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Besançon – ein erstes Kennenlernen

Wie oft waren wir an Besançon vorbeigefahren, wenn wir auf der Autobahn Richtung Süden fuhren! Dabei haben hier meine französischen Zweiteltern hier ihre ersten Jahre verbracht, hier hatte er seinen ersten Job nach dem Studium, sie arbeitete in einer der Bibliotheken.
Wir hatten uns relativ spontan für die Hauptstadt der Region Franche-Comté entschieden, nur eine schnelle Recherche auf meiner Lieblingsseite für eine Unterkunft in Frankreich geschaut und schon ein wunderbares chambre d’hôte mitten in der Altstadt gefunden.
Bis wir uns durch diverse Staus an diversen deutschen Autobahnbaustellen gequält hatten, bis wir dann da waren, dämmerte es schon. Die die Stadt überblickende Zitadelle, die besterhaltene Befestigung des französischen Barock-Star-Baumeister Vauban, lugte über Dächer und Fluß, unser Auto schob sich durch die quirligen Viertel außerhalb der ruhigeren Altstadt, noch drei Einbahnstraßen den Hügel hoch und runter und wieder hoch, ein Telefonat mit dem Vermieter und schon wurden wir sehr freundlich in Empfang genommen. Hinter einer kleinen unscheinbaren Tür führte eine steile Holztreppe nach unten, aber unser Zimmer lag gleich hinter der ersten Tür. Bequemes Bett mit Lichtspiel im Betthaupt, kleines, aber feines Bad, tea-making-facility, was braucht es mehr?

Chantal erklärte uns geschwind den Stadtplan, gab Empfehlungen für einen kulinarisch gelungenen Abend und erklärte uns den Weg die Treppe hinunter, über den kleinen Hof und zu ihr in das Nachbarhaus, wo wir am nächsten Morgen frühstücken würden.
Die Altstadt rund um die Kathedrale St-Jean ist geprägt von den barocken Höfen der Kleriker, aber auch von der Universität, die in den verschiedenen Instituen hier ihren Sitz hat. Durch die Gassen und kleinen Straßen schlenderten wir zum Bistrot „L’Effet Boeuf“, welches Produkte der Region mit Fleisch vom Charolais-Rind zu soliden, köstlichen Gerichten zusammenzaubert. Auch der Wein aus dem Rhônetal und (der Reisegefährte) vom lokalen Bier ließ sich gut trinken.
Dann wurde noch ein Rundgang durch die abendlich illuminierte Stadt angeschlossen, in der es auf den Straßen recht ruhig war.

Auch wenn Besançons Ursprünge weit vor die Römer zurückreichen, haben diese doch deutlische archäologische und architektonisch gut erkennbare Spuren hinterlassen: am Square Castan stehen Säulen, die zu einem Amphitheater gehören sollen (Ansicht des Ausgräbers aus dem 19. Jh.) sehr dekorativ in einem kleinen Park mit römischen Resten und denen einer mittelalterlichen Kirche und knapp um die Ecke das Prachtstück: die Porte Noire, der seit dem Mittelalter porta nigra genannte Triumphbogen, welcher für Mark Aurel um 175 n. Chr. errichtet wurde. Leider fehlt dem Bogen die Quadriga mit triumphierendem Kaiser und die Porta ist auch nicht mehr nigra, denn sie wurde vor einigen Jahren aufwendig restauriert. Für ein schönes Nachtlicht hat es nicht mehr gereicht, aber man muss einfach nur auf ein Auto mit Licht warten, dann klappt’s auch mit der Illumination! Tagsüber sind die Einzelheite von mythischen Szenen, Kämpfen zwischen Fußtruppen und Berittenen sowie florale Motive deutlisch besser zu erkennen, aber… nun ja.

Nun sind ja die barocke Festung auf dem Berg und weitere Reste des Verteidigungssystems seit 2008 Teile des Welterbes der UNESCO. Grund genug also, den Weg nach oben zu gehen. Es gibt zwei: einmal den relativ einfachen über die Straße, die durch den römischen Bogen, vorbei an der Kathedrale den Hang hochkurbelt und einen Treppenweg, der quasi über die Hintertür den Berg hochklettert. Wir haben letzteren genommen, weil der Reisegefährte „Treppe ist bestimmt schöner“ meinte. Nehmen Sie den einfacheren, sie sind nicht so außer Atem, wenn Sie oben ankommen! Zumal die Treppenstufen zum Teil ausgetreten und unterschiedlich hoch sind, das mag ich ja gar nicht, ich, die ich so gerne umknicke!

Aber dann war uns das Glück wieder holder: es war Wochenende des Denkmaltages, les journées de la patrimoine. Das ersparte uns den Eintritt von 10,60 €/pro Person. Zwar sind da wohl auch die Eintritte für die unterschiedlichen Museen und Sammlungen enthalten, aber dazu braucht man bestimmt deutlich mehr Zeit, als wir uns nehmen wollten. Die Multimediashow über die Geschichte des Festungsbaus in der ehemaligen Kapelle war auf alle Fälle sehr, sehr sehenswert!

Der Blick über alte und neue Dachlandschaften ist auf alle Fälle etwas Anstrengung bei der Besteigung der Festung wert!

Abschließend haben wir noch einen kleinen Rundgang unten in der Stadt gemacht, einen schnellen Kaffee getrunken und uns dann auf den Weg weiter nach Süden gemacht.

Für ein erstes Beschnuppern war es sehr schön, aber an sich war es zu kurz, um die Stadt mit ihren schönen Ecken, den Innenhöfen, den Häusern, den freundlichen BisontinerInnen und ihrer wechselvollen Geschichte kennenzulernen.

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6 Responses to “Besançon – ein erstes Kennenlernen”


  1. 1 uleuno
    19. September 2017 um 17:27

    Tolles Städtchen mit schönen Ecken …

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  2. 2 karu02
    20. September 2017 um 19:55

    Bei Nacht hat die Stadt noch einen besonderen Reiz, den konnte ich nicht genießen, weil ich im Hochsommer dort war. Du weckst Erinnerungen…

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  3. 23. September 2017 um 19:18

    Da muss ich auch noch hin. Danke für die Vorab-Führung!

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  4. 15. November 2017 um 16:52

    Schöner Bericht – der Kormoran überlegt in diese Gegend überzusiedeln

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