20
Sep
14

Abendliche Routine

So ein Tag voller Eindrücke vergeht ja schnell, wenn man im Urlaub ist. Irgendwann ist aber Feierabend mit den Besichtigungen und dann kommt der gemütliche Teil des Tages. Es war ja immer noch recht warm, besonders auch im Rhôntal hingen die Temperaturen abend noch kurz unter der 30°C Marke.  Da brauchte es eine kleine Erfrischung oder einen Sun-downer: natürlich ein ordentliches Maß Pastis mit nicht zu viel Wasser und Eiswürfeln. Und ein paar Nüsschen, Salzmandeln oder etwas ähnliches. Meine Tante nennt es “wohlschmeckende Stunde”, wir haben sie französisch interpretiert.

Im Rhônetal entdeckten wir am ersten Abend, als wir mangels Internet die Wettervorhersage im Fernsehen suchten, entdeckten wir auf arte eine Sendung mit Sarah Wieners über ihre Reise nach Indien, natürlich in französischer Sprache. So haben wir uns angewöhnt, unseren Pastis als Apéro mit Sarah Wieners einzunehmen. Später haben wir gekocht und draußen unter dem kleinen Hausbaum noch ein Schlückchen Rosé getrunken.

abend

 

Oder zwei…

20
Sep
14

Laudun, fast in Sichtweite der Rhône

Das Rhônetal ist eine sehr intensiv genutzte Gegend, voller Weinberge, Gemüse- und Obstfelder. Viele Bauern bieten ihre Feldfrüchte auf den lokalen Märkten an, aber auch in eigenen Ständen an der Straße oder auf ihrem Hof an. Die vollreifen Tomaten, Weintrauben oder Auberginen sind eine pure Verlockung, wenn man über die Wochenmärkte schlendert. Am Sonntag wird der Markt in Laudun abgehalten. Im Zentrum des Ortes reihen sich die Stände im Schatten der Kirche aneinander, nicht nur Obst und Gemüse, sondern auch Tinnefkram neben eingelegten Oliven, Reis aus der Camargue und die obligatorische Marseiller Seife.

Tomaten, Zucchini, roter Reis, eingelegte Oliven und ein gebratenes kleines Hähnchen flatterten in den Einkaufskorb.

06
Sep
14

A la prochaine, Haute-Provence

Schwups, ist die Woche in der Haute-Provence rumgegangen. Wir haben viel gesehen, gestern abend noch einmal durch die Gassen in Forcalquier geschlendert, das Auto ächzt jetzt schon unter Mitbringseln, Einkäufen.
Nun geht es ein paar Kilometer weiter westlich gen Bagnols-sur-Ceze, wo es kein Wlan in der Unterkunft gibt, also auch keine täglichen “Wasserstandsmeldungen”.

sonnenaufgang

04
Sep
14

Lurs

Nur ein paar Impressionen aus dem Bergdörfchen hoch oben über dem Durancetal, Sommerresidenz der Bischöfe von Sisteron, heute noch ein bischöfliches Seminar am Ortsrand, ansonsten ruhig, die engen Gassen lassen sich am ehesten zu Fuß erkunden und plötzlich steht man vor einem kleinen Amphitheater mitten im Ort, sicher neuzeitlich, aber durch die Säulenzypressen drumherum macht es einen echt römischen Anschein. Eine Flasche Olivenöl aus lokaler Pressung begleitete uns, in dem kleinen Lädchen “Chez Justine” erstanden, die zugehörigen Olivenbäume stehen etwas westlich des Ortes an der sich hinschlängelnden Landstraße.

03
Sep
14

Brücken

Wir Touristen sind ja nicht die ersten Fremden, die hier im Land unterwegs sind, das ist eine Binsenweisheit. Auch große Straßenbauprojekte sind keine Erfindung der Neuzeit (noch eine). Die Römer haben ja schon früh ihre Finger nach Gallien ausgestreckt, Provinzgouverneur Caesar war nach einigen Jahren Amtszeit der reichste Mann der römischen Welt. Ein paar Investitionen lohnten sich also, dieses Land zu erschließen, Handel, aber auch schnelle Truppenaufzüge zu ermöglichen. So war die Via Domitia die wichtigste Landverbindung nach Südfrankreich, die heute immer noch unter so mancher Communestraße erhalten ist oder auch durch einige sehenswerte Brückenbauwerke.
Bei Bonnieux ist die/der Pont-St-Julien sehr gut erhalten, bis vor wenigen Jahren führte die moderne Straße sogar noch über das Brückenbauwerk. Inzwischen ist mit EU-Mitteln ein breiter Fahrradweg durch das Tal der Calavon gebaut worden, der offensichtlich auch der zugehörigen Route départemental eine neue Brücke ermöglicht hat, die nur etwa 100 m entfernt das derzeit ausgetrocknete Flüsschen überquert und einen auf einen deutlich überdimensionierten Parkplatz leitet. Der Radweg führt heute noch über die Brücke, den schönsten Anblick bietet sie in der Morgensonne aber unten aus dem Flussbett.


pont-st-julien

Pont-St-Julien


Deutlich romantischer gelegen ist die Pont-de-Ganagobie, mitten im Wald unterhalb der Prieuré, wenn man, kurz bevor man in die Zivilisation der Fernstraße zurückkehrt, dem Wegweiser zum Hotel Seminaire de Surs folgt. Die sehr schmale Straße folgt der römischen Route und ehe man es sich versieht, hat man die Brücke überquert. Zum Glück gibt es einen kleinen Parkplatz und einen Trampelpfad hinunter an das Bachbett. Es ist ganz still, das Rauschen des kleinen Wasserfalls übertönt die Geräusche der Neuzeit. Ein Reiher flog mit grazilem Flügelschlag über die Brücke und setzte sich am Hang in die Sonne. Streng schaute er auf uns nieder und wartete, bis wir uns wieder aus seinem Revier davon gemacht haben.

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03
Sep
14

Die Prieuré Ganagobie

Der Weg ist das Ziel könnte man meinen, denn man muss schon wirklich da oben hinwollen, da, hoch über das Tal der Durance. Machen Sie nicht den Fehler, der Beschilderung des Weilers Ganagobie zu folgen, denn dann kommen Sie nicht an’s Ziel oder nur, wenn Sie auf der engen Straße wenden und den beiden gleichmütig schauenende Eseln noch einmal zuwinken, die gedankenvoll wiederkäuen. Wenn Sie dann die richtige Abzweigung gefunden haben, geht es die sehr enge, gewundene Straße steil den Berg hinauf. Es gilt: je kleiner Ihr Auto desto besser. Wer hinaufwandern will, sollte vorsichtig sein, denn es gibt derzeit auch Radfahrer, die die Bergetappen der Tour de France nachempfinden und auf der Rücktour den Berg hinunter wie die Wahnsinnigen den Fahrtwind genießen wollen.
Der Parkplatz fängt uns eine gute Viertelstunde vor der Priorei ab, was allerdings für einige andere Reisende immer noch zu viel Fußweg zu sein scheint, denn die Behindertenparkplätze in Sichtweite der Kirchentür werden gerne von gar nicht so Fußlahmen aus der Familie Adipositas zweckentfremdet. Sie fahren aber auch so nah wie möglich an den Klosterladen heran. Allerdings verpassen sie die Stille des Waldes, die schönen Ausblicke auf die Nebentäler Richtung Forcalquier und Sinonce und die Reste einer keltischen Ansiedlung im Unterholz. Esoterisch angehauchte Wanderer haben aus den herumliegenden Kalksteinen Türmchen und Kreise gebaut, auch nett.


Es hat sich Einiges getan, seit ich hier vor sechs Jahren zuletzt zu Besuch war: Kleine Lavendelfelder werden bestellt und auch die Renovierung in der Kirche und die Drainagen außen an der Kirche sind abgeschlossen.
Da die Mönche ihre Ruhe haben wollen, ist die Kirche außerhalb der Gebetszeiten nur zwischen 15 und 17 Uhr für Besucher geöffnet.
Bereits außerhalb der Kirche steht der Besucher vor dem wunderschönen Skulpturenportal der Westfassade: Christus thront, von zwei Engeln, den Symbolen der vier Evangelisten umrahmt im Tympanon, darunter sind die zwölf Apostel abgebildet, Petrus hervorgehoben mit den Schlüsseln in der Händen.
Petrus dürfte auch als der entscheidende Hinweis auf die Verbundenheit der benediktinischen Mönche mit dem Mutterkloster Cluny zu verstehen sein, denn die anderen Apostel sind ohne ihre Attribute dargestellt. Vom Kloster in Cluny ging im 10. Jahrhundert eine der Reformbestrebungen des Benediktinerordens aus, die den Orden zurück zur Strenge der Anfangszeit bringen wollte, was nur kurzzeitig gelang. In diese Zeit fällt auch die Gründung von Ganagobie, welches weitab von dem dichter besiedelten Tal das Motto “Ora et labora” wieder mit Sinn füllen wollte.
Tritt man in die Kirche ein, empfängt einen der Geruch von Weihrauch und benutzter Kirche. Ich weiß nicht, ob ich das erklären kann: Kirchen, die nur noch als Besichtigungsobjekt dienen, merkt man dies auch am Geruch an. Hier ist es anders, Weihrauch und gelebtes Mönchsleben riecht man.
Das schmale Hauptschiff öffnet sich erst im Chorbereich zur Dreischiffigkeit, wo auch das Gestühl für die Mönche steht, und offenbart dann den größten Schatz: die Mosaike aus der 1. Hälfte des 12. Jahrhunderts.
Dreifarbig zeigen sie im wesentlichen den immerwährenden Kampf “Gut” gegen “Böse”: Ritter auf Pferden bekämpfen Drachen, es sind Adler, Löwen und sogar Elefanten mit Aufbauten für Kämpfer zu erkennen. Vögel mit Menschenköpfen, die als Sirenen die Reisenden vom rechten Weg abbringen wollen, sogar ein Zentaur ist abgebildet. Dazwischen wieder Motivfelder, die in ihrer Ornamentik an römische, aber auch an Vorbilder aus den Tierstilen Nordeuropas erinnern. In der Apsis zieht sich ein Spruchband um die Abbildungen, die einen Prior Bertrand und den Meister des Mosaiks, einen Trutbert nennen: Schöpferstolz des 12. Jahrhunderts.

