Posts Tagged ‘Moustiers-Ste-Marie

20
Sep
17

Wasserstandsmeldungen am Lac Ste-Croix

Wenn man schon einmal hier in der Region ist, kann man ja mal schauen, wie hoch das Wasser in meinem Lieblingssee steht, dem Lac de Sainte-Croix. So ging es am Mittwoch nachmittag zunächst einmal nach Moustier-Sainte Marie über die Hochfläche von Valensole, die ja für ihre Lavendelfelder bekannt ist. Dort war schon Herbst bis Winter eingekehrt, alles abgeernetet, alles runtergeschoren. Aber es ist ja nun einmal Landwirtschaft und nicht (nur) zur Freude der Touristen so lavendelig. Zunächst wollten wir in Moustier-Sainte Marie einen Kaffee trinken, um etwas aus dem düseligen Frühnachmittagstief zu kommen, aber noch ist das Örtchen aus der Kategorie „Un des plus beaux villages de France“ noch ziemlich gut besucht, so dass wir kaum einen Parkplatz am Ortsrand fanden. Sofort geht auch der Blick nach oben, ob der goldene Stern noch hoch über der Kapelle baumelt und schon geht der innere Ohrwurm los: „Ein Stern, der deinen Namen trägt…“ Schlimm! Aber der Stern ist noch an Ort und Stelle, so dass wir beruhigt nach einem Plätzchen für einen Kaffee Ausschau halten konnten.


Wir fanden einen Platz, wo wir einen anständigen „petit café“ und eine „menthe à l’eau“ bekamen, die Bedienung stärkte sich zwischendurch bei Zigarette und Bierchen auf der gegenüberliegenden Gassenseite.

Eher zufällig habe ich neben dem Rechner auch eine Festplatte mit auf Reisen genommen, so dass ich zu den Wasserstandsmeldungen gute Vergleichsbilder habe. 2014 war deutlich mehr Wasser im See als 2016, da aber annähernd soviel wie dieses Jahr, obwohl es wohl noch trockener war als im letzten Jahr.
Hier die Vergleiche von 2014, 2016 und 2017:

Diese Diashow benötigt JavaScript.


Diese Diashow benötigt JavaScript.


Aufgenommen habe ich die Bilder am 31.8.2014 (viele Boote), am 13.9.2016 (weniger) und 20.9.2018 (fast keine mehr), tja, der Sommer ist eindeutig zuende im September!

15
Jan
09

Café au lait, s’il vous-plaît…

Da steht sie nun vor mir, meine kleine Bolle mit einem Milchkaffee gefüllt. Die roten Blumen auf der ganz zart gelben Glasur, die den rötlichen Ton durchschimmern lässt, scheinen sich fast noch etwas im Mistral zu wiegen, der in der letzten Septemberwoche durch den kleinen Bergort Moustiers-Ste-Marie pfiff.
Das Dorf oberhalb des St-Croix-Stausees war bereits im 16. Jahrhundert für seine Keramik berühmt, die Einwanderer aus dem Norden Italiens hier herstellten. Der Keramikforscher nennt diese recht nüchtern: “hell glasierte Irdenware auf rot brennendem Scherben, bemalt”, andernort wird sie nach dem italienischen Ort “Faience” genannt. Die Produkte aus Moustier-Ste-Marie erlebten bis ins das 18. Jahrhundert ihre Blütezeit, sogar Madame Pompadour soll einige Stücke ihr Eigen genannt haben. Dann begann aber mit dem Siegeszug des Porzellans und seiner preisgünstigeren Herstellung auch in den europäischen Manufakturen der Niedergang dieser hohen Handwerkskunst, nur in bäuerlichen Umfeld blieb diese einfache Keramik das Geschirr für alle Tage. Noch heute wird sie in Archäologenkreisen, die für Neuzeitforschung wenig übrig haben, “Bauernkeramik” genannt, sehr zu Unrecht!
der Laden
Als ich in den kleinen, zurückhaltend dekorierten Laden in Moustier-Ste-Marie trat, saß Michel Fine ganz still da, in der rechten Hand den nur wenige Haare dicken Pinsel und zeichnete diese feinen Blumen auf eine große Schale, die nach dem ersten Brand, dem Schühbrand, schon den weißlichen Malgrund zeigte. Nur ein kleines Kopfnicken gab es als Gruß. Auf Tischen und in den Regalen standen die Erzeugnisse seiner Töpferkunst, die er zusammen mit einem Kollegen, Serge Sabatier, hier verkauft. Deutlich sind auch die unterschiedlichen Handschriften der beiden Töpfer zu erkennen. Während Fine, ganz dem Namen verpflichtet, wunderbare Blumenmotive in immer wieder anderen Kombinationen aufmalt, zeigen die Stücke von Sabatier eher einen rustikalen Karotouch, der zu einem fröhlichen Frühstück auf dem Land perfekt passt.
Lange habe ich zugeschaut, wie diese feinen Blumen geradezu aus dem Pinsel flossen und dann den Töpfer ganz zaghaft gefragt, ob er wohl auch kleinere Teile fertigt, denn so eine wunderbare große Schale hätte mein Budget gesprengt.
Er lächelte etwas, als ich ihm meine Bitte vortrug und versprach mir zwei Bolles. Wir vereinbarten, dass ich ihn anrufe, um zu fragen, ob sie Schälchen auch den zweiten Brand, den Glasurbrand, fehlerfrei überstanden haben würden, um sie dann ein paar Tage später abholen zu können.
Und das ist eben echte Handwerkskunst: der erste Brand gelang nicht, ein Fehler in einer der Schalen hatte die stundenlange Malerei zerstört, erst der zweite Anlauf gelang.
Fast schon auf der Rückreise habe ich dann meine Bolles abgeholt, sogar einen Umweg gefahren, noch einmal durch die Berge durch, aber jeder Zentimeter dieser Fahrt war es wert.
Mit diesem kleinen Lächeln, nun aber mit Stolz gemischt, überreichte mir M. Fine die Schalen.
Mistral gagnant…

meine Bolle

Zwei Jahre später bin ich zurück gekommen, habe Urlaubsgeld zur Seite gelegt und noch eine große Schale und zwei kleine Kaffeetassen gekauft. Monsieur Fine schenkte mir ein kleines Lächeln, als ich ihm, dem Provencalen versicherte, dass es den kleinen Bolles gut ginge und dass jedes Frühstück mit ihnen die Wärme meines Urlaubs erinnern hilft.

Poterie de la ferme de Milan
rue de la Bourgarde,
F-04360 Moustiers Ste Marie
+33 (0)4 92775676

Öffnungszeiten:
ca. 10.30 – 12.30, 14 – 19 Uhr
Mo geschlossen, manchmal auch nicht, manchmal auch an anderen Tagen




Juli 2022
M D M D F S S
 123
45678910
11121314151617
18192021222324
25262728293031

Bloggeramt.de

Nicht ICH werbe, sondern WORDPRESS
Eingeblendete Werbebanner, ads mit Spielen und Videos stammen von Wordpress und nicht von mir. Das ist der Preis fürs kostenlose Bloggen.
Auf Anzahl & Inhalte habe ich keinen Einfluss.


%d Bloggern gefällt das: