Posts Tagged ‘Perigord

16
Nov
10

Fundstück, oh lecker!

Eigentlich sitze ich am Rechner, um für eine liebe Kollegin, die demnächst Geburtstag hat, ein Bild für die Geburtstagkarte in dem tiefen Fundus meiner Festplatten zu suchen. Ehrlich gesagt hat die Bilderflut die Menge erreicht, bei der es sich vielleicht doch lohnen täte, mit einem ordentlichen Programm die Bilder mit tags und ähnlichem suchbar zu machen. Wie dem auch sei, ein besonders leckeres Fundstück will ich einmal hier zum „Leben“ erwecken.

... selbst in der Erinnerung köstlich....

Es ist kein selber gebackene Schokoladensünde, sondern bei einem Bäcker in Les Eyzies in der Dordogne im Südwesten Frankreichs erstanden. Wir saßen nach unserem Ausflug am Ufer der Vézère, die nach nächtlichen Regenfällen im September auch etwas bräunlich daher floss und ließen uns die Herbstsonne auf die Nase scheinen.

Am frühen Morgen waren wir, nach Anmeldung, durch eine der wenigen noch für die Allgemeinheit zu besichtigenden Höhlen mit altsteinzeitlicher Malerei gelaufen, durch Font-de-Gaume. Es war ein absolut überwältigendes Erlebnis, sich den auf den Felsuntergrund gezeichneten Mammuts, Wildpferden und Wisenten so zu nähern, dass man sie jederzeit hätte berühren können. Geführt von Archäologen oder Archäologiestudenten erlebten wir die Tierwelt der späten Eiszeit ganz nah und die Gänsehaut, die mir so manches Mal den Rücken herunterlief, hatte nichts mit der Temperatur im Inneren des Höhlensystems zu tun.

Später liefen wir durch Les Eyzies-de-Tayac-Sireuil und fanden den kleinen Bäckerladen mit einer älteren Dame hinterm Tresen, die sich gerade anschickte, die letzten Baguettes zu verkaufen und zur Mittagspause zu schließen.

Doppeltes Glück, die Voranmeldung vom Vortag für Fond-de-Gaume hatte geklappt und die süße Belohnung hinterher…

 

... hier Nuss und Karamell pur...

20
Feb
10

Cougnacuet – die Wassermühle im Tal

„Es klappert die Mühle am rauschenden Bach… klipp klapp….“ Das Lied kam mir wieder in den Sinn, als ich am Mühlbach der „Moulin fortifié de Cougnacuet“ stand. Die Mühle duckt sich in das enge Tal der Ouysse, im Limousin.  Der Himmel an jenem Septembermorgen 2007 war tiefblau, die Schwalben flogen lärmend um das Gebäude, die Sonne ließ glitzernde Lichtkaskaden auf dem klaren Flüsschen mit seinen tiefgrünen Wasserpflanzen erleuchten. Hellgrau und aufrecht stand das Steingebäude am Ufer über dem Mühlbach, ein kleiner Kahn lag malerisch im Wasser. Die weinumrankte Laube ist als Eingangsbereich und Kassenhäuschen hergerichtet, wo eine ältere Dame in Strickjacke und buntem Kittel den Eintritt von den wenigen Besuchern erhob. Sie lächelte freundlich, nippte an ihrem Thermoskannenkaffee und zog sich die Jacke enger um den Körper. Es war noch recht kühl im Schatten der hohen Felsen, die die Mühle umstehen.

Auf einem handgeschriebenen Schild erfuhren wir, dass die Mühle kurz vor 1300 begonnen und erst 50 Jahre später vollendet wurde. Sie gehörte zur Zisterzienserabtei bei Rocamadur, welche etwa 15 km entfernt ist. Und das ist ganz schön weit weg, bedenkt man, dass die Anbauflächen für das Getreide nicht gerade um die Ecke liegen. Das enge Flusstal scheint eher als Schutz der Mühle im unruhigen, von Hungersnöten und Pestzügen gekennzeichneten 14. Jahrhundert gedient zu haben als alleine, um das Wasser stauen zu können.

Im Inneren war es mächtig imposant, vier Mühlgänge lagen nebeneinander, fast so etwas wie eine mittelalterliche Industriemühle, die einen ordentlichen Ausstoß an Mehl und Kleie gehabt haben muss und sicherlich ohne Konkurrenz in der weiteren Umgebung war. Und somit konnten die Mönche auch alle Bauern, die wahrscheinlich sowieso in irgendeiner Art per Abgaben Abhängige waren, dazu zwingen, hier mahlen zu lassen. Bis 1959 hat die Mühle ihren Dienst getan, als Denkmal ist es bereits seit 1925 in den staatlichen Denkmallisten geführt, eine beeindruckende Geschichte.

Als ich an jenem wunderbaren Septembertag 2007 dort war, gab es eine tolle Führung, die ein ehemaliger Müller für die Interessierten macht. Wie das Korn zum Mehl wird, alle alten Gerätschaften, die hier außerdem stehen, wurden erklärt, aber der Höhepunkt seiner Fabulierkunst war der Wohnbereich des Müllers. Der imposante Kamin mit Sitzmöglichkeit am Feuer wurde mit viel Witz vorgeführt oder wie man sich am Fenster die Hände einst wusch. Und was des Müllers Lieblingsgetränk war, das zeigte er am lebenden Objekt: ein wunderbarer Pflaumenbrand wurde den erstaunten Besuchern zum Verkosten ausgeschenkt. Widerstand war zwecklos und so ging ich später höchst beschwingt in den wunderbaren Tag hinaus. Das Mahlwerk klapperte laut und unüberhörbar dazu – klipp – klapp.

16
Sept
08

Herbergssuche…

Gefunden habe ich diese Übernachtungsmöglichkeit über die Seite http://www.gites-de-france.fr, DIE Seite, wenn man was Nettes in Frankreich sucht, was wenig oder nichts mit größeren Hotelketten zu tun hat, einigermaßen preisgünstig ist und dennoch einen gewissen Qualitätsstandard bietet.
Idyllisch mitten im Nirgendwo des Perigord noir nördlich des touristischen Höhepunktes von Sarlat gelegen, findet man dorthin nur mit einer soliden französischen Straßenkarte (ich lehne ja diese Navi-Systeme ab, denn man kriegt nur im steten Wechselblick zwischen Karte, Landschaft, Straße und Ziel einen wirklichen Eindruck von dem Weg, den man gerade beschreitet oder befährt; aber das ist nur eine kleine private Nebenbemerkung am Rande) und dem festen Vorsatz, auch anzukommen. Eine Besonderheit des ruralen Frankreichs ist es ja auch, dass fast jeder Hof oder Weiler einen eigenen Namen hat, der nicht unter einer Adresse, wie man sie aus Deutschland kennt, zu finden ist. Es wäre ja auch zu einfach, wenn man sich nach „Sarlater Landstraße 219“ richten könnte, nein, es ist viel kreativer, den suchenden, den irrenden Reisenden mit „Chez Michel“ durch die Lande zu schicken!
Immerhin haben wir es im letzten Lichte des schönen Septemberabends gefunden, begrüßt wurden wir als erstes von dem reichlich angejahrten Hofhund Oscar und dann vom Großvater, der mir gleich das Gespräch über das Wetter vom Juli und August in der Region gab (welches ich ja leider verpasst hatte).
Madame und Monsieur Fumat als Gastgeber in dieser Herberge waren allerdings nicht weit und Madame zeigte uns dann auch das Zimmer, welches mit Bad und WC ausgestattet ist.
Madame ist eine kleine, quirlige Frau in den sechzigern, die Monsieur, das Haus, den Hund, die Vögel im Käfig und die Gäste offensichtlich gut unter Kontrolle hat, in rasend schnellem Französisch, im harten Dialekt der Region gefärbtem Klangteppich zählte sie die Hausregeln auf, wann gefrühstückt wird, wann gezahlt wird, wann die Abreise zu erfolgen hat. Oui, Madame, bien sûr, Madame! Freundlich lächelnd, aber deutlich in der Ansage.. Wahrscheinlich war sie sowieso der Meinung, dass „halb neun bis neun“ reichlich spät sei und an sich niemend eine volle halbe Stunde zur Einnahme des Frühstücks bräuchte. Als wir am ersten Tag um erst zwei vor neun an der Tafel erschienen, hätte ich schwören können, dass sie vorwurfsvoll geschaut hat.
Monsieur versieht so etwas wie Butlerdienste: still bis schweigsam und fast lautlos erscheint er und stellt den Kaffee hin, bringt die Milch und erscheint zwischendurch schweigend, um zu sehen, ob alles in Ordnung ist. Nett, aber irgendwie haben alle am Tisch immer geschwiegen, wenn er kam.
Neben dem Frühstück gibt es auch die berühmte, aber leider im Aussterben begriffene „table d’hôtes“, die Tisch- oder gar Tafelrunde, zu der sich allabendlich die Gäste des Hauses versammeln und bekocht werden. Die deutsche Übersetzung mit „Halbpension“ trifft diese alte französische Einrichtung meiner Meinung nur unzureichend.
Wir haben uns dem Ritual zweimal unterzogen, die restlichen Abende haben wir uns dann doch lieber selbst-gesucht verpflegt. Zunächst versammeln sich die Gäste im Speiseraum, man nimmt nach freundlicher Aufforderung von Monsieur Platz und dann fragt Monsieur jeden Gast, welchen Apperitif denn man denn wünsche. Dann wurde eingeschenkt, entweder ein Nuss-, ein Pfirsichwein oder der Rattafia, allesamt Spezialitäten der Region. Zum Schluss schenkte er sich auch einen Daumenbreit ein und dann wurde das Glas erhoben. Nach den wohl gesetzten Schlucken eilte er hinaus und kam mit den Tellern der Vorspeise zurück, auch hier blieb man regional: Foie gras, aber eben zumeist als Bloc de foie gras. Nun setzte das stille Verspeisen ein. Dasselbe Prozedere beim (fleischhaltigen) Hauptgang und beim Käse und beim Nachtisch.
Da uns die Runde, die zumeist doch aus Herrschaften vorgerückten Alters bestand, etwas zu ruhig war, bis auf den Abend mit den Belgiern, aber das ist eine andere Geschichte, haben wir auf das weitere Teilnehmen an dieser wackeren Tafelrunde verzichtet.
Insgesamt war es ein nettes Quartier, aber es fehlte mir doch etwas der offenen Austausch, die Herbergseltern waren eben zu sehr…. Herbergseltern, irgendwie….

