05
Jun
15

Trainspotting

Manchmal bin ich ja auch mal zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Meinen gewohnten Zug nach Hause konnte ich heute aus Zeitgründen nicht nehmen, aber zwei Stunden später fährt ja wieder einer. Die Tram holte mich pünktlich am Dienstboteneingang ab, wir zockelten durch sommerlich heiße Halle zum Bahnhof. Obwohl mein Blick berufsmäßig oft zu Boden gerichtet ist, schaute ich heute frohgemut nach oben und es lohnte sich:

Blick nach oben

Blick nach oben


Ein Zweiergespann zweier Dampflokomotiven hatte im Hauptbahnhof der Halloren Halt gemacht, ein grüner Wagon und eine dritte Lok jüngeren Alters vervollständigten den munteren Reigen. Dunkler Rauch kräuselte aus dem Schornstein der ersten Zugmaschine, die auch noch einen beachtlichen Kohlehaufen im Tender mit sich führte. Ich hastete den Bahnhofsvorplatz mit meinen drei Taschen und dem Rollkoffer hoch, ein Blick auf die Uhr versicherte mir, dass ich noch ca. 20 min bis zur Abfahrt des eigenen neumodischen ICE haben würde. Ab in den Aufzug zu Gleis 8, das mobile Fotogerät war in Griffweite. Eine kleine Truppe professioneller Trainspotter mit beigen Hosen über weißbestrumpften Beinen in praktischem Schuhwerk, dafür mit schwerem Fotogerät ausgestattet, hatte sich schon in optimaler Schussposition aufgestellt. Ich Unprofi schoss mit der Knipse des Telefoniergerätes und erntete prompt stirngerunzelte Aufmerksamkeit mit meinem roten Rollkoffer.
Ich war rechtzeitig da, um zu sehen, dass wirklich mit reiner Muskelkraft und Kohlenschippe die Kohle in den Brennraum der Lok geschaufelt wurde.
Trainspotting_06
Ein schrill-wohltönender Pfiff und der Konvoi setzte sich ganz langsam in Bewegung. Hach!

Diese Diashow benötigt JavaScript.


Als ich meinen Rollkoffer und mich wieder in die andere Richtung in Gang setzte, lief einer der echten Trainspotter an mir vorbei und schaute zu mir. Ich: „Ach, war das schön.“ Er, leicht abwertend: „Naja…“ Püh! Ich fand’s schön!

Dieser Blogeintrag ist dem legendären Lokfriedhof in Frankfurt/Oder gewidmet, den Frau Indica vor Jahren mitsamt toller Fotos in der Frühzeit von q*pe postete, damals ca. 2006 und den ich ein paar Monate später besuchte.

Advertisements

7 Responses to “Trainspotting”


  1. 6. Juni 2015 um 04:58

    Na toll! Sowas passiert mir nie :-(

    Gefällt mir

  2. 6 ottogang
    6. Juni 2015 um 11:33

    Tolle Fotos, da wäre ich auch gern dabeigewesen. Das hat wirklich Seltenheitswert und der Trainspotter soll doch zugeben, das es toll war, eine 03 ist selten zu sehen.

    Gefällt mir

  3. 20. Juni 2015 um 16:34

    Mein Urgroßvater war Bahnmeister dort in Halle … ;)

    Gefällt mir


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: