Posts Tagged ‘gentrifizierung

08
Aug
12

Was übrig vom Hof übrig blieb I

Manchmal denke ich gerne an Orte zurück, an denen ich mich einmal wohl fühlte. Ach, das waren noch Zeiten, als ich über den Hof die Tage zählen konnte, an denen Hemden unverändert an einem offenen Fenster flatterten. Nun wohne ich in einem anderen Bezirk und komme nur noch selten zu „meinem“ alten Haus. Es besteht ja auch kein Grund mehr: meine Nachbarn sind in alle Winde zerstreut, Flieder, Holunder und Heidis Garten sind verschwunden, der Hof ist komplett von Baukran und -material belegt.

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31
Okt
11

Ungemach steht ins Haus 5

Interessanterweise lag in unserem Briefkasten ein Umschlag mit einem Erhebungsbogen des Bezirksamtes Friedrichshain-Kreuzberg. In der Papiersammelbox unterhalb der Briefkästen liegen bestimmt 10 dieser Umschläge, für die die Adressaten offenbar keine Verwendung hatten. Ich nehme unseren mit nach oben.

Im Begleitschreiben teilt uns unser Bürgermeister mit, dass in regelmäßigen Abständen der Milieuschutz um den Boxhagener Platz überprüft werden müsse. Somit bräuchte man eine Datenbasis, um die Voraussetzungen und die Wirkungsweise der Verordnung zu überprüfen. Man habe das Büruo ASUM beauftragt, diese Befragung durchzuführen. Diesem Schreiben liegt ein achtseitiger Fragebogen bei, den man doch bitte ausfüllen und im bezahlten Rückumschlag zurück senden solle.

Brav füllte ich den Bogen aus und steckte ihn in den Umschlag. Dann entdeckte ich, dass auf der Rückseite des Anschreibens des Bürgermeisters noch eines der beauftragten ASUM zu lesen ist, mit Angabe einer Telefonnummer samt Ansprechpartnerin. Ich griff nach dem Telefon und wählte die Nummer. Als ich meine Fragen stellte, wurde ich rasch weiter vermittelt und hatte ein längeres Gespräch mit einer Kollegin, die im Laufe desselben zugeben musste, dass der Milieuschutz ein eher „stumpfes Schwert“ sei und dass man ihn wohl demnächst sowieso aufheben werde, weil man von politischer Seite sowieso keine Handhabe habe und die betroffenen Mieter sich selber mit Hilfe der Gerichte darum kümmern müssten, um erfolgreich zu sein. Immerhin, eine ehrliche Antwort! Ob ich die angebotene Rechtsberatung in Anspruch nehmen wolle? Muss ich mal überlegen, hilfreich erscheint sie mir zum jetzigen Zeitpunkt, wo die Messen offensichtlich gesungen sind, nicht mehr.

27
Okt
11

Ungemach steht ins Haus 4

Lange war es ruhig zu diesem Thema, wir wähnten uns schon etwas in Sicherheit, wir hier im Haus.

Nach einem Gespräch mit der Hausverwaltung und dem Bauleiter Ende August geschah nichts, was wir mitbekommen hätten. Wir wurden informiert, dass statt einer Gasbrennwerttherme die Bauarbeiten doch etwas größer ausfallen würden, denn es soll nun Fernwärme ins Haus. Gas wird es weder für die Wärme noch zum Kochen mehr geben. Tja, unschön! Denn mit dieser veränderten Sachlage würde die Kostenschätzung vorne und hinten nicht mehr hinhauen! Die Bitte nach einer erneuten Übersendung der voraussichtlich auf uns zukommenden Mieterhöhungen dank dieser Arbeiten an unserer Wohnung und am Haus außen wurde nicht erhört, es war still.

Bis jetzt: Gerade am letzten Dienstag stand ich mit meiner Nachbarin draußen auf dem Flur und überlegten, ob sie nun bald anfangen oder nicht. Kaum einen Tag später klingelte mein Mobiltelefon, der Bauleiter war dran. Er wollte mit uns einen Termin vereinbaren, um den Stand der Dinge zu besprechen.

Vor etwa einer Stunde verließ der freundliche Herr dann unsere Wohnung und hinterließ uns leicht verstört. Die geplante Investitionssumme für unsere Wohnung würde mindestens 30.000 € umfassen, die Wohnung etwa 280 € mehr als jetzt im Monat kosten. Der Milieuschutz habe allem zugestimmt (Frage an mich selbst: wozu gibt’s die denn dann überhaupt??). Außerdem haben laut seiner Aussage fast alle Hausbewohner zugestimmt auszuziehen und werden dafür mit einer Umzugsbeihilfe und einer wirklich kleinen Abstandszahlung schnell aus dem Haus gekehrt. Ich habe recht deutlich gesagt, dass ich derzeit aus beruflicher Belastung überhaupt nicht daran denken kann, auf die Schnelle einen Umzug zu stemmen, zumal von einer anderen Wohnung weit und breit kein Fitzelchen zu erahnen ist!

Nun möchte man zu einer Vereinbarung mit uns kommen, dass wir bis Ende Februar ausgezogen sind. Uff!

Darüber muss ich erstmal schlafen, nein, erstmal nach einem seelenwärmenden Tropfen Rotwein schauen. Der Simon-Dach-Kiez geht mir zwar oft ordentlich auf die Nerven, meine Wohnung mag ich aber sehr und möchte gar nicht ausziehen. Wenn  sie hier aber im ganzen Haus das Unterste zuoberst kehren, Leitungen in den Wohnungen verlegen, in der Heizperiode die Gasleitung lahmlegen… ich fühle mich gerade etwas verzagt…

07
Aug
11

Ungemach steht ins Haus 3

Das Ungemach steht immer noch ins Haus, nun mit veränderten Details: Letzte Woche bekamen wir einen Brief, der mitnichten unsere erste Antwort beachtete, in dem man uns mitteilte, man habe vor ein paar Tagen von V###enfall ein Angebot erhalten („was man nicht ablehnen kann“??), das Haus mit Fernwärme zu versorgen. Bislang war vom Austausch der bestehenden Heizungsanlagen, in meinem Fall eine ca. 10 Jahre alte Gastherme als Etagenheizung, die Rede. Nun soll es eine Zentralheizung geben! Genaueres verhieß der Brief nicht, ich wurde nicht über Umfang der Arbeiten, Umfang der finanziellen Belastung, die nachher als Modernisierungsumlage auf meine Miete draufgelegt wird, informiert. Dafür bot man mir ein persönliches Gespräch mit dem Bauleiter an.

Tja, es ist offensichtlich derselbe Herr gemeint, der schon einmal hier war, sich Details zu Fenstern, Böden, Heizung aufgeschrieben hat und dieses offensichtlich gleich wieder weggeschmissen hat, denn in der ersten Modernisierungsankündigung liest sich das, als ob meine Wohnung auf einem Ausbaustand von ca. 1921 sei!

Bevor ich auf diesen Brief reagieren konnte, lag ein zweiter im Briefkasten. Nun die Antwort auf meine erste Erwiederung: Natüürlich würde man nur das austauschen, was wirklich an Alt-Fenster-Bestand nicht die Doppelfensternormen erfüllen würde und natüüürlich würde auch nur das in Rechnung gestellt. Und eine 10-Jahre alte Gastherme würde nicht mehr moderne Anforderungen erfüllen und somit würden wir nun eine Gas-Wärme-Kopplungsgestützter Heizung bekommen. Kein Wort von den Kosten, kein Wort zum Zeitplan.

Nun gut, dann wird die nächste Antwort fällig, im Tonfall ein kleines bisschen schärfer formuliert. Unsere Nachbarin hat einem Gesprächstermin eingewilligt, ich werde dabei sein und wahrscheinlich noch ein paar Nachbarn mehr, denn wir sind ja hier nicht alleine….

03
Jul
11

Ungemach steht ins Haus 2

Bereits vor einiger Zeit deutete sich das Ungemach an, nun wird es doch konkreter: das Bauprojekt rund um unser Haus, im Haus, in der Wohnung und oben drüber!