Chez Michel,
24200 Proissans
+44 5 53591179
mail: jacques.fumat@club-internet.fr

15
Sept
08

Distillerie du Perigord, Sarlat

Neben den Produkten aus der Gans und ihrer Leber spielen die Walnüsse und diverse Likörprodukte eine größere Rolle im regionalen, nein, im touristischen Warenangebot.
Die Distillerie hat ihr Warenhaus direkt am Hauptplatz von Sarlat, dort wo sich Markthalle in der ehemaligen Pfarrkirche, die Turmuhr und das Gassengewirr treffen, und hier lockt sie den schlendernden Passanten mit „Degustation gratuit“ ins Geschäft hinein. Der Kurzsichtige wird mit einer mobilen Distillerie auf vier Rädern aus dem frühen 19. Jahrhundert zum Laden gezogen.
Aha, „für umsonst“ gibt’s da was. Es wird zunächst angestrengt im Schaufenster geschaut: Liköre, in Likör eingelegte Früchte und Obstbrände sind hier im Angebot.
Im Laden grüßen die Reihen der Flaschen wie die Zinnsoldaten, ein etwas mürrisch wirkender junger Mann steht an der Kasse und schaut eher gelangweilt als erwartungsvoll den mutmaßlichen Kunden an.
Mit etwas Mut fragte ich dann wirklich nach einer Degustation des ortsüblichen „Ratafia“, einer Fruchtlikörspezialität und dann nach einem Tröpfchen des Himbeer-Obstbrandes.
Der Likör war, wenn ich dem Urteil meiner Zunge folgen darf, sehr zuckerlastig und die Fruchtaromen waren eher nachrangig. Und der Obstbrand war eine echte Enttäuschung, zumindest für mich. Irgendwie haarsprayig, beissend und von der Himbeere habe ich dann gar nichts mehr geschmeckt.
Die Präsentation war lieblos und logischer-konsequenterweise habe ich die Flaschen weiterin Zinnsoldaten sein lassen.

Darauf trinke ich jetzt mal einen österreichischen Marillenbrand. Sehr zum Wohl!

Distillerie du Perigord
Place de la Liberté,
24200 Sarlat la Canéda
+33 5 53592057
http://www.distillerie-perigord.com
Öffnungszeiten: bis 19 Uhr

14
Sept
08

Place de la Liberté – Marktplatz von Sarlat im Perigord

Die Reiseführer überschlagen sich ja förmlich, wenn sie Sarlat beschreiben: „Fahrt ins Mittelalter“, „Zeitreise“, „Filmkulisse“ und dann noch sowas wie „zauberhaft“ oder „märchenhaft“ und so fort. Wer nun hier etwas über die Geschichte der Stadt erfahren will, sei nur kurz mit den Eckdaten der Gründung einer Benediktinerabtei im 8. Jh. und der Unabhängigkeit der Stadt durch den Treueeid gegenüber dem französischen König, Zerstörungen im hundertjährigen Krieg und Niedergang in der frühen Neuzeit, welcher erst durch die weitreichenden Restaurierungen seit 1962 aufgehalten wurde, gefüttert.
Das wirklich Spannende ist der Aufzug der Stadt als Theaterstück, welches sich alltäglich wiederholt. Weiterlesen ‚Place de la Liberté – Marktplatz von Sarlat im Perigord‘

06
Apr
08

Ferme auberge Dubois in La Dornac

„In La Cassagne an der zweiten Wegegabelung biegt ihr nach rechts ab, dann… ach was! Wenn ihr in La Cassagne seid, dann ruft mich an, ich hole euch dort ab, denn alleine findet ihr das nicht.“ Jean-Claude war sich sicher. Weiterlesen ‚Ferme auberge Dubois in La Dornac‘




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