Posts Tagged ‘Bibliothek

25
Mai
13

Praxistest StaBi „Unter den Linden“

Gestern gemahnte mich Frau Vau an unseren gemeinsamen Besuch im vor nicht allzulanger Zeit wieder eröffneten und aufgehübschten Lesesaal der Staatsbiblothek zu Berlin, den ich damals versprach zu verbloggen. Dieses will ich nun nachholen.
Also, seit Ende März ist der erste Bauabschnitt der StaBi Ost aka Haus Unter den Linden abgeschlossen, der Lesesaal ist wieder zugänglich. Montags bis Freitags von 9 – 21 Uhr, Samstags ein Stündchen später und zwei Stunden kürzer von 10 – 19 Uhr. Hinein darf jeder, der einen Benutzerausweis hat, den es als Jahresabo für 25 € oder auch als Tageskarte gibt. Ich bin seit Jahren Jahresabonnent, obwohl nicht seit langem nicht mehr Studentin, aber auch sonst braucht frau ja frisches Wissen.
Nun, Frau Vau und ich hatten uns verabredet, um uns gemeinsam das neue Domizil der etwa 130.000 Bände anzuschauen. Derzeit ist der Zugang von der Dorotheenstraße eingerichtet, der von Unter den Linden wird erst nach Abschluss der gesamten Bauarbeiten wieder eingerichtet. Nun wandelt man, nachdem man sich natürlich die Schuhe gründlich abgeputzt hat, durch einen langen Gang, der hinsichtlich farblicher Gestaltung und Beleuchtung doch sehr an ein Krankenhaus erinnert, zur Eingangshalle, wo man überflüssigen Ballast an der Garderobe abgibt oder in den Schränken einschließt. Benutzerausweis und Bleistift, gerne auch Notizbuch oder Notebook dürfen mit in die Heiligen Hallen. Die mit rotem Teppich belegte Treppe schreitet der Bildungshungrige nun in den ersten Stock hinauf, dabei das „red carpet“-Gefühl genießend. Leider scheint der Teppich etwas fleckanfällig zu sein, aber wir heben den Blick schnell nach oben. Der Lesesaal öffnet sich nun zu einem luftigen Halle mit den balkonartigen Umgängen, von denen die Freihandbereiche abzweigen.
Im unteren Bereich sind 250 Leseplätze eingerichtet, hier finden sich auch Rechner für die Katalogrecherche und echte Bibliothekarinnen, die bei der Suche nach dem Buch weiterhelfen.
Über enge Treppen, für die mir das Wort „Stiege“ besser gefällt, steigt man zu den weiteren Etagen empor. Hier schließen sich nicht nur weitere Regale mit frei zugänglichen Beständen an, sondern auch die 140 reservierbaren „Forschungsleseplätze“ und die absperrbaren 20 „Carrels“, winzige Leseplätze mit Glastür, die gegen Gebühr ebenfalls reserviert werden können und den Vorteil einer abschließbaren Glastür besitzen. Hier irgendwo ist auch der einzige Blindenarbeitsplatz angesiedelt. In der obersten Etage sind diese abschließbaren Arbeitsplätze zum Inneren des Lesesaals ausgerichtet und offen, so dass sie auf mich wie eine Theaterloge wirkten. Und ich hätte Sorge, dass mir bei intensiven Studieren von Bücherstapeln das eine oder andere hinunterfällt und einen gemeinen Leser unten den wissbegierigen Schädel einschlägt. Aber das ist sicher nur meine persönliche kleine Höhenparanoia. Ach ja, im gesamten Lesesaal gibt es W-Lan. Die guten alten Papierkopierer sind nicht wieder aufgestellt worden, es gibt hier nur noch Scanner, die die kopierten Buchseiten wahlweise als pdf oder Ausdruck auswerfen, beides für 6 ct. Tip: Din A 3 einstellen und doppelseitig scannen.

So, die Kritikpunkte von Frau Vau und mir:
– zu wenige Arbeitsplätze!
Als wir an einem „normalen“ Donnerstag nachmittag gegen 17 Uhr dort waren, wurde es schon arg eng auf den billigen Plätzen.
– trotz luftig wirkender Architektur war die Atemluft extrem schlecht und trocken
Da waren wir gespannt, wie es dann im Sommer wohl ist?
– weite Wege zu den Toiletten
Die sind nämlich nur vor dem Aufgang mit dem roten Teppich, mehr gibt’s auf den drei fünf Etagen nicht. Schlecht für Forscher mit schwachen Blasen.
– stark eingeschränkte Möglichkeiten, sich als Arbeitsgruppe zusammen zu setzen, weil man ja überall sehr still sein soll
– keine Cafeteria, nur Automatengetränk
Bei der trockenen Luft habe ich schon nach dem Rundgang Durst gehabt, auch wenn die Bibliothek ja zum Lesen und Forschen da ist, sollte der „Wohlfühlfaktor“ nicht zu kurz kommen. Nein, es muss nicht der High-End-Konditor sein, schon klar…

Fazit: Warten wir mal ab, wie der Gesamteindruck nach der Fertigstellung der anderen Bereiche sein wird, wir müssen uns erst wieder mit der neuen StaBi Ost anfreunden. Die Scanner sind für mich ein eindeutiges Plus!

10
Okt
11

Schulpforta

Am Wochenende hatte ich die Gelegenheit zu einem Besuch in Mitteldeutschland, zwar vordergründig mit Arbeit behängt, aber zum Spätnachmittag ging es dann nach Schulpforta, heute Landesschule des Landes Sachsen-Anhalt.

Das heutige Internat blickt auf eine lange Geschichte zurück. Zunächst auf die eines Klosters: um 1140 verlegten die Naumburger Bischöfe ein an anderer Stelle gegründetes Kloster hier an die Saale, quasi vor die Haustür und siedelten hier Zisterziensermönche aus dem Harzer Kloster Walkenried an. Die erste Kirche soll schon wenige Jahre später fertig gestellt worden sein, die zweite Bauphase von 1251 bis 1320 von einer romanischen in eine gotische Basilika umgebaut. An der Ausstattung lässt sich die Nähe zum Naumburger Dom unschwer ablesen. Schulpforta wurde zu einem der reichsten Klöster im Ostthüringischen, bis zur Reformation.

Das Kloster wurde säkularisiert, vom Landesherren Moritz von Sachsen 1543 zur Fürstenschule, als Vorgänger der heutigen Landesschule, umgewidmet. Im Laufe der Zeit hatte Schulpforta eine ganze Reihe berühmt gewordener Schüler, wie auch den gebürtigen Naumburger Friedrich Nitzsche, den Begründer der Ägyptologie Lepsius und eine ganze Reihe Historiker und Philologen.

Die alte Schulbibliothek ist immer noch in Schulpforta, aber nur selten kommt man als Externer in den Genuss, einen Blick hinein werfen zu dürfen.

Eine Bibliothekarin, selber Ehemalige, führte uns in diesen Hort alten Wissens, zeigte uns die ältesten Schülerlisten aus dem späten 16. Jahrhundert und sorgte dafür, dass wir auch alle wieder die Tür nach draußen fanden!

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