Posts Tagged ‘Mitte

19
Dez
13

Ausstellung „Geraubte Mitte“ in Berlin

Derzeit läuft im Ephraimpalais, der Dependance des Stadtmuseums eine Ausstellung über die planmäßige Plünderung des jüdischen Eigentums in der Stadt. Die Ausstellungsmacher haben sich auf die historischen Stadtkerne von Alt-Berlin und Alt-Cölln beschränkt, da bereits in diesem Bereich die Recherche unglaublich umfangreich war. So wurden die Berliner Adressbücher ausgewertet sowie eine schier unglaubliche Anzahl von Grundbucheinträgen.

Der Besucher wird im ersten Raum, einem der aufwändigsten Salons des barocken Palais(nachbaus) mit der Geschichte der Juden in der Mark Brandenburgs und natürlich Berlins empfangen. Bereits die Ersterwähnung zeugt von nicht spannungsfreiem Miteinander: 1295 wird den Wollwebern verboten, ihre Rohstoffe bei den jüdischen Händlern zu kaufen. Mit der Pestpandemie um die Mitte des 14. Jahrhunderts kommt neues Unheil über die jüdische Gemeinde, denn sie werden verdächtigt, die Krankheit durch vergiftetes Brunnenwasser verbreitet zu haben. Erste Enteignungen, erst Jahre später dürfen sie wiederkommen, ihre einstigen Häuser dürfen sie mieten, Grundeigentum bleibt ihnen verwehrt. Der nächste Tiefschlag trifft die Juden 1510: nach einem Diebstahl liturgischer Gefäße in einem Dorf außerhalb Berlins werden sie beschuldigt, die darin enthaltenen Hostien geschändet zu haben und zudem auch noch (christliche) Kinder ermordet zu haben. Ermordet werden nur sie: 39 Männer werden auf dem Platz an der Marienkirche verbrannt, ihre Angehörigen des Landes verwiesen. Münzfälschungen und Vergiftung des Kurfürsten 1572 werden ebenfalls als Vorwand für Vertreibung und Plünderung des fremden Besitzes genommen. Erst die Aufklärung des 18. Jahrhunderts auf beiden Seiten, der christlichen und jüdischen, bringt erste Annäherungen mit sich, die aber erst nach dem 1. Weltkrieg in einer rechtlichen Gleichstellung abgeschlossen ist.

Ein Hauptstilmittel der Ausstellung sind die weißen Schreibtische, die in allen folgenden Räumen in unterschiedlichen Formationen erscheinen. Ansonsten sind die Wände mit flächendeckenden Plots historischer Fotos, die die Inhalte illustrieren, abgehängt. Ich bin immer wieder fasziniert, in welcher Qualität sich die Schwarzweißbilder „hochpusten“ lassen. Schade nur, dass die Bahnen nicht in allen Fällen verschweißt und an der unteren Kante zum Straffhalten beschwert waren, so wird der gestrenge Besucher einen kleinen Punktabzug in der B-Note geben, aber das nur am Rande.

Die Ausstellung nimmt den Besucher nun auf die Jahre nach 1933 mit: in einer Schriftbanderole lassen sich die allmählichen Einschränkungen ablesen. Im Hauptteil des Ausstellungsbereiches werden die Schicksale von einzelnen jüdischen Familie gezeigt. Gegenübergestellt sind drei Lebenläufe der Täterseite, die als Schreibtischtäter nach dem 2. Weltkrieg meist unbehelligt blieben.

Die Schicksale der Enteigneten gingen mir als Besucher einmal mehr „an die Nieren“: nicht nur Ermordung in einem KZ stand viel zu oft am Ende eines Lebenslaufes, sondern auch Selbstmord, Depressionen und viel zu selten auch erfolgreiche Flucht, bei der sich die Nazibehörden ein letztes Mal bereicherten.

Am Ende stehen Kriegszerstörung und Wiederaufbau, aber auch die Fragen zur Entschädigung des geraubten Eigentums. Besonders bitter erscheinen die auch im Begleitband aufgeführten Beispiele, wie bis heute nur in wenigen Fällen eine für die einstigen Besitzer und deren Angehörigen akzeptable finanzielle Entschädigung gezahlt wurde. Beschämend.

Bestürzend zu sehen, wie viele Grundstücke allein in Mitte seit 1933 ihren einstigen Besitzern von den Machthabern auf die eine oder andere unredliche Art genommen wurden, durch die leisen und unsichtbaren Schreibtischtäter. Und hinter jedem der rot auf einem großen Fotoplot hervorgehobenen Grundstücke und Häuser oder in der Datenbank in der Medienstation stehen Schicksale, echte Menschen, die in der Mehrzahl die zwölf Jahre des mörderischen Regimes nicht überlebten.

Webinfo: Stadtmuseum Ephraimpalais

Öffnungszeiten: Di, Do–So 10–18 Uhr | Mi 12–20 Uhr

Eintrittspreise: 7,00 / erm. 5,00 Euro; Begleitbändchen ist im Preis enthalten
jeden 1. Mittwoch im Monat Eintritt frei, dann Katalog 3,00 Euro

Adresse: Poststraße 16, 10178 Berlin (Mitte)

17
Jul
13

Ruderalflora

Auf dem Nachhauseweg sind mir diese Blüten am Wegesrand aufgefallen, allesamt kurzlebiger Natur.

21
Okt
12

Abendstimmung in Berlin-Mitte

Allerweil werden wieder diverse öffentliche Gebäude bei Einbruch der Dämmerung in buntes Licht getaucht. Als ich am Mittwoch abend auf dem Weg nach Hause den Blick nach oben wandte, zeigte sich auch der Fernsehturm im bunten Gewand.
Schade, dass er morgens nur schlaftrunken im eigenen mageren Licht erscheint, aber die Illumination scheint eher für die Touristen gedacht, nicht für den Teil der Berliner Bevölkerung, der morgens auf dem Weg zur Arbeit viel mehr eine optische Aufmunterung verdient hätte.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

27
Sept
12

Mehr Pilz

Auch sonst ist Mitte ein gutes Pilzland, obschon die klassische Begleitflora wie von Schafen beweidete Wiesen oder lockere Buchenwälder nicht gerade typischerweise in Mitte-Mitte vorkommt. Nun denn, vier Champignons wurden bereits geerntet, sie werden getrocknet, denn für eine Pilzpfanne reichen sie nicht.

 

Diese Diashow benötigt JavaScript.

22
Sept
12

Der Pilz

Vor einigen Wochen bin ich am Spätnachmittag nach Feierabend auf den Friedhof der Parochialkirche in Berlin Mitte, auf der Ostseite der Klosterstraße abgebogen. Es ist die älteste Kirche einer reformierten, also calvinistische Kirche Berlins, inzwischen Teil der Theologischen Fakultät der Humboldt-Universität. Auf dem Friedhof streift der Blick über die Grabkreuze aus dem 19. Jahrhundert auf, einige Grabmäler sind mit Figuren geschmückt. Sogar aus dem 18. Jahrhundert scheinen zwei der Mausoleen zu sein. Der Wind rauscht in den Bäumen, ein Ort der Ruhe nur wenige Schritte von stark befahrenen Straßen und geschäftigen Touristenströmen rund um’s Rote Rathaus entfernt. Ein prächtiger Baumpilz wächst aus einem Stumpf heraus und fordert mich zum Zücken des Fotoapparats heraus. Ich gebe nach und schaue seitdem immer wieder, wie es ihm geht. Er vergeht gerade, passend zur Jahreszeit..

Diese Diashow benötigt JavaScript.

05
Sept
12

Morgenstimmung

Die Sonne geht zur Zeit gegen halb sieben Uhr morgens auf und erfreut mich mit einem tollen Lichtspiel an den Fensterflächen vom Berliner Fernsehturm, mitten in Mitte….

 

Morgens in Mitte

19
Aug
12

Dreisatz auf dem Bürgersteig

Dieses Jahr begeht Berlin sein 775. Stadtjubiläum und dieses wirft seine Schatten voraus. An für die mittelalterliche Stadtentwicklung wichtigen Punkten werden in den nächsten Tagen kreischmagentafarbene Türmchen aufgebaut, von deren Aussichtsplattform der Interessierte die Aussicht genießen kann. Diese sollen zudem mit Informationen über die Lage in der mittelalterlichen Doppelstadt Berlin und Cölln ausgestattet sein und somit Touristen und Einheimischen helfen, sich in die Stadttopographie der frühen Neuzeit und des Mittelalters einzufinden.

In Mitte habe ich auf dem Bürgersteig in der Nähe des Roten Rathauses letzte Woche einige Kurzinfos gefunden, die allerdings so platt wie die Sprühschrift sind. Hoffentlich wird’s besser!

Mal ehrlich: Wer kauft denn noch beim Schneider oder Schuhmacher? Und welcher Bäcker oder Fleischer verdient diese Handwerksbezeichnung denn noch? Wir beziehen doch meistens die Waren des täglichen Bedarfs aus der Massenproduktion.

Damals wie heute: Profitiert haben vom Wirtschaftswachstum eher die Geldgeber als die Handwerker und Bauern.

Eben: wer konnte sich das schon leisten?

Mir ist natürlich klar, dass auf den Bürgersteig keine langen Abhandlungen gesprüht werden können, aber ein bisschen differenzierter hätte es schon sein können. „Sätze von der größe eines kleinen Bestecks“ forderte vor vielen Jahren einmal eine Ausstellungsdesignerin. Ob die hier auch dabei war?

18
Aug
12

Nebel über Mitte

Schickt der Herbst schon erste Vorboten? Den Morgennebel?

Diese Diashow benötigt JavaScript.

17
Aug
12

Mehr Morgens in Berlin

Wie versprochen, gibt es noch mehr Bilder vom Figurenschmuck des „Alten Stadthauses“ in Berlin. Die einzige Dame im Rund bekrönt das Gebäude, es ist Frau Fortuna.

Diese Diashow benötigt JavaScript.


Nächste Woche liefere ich die restlichen Herrlichkeiten nach, die die Tugenden der Bürger allegorisch verkörpern. Aber für diese Bilder muss ich mal auf die Südseite hinüber gehen.




Dezember 2022
M D M D F S S
 1234
567891011
12131415161718
19202122232425
262728293031  

Bloggeramt.de

Nicht ICH werbe, sondern WORDPRESS
Eingeblendete Werbebanner, ads mit Spielen und Videos stammen von Wordpress und nicht von mir. Das ist der Preis fürs kostenlose Bloggen.
Auf Anzahl & Inhalte habe ich keinen Einfluss.


%d Bloggern gefällt das: