Posts Tagged ‘Blumen

11
Feb
16

Des Friedhofsgärtners Zitronen

In der Regel geht man nur zum Friedhofsgärtner, wenn es um den Friedhof geht. Oder wenn man keine eigene Orangerie hat. In Höxter kann man seine Orangerie vom Balkon oder aus dem Garten bei der örtlichen Friedhofsgärtnerei und Kranzbinderei überwintern lassen. Eine win-win-Situation, denn im Winter braucht der Gärtner weniger Platz in seinen Gewächshäusern für die Anzucht von Stiefmütterchen und Primeln, die Zitruspflanzen sind dort zur Zwischenmiete.

Nun waren meine Schwester und ich nicht deswegen dort, sondern um die Gebinde für die Beerdigung unseres Vaters zu bestellen. Nur eine Station in jenen Tagen, unsere Liste der zu erledigenden Dinge war sehr lang. Sarggebinde, Handstrauß für uns für die Beerdigung, zwei Kränze (Tante und wir) und ein Herz aus roten Rosen (LAG), nur nichts vergessen, damit die LAG nicht wieder rumschrie.

Die Zitronen lagen dekorativ auf dem Tisch, an dem wir mit Herrn Fahle saßen, um die Einzelheiten zu besprechen. Die Wahl von Blumensorte und Farbe war schnell erledigt, nun stand noch der Spruch für die Kranzschleife zur Wahl. Die Tante und die LAG hatten sich für Kombinationen mit „stillem Gruß“ und „stillem Gedenken“ vorher entschieden, meine Schwester und ich brauchten noch Hilfe, denn „still“ wollten wir nicht. Aber auch da war Herr Fahle gut vorbereitet und reichte uns zwei Seiten mit möglichen Kranztexten. Von „Adieu“ bis „Ruhe sanft“ war eine breite Palette im Angebot. Echte Heiterkeit erregte der Vorschlag „Endlich Ruhe“! Wir entschieden uns schlussendlich für „Dona nobis pacem“ (Gib uns Frieden), denn wir hatten ja in den letzten anderthalb Jahren bereits einen Vorgeschmack auf den mutmaßlichen Ablauf dessen, was nach dem Tod unseres Vaters auf uns zu kommen würde, erlebt.

Als wir nun mit unserem Anliegen soweit fertig waren, fragten wir Herrn Fahle, was er denn mit den vielen Zitronen machen würde. Och, sagte er, er gar nichts, die liegen da zum Mitnehmen. Manche seiner Kunden würden extra vorbei schauen und sich welche holen und daraus Marmelade, Kuchen und so weiter machen. Die wären ja echtes Bio, ungespritzt. Och, sagte ich darauf, dann würde ich gerne ein paar mitnehmen.

Er packte uns dann die Tagesausbeute in eine Tüte und meine Schwester und ich entschieden schon auf dem Parkplatz, dass die bestimmt gut im Gin Tonic schmecken würden.

Taten sie auch!

In den mitunter absurden Tagen bis zur Beerdigung und danach, solange wir zu diesem Anlass noch in Höxter waren, haben wir die Zitronen aufgebraucht.
Zu rein therapeutischen Zwecken, ehrlich!
Gin Tonic 03

27
Jun
12

Prinzessinnengarten

Am Moritzplatz braust der Verkehr, von der Prinzen- in die Oranienstraße und in die anderen. An einer Ecke lag seit Jahrzehnten die Wertheimfläche brach, bis sich 2009 eine Initiative fand, Müll wegzubringen und Pflanzerde und -gut zu besorgen. Allmählich wurden mobile Beete und Pflanzkörbe aufgestellt und bepflanzt, der Nutzgarten entstand in emsiger Arbeit von Interessierten und Anwohnern. So entstanden die „Prinzessinnengärten„.

Die „Nomadisch Grün“ Initiative mietet das Gartenland für jeweils ein Jahr von der Stadt Berlin, daher hat man auch das Prinzip des mobilen Gartens entwickelt, um die Gärten im Falle einer Nichtverlängerung der Nutzung alles „einpacken und umsiedeln“ zu können. Ein interessanter Ansatz…

Es wird nach biologischen Gesichtspunkten gearbeitet und es sollen eine möglichst große Pflanzenvielfalt angebaut werden, wobei auf alte Sorten besonderer Wert gelegt wird. Inzwischen sind auch mehrere Bienenvölker Bewohner des Prinzessinnengartens.

Die Ernte wird im Gartencafé und im Restaurant im Garten verarbeitet, auch die Besucher dürfen ernten. Der Erlös kommt wieder dem Garten zugute. Über die vielfältigen Aktionen in und rund um die Gärten berichtet das Blog der Prinzessinnengärten.

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12
Nov
08

Wien, mein Naschmarkt

Das erste Mal war ich vor etwa fünf Jahren hier, damals mit meiner Freundin Gabi, die mich hierhin geführt hat. Sie kennt mich ja und wusste, dass ich von dem Marktgeschehen begeistert sein würde. Auch damals war es schon November und mitten in der Woche relativ leer. Relativ! Mein nächster Besuch war im Frühsommer 2005, an einem Samstag. Himmelpotzblitz! Da war es nun relativ voll. Zwischen Menschentrauben wurden wir durch die Gänge geschoben, dennoch konnte ich kaum genug bekommen von den Gerüchen, den Anblicken von Erdbeeren und Spargel, frischen Kräutern und getrockneten Gewürzen. Am Ende der Marktgassen mit den festen Marktbuden gab es noch den Bauernmarkt und dann noch einen Flohmarkt.
Virtueller Overkill!
Der optische Speicher in meinen Gehirn lief über!

Anfang November 2007 hatte ich dann meinen dritten Besuch auf dem Naschmarkt, wieder mit Gabi, dieses Mal mit einer weiteren Freundin, die den Markt noch nicht kannte.
Wieder war es relativ leer.
Gabi erzählte uns, dass der Name des Marktes weniger mit den Naschereien, den feilgebotenen Köstlichkeiten zu tun hat, sondern mit den hölzernen Behältnissen (“Asch” – Esche) für die Milch, die einstmals hier verkauft wurde. Das N vor Asch wanderte offensichtlich erst später ein. “Naschmarkt” heisst es aber schon seit dem 19. Jahrhundert.
Und was gibt es hier für Naschereien! Die Augen wissen gar nicht, wo sie zuerst schauen sollen, die Nase kommt kaum hinterher, die Zunge benetzt sich deutlich mit Spucke, will kosten, probieren, schnabulieren.
Verkäufer bieten getrocknetes Obst zum Verkosten an, kleine Knabbereien verführen auch uns zum Kauf. Schlendern und Schauen!
Dann kam aber wirklich großes Theater: Die Wettergötter meinten es nicht gut an jenem Donnerstag vor zwei Wochen! Sie schickten Sturmwind und Starkregen, die Gesellen, die uns drei durch die Gänge scheuchten, und uns an Schweinsköpfen, Schwarzrettich und Kürbissen vorbei schoben. Flatternde Markisen lärmten Beifall dazu, als wir uns Richtung U-Bahn mit verbogenen Taschenregenschirmen ins Trockene flüchteten.
Keine Bange, Naschmarkt, ich komm wieder, ich soll ja noch das Mangalitzer Wollschwein finden!

Und wieder war ich da, letzten Donnerstag, wieder November, nur ein Jahr später, 2008. Was für ein Kontrast zum letzten Jahr!
Es war sonnig, warm, so gar nicht novembrig. Leider habe ich auch dieses Mal kein Wollschwein gefunden, dem war es bestimmt auch zu warm dort. Wir saßen zu dritt zu einem Kaffee in einer der Kaffeebars und genossen die Wärme. Genuss pur!

Adresse: Wienzeile, 1040 Wien
Öffnungszeiten: Mo-Fr 8.oo – 18.oo h, Sa 8.oo – 17.oo h




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