Posts Tagged ‘Germanen

01
Sep
13

Das Harzhorn und sein Event

Gestern wurde die Landesausstellung zur Schlacht am Harzhorn in Braunschweigischen Landesmuseum eröffnet. Vor fünf Jahren kamen zwei Sondengänger mit ihrem illegal ergrabenen Funden zur zuständigen Kreisarchäologin und legten ihr erste Funde mit römischem „Migrationshintergrund“ vor, welches schnell dem Militär zugeordnet werden konnten. An sich sollte es nach gängiger Forschungsmeinung kaum Römisches hier geben, abgesehen von Importgut, welches sich der wohlhabende Germane auf den Märkten hüben und drüben vom Limes besorgen ließen. Für die Archäologie war es neben Kalkriese mit den Hinweisen auf die Varusschlacht (9 n.Chr.) und dem Marschlager bei Hedemünden (ebenfalls um Chr. Geburt) der dritte „echte“ römische Fundplatz, dieses Mal aber einer mit mehr Sensationspotential. Denn die Funde datieren ins 3. Jahrhundert, in eine Zeit, als das Römische Reich schon in unruhiges Fahrwasser geriet. Germanische Trupps drangen als Räuberbanden bis weit in das Römische Reich vor und erbeuteten wahre Warenberge, wie zum Beispiel der „Schatz von Neupotz“ zeigt. Hier waren die Fluchtboote über den Rhein wohl so überladen, dass sie mitsamt der Beute sanken. Glück für die Archäologen! Die Funde waren vor einigen Jahren im Museum in Kalkriese zum „Varus-Jubiläum“ zu sehen.
Und was machte das so düpierte Römische Reich? Es sammelte seine Legionen und schickte sie hinter den Germanen her. Und um solch eine Strafexpedition scheint es sich gehandelt zu haben. Auf dem Rückweg scheinen die römischen Truppen an einem Pass (heutzutage direkt an der A 7 gelegen) in einen Hinterhalt geraten zu sein. Wer wirklich gewonnen hat, ist mir immer noch unklar. Die beteiligten Wissenschaftler sind der Meinung, dass in diesem Fall die Römer siegreich wieder zurück in ihre Lager am Rhein marschierten. Sandalennägel markieren ihren Weg weg von diesem Pass.
Nun, fünf Jahre nach der Entdeckung, nach unzähligen Stunden dort am Berg mit der Metallsonde der regionalen Denkmalbehörden sind die Ergebnisse in einer beeindruckenden Schau in Braunschweig zu sehen.
Gestern war die Eröffnung mit einer Menge Reden im offiziellen Teil im Dom St. Blasii und dem anschließenden Rundgang der VIPs durch die Ausstellung.
Auf 1000 qm sind in neun Kapiteln „Die Entdeckung eines Schlachtfeldes“, „Rom und Germanien – eine wechselvolle Geschichte“, „Eskalation in Germanien“, „Bilder einer Schlacht“, „Das Harzhorn-Ereignis. Rekonstruktion einer Schlacht“, „Triumph und Verdammnis“, „Die Toten der Schlacht“, „Römische Soldatenkaiser und germanische Fürsten“ die Ergebnisse der Arbeitsgruppe zu sehen, natürlich nicht nur die Funde vom Harzhorn, sondern auch eine Vielzahl von Informationen rund um das Römische Imperium, um die Legionäre aus aller Herren Länder. Optisch unterscheiden sich die Abteilungen stark voneinander: in denen es hauptsächlich um das Harzhorn und seine Erforschung geht sind in einem fast klinischen Weiß gehalten, andere, in denen es um die Ausrüstung, den Kampf und die unterschiedlichen Bestattungssitten von Römern und Germanen geht, in sehr dunklen Farben und abgedunkelten Räumen. Sehr beeindruckt hat mich der Raum, in dem die Soldaten aus allen Ecken des Römischen Reiches vorgestellt wurden, die offensichtlich auch an der Strafexpedition teilnahmen. Hier sind die unregelmäßig angeordneten Vitrinen mit ihren großflächigen Rückwänden mit Filmsequenzen bespielt, die dem Besucher das Gefühl vermitteln, mitten im Marsch, mitten im Kampf, einfach mittendrin zu sein. Die Exponate selber sind leider schlecht zu erkennen, die Beschriftung ist etwas für Leute mit extrem guten Augen oder Nachtsichtgerät. Aber dennoch sehr beeindruckend.
Dem geübten Museums- und Sonderausstellungsbesucher fallen noch ein paar Dinge auf: die Silhouetten der „1636“-Ausstellung sah ich wieder, die Vitrinengestaltung aus der Kalkrieser „IMPERIUM KONFLIKT MYTHOS. 2000 Jahre Varusschlacht” von 2009 wieder. Dennoch: Für mich ist klar, dass ich noch einmal zum Anschauen wieder kommen muss, denn neben den ersten Eindrücken ist das Plaudern mit den anderen Gästen ja auch sehr wichtig an so einem Abend!

