Posts Tagged ‘Fluss

20
Sep
16

Stadt – Land – Fluss

Der geneigte Leser hat sicher schon mitbekommen, dass wir hier Ferien auf dem Land machen. Forcalquier ist zwar ein kleines Städtchen mit etwa 5000 Einwohnern, aber eben auch Land. Unsere Unterkunft liegt außerhalb der Stadt und ist als „Gîte rural“, als „ländliche Unterkuft“ bezeichnet. Das trifft es ziemlich genau, denn wenn man hier abends vor dem Häuschen sitzt, welches zu einem um einen Hof gruppierten kleinen ehemaligen Bauernhof gehört, dann ist es ziemlich still. Nicht ganz, denn man hört manchmal die Nachbarin plaudern oder die Bienen summen, die Spatzen in Banden um die Bäume flitzen oder den stolzen Rotschwanz oben auf dem Schornstein vom Nachbarhaus singen. Manchmal meckert auch die Katze rum und – fast vergessen – habe ich am Samstag nachmittag den anderen Nachbarn kreissägen gehört, ach, und manchmal hört man auch die Esel auf der Weide ihr freudiges I-Ah (provenzalisch natürlich, sie mögen kein Hochsprachliches Eselisch). Morgens schaut man dem Sonnenaufgang zu und abends die Lichtspiele vom Sonnenuntergang, den man hier nicht sieht, denn der kommt von hinter dem Hügel wech.

Kurz vor dem Sonnenaufgang

Kurz vor dem Sonnenaufgang


So sitzen wir hier abends, trinken unseren Pastis vor dem Essen, das zumeist aus schmackhaftesten, da reifen Tomaten aller Farben und Formen mit ein wenig Salz und Pfeffer und lokalem Olivenöl besteht, mit ein wenig Brot vom Bäcker und hinterher oder dazu mit Ziegen- und Schafskäsen, Entschleunigung pur.
Aber heute waren wir spontan in der Stadt, der Provinzhauptstadt sozusagen, in Aix-en-Provence oder Aix, wie man hier sagt, weil man ja weiß, dass man in der Provence ist.
Verkehr, Kreisel und die Suche nach einem Parkplatz, enges Parkhaus, so fing der Stadtrundgang an. Inzwischen ist es unser 4. Besuch in Aix, dieses Mal waren wir das erste Mal alleine da. 2008 mit Anke, 2012 und 2014 haben wir meinen „kleinen Bruder“ aus Schüleraustauschzeiten getroffen, der hier einige Jahre verbracht hat und inzwischen als waschechter Nordfranzose froh ist, wieder in der Nähe von Lille zu wohnen („Bienvenue chez les Schties“ verkehrt herum). Und heute alleine! Wir sind durch die Straßen geschlendert und haben geschaut. Wer in der Innenstadt zu tun hat, ist entweder irgendwie mit der Universität verbandelt (Student, Prof oder Verwaltungsangestellte/r) oder hat eine gut gehende Kanzlei/Praxis. Der Rest der Flaneuere sind Touristen oder Leute, die an einem Dienstagnachmittag sonst nichts vorhaben, aber genügend Geld, um in den zahlreichen hochpreisigen Boutiquen einzukaufen.
In den Stadtpaläste der Renaissance-, Barockzeit und des 18. Jahrhunderts spiegeln die Hoch-Zeit von Aix wieder, als zwar die Provence nicht mehr eigenständig, aber mit Sitz des Bistums und des (abhängigen) Regionalparlamentes bis zur Französischen Revolution bedeutender als Marseille war. Die Universität ist eine der ältesten Frankreichs (gegründet 1409), wichtige Institute befinden sich bis heute in der Innenstadt.
Am Place de la Mairie ließen wir uns in einem Café nieder und tranken einen mittelmäßigen petit café und ließen die Blicke wieder schweifen. Nach kurzer Zeit setzte sich ein Mitglied der „jeunesse dorée“ aka Kind reicher Eltern mit seinem Beagle (Vorsicht: das wird der neue Modehund!) an den Tisch neben uns und verursachte bei uns Heiterkeitsausbrüche mit seiner so offensichtlich plakativen Lektüre eines antiquarischen Exemplars von Nabokovs „Lolita“, immer wieder durch intensiven Wischtelefongebrauch unterbrochen.

Bald hatten wir genug von der Stadt und reisten entlang der Durance (Fluss) zurück in die Ruhe auf dem Bauernhof.

Nun fragen wir uns nur noch, ob Frösche/Kröten auf Bäume klettern, denn das Gequake eben kam eindeutig von oben.
Nachtrag: Sie können, besonders, wenn sie Laubfrösche sind!
(Fotos im nächsten Exklusivbeitrag!)

21
Sep
14

Ausflug an die Ardèche

Der Fluss Ardèche ist vor allem durch seine spektakuläre Schlucht, die Gorge de l’Ardèche bekannt, die man von oben, so wie wir oder von unten, wie die vielen Kanufahrer auf dem Fluss, bewundert werden kann. Wir hatten uns für den Ausflug den Sonntag ausgesucht, nachdem wir uns auf dem Markt in Laudun mit Proviant versorgt hatten. Von Pont-Saint-Esprit aus schoben wir uns in das Tal, zunächst um einen weiteren Sonntagsmarkt in Saint-Martin-d’Ardèche herum über die schmale Hängebrücke über den Fluss, um dem hochgelobten Aiguèze einen Besuch abzustatten. Das Örtchen trägt den Titel „Un des plus beaux villages de France“, an diesem Sonntag mittag war es beschaulich ruhig, wir fanden einen Platz im Café am Dorfplatz am plätschernden Brunnen zu einer Menthe à l’eau. Unten am Fluss sammelten sich die Badewilligen, richtig voll war es aber nicht mehr.

Wir brachen auf zu unserer Tour über die Corniche, die Straße am oberen Rand der Schlucht. Sie ist inzwischen gut ausgebaut für die Schaulustigen, es gibt auf den 29 km insgesamt 11 feste Anhalte- und Aussichtspunkte mit guten Ausblicken herunter auf Fluss und in die Schlucht.

Ich gestehe, dass wir nicht bei allen Punkten angehalten haben, weil es an jenem Sonntag auf der Straße und an den Aussichten sehr voll war. Die Tropfsteinhöhle „Grotte Madeleine“ und der Nachbau der Grotte Chauvet haben wir ausgelassen, da wir hofften doch noch an’s Wasser unten im Tal zu kommen. Das war uns dieses Mal nicht vergönnt, denn alle Parkmöglichkeiten in Laufentfernung waren, trotz Parkeinweisern restlos voll und einfach so am Straßenrand zu parken, ist auch nicht mehr möglich, denn hier haben die Straßenbauer fies-hohe Bordsteine oder fies-dicke Felsbrocken oder fies-scharfen Kies ausgelegt. Ein paar wenige Möglichkeiten gäbe es, aber dafür muss man bergtaugliches Schuhwerk an Bord haben, um die mehr als hundert Höhenmeter auf Trampelpfaden bewältigen zu können. Hatten wir nicht. Dennoch ein schöner Tag mit tollen Ausblicken!

02
Sep
14

L’isle-sur-la-Sorgue

Die Sorgue plätschert also munter von der Quelle bei Fontaine-de-Vaucluse weiter, immer noch glasklar kommt sie mit Schwung in dem hübschen Landstädtchen L’isle-sur-la-Sorgue an, die „Insel an der Sorgue“. Das Örtchen ist von mehreren Flussarmen durchzogen und umflossen, so dass man allenthalben auf ein Gerinne trifft. Überall entlang der Gewässer drehten sich einst die Mühlräder für Getreide-, Öl- und Papiermühlen, die heute allerdings bis auf ein paar bemooste Ausnahmen am Rand des öffentlichen Parks verschwunden sind. Verschwunden sind auch die Krebse, die neben der Fischerei eine weitere einträgliche Geldquelle für die Bewohner bildeten, denn gegen Ende des 19. Jahrhunderts dezimierte eine Krebsepidemie die schmackhaften Krabbeltiere.
Heute lebt die Stadt vor allem vom Tourismus, viele Chi-Chi- und Antiquitätenläden für den betuchten Besucher, meist englischer Herkunft warten auf Kundschaft, die sich offensichtlich reichlich findet.


