Posts Tagged ‘Reenactment

02
Jun
13

Landpartie im Regen

Es war schon seit einiger Zeit im persönlichen Veranstaltungskalender vermerkt, der Besuch auf der Festung Königstein in der Sächsischen Schweiz. Nach einem Blick auf die Wettervorhersage, der für Berlin Dauerregen und heftigen Wind ansagte, nicht jedoch ganz so Schlimmes für den Zielort, machten wir uns auf den Weg. Stets hoffend, dass die Vorhersage wenigstens ansatzweise stimmen würde, hatten wir die Autobahn bereits verlassen und eine Route an Radeberg vorbei auf Pirna zu eingeschlagen, als uns endgültig klar wurde, dass die Prognose und das tatsächliche Wetter nicht übereinstimmten: Es regnete, es nebelte und von der reizvollen Landschaft war so gut wie gar nichts zu erkennen.
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Der „Point of return“ war aber überschritten, für’s Umkehren konnten wir uns nicht entschließen. Radeberg – die Ortsumgehung hält uns vom Stadtkern fern, Pirna – die Elbe schwappt. Der Reisebegleiter wurde recht verdrießlich ob des ungenügenden persönlichen Wetterschutzes, hatte er sich doch auf die von mir verkündetet Prognose verlassen. Die Sichtweite betrug keine einhundert Meter mehr, nur ein paar Obstbaumreiehen rechts und links der Straße schimmerten durch den Nieselnebel.
Schließlich erreichten wir unser Ziel. Das großzügige Parkhaus ließ vermuten, dass sonst die Besucher strömen anstelle des Regens.
Bereits auf dem Weg zur Festung kamen uns deutlich mehr nassgeregnete Besucher entgegen als mit uns den Berg hinanstiegen. Ein Riesenaufzug brachte uns auf die Festung, der Panoramafahrstuhl war ob des schlechten Wetters nicht in Betrieb.


Oben empfing uns ein heftiger Wind und noch mehr Regen sowie ein Zeltlager einiger Reenactmentgruppen, die für eine Veranstalung der Festung Königstein ein Ereignis darstellen sollten, welches es so 1639 gar nicht gegeben hat: damals war das schwedische Heer an der uneinnehmbaren Festung vorbei gezogen und hatte sich weiter auf den Weg nach Böhmen gemacht. Dennoch wird dieses frisch kreierte Phantomereignis hier mit viel Verve dargestellt. Als wir ankamen, stellte sich eine Truppe in schwedischen Diensten gerade im strömenden Regen auf, bereit, auszurücken und etwa eine halbe Stunde später die Festung von der am Fuße gelegenen Stadt aus anzugreifen.
In strömendem Regen zogen sie auf die Stadt zu, bedauerlicherweise konnte man von den Festungswällen nichts mehr erkennen, mein Schirm wurde vom Wind zerlegt, die Kamera des Mobiltelefons ließ sich mit den klammen Fingern nicht mehr auslösen.

Der Reisebegleiter hatte längst unter einem Vordach Schutz gesucht, ich war ordentlich durchgeweicht. Zum Glück bot uns der Museumsshop Zuflucht vor den Unbilden des Wetter, das Café war überfüllt. Nach etwa 20 min kämpften sich die Reenactortruppen wieder durch die Redouten Richtung Burghof hoch, wo sie den wenigen Zuschauern noch ein kleines Nahkampfspektakel boten.

Klitschenass, aber gut gelaunt, zogen alle beteiligten Darsteller zurück in ihre Lager und labten sich bei heißer Suppe.

Selbst für den Reisegefährten und mich war Platz im Zelt der „Verlorenen“, eine köstliche heiße Leberknödelsuppe vom offenen Feuer und ein Becher Rotwein weckten die Lebensgeister im Nu, während der Regen auf das leinerne Zeltdach trommelte. Es wurden die Musketen gereinigt, gefachsimpelt, erzählt, gelacht und überlegt, wie man perspektivisch die Ausrüstung wieder trocken bekommt.
Vom Inneren der Festung haben wir nichts gesehen, denn bis wir uns ausgeplaudert hatten, war schon Feierabend im Museumsbetrieb. Zum Glück hatte die Bäckerei noch Brot und der Aufzug wartete mit der letzten Fahrt nach unten auch noch auf uns.
Der zweite Tag, der Sonntag sollte den Zuschauern die geglückten Eroberung der Festung bescheren, die Vorführungen wurden aber wegen des Dauerregens abgesagt.
Da haben wir wohl Glück gehabt, trotz nasser Haare, Hosen und durchweichter Schuhe.

13
Jul
09

Klein Köris – das Germanendorf

(13.07.2008) Am Sonnabend, den 12. Juli war es wieder soweit: der Verein, der das Freilichtmuseum “Germanische Siedlung Köris” trägt, veranstaltete wieder das jährliche Fest mit etwas “Reenactment”, Kulinarischem und viel Informationen rund um die Germanen von Klein Köris. Und es wächst langsam, aber stetig, das Dorf: das Haupthaus des Gehöftes gewinnt weiter an Form, so sind die Wandbretter inzwischen mit einem Gemisch aus Lehm und Stroh winddicht verschmiert, das Dach hat nun genügend Sparren, dass demnächst das schwere Schilfdach auch gehalten wird. Die Schmiede hat nun auch Seitenwände und der Glasofen für die Perlenmacherei steht nun ein paar Meter weiter. Auch die Backöfen haben eine Überdachung bekommen und taten ihren Dienst. Christines Brot war ganz hervorragend, eine rösche Kruste und ein wunderbarer Geschmack, fast eine Lokalreportage des Bäckerhandwerks wert! Probiert habe ich auch den Pudding aus Eichelmus mit Honig, der war sehr schmackhaft-nussig, nicht zu süß. Etwas arg altertümlich war der Dinkelbrei mit Mohnsoße! Die Germanin, die uns probieren ließ, war nicht davon zu überzeugen, dass Mohn leicht geröstet und angequetscht werden muss, damit das mohnige Aroma richtig “rüberkommt”. Mir war ja klar, dass die Germanen keine Mohnmühle haben, aber sowas kann man auch mit einem Mörser erledigen. Ganz schön unbelehrbar, diese Germanen!! Aber schön war’s ja doch wieder! Da freue ich mich doch schon auf’s nächste Jahr… (08.07.2007) Klein Köris ist ein Dorf in den Weiten Brandenburgs, irgendwo südlich von Berlin, am Rande des Naturparks Dahme-Heideseen. Viel ist heute nicht los, aber gestern tat sich einiges am Dorfrand. Auf dem offenen Feuer brodelte der Hirsebrei, später der Eintopf, gewebt wurde, natürlich auch vor sich hingesponnen. Es schien fast, als seien die ehemaligen Bewohner des Dorfes, dessen Reste bis 1971 von Sand überdeckt waren, von einem kurzen Spaziergang außer Sichtweise unserer Augen wieder erschienen. An einem kleinen Ofen saß eine Frau und fertigte Glasperlen, so bunt wie der Regenbogen, der sich am Waldrand nach dem heftigen Schauer in der Sonne zum Trocknen ausbreitete. Ein paar Schritte weiter wurde aus einem Geweih eine Hacke zugearbeitet. Und in dem kleinen dunklen Grubenhaus stand die Weberin am Webstuhl, leise klickten die Gewichte am Ende des Kettfadens aneinander, während sie das Fach wechselte. Außerhalb des Hauses saß der Knochenschnitzer und bearbeitete Knochen und Horn für Nähnadeln, Webbrettchen und Kämme. Mit einem kurzen Blinzeln in die Sonne waren wir wieder im Jahr 2007 angekommen. Es ist “nur” Sommerfest im archäologischen Freilichtmuseum in Klein Köris! Zwischen 1971 und 1995 wurden große Teile des Dorfes ausgegraben, überwiegend von freiwilligen, manchmal sehr jungen Mitgräbern, die hier auch einen Teil ihrer wertvollen Schulferien verbrachten. Der ehemalige Grabungsleiter ist immer noch zu den Festen, aber auch zu Führungen dabei, gestern in germanischer Tracht, wie auch viele weitere Mitglieder des Vereins, der sich ausschließlich über Spenden und freiwillige Mitarbeit trägt. Lagerfeuer gab’s gestern leider nicht mehr, das Holz war zu feucht geworden, der Abend zu feuchtkalt und auch die Germanen von Klein Köris wollten gestern auch irgendwann nach Hause, in Zivil und in Jeans. Aber schön war’s!




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