Archiv für August 2008

31
Aug
08

Trennungsagentur B E A

Von einer Trennungsagentur hatte ich noch nie gehört, bis zu dem Moment, als ich in Altranft nach der Ferienwohnung suchte, in der ich letzte Woche meine Abende verbringen sollte, fiel mir zunächst der große Aufkleber am Briefkasten auf: “Partner und Trennungsagentur Bea” und darunter “b=bin e=einfach a=anders”.
beaErst auf den zweiten Blick entdeckte ich den Schriftzug “Ferienwohnung” auf dem kleinen Findling links davon. Nun gut, hier würde ich also wohnen, in der Ferienwohnung, die sie im Souterrain ihres Eigenheims untergebracht haben. Eine so vollständig ausgestattete Küche inklusive Microwelle, Brotschneidemaschine, Toaster, Kaffeemaschine, Brötchenaufbackbackofen, Kühlschrank, Herd und Backofen habe ich selten erlebt, selbst eine reichhaltige Geschirrauswahl inklusive Blümchenporzellan, mehreren Pfannen und Töpfen war vorhanden, lediglich ordentliche Weingläser fehlten, dafür waren aber viele Fruchtsaftgläser vorhanden. Apfelsaftschorle ist ja sowieso gesünder. Im Wohnzimmer fand ich eine dunkelbraune Ledergarnitur vor, die, so sagte Frau Katzer, nicht billig gewesen sei. Den Fernseher möge ich bitte abends richtig ausschalten, wegen der Feuergefahr, wenn so ein Gerät in Brand geriete.
Ein Stück frischer, selbstgebackener Pflaumenkuchen mit Streußeln stand zu meiner Begrüßung auf dem Tisch bereit, so war auch für meinen Nachtisch gesorgt, sehr lecker übrigens!

Im Schlafzimmer, welches mit einem Spiegel oberhalb des Kopfendes des Ehebettes ausgestattet war, hatte sie eine Seite des Bettes für mich bereitet, der zweite Teil war zwar noch frei, aber aus Sorge, dass ich heimlichen Herrenbesuch empfinge, ohne Bettzeug!
Die ganze Wohnung ist über und über mit vielen bunten Dingen dekoriert, ganz nach dem Geschmack der Hausherrin, die im übrigen seit einiger Zeit eine Trennungsagentur führt, die frisch Getrennte durch ihre Trennung begleitet.
Die Puppen, die über meinen Schlaf wachen sollten, musste ich allerdings auf ihrer kleinen Korbcouch umdrehen, ich hatte das komische Gefühl, dass sie mich beobachteten, wenn ich mir so abends meine Gedanken machte.

Frau Katzer erklärte mir am folgenden Abend ausführlich ihre Idee einer Trennungsagentur, die im Verband der Partnervermittler sei, die VPO abgekürzt würde.
VPO habe ich aber auch als Abkürzung für einen Sicherheitsdienst oder auch für “Vereinigung Politischer Ostflüchtlinge” gefunden, das aber nur am Rande…
Meine Vermieterin habe nun seit geraumer Zeit mitbekommen, dass Trennungswillige nicht so recht wüssten, wie sie die rein praktische Seite dieses zukünftigen Lebensabschnittes angehen sollten, und die frisch Getrennten auch vielfältige Hilfestellungen benötigten oder einfach nur reden wollten. Juristische Hilfestellungen dürfe und wolle sie aber nicht geben, dafür gäbe es Anwälte.
Sie habe inzwischen die Erfahrung gemacht, dass auch ältere Leute die Dienste ihrer Agentur in Anspruch nähmen, auch da hätten sich die Zeiten geändert.
Neben der Trennerei würde sie aber auch neue Partnerschaften vermitteln. Und seit Dezember letzten Jahres sei sie im Geschäft und könne sich über Zulauf nicht beschweren.

Nun ja, die vielfältigen Dienstleistungen von Frau Katzer habe ich in jener Woche nicht in Anspruch genommen, lediglich die der Ferienwohnung im Souterrain. Und das schien mir auch vollkommen ausreichend zu sein.

