Posts Tagged ‘Cairn de Barnenez

24
Nov
10

Galette surprise

Ich liebe Frankreich! Und im Frühjahr 2005 konnte ich meine frankophile Ader auch etwas in der Bretagne ausleben, wobei mir klar ist, dass jeder echte, eingeborene Bretone mich teeren und federn würde, falls ich die Bretagne nach Frankreich verorten würde. Nein, nein, die Bretagne hat natürlich den Vorteil, dass ich dort Französisch sprechen kann und dennoch verstanden werde, weil aufgrund der historischen Entwicklung die französische Zentralregierung gegen Ende des 19. Jahrhunderts die französische Sprache als alleinige Amts- und Schulsprache regelrecht durchgedrückt hat. Spätestens als die Bretonen als „Kanonenfutter“ im ersten Weltkrieg in vorderster Front ohne Zahl im Sperrfeuer des deutschen Angriffs ums Leben kamen, weil sie die gebrüllten Befehle ihrer französischen Offiziere nur unzureichend verstanden, zog sich die bretonische Sprache mehr und mehr zurück. Aber dort in der „Schämdich-Ecke“ der kleineren Sprachen war sie ja in guter Gesellschaft: die irische, die walisische, die plattdeutsche und viele andere Regionalsprachen mehr standen dort schon herum, unschlüssig, ob sie nun sofort aussterben sollten oder doch lieber auf Raten, das Problem quasi aussitzend.

Nachdem die Bretagne seit den späten 1960er Jahren von Pariser Aussteigern und deutschen Französischlehrern als Ziel pseudokeltischer Sehnsüchte entdeckt wurde, bildete sich in der ursprünglich eher ärmlichen und so vermeintlich urwüchsigen Region eine gut ausgebaute Infrastruktur für Urlauber aller Art, auch für Esotheriker und Archäologiebegeisterte, die sich an jungsteinzeitlichen Steinmonumenten stunden- achwas, wochenlang delektieren können.

Wie dem auch sei, mir hat’s dort gut gefallen, obwohl ich weder Französischlehrerin, noch Aussteigerin und auch keine Esotherikerin bin. Und ich gestehe, dass ich viele dieser Steinmonumente besucht habe. Ein wunderbares, da auch gewaltig groß, ist die neolithische Megalithanlage von Barnenez im Nord-Finistère bei Morlaix. Etwa 80 m lang, bis zu 8 m hoch und mehr als 20 m breit liegt dieser gewaltige Steinhaufen, der elf Grabkammern beinhaltet, die über Gänge durch das künstliche Steingebirge zu erreichen sind. Diese Kammern wurden aus großen Steinplatten gesetzt, die zum Teil mit symbolhaften Gravierungen versehen sind. Darüber wurden dann mit abertausenden, vielleicht sogar Millionen von Granit- und Schieferplatten der Hügel aufgebaut. Nachdem dieses einzigartige Monument in den 1950er Jahren beinahe als Steinbruch geendet wäre, was man ihm auf der Nordseite auch ansieht, wurde er als „Monument classé“ eingetragen und hat in den 1990er Jahren eine Art Besucherzentrum mit kleinem, aber feinem Museum bekommen. Der Eintritt war mit 5 € nicht ganz preiswert, aber das Gelände will ja auch unterhalten werden, das Unkraut vom Cairn, wie das riesige jungsteinzeitliche Grabmal auf französisch heisst, gejätet werden.

Cairn de Barnenez

Holländisches Pärchen versucht, das Monument mit einem mitgebrachten Zollstock zu vermessen

Aber bevor wir uns den Cairn de Barnenez anschauen konnten, mussten wir leider die Mittagspause des Museumspersonals aussitzen, so dass wir im nächsten Örtchen in einer kleinen Gastwirtschaft zu Crêpes und Galettes einkehrten. Ich entschied mit in einem Anfall Urlaubsübermut für die Galette surprise, einen Buchweizenpfannkuchen mit Überraschung.

 

Galette surprise, im Hintergund Breizh Cola

Tja, und so setzte sich die Überraschung zusammen: dünner Pfannkuchen, doppelt gelegt mit gedünstete Apfelstücken gefüllt, oben ebenfalls mit Apfelstücken belegt, in der Mitte eine Scheibe Blutwurst drapiert, darauf, und das war die zweitgrößte Überraschung, eine Kugel Vanilleeis. Die größte Überraschung war aber, dass es ungewöhnlich, aber überaus lecker geschmeckt hat.




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