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Café Solvey

Beim Surfen in den unendlichen Weiten des www stieß ich letztens vom Krankenlager aus auf die Mediathek eines privaten Fernsehsenders, der besonders die jüngere Frauenwelt als Zielgruppe hat, und dort auf eine Backsendung, bei der als Gast eine Cafébetreiberin geladen war, die mit der bunt gekleideten und bunt behüteten Moderatorin Petit fours backen sollte. Es kam natürlich die Rede auf das Café in Berlin Mitte und schok klickte ich weiter, denn ich wollte natürlich wissen, wo das Café liegt, ob es eine Website gibt und was man sonst so wissen will. Ja, es gibt eine Website: Café Solvey mit kleinem Blog daran hängend. Da ich schon länger nicht mehr in Mitte gebummelt bin, beschloss ich, gestern einmal im Café vorbeizuschauen. Die ruhige Caféhausbesitzerin fand ich bereits in der Sendung im Gegensatz zu der für mich immer etwas zu bunten und zu „zuckrigen“ Moderatorin sehr sympathisch und wollte ihre selbstgebackenen Kuchen zu probieren.
Also hatten wir uns mit einer Freundin verabredet und waren sehr neugierig. Das Café ist winzig, etwa 14 Sitzplätze verteilen sich auf den Hauptraum mit Theke und Backofen und den Nebenraum. Zur Kaffeezeit war es natürlich auch gut gefüllt, aber wir hatten Glück, zunächst im Nebenraum zwei Plätze zu ergattern, später an den etwas größeren Tisch im Hauptraum Platz zu finden. Kaffeespezialitäten und Kusmitees in Großmutters Blumengeschirr serviert mundeten uns sehr gut, die Heidelbeertarte schmeckte hervorragend, nicht zu süß, schön fruchtig auf sehr gutem Mürbeteig. Käsekuchen mit Himbeerfüllung, Erdbeertarte und diverse Schokoladenkuchen waren ebenfalls in den hübschen Kuchenvitrinen zu sehen.
Frau vau wählte später noch eine angenehm ingwerige Cola, ich einen wunderbaren Apfelsaft von roter Sternrenette. Hach, so muss ein Samstagnachmittag sein.
Kurz vor Toresschluss kamen wir mit der Caféhausbetreiberin noch etwas ins Gespräch, sie erzählte uns, dass man nur noch bis Juli bei ihr kaffeesieren kann: der Vermieter aus Griechenland hat die Miete so hoch gedreht, dass sie diese nicht mehr stemmen kann und daher schließen wird.
Wieder so eine typische Geschichte aus Berlin.


2 Responses to “Café Solvey”


  1. 1 Solvey
    11. Februar 2019 um 10:31

    Hallo 💖 Hier ist Solvey. Ich habe mein Cafe vor vier Jahren geschlossen und stieß gerade zufällig im Netzt auf diese lieben Zeilen hier! Ja, manchmal vermisse ich mein Kleinod von damals, vermisse die lieben Gäste, das Geräusch der guten alten Kaffeemaschine am Morgen und das Backen der vielen Kuchen. Ich weiß nicht, wieviele Käse- oder Schokoladenkuchen ich im Laufe der Jahre gebacken habe, aber ich komme auf eine vierstellige Zahl. Inzwischen ist Viel in Berlin-Mitte passiert: fast alle der kleinen Läden sind verschwunden, neue englischsprachige Unternehmen nahmen deren Platz ein. Auch die kleine Pizzaria neben mir musste weichen. Die Elisabethkirchstrasse ist tot. Um sie herum passiert das Gleiche. Mein ehemaliger griechischer Vermieter strebt eine Luxussanierung an und somit verschwinden nicht nur kleine Läden in Mitte, sondern auch die Bewohner, welche eine Beziehung zu ihrem Kiez haben. Das Neue ist kalt und unpersönlich (aber sehr hipp!) Ich bin nur noch ab und zu in meiner Mitte-Wohnung, habe ein kleines Häuschen auf dem Lande und betreibe dort seit einem Jahr ein saisonales Gartencafe. Dort sind die meisten meiner kleinen „Schätze“ aus dem ehemaligen „Cafe Solvey“ gut untergekommen. Ich fühle mich dort wohler: kein habgieriger Vermieter, kein Neid und Missgunst, dafür Unabhängigkeit und Frieden. Berlin-Mitte ist dort weit entfernt und die Prignitz kein zweiter Mitte-Wohnsitz wie die populäre Uckermark. Reich wird man mit einem kleinen Gartencafe dort nicht, dafür zufriedener und gelassener. Manchmal, wenn ich kurz durch meine alten Berliner Strassen gehe, werde ich etwas traurig. Wieder existieren ein paar Geschäfte und Plätze nicht mehr, akustisch vermute ich mich eher in den USA, die Nachbarn in der Strasse kennen sich nicht mehr. Schade, um diesen Stadtbezirk und schade um Das, was wohl leider für immer verloren geht. Umso mehr hat es mich gerade erfreut, einen kleinen lieben Gruß aus der Vergangenheit zu lesen. Vielen Dank dafür und Alles Liebe 💖 Herzliche Grüße von Solvey

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    • 17. Februar 2019 um 10:49

      Liebe Solvey, vor zwei Wochen sind wir in der Nähe deines ehemaligen Cafés unterwegs gewesen und haben mit einem Lächeln noch davon gesprochen. Es gibt leider nur noch so wenige Cafés wie Deines überhaupt in Berlin, aber es freut mich sehr, von Dir hier zu lesen. Leider ist die Prignitz ein wenig zu weit weg, um einfach mal auf einen Kuchen vorbeizukommen, aber ich behalte das für eine Landpartie im Sommer im Hinterkopf. Herzliche Grüße zurück!

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