Posts Tagged ‘Servicewüste

07
Jun
15

Stadt der Baumkuchen – Salzwedel

Die Zubereitung eines Kuchens auf einem Spieß, über einer größer werdenden Teigrolle vor offenem Feuer dünkt ja irgendwie mittelalterlich, in Salzwedel lebt aber bis heute eine ganze Berufssparte von der Herstellung der Spezialität, die inzwischen auch von der EU mit „geschützter geografischer Angabe“ geadelt wurde. Ich war gespannt auf das Städtchen und natürlich auch auf die Baumkuchenbäckerei ebenda. Knapp außerhalb der Altstadt, sozusagen im Schatten eines der Stadttore, des Neuperver Tores ließen wir das Auto stehen und machten uns zu Fuß weiter in die Stadt auf.
Salzwedel nennt sich übrigens wieder „Hansestadt“, seit 2008 sind sie im Verbund der neuen Hansestädte aufgenommen. Der Hanse sind auch die „Wasserspiele“ gegenüber vom Rathausturm gewidmet, die Städtenamen sind auf Metallplättchen geprägt, die den Rand bilden.
In der Stadt bemerkt man eine angenehme Munterkeit, die sich auch darin äußert, dass man bei der Stadtplanung erkannt hat, dass das vollständige Verbannen des Autoverkehrs aus einem historischen Stadtkern doch nicht so hilfreich für kleine Geschäfte und Dienstleister ist, wie das in der Frühzeit der Fußgängerzonen gesehen wurde. So ist dank eines klugen Einbahnstraßen- und Spielstraßensystems der Durchgangsverkehr zwar beruhigt, dennoch ist auch die Innenstadt per Auto erreichbar.


Und so haben mehr kleine Geschäfte überlebt, als ich in einer kleinen Kreisstadt erwarten hätte. Allenthalben wird in den Cafés auf die lokale Spezialität „Baumkuchen“ verwiesen. So schlenderten wir durch die kleinen Straßen und gelangten auch zum offensichtlichen „Big Player“ im Baumkuchengeschäft: Kruse Baumkuchen, die als besondere Attraktion eine Besichtigungstour entlang der hauseigenen Produktion anbieten. Kurios ist allerdings, dass der neugierige Besucher nicht nur schauen darf, sondern vor Befriedigung der Neugier erst einmal 1 € in eine Besuchervereinzelungsanlage mit Drehkreuz werfen sollte. Zum Glück hatte der Reisegefährte kein Kleingeld, daher würde ich mich alleine „zu Grütze“ ärgern! Das Quittungspapier war auch ausgegangen, Kleinkram, aber es hätte mich warnen sollen. Ich drehte noch frohgemut das Kreuz und befand mich mitten in der Welt der spiegelnden Scheiben. Auf der rechten Seite hätte ich aber schon muntere Kuchenbäcker sehen sollen, die den Teig aus Butter, Eiern und Mehl unter Zugabe von Zucker, aber ohne Backpulver vorbereiteten. Niemand, nur spiegelnde Edelstahloberflächen.

Ich las den erläuternden Text und ging zum nächsten Fenster weiter. Wieder niemand, der Edelstahlquirl in der großen Rührmaschine hing gereinigt an der Maschine. Noch ein Fenster weiter: wieder niemand, kein backendes Gebäck, nur leere Baumkuchenrollen, alles wohl gereinigt. Zum Schluss dieser enttäuschenden Tour wurde ich direkt vor die langen Verkaufstresen im angeschlossenen Café geleitet, Baumkuchen in knisterndem Glitzerpapier allenthalben. Die Baumkuchenfachverkäuferin sah mich auffordernd an. Aber so nicht, gute Frau! Ich formulierte höflich meine Enttäuschung ob der fehlenden Animation an der EU-geadelten Backfront und schloss die Frage an, ob ich denn dann meinen Euro als in Form eines um genau jenen reduzierten Einkaufes wieder bekommen würde? Die Dame verzog das Gesicht und teilte mir mit, dass man wohl dort gerade Mittagspause habe. Mittagspause? Ehrlich gesagt sah die Backstube aus, als ob sie eher Pfingstpause hätten. Ach ja, und im Übrigen, fügte sie hinzu, würde da ja ein Schild darauf hinweisen, dass in den Mittagspausen niemand Baumkuchen backen würde. Ich verneinte, es gab keinen Hinweis vor dem Drehkreuz. Jetzt war sie am Ende mit dem Verkaufslatein, dachte ich. Nein! Jetzt wurde der argumentative Hammer hervorgeholt: man habe mit denen ja auch gar nichts zu tun, sie seien hier schließlich das Café. Ahhh! Ich lachte sie einfach aus und meinte dann, dann wolle ich ihren Kuchen auch gar nicht mehr. Sie möge ihren Chef zu solchen Fachkräften aber bitte beglückwünschen. Vielleicht bin ich ja als Einzelkunde einfach zu wenig Kunde, denn man scheint eher auf busladungsweise Kaffeefahrten zu warten. Dann warten Sie mal weiter, Firma Kruse! Und die Website baumkuchen-kaufen.de zu nennen, spricht auch eine deutliche Sprache, gell?