Nach einem gemächlichen Wandelgang durch die Gassen und über die unvermutet auftauchenden Plätze landeten wir mit einem leichten Hüngerchen in einem der zahlreichen Restaurants, die sich am Ufer der Sorgue-Arme entlang ziehen. Das Mittagsmenü im La Balade des Saveurs war für 18 € genau das richtige Gegenmittel: mit einer Ziegenkäsemousse mit Salätchen ging es los, danach gab es für mich eine Sorgue-Forelle auf Risotto mit Wurzelgemüsen, für die Begleitung ein Gericht mit gehacktem Lammfleisch auf Linsenbett mit Bohnen und anderem grünen Gemüse und zum Nachtisch gegrillte Feigen mit einem Klecks Mascarpone und Ile flottant, in Milch gegarten Eiweißnocken auf einer Vanillecreme. Nach einem köstlichen kleinen Kaffee zogen wir weiter in den Nachmittag.

11
Jan
12

Weser bei Höxter

Meine Tante misst die aktuellen Wasserstände an ihrer kleinen Wetterstation im Garten. Und da sie als ehemalige Mathematik- und Physiklehrerin auch einen Hang zur Statistik hat, trägt sie die täglichen Regenmengen in ihren Kalender ein, direkt neben die Menge Wasser, die ihr Dackel jeden Tag trinkt.

Als ich sie am letzten Wochenende besuchte, konnte ich also mit den aktuellen Daten zur Regenmenge um das Gartenhaus „upgedatet“ werden: seit Neujahr hat es immerhin etwa 83 l auf den Quadratmeter geregnet, so dass der Garten, dank des lehmigen Untergrundes, eigentlich nur mit Gummistiefeln und Schwimmflügeln zu betreten ist.

Der eingeborene Höxteraner hat zudem immer ein Auge auf die Wasserstände, seien es die im Garten, die der umgebenden Fließgewässer, von Schelpe, Grube oder Weser. Gerne stellt er sich auf die Weserbrücke, stützt sich bedeutungsschwer auf das Geländer und starrt auf den Fluss. Im Kopf hat der Höxteraner, je nach Alter seinen persönlichen Weser-Soundtrack. Da das Weserlied mit dem großen Bogen gleichzeitig das Fankurvenlied von Werder Bremen, habe ich auf die Einbindung eines passenden Videos verzichtet und nehme die, mit persönlich näher stehende Variante aus dem 19. Jahrhundert:

Mein Hang zum Blick auf die Weser muss im zarten Alter von 2 Jahren einen ersten Höhepunkt erlebt haben, als meine Eltern beim Sonntagsspaziergang mit mir auf der Weserbrücke von Bekannten in ein Gespräch verwickelt waren und mir, langweilig-langweilig-laaaaangeweilig, nicht Besseres einfiel, als den Kopf zwischen zwei Streben durchzustecken. So konnte ich wohl besser den Fluß im Auge behalten. Nur als meine Eltern mit mir weiterflanieren wollten, ging der Rückzug nicht so einfach. Ich steckte fest, ich schrie. Meinen Eltern war es ziemlich peinlich, aber auch mit vereintem Zureden und Ohrenanlegen ging es irgendwie nicht mehr zurück. Ich schrie weiter. Kurz und gut, ich wurde eine Weile später von der Feuerwehr freigeschweißt. Erst als vor einigen Jahren das Geländer erneuert wurde, verschwand die Schweißnaht und somit die Stelle meiner jugendlichen Schmach.
Zurück in die Gegenwart: Die Weser ist einmal wieder über die Ufer getreten, was aber das mittelalterliche Rathaus mit seinen Renaissanceumbauten wenig kümmert, es steht gute 6,5 m über dem Pegel auf einem soliden Schwemmkegel aus eiszeitlichen Schottern. So richtig schlimm ist es auch noch nicht, erst wenn die Brücken bei Lüchtringen und Höxter gesperrt werden und auf fast 30 Flusskilometern nur noch zwei Brücken passierbar sind, ergeht sich der Höxteraner in freudigem Katastrophenschauer.

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28
Mai
09

Oder oder nicht?

Brandenburg ist ja nicht dafür bekannt, dass es wenige Gewässer hat, allerdings so richtige, echte Flüsse sind doch eher selten. Die (Eis-)Zeiten mit ihren gewaltigen Wasser- und Schuttmassen, die in Urstromtälern vor den mächtigen Eisrandlagen entlangflossen, haben die Landschaft geformt, Weiterlesen ‚Oder oder nicht?‘




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