Unser Hausbesitzer lässt ankündigen, dass man vorhabe, einerseits das anno 1944/45 zerbombte Hinterhaus wieder aufzubauen, den fehlenden Teil des Seitenflügel dito und dann auch alles mit einem ausgebauten Dachgeschoss zu versehen, welches natürlich auch im Vorderhausbereich aufgestockt wird. Zudem plant man folgende „Modernisierungen“, die eine Mieterhöhung zur Folge haben werden: alle Fenster sollen in den Wohnungen ausgetauscht werden, die Gastherme durch eine Brennwerttherme ersetzt werden. Zudem wird die Außenfassade gedämmt, dann sollen die Fußböden in den Wohnungen instand gesetzt werden. In dem achtseitigen Brief werden fein säuberlich die Arbeiten aufgeführt, die eine Mieterhöhung zur Folge haben werden und die, die sie nicht auf die Miete umlegen können. Aber 11% der Modernisierungskosten sind pro Jahr umlagefähig und das für immer und ewig, auch wenn die Modernisierungsmaßnahmen auch längst dadurch abgezahlt sind.

Die Rechnung in Form einer Kostenschätzung wird uns gleich mitpräsentiert: 4000 Euro für die Fenster, Installation der Heizanlage 4000 Euro, „zusammenhängende Renovierungsarbeiten“ 3813,60 €, dazu kommt die Dämmung der Hausfassaden 4037,65 €, Baunebenkosten 2796,71 €. Fast geschenkt: nur 20.000 Euro! Würde rechnerisch etwa 180 € Mieterhöhung pro Monat ausmachen! Damit läge der Mietzins etwa 2€/qm über der ortsüblichen Vergleichsmiete für vergleichbar ausgestattete Wohnungen, nur so am Rande…

Der Baubeginn wurde für Anfang September angezeigt, Dauer schlappe 18 Monate! Und zudem würde das Nachbarhaus wohl im selben Zeitraum ebenfalls modernisiert, dafür könne man aber nichts…

Da musste ich erstmal tief durchatmen!

Inzwischen haben wir uns mit unseren Nachbarn ausgetauscht, jeder hat im Rahmen seiner Möglichkeiten nach ebensolchen gesucht, um sich gegen das zukünftige Ungemach, vor allem natürlich gegen die Mieterhöhung zu wehren.

Wir haben dann eine Liste erarbeitet, die jeder von uns je nach Ausstattungszustand der Wohnung angepasst hat und in einen freundlichen Brief an den Hausbesitzer resp. Hausverwaltung zurück geschrieben.

Also: erstmal sind bei uns die Fenster bis auf zwei vor etwa 8 Jahren durch Doppelglasfenster ersetzt worden, die den Standarts soweit genügen, dass ein Austausch nicht als Modernisierung durchgeht, bei den restlichen Holzfenstern von ca. 1905 ist der Hausbesitzer seiner Pflicht zur Instandhaltung nicht nachgekommen. Somit müsse er bei einem Austausch der Fenster die Instandhaltungskosten als nicht umlagefähíg abziehen.

Der Austausch der Therme könne nicht als Modernisierung durchgehen, da es sich zwar um eine energiesparenderes Modell handele, die Ersparnis aber erst (sagt unser Heizungswarter) nach ca. 3 Jahren überhaupt spürbar sei. Somit sollten sie uns aufzeigen, wo der Modernisierungseffekt liege.

Zudem haben wir sehr wohl etwas dagegen, die Holzböden während wir in der Wohnung wohnen zu bearbeiten, denn dafür müsste im Prinzip die ganze Wohnung ausgeräumt werden, was nicht realisierbar sei.

Außerdem möchten wir genauer wissen, was sich hinter den Kosten für „zusammengehörige Arbeiten“ und „Baunebenkosten“ verbirgt, damit man nachhalten könne, ob diese überhaupt umlagefähig seien. Somit gibt’s erstmal keine Zustimmung zu den Arbeiten.

Außerdem sind im Prinzip drei verschiedene Baumaßnahmen angekündigt, auch da möchte ich wissen, wann genau die Arbeiten in der Wohnung denn bitte beginnen sollen. Außerdem haben wir im Haus inzwischen erfahren, dass noch kein Bauantrag für die Maßnahmen beim Bezirk eingereicht worden ist.

So geht das ja nicht, lieber Hausbesitzer! Jetzt bin ich auf die Antwort gespannt!

