Posts Tagged ‘slow food

13
Sep
16

Forcalquier, die zweite

Vor etwa zwei Jahren waren wir schon einmal in Forcalquier gelandet, auch dieses Mal wählten wir dasselbe Gîte und auch dieses Jahr zog es mich am Montagmorgen zum Markt.
Dieses Mal sind wir etwa zwei Wochen später dran als beim letzten Mal, also auch eine Zeit später nach dem touristischen Hoch von Juli und August. Und so war es ein wenig leerer, was ich ja nicht unangenehm fand.
Einige Stände erkannte ich auch wieder: so der Stoffmann, bei dem ich Stoffreste als Tischdeckenersatz erstanden hatte oder die Dame am Knoblauchstand. Erstaunen erweckte der Stand der die lokale Süßigkeit der Calisson als Riesenausgabe zum Abschneiden anbot. Calisson d’Aix sind eigentlich etwas größer als eine Mandel und bestehen aus einer Paste aus kandierten Früchten (Melonen, Orangen, Aprikosen etc.) von marzipanartigen Konsistenz mit einer Eiweißglasur.
Aber wie immer, war es ein echter Augenschmaus und Genuss, über den Markt zu schlendern und einzukaufen. Glücklicherweise lag das Frühstück noch nicht allzulange zurück, so dass keine Hamstereinkäufe zu beklagen waren.

Im Schatten von Notre-Dame-du-Bourget

Im Schatten von Notre-Dame-du-Bourget


Riesen-Calisson, vielleicht werde ich beim nächsten Besuch schwach...

Riesen-Calisson, vielleicht werde ich beim nächsten Besuch schwach…


04
Aug
13

Pikante Kirschen

Erdbeerzeit ist durch, die Kirschensaison ist nun auch quasi „durch“. Gestern morgen bummelte ich mit meiner Schwester über den kleinen Wochenmarkt in Höxter. Brötchen für das Frühstück auf der Tantenterrasse waren schon eingekauft, Kartoffeln für ihren Vorrat auch. Eier kaufen wir nicht mehr auf dem Markt, denn seitdem Frau Lüke aus Brenkhausen ihren Eierstand krankheitsbedingt aufgeben musste, gibt es keine Eier mehr, die von einigermaßen glücklichen Hühnern gelegt wurden. Aber Gemüse und Obst gibt es noch reichlich. Kirschen! Ich gehe auf den Stand zu und grüße freundlich.
„Guten Morgen, Sie haben ja noch Kirschen. Wo kommen die denn her?“ –
„Aus Deutschland.“ –
„Aha, und wo genau her?“ (Ich hoffe auf die Antwort: aus Witzenhausen oder aus der Rühler Schweiz.)
Der Verkäufer überlegt, ein wenig zu lange.
„Aus Bad Nenndorf.“
„Ach ja? Wie teuer ist denn das Kilo?“ (Bad Nenndorf war mir noch nie als Kirschenanbaugebiet ein Begriff…)
„Die kosten 5,50€ das Kilo.“ –
„Och, bei mir kriege ich die aber deutlich preisgünstiger. Und letzte Woche in HannMünden habe ich das Kilo für 4 € bekommen.“ (aus Witzenhausen, superknackige, süße, dunkle Herzkirschen!)
„Na, so billig wie beim Erzeuger kann ich die nicht anbieten, ich muss die ja auch kaufen. Und verdienen will ich ja auch…“
Na, wenigstens ehrliche Antwort… er lässt mich probieren. So gut wie die letzte Woche sind diese hier nicht. Ich nehme aber trotzdem welche.
Der Rückweg nach Berlin führt mich, nachdem ich die Verkehrsnachrichten gehört habe, doch wieder über HannMünden und die A38 bis Halle und dann die A9 zurück in’s Städtchen. In HannMünden halte ich noch einmal am Kirschenstand aus Witzenhausen. Die Dame von letzter Woche ist wieder da. Sie sagt, dass sie nur noch heute da ist, denn das ist die letzte Ernte, die Saison sei bei ihr vorbei. Ich nehme ein ganzes Körbchen mit, insgesamt zweieinhalb Kilo für 8 Euro.
Die Nenndorfer Kirschen grummeln leise, als ich die Witzenhäuser neben sie in den klimatisierten Fußraum hinten im Auto stelle.
Sie verarbeite ich zu einem Kirschchutney. Das Rezept habe ich von Frau bushcook, aber noch ein paar Gewürze mehr hinzugefügt wie mein derzeitiger Liebling, das Lorbeerblatt. Davon habe ich nach dem ersten fiesen Frost auf dem Balkon mehr als mir lieb ist, aber seitdem ich die „frisch“ habe, verwende ich sie viel lieber als früher die farblosen Dinger, die man aus Omas Gewürzschrank kennt.

