14
Sep
08

Brause- und Sausewind in Bölkendorf

Grundsätzlich habe ich natürlich ein hervorragendes Orientierungsvermögen, solange die Sonne scheint oder die Straßen gut beschildert sind. Manchmal komme ich trotz Straßenkarte etwas vom Wege ab, einem Navigationssystem verweigere ich mich aber dennoch grundsätzlich. Ernsthafte Erfahrungen, wenn auch wirklich der kuriosen Art hatte ich im Frühjahr mit so einem Plapperkasten in Katalonien, der mich immer auf die „rechten Spuren“ leiten wollte und das wollte ich nie. Naja Brandenburg ist manchmal recht ähnlich, aber jetzt schweife ich auch textlich ab.
Nun, ich wollte in Angermünde in Richtung Oderberg und Wriezen weiterfahren, geriet aber nach Südwesten auf Eberswalde zu. Meine Straßenkarte verhieß mir eine kleine Querverbindung, die mich wieder auf den rechten Weg nach Süden zurück führen sollte, die L283. Und es war ein wunderbares Erlebnis, die Sonne schien zu einem kräftigen Sausewind aus dem Nordwesten, jener, der nur wenige Tage vorher als Brausewind noch zärtlich um Hamburger Straßenecken um ein Champagnerglas gestrichen war. Durch das Hügelland der Uckermark, welches hier schon in das Biosphärenreservat der Choriner Schorfheide übergeht, gelangt man von Herzsprung am Parsteiner See und Krummen See in dieses kleine Dorf, in dem irgendwieder einmal mehr die Zeit stehen geblieben zu sein schein. Bölkendorf, ein Angerdorf, welches im 13. Jahrhundert wie so viele andere Dörfer in Brandenburg planmäßig angelegt wurde. Und wie es sich gehört, liegt die Kirche mitten im Dorf. Auch das ist bei vielen anderen Kirchen so, diese aber ließ mich und auch den Sausewind anhalten.
Ursprünglich war es wohl nur ein vollkommen schmuckloser rechteckiger Bau mit einer flachen Balkendecke und einer kleinen halbrunden Apsis, genau Ost-West ausgerichtet und so etwas aus der Reihe der Bauerngehöfte tanzend. Ein holzverbretterter Turm mit quietschender Wetterfahne aus dem Jahr 1767, neue spitzbogige Fenster und eine Empore im Inneren sind das einzige, was sie in vielen hundert Jahren an Veränderungen erfuhr.
Am allerschönsten war aber der Eingang auf den Kirchhof. Hier emfing mich zwei Sonnenblumen als fleur de garde, die zu einem winzigen Gärtchen direkt an der Kirchhofmauer gehörten. Die wenigen Meter bis zum leise quietschenden Eisentörchen begleiten den Besucher links die Tomaten und rechts die grünen Bohnen, die sich vorwitzig durch den Maschendrahtzaun zwängen.
Auf dem Kirchhof zwitscherten ein paar Vögel, auf den angewärmten Steinen sah ich eine kleine Eidechse davon flitzen, dabei wäre ich fast von einem Tagpfauenauge im rasaten Flug gerammt worden.
Welche Abenteuer!
Als der Wind nach einer Viertelstunde wieder anhob zu blasen, schob er mich zu meinem Auto zurück und uns beide aus dem Dorf heraus. Aber diese Viertelstunde war es ganz still dort an der Kirche in Bölkendorf und herzerwärmend.

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