Meinen Baumkuchen habe ich später bei der Konkurrenz gekauft, da durfte ich sogar bei einer sehr netten Baumkuchenfachverkäuferin probieren!
Salzwedel_11

19
Jan
12

Umzug I

So, nun geht’s los. Die Kartons sind da, es wird nach Herzenslust gepackt!

Und es muss eine Menge Organisatorisches erledigt werden: Gas abmelden, Strom ummelden, Telefon dito. Meine Nummer soll natürlich mitziehen. Achja, das Internet muss ja auch mit. Inzwischen weiß ich, dass es gar nicht so einfach ist, denn seit mehr als 10 Tagen lande ich in Warteschleifen, kriege eine andere Telefonnummer mitgeteilt und lande in der nächsten Warteschleife. Kommt das davon, dass ich quasi eine Enkeltochter der guten alten Post beauftragt habe? Immerhin habe ich es heute geschafft, bei der Tochter der Magentafarbenen den Umzug anzukündigen. Sie bieten mir sogar eine gewisse Auswahl: entweder ich zahle knapp 60 € für’s Umstöpseln oder nicht, dafür verlängert sich mein Vertrag um 24 Monate. Ahhja! Und dann der Hammer: ich darf 2 – 3 Wochen auf die Freischaltung meines DSL-Anschlusses warten, 2 – 3 Wochen, NACHDEM der Festnetzanschluss umgeschaltet wurde. Warum das so ist, konnte mir die Dame der Hotline auch nicht erklären. Service geht anders! Ehrlich!

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27
Dez
11

2. Weihnachtsfeiertag 2007

Der 2. Weihnachtsfeiertag ist traditionell der ruhigste bei mir. Nach den Aufregungungen, Völlereien und Reisen vor Heiligabend und am 1. Weihnachtstag zurück nach Hause brauche ich Ruhe, nur viel Tee und eventuell noch eine funktionierende Fernbedienung, sollten keine neuen Bücher unterm Weihnachtsbaum gelegen haben.

Frohgestimmt kam ich damals am 1. Feiertag abends nach Hause. Leicht erhitzt noch vom Treppensteigen in den 4. Stock, dabei vollbeladen wie das Christkind vor Weihnachten merkte ich zuerst gar nicht, dass es unziemlich frisch in der Wohnung war. Als ich mir die Hände waschen wollte, bemerkte ich schon, dass nur noch eiskaltes Wasser aus dem Hahn floss und die Gastherme nicht ansprang. Der Zündfunke wollte nicht zünden. Somit war auch klar, warum es so frisch in der Wohung war. Im Sicherungskasten sah alles normal aus, keine Sicherung war herausgesprungen. Es war schon so spät, dass ich nicht mehr beim Hausmeister anrufen wollte. So ging ich schlafen. Am nächsten Morgen sollte es dann zumindest erstmal ein Heißgetränk geben, um die Lebensgeister aufzutauen. Der Wasserkocher lief kurz, dann war alles tot: kein Strom mehr, gar keiner mehr. Die Sicherungen im Kasten standen immer noch auf „alles ist gut“. Der Strom blieb weg.

Also ging ich runter zum Haupsicherungskasten, der mit einem ordentlichen Vorhängeschloss gesichert war, zu dem ich natürlich keinen Schlüssel hatte. Schlecht gelaunt stieg ich die vier Treppen wieder hoch. Ich suchte die Nummer vom Hausmeister und wählte. Nichts, außer der Dame, die den Anrufbeantworter einläutet. Ich sagte freundlich mein Sprüchlein und bat um schnelle Hilfe. Die Temperatur in der Wohnung war auf etwa 13°C gesunken, eindeutig kalt! Als Freundin der analogen Kerzen zündete ich nach und nach alle an, die mir in die Hände fielen. Schließlich wurde das Wohnzimmer von gut 30 Kerzen illuminiert, der Gasherd sorgte für Heißgetränke! Und schließlich hatte ich ja Bücher zu Weihnachten geschenkt bekommen.

Drei Stunden später rief ich erneut den Anrufbeantworter des Hausmeisters an. Wie sich inzwischen herausgestellt hatte, war nur diese eine Wohnung von der herausgeflogenen Hauptsicherung kaltgestellt. Aber es war sowieso kaum jemand zuhause, und schon gar keiner, bei dem ich den Tag hätte verbringen wollen. Und noch ein Anruf beim Anrufspeicher, denn geantwortet hatte er ja nicht, da auch der Hausmeister Weihnachten hatte. Meine Nachrichten wurden auch etwas schärfer im Tonfall, später etwas verzweifelter. Immerhin hatten die Kerzen die Wohnung auf kuschelige 17°C erwärmt! Gegen abend beschloss ich, ins Kino zu gehen, es würde sowieso keiner mehr kommen, um die Sicherung auszutauschen. Aber auch dort war mir das Glück nicht hold: keiner der Filme konnte mich locken, in einen weichen Sessel zu sinken und für 2 Stunden meine missliche Lage zu vergessen. Also zog ich, noch schlechter gelaunt als vorher zurück nach Friedrichshain, um dort bei einem sonst sehr guten Thai meinen Magen mit wärmenden Speisen zu füllen. Und, es war wie verhext, meine Bestellung wurde vergessen. Ich war den Tränen nahe und auch die sofort nachgekochte Speise konnte mich nicht wirklich versöhnen, ebensowenig die Entschuldigungsflasche Pflaumenwein, den ich nicht mag.

Zurück zuhause kochte ich mir Wasser für die Wärmflasche und stieg in das eiskalte Bett.

Am nächsten Morgen rief der Hausmeister an und fragte, warum ich denn nicht beim Elektriker angerufen hätte, die Nummer würde im Hausflur unten hängen. Ich konnte es nicht fassen: ich hatte überall gesucht, aber nur die Sprechzeiten der Hausverwaltung und deren neue Telefonnummer gefunden. Der Hausmeister versprach, den Elektriker sofort zu benachrichtigen.

Und wirklich: keine zwei Stunden später war der Elektriker da! Aber auch er hatte keinen Schlüssel für das Vorhängeschloss und musste es mit einem Bolzenschneider aufbrechen. So hing dann der Schrank mehr als zwei Jahre unverschlossen herum und nie wieder ist eine Hauptsicherung herausgeflogen.

Seitdem geht nur noch das Licht hier im gesamten Straßenbereich aus, für alle gleichzeitig. Dann brennen hier die analogen Kerzen und das Leben ist gleich viel ruhiger. Aber der Stromausfall dauert nie so lange wie meiner Weihnachten 2007!

28
Nov
10

Reichsbahnausbesserungswerk Berlin

Mit dem Wachsen Berlins seit dem 19. Jahrhundert wurden zunehmend Dörfer und Vororte von der rasanten Bevölkerungszunahme überrollt. Sie wurden wie von einer hungrigen Krake aufgesogen, alte Strukturen verschwanden zugunsten des Netzes von Mietshäusern, auch im Bereich des heutigen Stadtteils Friedrichshain. Seit 1867 entstand hier an der Revaler Straße eine Eisenbahnwerkstatt, in der sowohl Waggons als auch Lokomotiven instand gesetzt wurden. Vor der Wende zum 20. Jahrhundert waren hier bereits mehr als 1200 Arbeiter beschäftigt, während des 1. Weltkriegs auch Frauen, die als Ersatz für die in Kriegsdiensten stehenden Männer. Seit 1920, mit der Gründung der Deutschen Reichsbahn wechselt der Name für das Gelände mit seinen Schuppen und Werkstätten von „Königlich Preußischen Hauptwerkstatt Berlin II“ in „Reichsbahnausbesserungswerk Berlin Revaler Straße“, ein echter deutscher Bandwurmausdruck!