Und die zweite Ausstellung im Herzog Anton-Ulrich-Museum in der Burg Dankwarderode auf der gegenüberliegenden Seite des Platzes habe ich gar nicht angeschaut: der Römische Soldat in der Kunst der frühen Neuzeit.

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Infos von HIER
Laufzeit: 1. September 2013 bis 19. Januar 2014
Öffnungszeiten: Di 10 – 20 Uhr, Mi bis So 10 – 18 Uhr

Eintrittspreise:
Erwachsene 10 €, ermäßigt 8 €
Kinder (6 – 16 Jahre) 3 €
Familienkarte 1 (2 Erwachsene + 3 Kinder bis 16 Jahre) 20 €
Familienkarte 2 (1 Erwachsener + 3 Kinder bis 16 Jahre) 13 €

Gruppenführungen:
10 – 25 Personen, Dauer 1 / 1,5 h, Kosten 60 € / 80 €
(Preise zzgl. ermäßigten Ausstellungseintritts pro Teilnehmer)
Vorherige Buchung erforderlich unter Tel 0531 – 1215 0

13
Jul
09

Klein Köris – das Germanendorf

(13.07.2008) Am Sonnabend, den 12. Juli war es wieder soweit: der Verein, der das Freilichtmuseum “Germanische Siedlung Köris” trägt, veranstaltete wieder das jährliche Fest mit etwas “Reenactment”, Kulinarischem und viel Informationen rund um die Germanen von Klein Köris. Und es wächst langsam, aber stetig, das Dorf: das Haupthaus des Gehöftes gewinnt weiter an Form, so sind die Wandbretter inzwischen mit einem Gemisch aus Lehm und Stroh winddicht verschmiert, das Dach hat nun genügend Sparren, dass demnächst das schwere Schilfdach auch gehalten wird. Die Schmiede hat nun auch Seitenwände und der Glasofen für die Perlenmacherei steht nun ein paar Meter weiter. Auch die Backöfen haben eine Überdachung bekommen und taten ihren Dienst. Christines Brot war ganz hervorragend, eine rösche Kruste und ein wunderbarer Geschmack, fast eine Lokalreportage des Bäckerhandwerks wert! Probiert habe ich auch den Pudding aus Eichelmus mit Honig, der war sehr schmackhaft-nussig, nicht zu süß. Etwas arg altertümlich war der Dinkelbrei mit Mohnsoße! Die Germanin, die uns probieren ließ, war nicht davon zu überzeugen, dass Mohn leicht geröstet und angequetscht werden muss, damit das mohnige Aroma richtig “rüberkommt”. Mir war ja klar, dass die Germanen keine Mohnmühle haben, aber sowas kann man auch mit einem Mörser erledigen. Ganz schön unbelehrbar, diese Germanen!! Aber schön war’s ja doch wieder! Da freue ich mich doch schon auf’s nächste Jahr… (08.07.2007) Klein Köris ist ein Dorf in den Weiten Brandenburgs, irgendwo südlich von Berlin, am Rande des Naturparks Dahme-Heideseen. Viel ist heute nicht los, aber gestern tat sich einiges am Dorfrand. Auf dem offenen Feuer brodelte der Hirsebrei, später der Eintopf, gewebt wurde, natürlich auch vor sich hingesponnen. Es schien fast, als seien die ehemaligen Bewohner des Dorfes, dessen Reste bis 1971 von Sand überdeckt waren, von einem kurzen Spaziergang außer Sichtweise unserer Augen wieder erschienen. An einem kleinen Ofen saß eine Frau und fertigte Glasperlen, so bunt wie der Regenbogen, der sich am Waldrand nach dem heftigen Schauer in der Sonne zum Trocknen ausbreitete. Ein paar Schritte weiter wurde aus einem Geweih eine Hacke zugearbeitet. Und in dem kleinen dunklen Grubenhaus stand die Weberin am Webstuhl, leise klickten die Gewichte am Ende des Kettfadens aneinander, während sie das Fach wechselte. Außerhalb des Hauses saß der Knochenschnitzer und bearbeitete Knochen und Horn für Nähnadeln, Webbrettchen und Kämme. Mit einem kurzen Blinzeln in die Sonne waren wir wieder im Jahr 2007 angekommen. Es ist “nur” Sommerfest im archäologischen Freilichtmuseum in Klein Köris! Zwischen 1971 und 1995 wurden große Teile des Dorfes ausgegraben, überwiegend von freiwilligen, manchmal sehr jungen Mitgräbern, die hier auch einen Teil ihrer wertvollen Schulferien verbrachten. Der ehemalige Grabungsleiter ist immer noch zu den Festen, aber auch zu Führungen dabei, gestern in germanischer Tracht, wie auch viele weitere Mitglieder des Vereins, der sich ausschließlich über Spenden und freiwillige Mitarbeit trägt. Lagerfeuer gab’s gestern leider nicht mehr, das Holz war zu feucht geworden, der Abend zu feuchtkalt und auch die Germanen von Klein Köris wollten gestern auch irgendwann nach Hause, in Zivil und in Jeans. Aber schön war’s!




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