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Sep
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Bergetappe im Montagne de Lure

Das Wetter war heute morgen durchwachsen, nach Süden hin blauer Himmel, nach Norden ziemlich grau und windig. Und warm sollte es nur im Tal werden, so die Wettervorhersage. Also perfekt für eine Wanderung oben im Gebirge. Wanderschuhe, winddichte Jacken, Sonnenschutz, Sonnebrille, Halstuch, ein wenig Picknickzubehör und zu trinken. Wir wollten natürlich nicht unten aus dem Tal starten, denn das hätte unsere Kondition doch überfordert, aber so eine Tour von der Skistation unterhalb des Sommet de Lure auf etwa 1300 m bis hoch zum Gipfel mit den Signalstationen auf ca. 1850 m. Es gibt einen Fernwanderweg, da wir aber kein geeignetes Kartenmaterial dabei hatten, wollten wir entlang der Straße laufen, die zu dieser Jahreszeit nur von Extremradlern und sehr wenigen Autos befahren wird. Von St-Étienne-les-Orgues führt die D 113/D53 durch die allmählich immer karger werdende Landschaft den Berg hinauf. Auf halber Höhe gibt es das ehemalige Kloster Notre Dame de Lure, von dem nur noch die Kirche mit offenen Fensteröffnungen steht samt einem kleinen Hof, der von einem genügsamen Kirchenwärter (aka Aussteiger?) betrieben wird (Bericht folgt). Als wir dann an der Skistation unseren Halt einlegten, waren wir weit und breit die einzigen. Inzwischen hatte sich die Sonne durchgekämpft, so dass wir bereit zum Laufen waren. Schuhwechsel im Auto, dann… der heftige Wind riss mir die Autotür aus der Hand. Der Blick auf’s Autothermometer verriet: 11°C, gefühlte 0°C! Die Jacke hielt zwar den Wind ab, aber ich wünschte mir sofort lange Skiunterwäsche, denn eine Etage tiefer pfiff der Mistral heftig durch alles durch. Aber wir wollten doch wandern! Zunächst ignorierten wir Wind und Kälte und schauten uns am Panorama nach Süden und an der kargen, fast alpinen Vegetation satt.

Blick nach Südwesten

Blick nach Südwesten



Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts weideten hier oben Schaf- und Ziegenherden in großer Zahl, einige wenige scheinen noch hier zu sein, wie uns die Schafköttel verrieten.
montagnelure-07
Nach zwanzig Minuten waren wir aber so ausgekühlt, dass wir doch eine Planänderung beschlossen: in Etappen mit dem Auto weiterfahren, an den Besucherstationen mit den Erläuterungen je nach Wind- und Temperaturgefühl eine kleine Tour einlegen.
Auch so verbrachten wir einige Stunden dort am Sommet de Lure, wobei der Höhepunkt der erste Blick nach Norden auf die verschneiten Gipfel der französischen Alpen war. Und vor uns breitete sich die nördliche Provence mit dem Val de Juberon, ein Teil der Drôme aus, wie in einem barocken Theaterstück in hintereinander gestaffelten Kulissen.
Die letzte Etappe auf den Gipfel mit dem Wald an Sendemasten haben wir dann doch erlaufen, auch wenn der Wind einen fast umgepustet hat und das Fotografieren resp. das (Still-)Halten der Kamera wirklich schwierig war.

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Leider kann ich die Gipfel nicht namentlich identifizieren, vielleicht kann einer der werten Leser….??
Der Wind hatte auch etwas Gutes: er blies die Wolken mehr und mehr vom Himmel, der immer blauer wurde. Tief unter uns konnten wir bis fast Sisteron sehen, welches mit der eindrucksvollen Felspforte des Durancedurchbruches unser nächstes Ziel sein würde.

Und zu guter Letzt zeigte sich sogar der Mont Ventoux westlich von uns gnädig im Licht, nachdem wir ihn in den letzten Tagen nur wolkenverhangen gesehen hatten.

Fernwanderweg - der Abstieg, nichts für mich!

Fernwanderweg – der Abstieg, nichts für mich!


Während wir über Schlangenlinienstraßen in’s Tal schraubten, stiegen die Temperaturen stetig an, in Sisteron gab es spätsommerliche 26°C, Sonne pur und ein Eis.

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6 Responses to “Bergetappe im Montagne de Lure”


  1. 20. September 2016 um 16:50

    Schöne Fotos. Absteigen ist nichts für Dich? Fernwandern aber doch!

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  2. 3 karu02
    20. September 2016 um 18:45

    Der Abstieg ist auch eher etwas für Gamswild. Es liegt also schon Schnee auf den Alpengipfeln! Danke für den Ausblick.

    Gefällt 1 Person

  3. 20. September 2016 um 19:28

    Was für traumhafte Bilder…. Da sitzt man hier im verregneten September in Deutschland und merkt, dass der Sommer absolut zu kurz war. Ich liebe es solche Berichte anzusehen und zu lesen, danke!

    Gefällt 1 Person

  4. 21. September 2016 um 12:59

    Was für Ausblicke! Das mochte ich in Südfrankreich immer sehr, die kargen Höhen.

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