Die Zeiten gehen dahin, es werden nach 1950 verschiedenste Güter produziert, die mit der Reichsbahn an sich wenig zu tun haben, selbst Kinderbetten entstehen hier. In den 1980er Jahren arbeiten fast 1300 Menschen hier, aber die Tage scheinen gezählt: nach den politischen Umbrüchen 1989/1990 steht relativ bald fest, dass das „R.A.W. Fran Stenzer“, wie viele andere Betriebe auch, 1994/95 still gelegt wird. 1998  konstituiert sich ein Verein, mit dem Ziel, die Hallen und Gebäude mit vielfältigem Aktivitäten wieder zu beleben. Einfach ist die Situation nicht, denn das Gelände steht nur zur Zwischennutzung zur Verfügung, wie sich in den kommenden Jahren, die durch Verhandlungen mit Tochterfirmen der Deutschen Bahn als Rechtsnachfolgerin der Reichsbahn, dem Bezirk und den Nutzungswilligen geprägt sind. Mit einer Übertragung 2007 an einen neuen Eigentümer, R.E.D. Berlin Development GmbH, scheinen die vielfältigen Nutzungen zunächst weiterhin geduldet zu werden, allerdings scheitert 2008 eine gemeinsame Weiterentwicklung, so dass seitdem einzeln mit den Nutzern verhandelt wird, aber auch die ersten Kündigungen seitens der Besitzer an den raw-tempel erfolgen. Wie es mit dem Gelände und seinen mehr als 60 soziokulturellen Projekten, den Clubs, dem Kinderzirkus, dem Kletterkegel, der Indoor-Skaterbahn, einer medizinischen Beratung, Hilfe-zur-Selbsthilfe-Projekten weiter geht, wird man sehen.

Ich drücke alle Daumen dafür, dass hier die ausschließlich kommerziellen Media-Spree-Kraken-Arme am Reichsbahnausbesserungswerk ihre Tentakeln nicht hineinbekommen!

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05
Jul
10

Alles?

Heute morgen beim Tanken, da war es wieder. Als ich zum Bezahlen anhob, wurde ich wieder mit dem Wortfetzen aus der morgendlichen Lethargie gerissen. Der Anfang Zwanzigjährige an der Kasse warf mit dem mir inzwischen so verhassten: „Alles?“ um sich. In Zeiten der Finanz- oder Bankenkrise zu sparen, finde ich ja an sich löblich, aber mit diesem „Alles?“ muss es doch nicht beginnen.

Wieso werde ich nicht gefragt: „Darf es noch etwas sein, vielleicht ein Schlückchen Öl oder noch ein schlabbriges Croissant, eine Computerzeitschrift, Ravioli in der Dose oder Gummibärchen?“ Warum verwendet das Thekenpersonal keine vollständigen Fragesätze mehr? „Wäre das dann alles?“ „War das alles?“ (was bei den Benzinpreisen zu der Antwort: „Ich finde, dass 60 Euro im Tank schon ordentlich viel Geld sind..“ verleiten sollte) „Ist das alles?“ Die beiden letzten Varianten können, je nach Tonlage auch schon unverschämt wirken, wenn man wirklich nur ein Tröpfchen Benzin zugefüllt hat.

Aber dieses „Alles?“ habe ich das erste Mal vor etwa anderthalb Jahren bei türkischen Bäcker meines Vertrauens wahrgenommen, als die Backwarenverkäuferin mich damit ansprach. Ich hielt das für etwas schlecht erlerntes Deutsch und verneinte ausführlich: „Nein, danke, das wäre dann alles..“ Nach einer Weile habe ich resigniert aufgegeben und nur kurz genickt, während ich in meinem Portemonnaie kramte.

Inzwischen hat sich das „Alles?“-Virus mit wahnwitziger Geschwindigkeit ausgebreitet, wenn ich doch nur wüsste, wo das Epizentrum liegt, wer sozusagen Patient Null ist! Im Supermarkt, selbst in der feinen Galeria vom Kaufhof habe ich es schon gehört. Als aber letztens die propere Azubiene meines Fleischers jenseits der Modersohnbrücke auch das „Alles?“ hervorstieß, habe ich mir das Herz einer in diesen Dingen sehr altmodischen Kundin gefasst. Ich muss kurz ausholen: Dieser Fleischerladen ist noch ordentlich mit weißen Fliesen ausgelegt, die Messer werden vor den Augen der Kunden geschärft, man wird freundlich begrüßt, auch wenn man als Gelegenheitsfleischesser nur selten hereinschaut und man bekommt eine gute Beratung, wenn man sich ob der Auswahl von größeren Fleischstücken unsicher ist.

Kurz und gut, als ich hier mit dem „Alles?“-Fetzen befragt wurde, habe ich für mich die verbale Notbremse gezogen und, bevor ich „Ja“ oder „Nein“ antwortete, gemeint, dass ich nicht wisse, was sie meine. Sie ist knallrot geworden, ich habe mich auch ein klein bisschen gemein gefühlt dabei, aber sie fragte dann, wie es sich gehört: „Darf es noch ein bisschen mehr sein?“ Ich strahlte sie und meinte: „Nein danke, aber nett, dass Sie gefragt haben.“

So, das musste mal gesagt geschrieben werden!

04
Jun
10

Eiskalt kalkuliert…

Da wurde ich doch einmal eiskalt überrascht, als ich diese Preissenkungen bei Obst und Gemüse sah:

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13
Feb
10

Karma

Neulich im Eso-Laden

Früher gab’s so was auch nicht!

07
Feb
10

Graffiti des Tages

Merke: wenn Eis auftaut und dann wieder tieffriert, dann wird es wieder wunderschön glatt! So auch bei uns im Viertel.Und noch ein Merksatz aus F’hain: Je gutmenschiger ein Laden, desto schlechter ist der davor liegende Bürgersteig geräumt/gestreut.

Inzwischen wird ein Spaziergang oder ein Einkaufsgang zum echten Erlebnis, denn man muss höllisch aufpassen, dass man nicht mehr oder weniger unelegant zu Boden geht. Und damit dieses nicht passiert, watschelt man eben mehr oder weniger unelegant einher und hält den Blick meist zu Boden gesenkt.

Dass dieses auch vorteilhaft sein kann, da man auch sonst schnell Übersehenes wahrnimmt, habe ich gestern feststellen können. Ein etwas unscheinbares Graffiti, etwa auf Höhe meines Unterschenkels an eine graue Hauswand gebracht, Schablonenmalerei in mittelblau.


Um es fotografieren zu können, musste ich mich auf eisglattem Untergrund hinhocken, auch unelegant, dabei wurde ich argwöhnisch von einer Gruppe pelzmantelbekleideter Italienerinnen fortgeschrittenen Alters beäugt, die es ganz bestimmt sehr spannend fanden, was hier die Eingeborenen so treiben.

29
Jan
10

Prognostizierte Ankunft

Juhu! Meine Schwester besucht mich am Wochenende! Sie hat sich entschlossen, mit der Bahn anzureisen, was ja angesichts des Wetters, der Ökobilanz und der grundsätzlichen Bequemlichkeit auch sinnvoll ist.

Nun rief sie mich eben am Hannoverschen Hauptbahnhof mit der frohen Botschaft an, dass sie einen Zug früher nehmen könne, nur wisse sie nicht, wann sie dann ankommen würde. Zwei Klicks auf die Website der Bahn, schon wurde uns geholfen.

Neue Spaltenbeschriftung bei der Bahn

Erst beim zweiten Hinsehen fiel es mir auf: die BAHN stellt keine Ankunfts- oder Abfahrtszeiten mehr ins Netz, sondern versorgt den Reisenden zusätzlich mit einer Prognose, ob der Zug denn auch pünktlich ist. Prognosen auf der Seite, die Informationen anzeigen soll!?? Das ist ja mal was! Auch wenn es mich stark an die Wettervorhersage oder Kaffeesatzleserei erinnert, das Wort…

Immerhin gab es die Prognose, dass der erst in Hannover eingesetzte Zug auch pünktlich abfahren würde, da war ich ja sehr glücklich. Tja, nun dauert die Pannenzeit bei der Bahn schon so lange an, dass die Website verändert wird, damit die Reisenden und schlussendlich auch ich im Chaos wieder glücklich sind. An den Gründen für das Chaos scheint sich noch nicht viel zu ändern: neue Züge sollen zwar gekauft werden, aber ob die alten wirklich besser gewartet werden? Einen netten Artikel zur Situation der Bahn gibt’s bei der Süddeutschen: Die Pannen-Bahn

Egal, ich freue mich jetzt einfach nur auf meine Schwester, deren Ankunft auf heute am späten Nachmittag prognostiziert ist!