12
Mai
11

Ungemach steht ins Haus

Mein Gefühl des Tages: Es steht Ungemach in Haus!

Letzte Woche lag ein Brief des Vermieters im Briefkasten. Normalerweise liegt zu dieser Jahreszeit die Nebenkostenabrechnung darin, auch nicht unbedingt ein Quell ewiger Freuden, dieses Mal aber wird es unangenehmer: Er schickt jemanden vorbei, der sich den Bauzustand 15 Wohnungen in Vorderhaus und Restseitenflügel anschauen will. Warum, das stand natürlich nicht im Brief. Aber da funktioniert doch das gute alte Buschtelefon hier im Haus, so dass ich von einer Nachbarin, die den Hausmeister getroffen hatte, gleich Gewissheit bekam: wir kriegen was auf’s Dach! Nein, keine Solaranlage oder Satellitenschüssel, es darf schon ein bisschen mehr sein. Unser Dachgeschoss wird ausgebaut und nicht nur das! Das seit dem 2. Weltkrieg fehlende Hinterhaus und der Rest vom Restseitenflügel werden wieder hochgezogen, kaum 66 Jahre nachdem der Schutt abtransportiert wurde.

So stand dann heute der zukünftige Bauleiter bei uns in der Wohnung, und erzählte uns nun aus erster Hand von den Plänen unseres Vermieters, der natürlich nicht nur unser Haus sein eigen nennt. Zum Jahresende müssen ja in Berlin die Dachböden gedämmt werden und nun wolle man die Chance nutzen, Kredite seien auch noch günstig und überhaup sei Berlin ja auch für Anleger interessant… MOMENT! Halt! Nun mal Butter bei die Fische! Es wird nicht nur ein Jahr lang hier rumgebaut, unser grüner Hinterhof, der eine Oase der Ruhe im quirlig-touristen Friedrichshain ist, wird zugunsten der Baustelleneinrichtung und dann eines Minirasens verschwinden und nun noch was? Ja, unser Haus wird in einzelne Einheiten aufgeteilt, die getrennt vermarktet werden können, schließlich sei ja Berlin die billigste Hauptstadt Europas. Zunächst wollte ich mit einem „preisgünstig“ verbessern, überlegte es mir anders, denn er hat irgendwie recht.

Das Viertel, der Simon-Dach-Kiez verändert sich rasend schnell. Im Moment scheint hier auch der Trend der Prenzlauer-Bergisierung hier einzusetzen. Noch ziehen die betrunkenen Jung-Touristen aus GB, Italien, Spanien und vermehrt auch Frankreich und Skandinavien durch die Kneipen, aber schon hört man von Investoren aus denselben Ländern, die hier Wohnungen für die eigenen Wochenendtrips nach Börlin kaufen. Rumors? No. Nun denn, jetzt trifft’s eben auch mich.

Der Bauleiter sagt, dass der Vermieter (zukünftig: der Verkäufer) zunächst natürlich die Wohnungen den jetztigen Mietern zum Kauf anbieten wolle, aber natürlich sei das Interesse daran, besonders an den Wohnungen hier in der oberen Haushälfte groß bei Investoren aus dem ganzen Bundesgebiet. Man könne ja mal im Internet schauen, für etwa 1900 € pro Quadratmeter sei das der ortsübliche Preis. Natürlich… schon klar… wie sind nun die Perspektiven? Ein Jahr Baulärm und -dreck? Der Einbau einer Zentralheizung, die ich nicht will, wo ich gerade meinen Gasanbieter gewechselt habe? Einen Aufzug vor dem Treppenhaus, so von draußen, dass der Garten noch kleiner wird? Achso, wir haben dann ja keinen mehr, aber wo wollen die denn den Aufzug hinbauen, wenn das Treppenhaus doch genau über dem Zugang zu Hinterhaus u Restgarten ist? Fragen über Fragen, allesamt von dräuendem Ungemach!

Jetzt gehe ich erstmal ans Plattenregal und suche die „Rebelsongs“-CD von Chumbawamba!

Ach, übrigens soll das Nachbarhaus auch einer tiefgreifenden Modernisierung ausgesetzt werden, das wo die Hemden im Fenstern hingen.




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