Update 2015

Trennungsagentur B E A
Update: Ferienwohnung Katzer
Am Hain 4
OT Altranft, 16269 Bad Freienwalde
+49 3344 333312 33 22 00
http://www.hannelore-katzer.homepage.t-online.de/index.html

Termine nach Vereinbarung

31
Aug
08

Der unbedingte Wille zur Dekoration

Die letzte Woche habe ich im Ostbrandenburgischen verbracht, am Rande des Oderbruchs. Tagsüber an der frischen Luft ohne besonderes Ambiente, abends und nachts in einer Ferienwohnung, die im Souterrain des Eigenheims lag. Laut website sollte sie im Erdgeschoss liegen, aber nun gut, wenn man Erdgeschoss mit „das Geschoss, welches in der Erde liegt“ übersetzt, stimmte es streng genommen. Meine Vermieterin mit lieblichem Lockenlook und dazu passend, mit Löckchenhund, begrüßte mich freundlich, der Hausherr zog sich gleich zurück. Wir zwei Damen verschwanden in der Unterwelt, der Wohnung. Und auch hier begegnete ich dem, was schon die paar Schritte durch den Vorgarten schon vermuten ließen: der unbedingte Wille zur Dekoration! Oder, um es ausländisch zu formulieren: All over ornamented oder auch „Horror vacui“, die Angst vor der leeren Fläche! Es ist ja nicht das erste Mal, das mir dies begegnet, mir scheint, dass besonders Damen mittleren oder fortgeschrittenen Alters dieser Leidenschaft für Dekoration anheim fallen. Überall saßen Puppen und schauten mich aus leeren Augen an, nein, Chucky, die Mörderpuppe war zwar nicht dabei, so hoffe ich wenigstens, aber auch die anderen waren nach einer Weile irgendwie gruselig. Im Schlafzimmer saßen auch welche, die musste ich aber vor dem Schlafengehen umdrehen. Da stand auch ein Korkenzieher in Manneken-Pis-Manier, und da war noch das Strohgebinde an der Wand, der Porzellanelefant in der DDR-Wohnwand, der Spiegel am Kopfende des Bettes, dieses komische Kristallblumenbäumchen am Souterrainfensterchen, welches nach oben vergittert ist. Auch im Wohnzimmer war überall etwas Nippes aufgestellt, selbst im Bad schaute mir eine Porzellangans beim Klogang zu. Achja, der üppige Plastikblumenschmuck wurde durch das Dazustellen einer Gießkanne geadelt.

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Woher kommt dieser Wille zur Überdekoration? Ist es die Schuld der Baumärkte oder Billiganbieter? Werfen die Damen nie etwas weg? Ist frau der Meinung, dass das, was im privaten Wohnbereich der Pensionswirtinnen nicht mehr gewünscht wird, immer noch in der Ferienwohnung eine Weile existieren kann? Vielleicht meinen es die Wirtinnen das auch nur gut mit mir! Aber das wäre das Schlimmste überhaupt! Wie kommt jemand auf die Idee, zu glauben, dass ICH das schön finde??

30
Aug
08

Breiers Kräutergarten

Wenn man durch die einzige Straße von Rathsdorf spaziert, fallen dem Besucher die einander so ähnlichen Häuser auf, die das Bild des Dorfes ausmachen: die Häuser stehen quergegliedert, traufenständig zur Straße, ein Gutteil von ihnen noch im historischen Fachwerk der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts, einige andere durch Verputz kaum noch zu erkennen. Ursprünglich wurde der Ort um die Mitte des 18. Jahrhunderts angelegt, als die Stadtväter des nahe gelegenen Wriezen Siedler für 22 Hofstellen suchten und fanden, die für die Urbachmachung des von Hochwässern periodisch überfluteten Oderbruchs geworben wurden. Weiterlesen ‚Breiers Kräutergarten‘