Nachtrag vom 2.2.

Es war in der Tat eine Prognose, was die Ankunftszeit anging: etwa eine halbe Stunde später als man gedacht hätte, wenn es keine Prognose, sondern eine exakte Ankunftszeit gewesen wäre.

Die Reisenden wurden irgendwo hinter Hildesheim mit der frohen Botschaft beglückt, dass man hinter einem Güterzug herfahren müsse, bis Stendal! Wieso der Güterzug auf der ICE-Strecke fuhr, wurde nicht mitgeteilt. Wäre Sommer gewesen, hätte meine Schwester während der Fahrt Blümchen für mich pflücken können.

20
Jan
10

Trari-trara, zweiter Teil

Nachdem der erste Zustellversuch der DHL ja definitiv am 14.1. nicht stattgefunden hatte, bin ich, entgegen meiner Absicht, heute doch zur Poststelle gelaufen. Dummerweise hatte ich die Abholkarte übers Wochenende in meiner Tasche vergessen und nun war es höchste Zeit, an das Päckchen zu kommen.

Dieses Mal musste ich nicht einmal sehr lange warten, bis ich dran kam. Und wenige Augenblicke später konnte ich das Päckchen in den Händen halten.

Den Absender kannte ich, ein geschätzter Kollege. Hm, ein Buch oder ein Sonderdruck war es nicht, der Inhalt gab auf leichten Druck leicht nach. Kaum hatte ich die Filiale hinter mir gelassen, riss ich das Päckchen auf und musste ganz laut lachen!

Rückblende: irgendwann im Herbst wurde ich per SMS gefragt, ob ich mit auf eine Reise nach Abessinien kommen wolle. Abessinien, Weihrauch, die Königin von Saba, Kaffee… tolle Idee! Leider passte mir der Reisezeitraum nicht, außerdem habe ich meine Urlaubstage bereits anders verplant. Ich beendete den Dialog nach mehreren Kurzmitteilungen mit „Aber bring mir Kaffee mit!“ Ich wollte erst „und Weihrauch“ hinzufügen, habe es aber lieber gelassen. Auf der EXPO 2000 in Hannover habe ich äthiopischem Weihrauch erstanden und seine Wirkung beim Abbrennen/Abräuchern einige Tage später getestet: Obwohl gelernte Katholikin, die mit den Eltern immer recht weit vorne in der Kirche sitzen musste, war ich über die Wirkung sehr erstaunt, um nicht zu sagen: absolut high!

Und daher stand ich vorhin lachend vor der Postfiliale und schnupperte an meinem Kaffeepäckchen. Schnell packte ich es in die mitgebrachte Tasche und verließ beschwingt den Ort des Geschehens.

Das Päckchen ist sehr hübsch bunt mit farbigen Abbildungen, die auch beschriftet sind, versehen, leider bin ich des Äthiopischen gar nicht mächtig, sogar die Schriftzeichen sind fremd, aber das macht nichts: ich werde das Päckchen ganz vorsichtig auftrennen und mir für die farbenfreudige Verpackung etwas ausdenken, sie vielleicht irgendwie in den Wandkästchen meiner Lieblingstassen über der Espressomaschine verarbeiten.

Achja: von der freundlichen Dame an der Paketausgabe habe ich mir ein Kärtchen mit der so genannten Service-Nummer von DHL geben lassen, damit ich mich beschweren kann. Auch das habe ich nach der Rückkehr nach Hause getan, zu 14ct pro Minute, gedauert hat es knapp 5 min, sprich: 70 ct hat mich der Spaß gekostet. Nett war sie schon, die Dame aus dem Callcenter, aber ob es was bringt??

Egal, nun koche ich mir erst einmal einen äthiopischen Kaffee, den habe ich mir verdient!




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