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04
Mrz
12

Straupitzens Kirche

Während des vorletzten Jahrhunderts war der Wille des Gutsherrn so ähnlich wie das Gesetz. Er kam in der bäuerlichen Hierarchie direkt nach dem mehr oder weniger lieben Gott und deutlich vor dem Pfarrer und dem Lehrer oder dem Landpolizisten oder dem Dorfschulzen. Und wenn es dem Gutsherrn einfiel, dass sein Hauptdorf schöner werden sollte, dann wurde es auch so gemacht. Da die Fachwerkkirche in Straupitz, in der die Gemeinde fein säuberlich durch zwei Zugänge in deutsche und wendische Glaubensgeschwister getrennt war, baufällig geworden war, musste sich der amtierende Patron von Straupitz und der umgebenden acht Dörfer, Carl Heinrich Ferdinand Freiherr von Houwald 1826 etwas einfallen lassen. Immerhin gehörten etwa 2000 Menschen zu seiner Herrschaft, die auch mit dem Kirchgang ausgeübt wurde. Die Kirche im Dorf wurde nicht mehr genutzt, da wo der Patron residierte, wurde der Gottesdienst abgehalten: Ende der Diskussion!

Wie genau der berühmte Friedrich von Schinkel als Architekt gewonnen werden konnte, ist nicht ganz geklärt, aber er sollte einen für etwa 1700 Menschen Platz bietenden Kirchenbau planen. 1826 standen die Pläne, 1828 wurde die alte Kirche abgerissen und mit dem Bau der großen neuen begonnen. Die Baukosten lagen mit geschätzten 24.000 Talern weit über dem üblichen 8.000 für Dorfkirchen. Es kam wie es kommen musste: trotz vorgeschlagener Einsparungen in die Innenausstattung kostete der Bau schlussendlich 30.000 Taler, von denen sogar der preußische König Friedrich Wilhelm III. 2.000 übernahm. Blieben immer noch 28.000 Taler für den Patron von Straupitz übrig. 1832 wurde die Kirche in einem feierlichen Gottesdienst geweiht, alle Gläubigen, egal ob deutsch oder wendisch, betraten sie nur noch durch die drei großen Türen an der eindrucksvollen Nordostfassade mit den beiden Türmen, die so imposant sind, dass die Kirchgänger sich wohl nur klein vor dieser mächtigen Burg des preußischen Protestantismus fühlen können.

Inzwischen sind die Jahre ins Land gegangen, die Herrschaft derer von Houwald ist dahin, auch die Kirche musste inzwischen mehrfach renoviert werden, das letzte Mal vor wenigen Jahren. Es gibt eine Kirchengemeinde, die Sonntags hier noch ihren Gottesdienst feiert und dann auch das Gebäude für Besucher öffnet, jeweils um 11 und um 15 Uhr für eine Stunde.

Leider hatte ich Pech, denn mein Besuch fiel genau in die Zeit dazwischen und so sehr ich an den drei schweren Türen rüttelte, mir wurde nicht aufgetan.

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Gegenüber auf dem Platz findet der Besucher eine Säule mit den Namen der für Preußen gefallenen Spreewälder aus des Herrn Patrons Beritt:

1864 – deutsch-dänischer Krieg (Holstein, Schleswig und Lauenburg wurden dem deutschen Bund zugeschlagen)

1866 – deutscher Krieg (Österreich schied am Ende aus dem deutschen Bund aus, Preußen war die stärkste Macht)

1870/71 – deutsch-französicher Krieg, an dessen Ende die Gründung des „deutschen Reiches“ unter der Herrschaft des (ehemaligen) preußischen Königs als Wilhelm I. als deutscher Kaiser.

Die Namen der gefallenen Landeskinder sind im weichen Kalkstein fast verschwunden, nur wenn die Sonne etwas Schräglicht gibt, kann man sie noch entziffern.




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