28
Aug
08

Lippoldsberg

Hoch über dem kleinen Ort an der Weser thront die mächtige Basilika, diese ehemalige Klosterkirche. Die Häuser und Höfe drängen sich an dem natürlichen Hang dicht um sie herum. Östlich des Ortes beginnen die Wälder des Sollings und zum Wesertal hinunter ist man mit ein paar Schritten hinunter gelaufen.
Die Kirche und die umgebenden Gebäude des ehemaligen Klosterbezirks blicken auf eine vielhundertjährige Geschichte zurück, die anfangs wieder eng mit dem Kloster Corvey nur etwa 30 Stromkilometer weiter flussabwärts verbunden war. Wie die Perlen an einer Schnur liegen die ehemaligen Stifte und Klöster hier an der Weser, sei es Hilwartshausen kurz hinter Hann.Münden, Bursfelde, etwas abseits des Flusses Helmarshausen oder eben Corvey mit seinen vielen Tochtergründungen bis weit nach Skandinavien hinein.
Als Corvey längst reich geworden war und sich auch mancherlei Bequemlichkeiten in das Klosterleben eingeschlichen hatten, wurde das Kloster Bursfelde um die Mitte des 11. Jahrhunderts gegründet, noch mit benediktinischer Regel, aber unter Beteiligung der mächtigen Mainzer Erzbischöfe, die dem Kloster auch wirtschaftlichen zu einem guten Start verhalfen. Zunächst lebte die Gemeinschaft in Holzgebäuden, aber schon gegen Ende des 11. Jahrhunderts wurde es zu einem Nonnenkloster umgewidmet, welches sich 1099/1101 unter die strengeren Regeln nach Hirsauer Regel begaben, einer strengen und reformierten Form der Benediktinerregel, der sich damals viele Klöster angeschlossen hatten. Dennoch erlebte das Kloster eine regelrechte Blütezeit, denn die adeligen und wohlhabenden Frauen brachten eine oftmals reiche Mitgift beim Eintritt mit. Zudem war der Gang ins Kloster für die mittelalterlichen Frauen meist die einzige Möglichkeit, ein einigermaßen selbstbestimmtes Leben, wenn auch hinter Mauern führen zu können.
Um die Mitte des 12. Jahrhundert begann unter Probst Gunther von Halberstadt, dem Klostervertreter “nach außen” das ehrgeizige Bauprojekt der Basilika, die den Besucher auch heute noch beeindruckt. Ein weiteres, überaus ehrgeiziges Projekt wurde zudem im nahe gelegenen Kloster Helmarshausen angefertigt: der Probst und die Priorin Margareta von Lippoldsberg ließen dort eines der wunderbarsten Werke romanischer Buchmalerei anfertigen, das so genannte Hardehäuser Evangeliar, welches in 190 Orten Besitzungen des Klosters aufführt.
Im Spätmittelalter mussten die Klöster des Oberweserraums einen tiefgreifenden Niedergang erfahren, der für Lippoldsberg die Auflösung des Klosters nach der Reformation 1526 bedeutete.
Nichtsdestotrotz sind hat die Kirche die Jahrhunderte und auch so manche Restaurierung überstanden, derzeit wird sie wieder einmal innen herausgeputzt. Die dreischiffige Gewölbebasilika weist im Osten eine quadratische Vierung und mit einem Querhaus und einem sich anschließenden Chorraum samt zweier Nebenabsiden auf. Von außen ist der graurötliche Bruchstein des Sollingssandsteines heute nicht verputzt, was sicherlich auf eine der Restaurierungsmaßnahmen des 19. Jahrhunderts zurück geht.
Besonders eindrucksvoll ist die gedrungene Krypta, die so genannte Nonnenkrypta im Westen. Diese durch Säulen gestaltete niedrig und gedrungen wirkende Teil der Kirche trägt die Empore, auf der heutzutage die Orgel steht, und erinnert sehr an das Corveyer Gegenstück.
Mir hat die Kirche immer durch ihre nachgedunkelten Raum gefallen, der leider durch die aktuelle Restaurierung in ein sehr helles Weiß stark an Ausdruck verloren hat.
Das muntere Orgelgeklimper bei meinem letzten Besuch vor ein paar Wochen hat mich gänzlich verdrießlich gestimmt, denn die wunderbare Akustik der Kirche wurde auf diese Weise schlichtweg verhunzt.
Wer also bei einem Besuch die Möglichkeit hat, die Akustik für sich alleine zu entdecken und vielleicht sogar etwas zu singen, sollte diese unbedingt tun!
Über die teilweise erhaltenen Klostergebäude gäbe es auch noch einiges zu sagen, in ihnen ist ein Verlag ansässig, der Literatur übelster Prägung verlegt, man kann sich in der Auslage ein Bild davon machen.
Schöner beschreibt es nur Kurt Tucholsky – einfach lesenswert!

Klosterhof, 37194 Wahlsburg
http://www.klosterkirche.de

28
Aug
08

Hamburger Gewürzmuseum

Fast wären wir am Eingang vorbei gelaufen, denn wir haben überwiegend nach oben an den schönen Lagerhäusern der Hamburger Lagerstadt vorbei in den selten so blauen Hamburger Himmel geschaut. Dann konnten wir aber mal wieder unseren Nasen folgen, denn das Gewürzmuseum duftet ja schon die Treppen herunter. Weiterlesen ‚Hamburger Gewürzmuseum‘

26
Aug
08

Riverside Coffeeshop & tea-room Sneem

Sneem ist ein kleiner Ort am Ring of Kerry, der davon lebt, dass er eine Brücke über den pittoresken Fluß, der sich moorig-braun, dabei klar aus dem Hinterland ergießt, hat, so etwas ähnliches wie eine Dorf-Hauptstraße, die gleichzeitig die ist, auf der alle Busse über den Ring of Kerry donnern.
Wer nun im November Irland besucht, hat es gut. Zwar ist das Wetter nicht so toll, aber dafür wird es früh dunkel, dass man die Pubs mit Kaminfeuer schneller genießen kann. Solange es noch hell ist, gibt es die Coffeeshops und die Tea-Rooms. Das Riverside in Sneem ist beides. Es gehört zu den kleinen Cafés auf dem Land, die zwanglos vom irischen Frühstück über das Mittagessen mit dicker Suppe und leckerem Sodabrot bis hin zum High Tea immer genügend Nahrhaftes für den Reisenden bereit halten.
Im November 2002 an einem frühen Nachmittag war das für mich eindeutig wichtig, etwas Nervennahrhaftes zu bekommen. Seit zwei Tagen durfte ich die Chauffeuse für uns fünf Reisenden machen, denn außer mir wollte und traute sich keiner an die Rechtssteuerung. Und wer damals die Straßen in Kerry kannte, kann sich vorstellen, dass es nicht ausreichte, sich nur auf der richtigen Straßenseite zu halten, sondern auch noch mit leichter Lenkbewegung die tiefen Schlaglöcher umschiffen musste, dabei den Gegenverkehr stets im Auge behaltend. Daher brauchte ich vor allem eines: Schokolade!
Und hier, in Sneem, in diesem kleinen Café verliebte ich mich unsterblich in die Schokoladenkünste der irischen Patissiers. Auch wenn die irische Küche eher den Geruch von Kohl, Kartoffeln und Hammel an sich hat, können sie doch Schokoladengebäck und -torten zaubern, die Hüftgold pur sind, aber von einer geradezu überirdischen Sinnlichkeit! Dazu gibt es oftmals noch Sahne und eine Schokoladensauce extra dazu.
Ein orgiastisches orales Erlebnis!
I’m an open gate to irish chocolate cakes!

Riverside Coffeeshop & tea-room Sneem
The Bridge, off North Square, Co. Kerry, Sneem
+353 64 45498

24
Aug
08

Mein Wochenmarkt

Der Wochenmarkt auf dem Boxhagener Platz ist am Samstag morgen einer der besten Plätze in Friedrichshain. Hier gibt es eine Menge Bio-Stände meist vom Direkterzeuger mit Obst und Gemüse, aber auch den Räucherfisch aus dem mobilen Ofen oder die Wurst aus Thüringen, gewürzt mit Witz und Pfeffer.
Dann gibt es auch den Stand mit frischem Espresso oder frischen Kuchen und Brot.
Vergessen wir nicht die Stände mit türkisfarbenen Nachthemden, die aber irgendwie…. hmmm… das Bild abrunden!
Bei Regenwetter teilt man sich das Marktvergnügen nur mit relativ wenigen Unentwegten, die wirklich Kartoffeln kaufen.

Der Einkaufszettel vom 19.5.07:
Erdbeeren – angeblich deutsche Freilandware, roch gut, war aber noch nicht so richtig erdbäärig
Spargel – brandenburger Ware: UNGLAUBLICH lecker! duftete schon beim Einkauf gut, sehr frisch
Kartoffeln – ein Muss zum Spargel, vorwiegend festkochend
Pfefferminze – meine auf dem Balkon ist noch nicht so ergiebig, dass ich dauernd Tee kochen könnte, diese war sehr lecker-minzig und hat natürlich nix mit der Teebeutel-Minze unserer Kindertage in Jugendherbergen und Krankenhäusern zu tun..

Der Einkaufszettel vom 24.8.2008
Da kämpfen immer zwei Seelen in meiner Brust am Samstagmorgen: gehe ich früh hin wegen der besten Blumen und der frischesten Kräuter oder lieber spät, kurz vor Schluss, damit ich Obst und evt. Gemüse preisgünstiger bekomme.
Meist entscheide ich mich für letzteres.
Heute gab es:
– Augustäpfel, die mit der pastellig-grünen Schale, klein und süßsauer
– Zwiebeln, aber so niedliche kleine, dass man sie im ganzen schmoren kann
– Pfirsiche für den Nachtisch heute abend, der Rest wird Konfitühüüre
– einen Blumenstrauß aus quer-durch-den-Garten-Blumen
Unbezahlbar dabei sind die kleinen Plaudereien mit den Marktfrauen an meinen Lieblingsständen, zumeist stehen sie seit langen Jahren auf dem Markt.
Die Blumenfrau erzählte mir von ihrem Garten, zeigte Bilder vom Blumenladen der Tochter in Altlandsberg, die sie aus ihrer riesigen Tasche zauberte, und ließ sich auch von einem arroganten Fatzke, der ihr erzählte, dass er Sonnenblumen gar nicht leiden kann (Geschmackssache, aber der Tonfall macht die Musik!), nicht aus ihrer gelassenen Ruhe und Freundlichkeit bringen. Kein Wunder, bei fast 75 Jahren, wie sie mir stolz erzählte, die man ihr wahrlich nicht ansah, nur den Händen, die von harter Arbeit in der Landwirtschaft kündeten. Nach dem harten Sonnabend auf dem Markt, dem langen Weg sei sie Abends immer halbtot, aber am Sonntag, wenn das Radio liefe und sie gemütlich in der Küche säße, würde sie wieder Mensch, sagte sie und hatte ein breites Lachen um dem Mund und eine Warmherzigkeit in den Augen, die den frühherbstlichen grauen Wind sofort vergessen ließ.

24
Aug
08

Das Herrenhaus in Selchow, lost place

Es ist schon ein paar Wochen her, dass ich das Herrenhaus in Selchow gesucht habe. Zwischen dem prächtigen altem Baumbestand der Lindenstraße sieht man es kaum, so gut hat es sich in den Schatten der Bäume zurück gezogen, fast als wolle es gar nicht mehr gesehen werden. Es ist mit seinem grauen Rauputz, der sicherlich aus den Jahrzehnten vor 1989 stammt, keine echte Zierde, zumal der Putz an vielen Ecken in großen Plaggen herunterfällt.
Mein erster Versuch, das Haus auf dem kürzesten Weg von der Dorfstraße zu erreichen, scheiterte bereits frühzeitig, denn der Durchgang zwischen den ehemaligen Landarbeiterhäusern wurde wie das Tor zur Unterwelt von zwei mächtigen Molosserhunden bewacht, die geifernd und laut bellend an den Ketten rissen und mir sofort klar machten, dass ich hier nicht erwünscht sei. Auch die Gesichter, die aus dem Fenster im Obergeschoss schauten, waren nicht sehr einladend. So würdig, wie ich konnte, trat ich den Rückzug an.
Erst der zweite Versuch über das Gelände des örtlichen Pferdehofes war von Erfolg gekrönt und ich konnte das Selchower Gutshaus endlich finden.
Im Jahre 1811 konnte die Familie Friedrich Schneider als langjährige Generalpächer das Vorwerk Selchow erwerben, der zugehörige Gutshof befand sich an der Einmündung der Mittenwalder Straße in die Hauptstraße des Ortes. Nach 1831, sicher vor der Mitte des 19. Jahrhunderts, bauten sie die vorhandene, wohl spätbarocke Gutsanlage in der Tradition der italienisierenden Villen, wie sie auch in Potsdam und Berlin gebaut wurden, um. Auch Nebengebäude wie die großen Feldscheunen wurden in jener Zeit offensichtlich ebenfalls angelegt, wie auf dem Messtischblatt von 1869 zu sehen ist.
Das Baumaterial für diese umfangreichen Arbeiten wurde in Ziegelöfen produziert, die nur wenig außerhalb des Ortes lagen und im letzten Jahr archäologisch untersucht wurden, da sie demnächst unter der südlichen Landebahn des BBI-Flughafens begraben werden. Diese Feldbrandziegeleien, die nur kurz in Betrieb waren, sind oftmals im historischen Aktenbestand nicht erwähnt, das zeigte sich auch bei den Selchower Ziegeleien.
Das Wachstum Berlins führte bereits seit dem 18. Jahrhundert zu einem erhöhten Bedarf, so dass sich auch größere Ziegeleistandorte auszubilden begannen. Für 1751 werden als wichtige Ziegeleiorte um Berlin Rathenow, Lehnin und Rädel genannt. Im frühen 19. Jahrhundert kamen die Herzfelde, Königswusterhausen, Miersdorf und Mittenwalde hinzu. Die für Berlin bedeutsamsten Ziegeleien der Mark befanden sich in der Mitte des 19. Jahrhundert vor allem in Glindow bei Potsdam und in Rathenow, da sie die Anlieferung sowohl von Rohstoffen & Brennmaterial und den Abtransport von Ziegeln nach Berlin über das Kanalsystem boten. Die Ziegeleien, die mit dem Ausbau des Schienennetzes der Eisenbahnen in verschiedenen Spurweiten ließen sich auch kleinere Orte anbinden, in den Ziegeleien waren vielfach Schmalspurbahnen verlegt, die den innerbetrieblichen Transport sicherten.
Nach 1866 und insbesondere nach 1871 wuchs die Bautätigkeit in Berlin stark an. Trotz „Gründerkrise“ nach 1873 mit der bis Anfang der 1890er Jahre reichenden wirtschaftlichen Depression blieb die Bautätigkeit grundsätzlich auf einem hohen Niveau. Nach dem Stillstand des Wohnungsbaus während des Ersten Weltkrieges stagnierte das Bauen auch nach 1918 auf einem sehr niedrigen Niveau. Nach 1925 wurde jedoch für ein halbes Jahrzehnt wieder an die alten Wohnungsbauzahlen angeknüpft. Die Weltwirtschaftskrise bildete jedoch einen weiteren tiefen Einbruch.
In Selchow lässt sich die Berliner Entwicklung, mit Verzögerung natürlich ebenfalls beobachten, der Ort weist ein reiches Spektrum gründerzeitlicher Bauernhäuser und Scheunen auf.

Das Gutshaus dürfte jedoch auch die übliche Entwicklung nach 1945 als kommunal genutztes Gebäude durchlaufen haben. Leider scheint sich niemand zu finden, der dem inzwischen doch recht beklagenswerten Zustand Abhilfe verschaffen könnte. So richtig preisgünstig ist ja so ein großes Haus nicht mehr zu unterhalten, zumal ja auch gutes Personal heutzutage so schwer zu finden ist!

Glasower Straße,
12529 Selchow

24
Aug
08

High expectations oder….

Warum ich Hochzeiten nicht mag!

Letztens stand wieder einmal eine Hochzeitsfeier im Freundeskreis an. Eigentlich hoffe ich von Jahr zu Jahr, dass wir alle alt und vernünftig genug sind, diese Hochzeiterei sein zu lassen, aber leider gibt es immer noch welche, die es nicht anders haben wollen. Weiterlesen ‚High expectations oder….‘

21
Aug
08

Klostermühle Bursfelde

Das Restaurant “Klostermühle” ist wirklich in den Gebäuden der ehemaligen Mühle eingezogen und ist seit einigen Jahren ein willkommener Anlaufplatz für Radwanderer, Freizeitradler und Motorradfahrer geworden. Aber auch für Familienfeiern oder das Sonntagsessen, wenn die Dame des Hauses nicht kochen will, ist die Klostermühle ein willkommenes Ziel für Gäste aus dem Südniedersächsischen um Göttingen und Hann.Münden. Weiterlesen ‚Klostermühle Bursfelde‘




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