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Die als Himmelskönigin gestaltete Marienfigur mit Jesuskind auf dem Arm gehört zu den wenigen weiteren Schmuckstücken der Kirche, die mit einem Blumenstrauß aus Feldblumen und weißen Lilien, dem mittelalterlichen Sinnbild der Jungfräulichkeit Mariens geschmückt war. Von dort aus kann man auch einen Blick in den wunderschönen Kreuzgang werfen, den die Mönche nicht teilen wollen, denn er ist zwar von zwei Stellen in der Kirche einsehbar, aber nur für die Kontemplation der Klosterbewohner gedacht.

Ganagobie ist seit 1992 wieder von Benediktinern der Sainte-Marie-Madeleine Gemeinschaft aus dem Savoyen bewohnt, die auch zu den Chorgebeten einladen.
Auf die mittelalterlichen Vorgänger der heutigen Benediktiner deuten eine Reihe von in den anstehenden Felsen eingehauene Kopfnischengräber direkt nördlich der Kirche, etwas abseits vom Weg, ungekennzeichnet. Die Deckplatten bilden einige Meter weiter die Umrahmung für ein Metallkreuz, komisch. In Sichtweite liegen die neuen Gräber, die durch eine Reihe einfacher Holzkreuze mit dem Namen des Verstorbenen gekennzeichnet sind. Die meisten Mönche werden sehr alt, was ganz bestimmt am Lavendelhonig, dem Weihrauch und dem zurückgezogenen Leben liegt.

Der Klosterladen ist übrigens auch ordentlich erweitert worden und bietet neben religiöser Erbauungs- und Naturkundeliteratur auch Rosenkränze, Räucherwerk und eine große Bandbreite an Produkten, die in verschiedenen Klöstern direkt hergestellt wurden oder zumindest unter einem Klosterlabel laufen, von der Olivenöl-/Lavendelseife über Kekse, Bonbons, Konfitüren, Honig bis hin zu geistigen Getränken. Die Öffnungszeiten sind von 14.30 Uhr bis 18 Uhr.

02
Sep
14

L’isle-sur-la-Sorgue

Die Sorgue plätschert also munter von der Quelle bei Fontaine-de-Vaucluse weiter, immer noch glasklar kommt sie mit Schwung in dem hübschen Landstädtchen L’isle-sur-la-Sorgue an, die “Insel an der Sorgue”. Das Örtchen ist von mehreren Flussarmen durchzogen und umflossen, so dass man allenthalben auf ein Gerinne trifft. Überall entlang der Gewässer drehten sich einst die Mühlräder für Getreide-, Öl- und Papiermühlen, die heute allerdings bis auf ein paar bemooste Ausnahmen am Rand des öffentlichen Parks verschwunden sind. Verschwunden sind auch die Krebse, die neben der Fischerei eine weitere einträgliche Geldquelle für die Bewohner bildeten, denn gegen Ende des 19. Jahrhunderts dezimierte eine Krebsepidemie die schmackhaften Krabbeltiere.
Heute lebt die Stadt vor allem vom Tourismus, viele Chi-Chi- und Antiquitätenläden für den betuchten Besucher, meist englischer Herkunft warten auf Kundschaft, die sich offensichtlich reichlich findet.


Nach einem gemächlichen Wandelgang durch die Gassen und über die unvermutet auftauchenden Plätze landeten wir mit einem leichten Hüngerchen in einem der zahlreichen Restaurants, die sich am Ufer der Sorgue-Arme entlang ziehen. Das Mittagsmenü im La Balade des Saveurs war für 18 € genau das richtige Gegenmittel: mit einer Ziegenkäsemousse mit Salätchen ging es los, danach gab es für mich eine Sorgue-Forelle auf Risotto mit Wurzelgemüsen, für die Begleitung ein Gericht mit gehacktem Lammfleisch auf Linsenbett mit Bohnen und anderem grünen Gemüse und zum Nachtisch gegrillte Feigen mit einem Klecks Mascarpone und Ile flottant, in Milch gegarten Eiweißnocken auf einer Vanillecreme. Nach einem köstlichen kleinen Kaffee zogen wir weiter in den Nachmittag.




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