08
Jul
16

Victoria and Albert were calling

Wenn man Verwandtschaft im noch-vereinigten Königreich hat, dann sollte man die Gunst der Stunde nutzen, sie endlich einmal zu besuchen. So geschehen am vergangenen Wochenende.
Und ein Tag London stand von Vorneherein auf dem Programm mit dem Victoria & Albert Museum als erstem Wunschziel meinerseits. So starteten wir morgens frohgemut mit dem Vorortzug. Erst bei der schier endlosen Fahrt durch die Vororte wurde mir einmal wieder bewusst, dass London eine wirkliche Großstadt ist, im Gegensatz zu Berlin.
Leider regnete es im Strömen, aber das Museum ist zum Glück trockenen Fußes von der UBahn (South Kensington) zu erreichen. Museum mit U-Bahnanschluss! Die Dauerausstellungen zu besichtigen, kostet nichts, aber dafür langen sie bei den Sonderausstellungen ordentlich zu: die von mir gewünschte „Undressed“ kostet 12 Pfund, gerne aber 13 Pfund inkl. Spende an das Museum. Da ich das online-Angebot des Museums zu Recherchezwecken gerne und häufig nutze, war es Ehrensache, auf 13 Pfund Eintritt zu gehen.



Und es ist eine Materialschlacht dort im Museum, holla! Zunächst begannen wir einen kleinen Rundgang durch die Dauerausstellung zur Kleidung und Mode („Fashion“), dann ging es in die „Undressed“ zur Unterwäsche. Während in den Dauerausstellungen fotografiert werden darf (ohne Blitz u Stativ), gilt das für die Sonderausstellungen leider nicht, da ja auch Exponate aus anderen Häusern zu sehen sind und man nicht an jedes Exponat ein Schild hängen kann, ob fotografiert werden darf oder nicht.

Spannend war auch die Dauerausstellung zur Kunstgeschichte des Nahen Ostens, angeordnet um den riesigen wunderbaren Ardabil-Teppich. Hier fand ich auch ein wunderbare Kanne aus Bergkristall des 10.-12. Jahrhunderts, die das Vorbild zu den „Hedwigsbechern“ aus Glas ist. Hach, da ging mir das Herz auf!

Kanne aus Bergkristall, Ägypten, 11. Jh.

Kanne aus Bergkristall, Ägypten, 11. Jh.

Gegen Mittag zog es uns in die Hallen des Museumscafés, welches mit umfangreichem Warm-/Kaltangebot und Kuchen lockt. Es war zwar sehr voll, aber irgendwie findet man immer ein Plätzchen an einem der Tische und schwupps, ist man auch im Gespräch mit fremden Leuten. Wir hatten vier ältere Franzosen, die partout mit uns englisch sprechen wollten. Quelle surprise!
Nachmittags verschlug es uns dann noch in die Studiensammlung zu Möbeln und Keramik/Porzellan. Gerade letztere war der Hammer ob deren Vielfalt: Beginn der Steinzeugproduktion im Rheinland war ebenso vertreten wir Porzellane aus allen Herren Länder, Nahost, Fernost, Spanien, England, Frankreich, Deutschland, sogar mein heimatliches Fürstenberg fand ich, wenn auch in zweiter Reihe sprich oben auf den Glasböden. Und Modernes gab es auch, sehr spannende Objekte, die die Bandbreite der keramischen Materialien schön zeigen.


Irgendwann hörte der Regen aber auf und wir beschlossen ob des optischen Overkills doch noch auf die Straße zu treten und einen kleinen Spaziergang durch Kensington zu machen.
Und das war gut so!

Advertisements

2 Responses to “Victoria and Albert were calling”


  1. 1 karu02
    8. Juli 2016 um 17:53

    Während der Museumsbesuch sicher auch anstrengend ist, ist die Lektüre Deines Berichtes das reine Vergnügen. Schade nur wegen Des Fotografieverbots.

    Gefällt 1 Person

  2. 10. Juli 2016 um 06:46

    Berlin muss erst wieder in eine Metropole hineinwachsen, zulange waren wir hier keine. Party-Stadt reicht nicht.

    Gefällt 1 Person


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: