Posts Tagged ‘Geschwurbel



13
Mai
13

Pilger in Bardo

Unversehens gerieten wir auf unserer Landpartie durch die Hügel eine gute Autostunde südlich von Wrocław in den kleinen Ort Bardo/Wartha mit seiner imposanten Pilgerkirche. Schon auf dem Besucherparkplatz wurde klar, dass wir die Kirche nicht für uns alleine haben würden: er war von vorne bis hinten mit Bussen zugeparkt. Der Ort selber war an jenem Samstagmittag eher leer, bis die Kirchentüren aufgingen. Die ersten Besucher der Messe strömten hinaus, wir hinein.
Barockschock! Die Kirche war zwischen 1686 und 1704 an der Stelle von zwei älteren errichtet worden, natürlich voll und ganz in der regionalen Ausprägung des Stils der Zeit. Und voll war es! Zunächst dachte ich, dass die vielen Menschen zur Kommunion anstanden, bis mir allmählich klar wurde, dass sie zum Gnadenbild, einer romanischen Madonna wollten. Meine Freundin übersetzte die Ansagen des Geistlichen, der darum bat, nicht zu drängeln, da jeder „drankommen“ würde. Der Chor sang, die barocke Orgel ließ ihre Klänge über unseren Häuptern schweben.
Irgendwann schob ich mich, den der Madonna bereits nahe Gekommenen entgegen, durch das Seitenschiff nach vorne, um wenigstens einen Blick auf das Hauptgeschehen zu erhaschen. Es gelang!
Die Gläubigen drängten sich bis zu der geschnitzten Figur und küssten sie auf eine vorgegebene Stelle an der Fassung. Der Priester wischte über diesselbe mit einem Läppchen nach. Und zwar immer mit demselben, ohne es zu drehen und zu wenden. Ich schaute und staunte, denn mir wurde klar, dass dies ein astreiner Weg ist, Seuchen und Krankheiten zu verbreiten. Vor Erfindung von Antibiotika natürlich.
Nach dem Anstehen trafen sich die Menschen im Hof der Kirche und stärkten sich erst einmal mit den mitgebrachten Broten und Leckereien aus Tüten, Taschen und Rucksäcken. Habe ich so auch noch nicht gesehen, ich pilgere wohl zu selten.

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21
Okt
12

Abendstimmung in Berlin-Mitte

Allerweil werden wieder diverse öffentliche Gebäude bei Einbruch der Dämmerung in buntes Licht getaucht. Als ich am Mittwoch abend auf dem Weg nach Hause den Blick nach oben wandte, zeigte sich auch der Fernsehturm im bunten Gewand.
Schade, dass er morgens nur schlaftrunken im eigenen mageren Licht erscheint, aber die Illumination scheint eher für die Touristen gedacht, nicht für den Teil der Berliner Bevölkerung, der morgens auf dem Weg zur Arbeit viel mehr eine optische Aufmunterung verdient hätte.

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11
Aug
12

Abendröte

 

19
Mai
12

Jungfer im Grünen

Als ich am Ufer der Tollense langsam durch das kniehohe Gras wanderte, fiel mir erst auf, dass ich nur die Geräusche von Wind, der durch die Gräser fährt hörte, Lerchen, die unvermittelt und laut tirilierend aus dem weiten Grün aufstiegen oder das leichte Geräusch, welches die Fische machen, wenn sie aus dem Wasser nach einem Insekt schnappen. So viele Grüntöne vermischt mit dem samtigen Weiß der Löwenzahnfruchtstände. Und dann der schwarz-blaue sirrende Farbkleks der Jungfern am Ufer des Flüsschens. Sie gehören zur Familie der Coenagrionidae, den Schlanklibellen und dann zur Gattung Coenagrion, den Azurjungfern. Wenn sie im Flug ihre Flügel ganz schnell bewegen, wirken diese fast schwarz, so etwas hatte ich vorher noch nie gesehen.
Und ein Foto des etwa daumenlangen Insekts ist mir sogar fast gelungen.

Schlanklibelle im Tollensetal

27
Mrz
12

Weißes Gold an der Weser

Seit 1747 wird in Fürstenberg Porzellan hergestellt und damit gehört die Manufaktur zu den ältesten in Deutschland. Das Jagdschloss der Braunschweiger Herzöge wurde Produktionsstätte, der Herzog wurde im merkantilistischen System des 18. Jahrhunderts auch Unternehmer. So bekannt wie die Meißner Produktion oder die der Königlich Preußischen Manufaktur in Berlin wurde Fürstenberg nicht, aber wer auf sich hält im Weserbergland hat Fürstenberg als Sonntagsgeschirr im Schrank. Und meine Großmutter hatte auch das eine oder andere Stück, besonders große Vasen hatten es ihr angetan. Ein Kaffeekännchen ohne Deckel und eine Milchkanne mit blauem Dekor aus der Zeit um 1900 ist aus dem Haushalt meiner Urgroßmutter mit mir durch’s Leben gezogen. Aber irgendwie fand ich die Modelle einfach zu traditionell, eben etwas für Leute im vorgerückten Lebensalter, wie ich immer etwas bedauernd feststellen musste.

Nun ist aber doch etwas frischer Wind in’s Jagdschloss gezogen, welches heute Museum und Platz für Sonderausstellungen ist: einerseits auch durch wirtschaftlichen Druck, der die Manufaktur schon mit dem Rücken an der Wand stehen ließ kam offensichtlich doch die Erkenntnis, dass es neuer Ideen und Formen bräuchte, um die Marke Fürstenberg vom 18. Jahrhundert über die Wirtschaftswunderjahre bis ins 21. Jahrhundert zu bringen. Der Erfolg scheint ihnen recht zu geben: für das neue Corporate Design gab’s Preise, aber endlich auch für die neue Porzellanlinie für den Gourmetbereich.

Zeit, dem Werksverkauf mal wieder einen Besuch abzustatten! Er ist umgezogen, der Shop ist großzügig und hell, dazu gibt es neben den Fürstenberger Porzellanserien auch noch eine Menge Dekoartikel im gehobenen Segment. Das Fürstenberger Porzellan hier etwa 20% günstiger als im Fachhandel, womit sich ein Einkauf hier durchaus lohnt. Das Personal ist gut geschult, unser Einkaufsberater stand mit großer Begeisterung hinter „seiner“ Marke und führte mit großem Enthusiasmus das neue Porzellan vor. Unglücklicherweise für ihn haben wir nicht gleich Gedecke für 6 Personen eingekauft, es ist bei zwei Paar Espressotassen im Empirestil geblieben, weiß, klassisch und fast wie um 1805. Somit habe ich endlich etwas selbstgekauftes Fürstenberg im Schrank!

24
Mrz
12

In den Stein gemeißelt

Als Kind ging ich ganz selbstgverständlich mit den Eltern auf den großen Friedhof in Höxter, denn das Grab der Großeltern musste ja auch in Ordnung gehalten werden. So wurde es im Winter mit Tannengrün abgedeckt, im Frühjahr Stiefmütterchen und Primeln gesetzt, im Sommer Tagetes und ähnliches. Und natürlich mussten die Pflanzen im Sommer auch ordentlich gegossen werden. Hinter vielen Grabsteinen lagen Gießkannen oder leere Weichspülerflaschen, in denen das Gießwasser von den wenigen Wasserstellen über die Wege geschleppt wurde. Gerne schwappte es über die Hose oder in die Gummistiefelchen. Ekelig! Nichts war aber langweiliger als das Wasserschleppen: sobald ich entdeckte, dass auf den Grabsteinen interessante Namen und Daten standen, las ich, was das Zeug hielt, rechnete aus, wie alt die Leute geworden waren, wunderte mich über die Gräber, die mit großen Marmorplatten so wunderbar pflegeleicht abgedeckt waren. Und dann entdeckte ich meinen Lieblingsgrabstein:

Kurt Auge und Ida Brill lagen einträchtig in einem Grab! Ich war sprachlos vor Staunen und musste immer kichern, wenn ich mit den Gießkannen an der Grabstelle direkt hinter einer Wegekreuzung vorbei kam. Kurt Auge und Ida Brill! Ich begann mir Herrn Auge und Frau Brill vorzustellen, aber Herr Auge trug Brille und sie nicht, sondern nur ein langweiliges Omakleid und hatte graue Haare, denn sie war schon 1873 geboren. Aber wieso lagen da zwei in einem Grab, die gar nicht denselben Nachnamen hatten. Das war eine gedankliche Nuss, an der ich zu knacken hatte. Meine Eltern fragte ich nicht, denn die hätten meine Heiterkeit ob der Grabgemeinschaft sicher nicht lustig gefunden, soviel stand fest. Ich könnte schwören, dass ich nur deswegen mit auf den Friedhof gegangen bin, um zu sehen, ob die Namen noch auf dem Grabstein stehen, denn sonst konnte ich schon als Kind Friedhöfen als persönlichen Ort der Trauer nichts abgewinnen. Nur Allerheiligen, wenn die Kerzen auf den Gräbern brannten und wir abends mit den Eltern unter den wechselnden Themen wie „wer hat die schönste Grableuchte?“ und „Alarm, unsere große Grableuchte wurde gestohlen!“ über den Friedhof gingen, fand ich das Konzept in Ordnung, das schon als Fünfjährige. Die gestohlenen Grableuchten waren wochenlang ein Thema, das nur am Rande.

Und ein Jahr, als ich etwa 11 oder 12 Jahre alt war, habe ich bei Herrn Auge und Frau Brill dann mal vom Nachbargrab so eine kleine Kerze in rotem Plastikbecher gemopst und aufgestellt.

Jahre-, ach was jahrzehntelang war ich nicht mehr auf dem Friedhof, Herr Auge und Frau Brill waren nur noch eine schwache Erinnerung. Im letzten November wurde eine meiner Tanten in dem zweiten Familiengrab beerdigt, in dem auch meine Großtante und die Urgroßeltern liegen. Nun bin ich mit dre anderen Tante am letzten Wochenende auf dem Friedhof gewesen. Auf dem Rückweg zum Auto musste ich an Kurt und Ida denken, ob der Grabstein noch stehen würde?

Ja, er stand noch, aber wie groß war mein Erstaunen, dass sich zu Herrn Auge und Frau Brill noch eine weitere Dame gesellt hatte: Frau Auge! Der Name war in die Lücke zwischen Herrn Auge und Frau Brill gesetzt worden. Irgendwie hat es mir vorher besser gefallen, nun stört Frau Auge mein Auge…

Meine Tante konnte mir berichten, dass Herr Auge Arzt beim Gesundheitsamt gewesen war und es war offensichtlich, dass Frau Auge seine Gattin, ihn fast 30 Jahre überlebt hatte. Nur wer Frau Brill war, konnte sie mir auch nicht sagen. Da standen wir und kicherten über den Grabstein! Das macht man aber nicht, das war ganz und gar unfein!

28
Jan
12

Umzug IV – Fund des Tages

In einem kleine Lederköfferchen haben die beiden die letzten Jahre geschlummert:

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Nun ziehen sie mit uns um, auf zu neuen Abenteuern! Juhu!




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