Pikante Kirschen

780 g Kirschen
70 g Zucker
schwarzer Pfeffer, als Körner und frisch gemahlen
20 g Ingwer (leider keinen frischen vorrätig, daher eingelegten)
1 Zimtstange
Lorbeerblätter
4 Kardamomkapseln
5 EL Weißweinessig

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Die Kirschen waschen und entsteinen. Mit dem Zucker zum Kochen bringen. Den Ingwer in feine Würfelchen schneiden und dazu geben, ebenso das Lorbeerblatt, die zerteilte Zimtstange und die zermörserten Kardamomkapseln. Mit Pfeffer und Essig abschmecken.

Das Chutney unter Rühren dicklich einkochen. Die Kirschen sollten zerfallen sein und wenig Flüssigkeit enthalten. Wie schon im Originalrezept vermerkt, sollte man unbedingt am Topfrand verweilen, denn die Flüssigkeit karamelisiert und könnte anbrennen.
Die Menge hat bei mir für drei kleinere Marmeladengläschen ausgereicht, die heiß befüllt und fest zugedreht bei mir nicht auf den Kopf gestellt werden.
Frau bushcook empfiehlt das Kirschchutney zu Ziegenfrischkäse, Blauschimmelkäse oder Manchego. Bei mir darf es erstmal etwas durchziehen.

04
Feb
13

Landhaus Alte Schmiede Lühnsdorf

Eine Dorfstraße, die um 1900 neu errichtete Backsteinkirche, ein oder zwei alte Trafostationen und das Landgasthaus „Alte Schmiede“. Und viel Landschaft drumherum, das ist Lühnsdorf. Irgendwo südlich von Bad Belzig gelegen, die A9 ist weit genug entfernt, um nicht mehr gehört zu werden, aber nah genug, um als schnelle Anreisemöglichkeit genutzt werden zu können.alte schmiede_08
Eine gute Freundin hatte vor etwa zwei Jahren über die Website der Tourismusbörse Brandenburg das Programm „Winterliches Brandenburg“ entdeckt, in der Hotel, Pensionen, Gasthäuser und viele andere Angebote in das mal mehr, mal weniger winterliche Brandenburg einladen. Sie und ihr Freund waren so begeistert, dass sie dort ihre Hochzeitsfeier in schönster Herbstsonne ein dreiviertel Jahr später feierten. Und so kam ich das erste Mal nach Lühnsdorf.

Dieses Mal wollte ich den Winter genießen. Leider hatte dieser ja genau eine Woche vorher beschlossen, sich etwas aus dem Staub zu machen und einem grauen Schmuddelwetter Platz zu machen. Egal, ich hatte sowieso schon im Dezember gebucht, um auch sicher sein zu können, mich Anfang Februar hier für ein Wochenende erholen zu können. Das Zimmer ist liebevoll eingerichtet, außer dem Bett gibt es eine kleine Ecke mit Schreibtisch und zwei kleine Sessel. Ein Obstkörbchen und zwei Flaschen Wasser heißen den Gast willkommen, eine schöne Idee anstelle einer schnöden Minibar. Das Bad bietet eine Badewanne, in der man sich nach einem langen Spaziergang in der Kühle des Flämings wieder aufwärmen kann. Das Zimmer kostet während der Aktionswochen wohlfeile 59 € anstelle von 85 €, ein reichhaltiges Frühstück ist im Preis enthalten.

