von Pertuis liegt ein wahrer Schatz versteckt. Inmitten von Weinbergen und Olivenhainen fährt man von der D 973 hinter dem Schild auf die kleine Privatstraße ab, welches das Château Val Joanis ankündigt. Der Begriff „Château“ bedeutet hier weniger „Schloss“, sondern mitunter einfach „Weingut“.
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Hinter diesem Weingut verbirgt sich jedoch eine lange Geschichte. Der heutige Betrieb lässt sich offensichtlich bis in die Römerzeit zurückverfolgen, als hier eine villa rustica, ein römisches Landgut stand und sicherlich auch schon Wein angebaut wurde.
Ob das heutige Gut durchgehend bewirtschaftet wurde, ist unbekannt, allerdings ist spätestens ab 1567 bis in das 17. Jahrhundert die Familie Arnaud als Besitzer bekannt.
1730 wurde der Generalvertreter des französischen Königs in der Provence, Jean de Joanis, neuer Besitzer und ließ die Gebäude um 1754 erneuern.
Diese Gebäude aus dem 18. Jahrhundert sind noch gut erhalten, aber nicht zugänglich, da die heutigen Besitzer, Familie Chancel, Privates und Berufliches zu trennen wissen.
Neben dem Wein teilen sie aber doch etwas Wunderbares mit Besuchern: den Garten, den Cécile Chancel ab 1978 durch den Gartenarchitekten Tobbie Loup de Viane anlegen ließ. Und man sieht, wieviel Arbeit diese Art Garten macht!
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An die barocken Gärten des 18. Jahrhunderts erinnern einerseits die exakt geschnittenen Hecken und gestutzten Buxbäume, Eiben und Zypressen, aber auch der Teil Nutzgarten, der zur Selbstversorgung diente. In drei Terrassen ist der Garten am leicht abschüssigen Hang angelegt, der Gemüse- und Heilpflanzengarten, der Rosen- und Blumengarten auf der mittleren und auf der unteren der Arten, die an Griechenland erinnern sollen (das habe ich dem wikipedia-Artikel entnommen, denn es ist mir nicht aufgefallen).


Die immer noch blühenden Pflanzen bieten so auch ein Zuhause für allerlei Insekten, von der gemeinen Biene und Hummel über Schmetterlinge bis hin zum für mich exotischen Taubenschwänzchen und zur Holzbiene.

Die Terrassen werden über einen grün überwachsenen Laubengang verbunden, der im Sommer auch blüht, den Kletterrosen und Clematis sei Dank. Jetzt gab es dafür Hagebutten in kräftigen Rottönen.
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Und da in Frankreich alles eine Auszeichnung nach einem erfolgreich absolvierten Wettbewerb bekommt, ist der Garten natürlich seit 2005 mit dem Prädikat „jardin remarquable“ versehen, 2008 war er „Garten des Jahres“.

Der Garten ist von April bis Oktober geöffnet, der Eintritt beträgt grundsätzlich 3 €, diese werden beim Kauf von Wein erstattet. Leider packen sie einem die fleißigen Gärtner nicht mit ein, zumindest nicht bei unserem Einkauf.




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