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Dieses wird, je nach Anzahl der Gäste, im Wintergarten mit Blick auf den Garten und im angrenzenden Saal, eingenommen. Ein reichhaltiges Büffet steht für den Morgenhungrigen bereit, auf dem neben wenigen abgepackten Dingen vor allem eine gute Konfitüren-, Käse- und Wurstauswahl lockt. Letztere wird in anderer Zusammenstellung auch auf dem Brotzeitteller gereicht, wie ich abends mit einem Blick auf den Nachbartisch feststellen konnte. Kaffee und unterschiedliche Tees (inklusive einer Sanduhr für den perfekten 3 Minuten-Aufguss) werden frisch zubereitet an den Tisch gebracht, ebenso das Frühstücksei und am Sonntag auch Spiegel- und Rührei. Selbiges ist eine Wucht, denn es ist meilenweit von sonstigen Horrorversionen beim Brunch entfernt: frisch zubereitet, locker, für mich die perfekte Konsistenz eines Rühreis, hier mit einer Handvoll Speckwürfelchen und Schnittlauch gereicht.
Ja, die Küche, die lohnt sich auch, ausgiebig ausgetestet zu werden. Wie schon bereits bei der Hochzeit im Oktober 2011 ausprobiert, lohnt sich das Wiederprobieren auf alle Fälle. Zwei Abende hatten wir das Vergnügen. Im Gastraum war es kuschlig warm durch das Kaminfeuer, die Küche ist nur ein paar Schritte entfernt und bietet von außerhalb des Gasthauses auch vielfältige Einblicke in die Abläufe. Am ersten Abend probierten wir als Vorspeise angebratene Blutwurst mit Wachtel auf einem Wirsinggemüse. Für mich hätte das Gemüse ein Ideechen weniger Salz haben können, aber das wäre schon Meckern auf hohem Niveau. Die Wachtelkeule war auf den Punkt gebraten, etwas rosa und erfüllte meine Erwartungen voll und ganz. Lecker! Als Hauptgang standen das Kotelette vom Saalower Jungschweinrücken mit Schnittlauchkohlrabi und Kartoffelgratin sowie für den Reisebegleiter die Barbarie-Entenbrust mit Honig-Thymiansauce dazu Lauchzwiebeln und Schupfnudeln auf dem Tisch. Beides sehr zu empfehlen, die Kohlrabi, obschon ein kindliches Matschetrauma, waren so, dass ich meinen Frieden mit dem Gemüse machen konnte: leicht bissfest und mit Geschmack! Der Gratin war herzhaft gewürzt, so dass er dem Geschmack des Koteletts ordentlich standhalten konnte. Auch der Reisebegleiter war sehr angetan von der rosa gebratenen Ente, den knackigen Lauchzwiebeln sowie den kross angebratenen Schupfnudeln. Am kommenden Abend probierten wir die Rotebetesuppe mit Zandereinlage und die Wirsingrahmsuppe mit geräucherter Forelle als Vorspeise. Das Erdige der Rotebete und der Zander passten ebenso gut zueinander wie der kräftige Wirsinggeschmack gut mit dem Räucheraroma der Forelle. Als Hauptgang gab es ein Lachsfilet auf Gurkenrisotto mit einem reichhaltigen Salatteller, für mich die Ente, die der Reisegefährte am Vortag für gut befunden hatte. Ich konnte ihm nur sozusagen mit vollem Mund zustimmen. Die Anzahl der offenen Weine ist vernünftigerweise übersichtlich, aber gut ausgewählt. Zur Ente fand ich ein Glas Chateau Maurel 2009 (mehr weiß ich leider nicht mehr) passender als den empfohlenen österreichischen Blauen Zweigelt, zum Lachs wurde der empfohlene trockene Weiße Burgunder von der Mosel für gut befunden.
Auf das Dessert hatten wir am ersten Abend aus Kapazitätsgründen (nein, nicht in der Küche, eher in unserem Magen!) verzichten müssen, nur wollten wir am zweiten Abend das Eis probieren. Der ausgesuchte Becher, obwohl schon ohne Sahne bestellt, war mit einem joghurtigen Mohneis, dem Nuss- und Schokoladeneis leider zu viel für uns: ein Dessert, zwei Löffel, aber dennoch… Und der Service war unaufdringlich aufmerksam und zugewandt, dass es eine Freude war.

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Puh, nun suche ich wirklich etwas zum Meckern: Thea, das überdrehte Goldkind eines Gästepaares, die ihre Eltern auch mit anderthalb gut im Griff hatte…. aber da kommt nur mein privates Augenverdrehen bei Eltern, die mit „Thea-hier-schaumal“ und „Thea-was-willst-du-machen“ dem Satansbraten… ach, das lasse ich mal, dafür können die Betreiber dieses wunderbaren Landhotels wirklich nichts!

Derzeit gibt es Sonntags richtigen Sonntagsbraten, also ein prima Tip zum Kennenlernen, ich habe etwas mehr als eine Stunde von Tür zu Tür gebraucht:
Landhaus Alte Schmiede
Dorfstraße 13
14823 Niemegk-Lühnsdorf
tel 033843 922 0
web landhausalteschmiede.de

01
Okt
11

Kreuzberg – Markthalle 9

Der Wunsch nach regionalen Produkten scheint in Berlin mehr und mehr zu steigen. Bei dem vielen Umland (id est Brandenburg), welches zum Anbau genutzt wird, ist es ja auch verständlich, dass die Direktvermarktung auf den Wochenmärkten allmählich einen höheren Stellenwert einnimmt. Somit steigt auch die Nachfrage der Anbieter nach Markt- und Verkaufsflächen.

Gestern wurde in Kreuzberg in der Markthalle 9 ein reguläres Marktgeschehen wieder eröffnet, genau 120 Jahre nach der ersten Eröffnung. Seit den späten 1970er Jahren hatte sich in dem Gebäude mehrere Discounter angesiedelt, die zwar weiterhin dort ihre Filialen haben, aber mittel- und langfristig mit dem Ablauf der Mietverträge aus der Halle ausziehen sollen. Seit gestern gibt es einen echten Wochenmarkt, der freitags und samstag Gemüse aus der Region, Spezialitäten aus Berlin und dem Rest der Welt anbietet.

Nach dem Weg vom Moritzplatz bis zur Eisenbahnstraße waren meine Schwester und ich schon etwas hungrig und durstig und freuten uns auf das schon im Radio morgens angepriesene kulinarische Angebot. Aber eigentlich sollte frau natürlich nicht am Eröffnungstag dort erscheinen, denn es war rappel-dicke-voll und angesichts der Außtemperaturen und der teilweise aus Baustellenstrahlern zugesetzten Wärme fast tropisch. Dennoch bummelten wir durch die Gänge, mit jedem Schritt lief das Wasser im Munde mehr! Bekannte Anbieter wie Olivia, dem Kuchenladen bei mir hier in Friedrichshain wechselten sich mit italienischen Bruschettaständen, polnischen Wurstspezialitäten oder schweizer Käse ab. „Slow food“ warb ebenfalls für Heimisches und Selbstgemachtes, da war die Auswahl wirklich schwer. Schließlich saßen wir bei Rixdorfer Brause, Verbenensirupbrause aus dem Prinzessinnengarten, einer Bockwurst und Bruschetta am Eingang zur Eisenbahnstraße auf den Stufen im Schatten und beobachteten das Treiben zwischen Kreuzberger „Besseresserpopulation“ und Bewohnern der umliegenden Straßen.

Das wird eine gute Mischung, da bin ich sicher!

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