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Sep
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Forcalquier

Der Reiseführer schreibt zu Forcalquier, dass der Ort keine besonderen Sehenswürdigkeiten habe, aber ganz hübsch sei. Umso besser, dachte ich mir bei der Reiseplanung, dann gibt es ja keine Touristenströme. An sich stimmt das, vergleicht man Avignon oder Aix-en-Provence, aber am Montag, wenn Markt ist, ist ordentlich was los auf den Straßen des kleinen Ortes.
Der charmante Hauptplatz um die Kirche und das Kino platzt aus allen Nähten, Stoffhändler, Keramiker, Käsemacher aus Banon und dem Luberon, eingelegte Oliven, Gemüse, Obst, was das Herz begehrt!
Mit einem gut gefüllten Einkaufskorb ging es zurück in den Gîte, die dieses Jahr knapp außerhalb von Forcalquier liegt. Nach dem Abendessen sind noch Reste übrig: Feigen, Aprikosen, einen sehr jungen Banon-Käse, eine Ziegenkäse mit Asche drumrum (keine Ahnung, wie der heißt), eine Wildschweinwurst mit Walnußkernen drin, Stoffreste mit provencalischem Dekor als Tischdeckenersatz.

Von meinem ersten Besuch in Forcalquier habe ich noch eine andere Geschichte: wir fuhren auch nach dem Marktbesuch aus dem Ort hinaus, auf Banon, den Käseort zu, als wir hinter einer scharfen Kurve etwa einen Kilometer außerhalb des Ortes ein Wohnmobil im Straßengraben hängend sahen. Deutsches Kennzeichen, zwei sehr junge Menschen im Zustand fortschreitender Verzweiflung um den Karren herumlaufend. Wir hielten an und fragten nach, ob man helfen könne. Die beiden waren sehr erleichtert, dass sie auf deutsch angesprochen wurden, ich hatte vorher auf’s KFZ-Kennzeichen geschaut. Ein Niederländer hielt noch, versprach, dass er im nahegelegenen Nudistencamp, wo er hinwollte, telefonieren würde, um einen Abschleppwagen herbeizurufen. Es kam aber niemand. Inzwischen hatte ich dem Jungen vorgeschlagen, seine Schuhe anzuziehen, denn man dürfe auch in Frankreich nicht barfuß Auto fahren, ihn gefragt, ob er ein Mobiltelefon dabei habe (hatte er nicht), ob er seine Versicherungskarte dabei habe (hatte er nicht), ob er wisse, welches seine Versicherung sei (wusste er nicht), ob er denn überhaupt die Sprache soweit beherrsche, dass er einem Abschleppwagenfahrer erklären könne, wie es weiter gehen solle (konnte er nicht). Wir durchsuchten das Auto nach Versicherungsunterlagen, fanden etwas von derselben wie auch der meinigen, von der ich eine Notfallnummer hatte. Wie sich herausstellte, war das wirklich die richtige Versicherung, die mich mit dem französischen Pendant zum ADAC verband. Ich erläuterte, was passiert war, sie wollte einen Depanneur schicken. Irgendwann hielt eine ältere französische Dame von der Stadtverwaltung, die Hilfe anbot. Mit ihr bin ich zurück nach Forcalqier gefahren und zu zweit haben wir beim örtlichen Abschlepper nachgehakt, ob der Anruf eingegangen war (war er) und dass sie sich mal flugs auf den Weg machen sollten (Mittagszeit!!). Mit dem knurrigen Fahrer samt Abschleppwagen bin ich dann wieder zur Stelle zurück gefahren und habe mich dann aber doch mit meinen Mitreisenden nach Banon zum Käse aufgemacht. Das Ganze hatte mehr als zwei Stunden gedauert, ich war nun der Meinung, dass die Kids den Rest ihrer Suppe selber auslöffeln sollten. Bedankt hatten sie sich bis zum Schluss mit keinem Wort.

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8 Responses to “Forcalquier”


  1. 1. September 2014 um 20:20

    Ja, ein hübscher kleiner Ort. Ach, die guten Hühner, die Oliven, der Knoblauch, das Gemüse… Dass ihr den jungen verunfallten Leuten geholfen habt, finde ich gut, aber nicht, dass sie das einfach so ohne jedes Dankeswort hingenommen haben… Gar nicht fein! Grrr. Meinem Freund und mir ist sowas in jungen Jahren auch passiert, unsere Ente ist in einen Graben gerutscht, weil wir Camarque-Pferde beobachtet hatten, haha. Ein netter französischer Bauer hat uns mit seinem Traktor rausgezogen.

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  2. 1. September 2014 um 20:57

    Nette GEschichte, und sehr hilfsbereit von Dir. Ein kleiner Dank wäre schon schön gewesen, oder?
    Immerhin hast Du diese Geschichte als Erinnerung behalten.
    Schöne Bilder mal wieder.

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    • 2. September 2014 um 19:34

      Ja, die Geschichte habe ich nicht vergessen, weil sie alles so gemacht haben, wie ICH es nienich gemacht hätte: ohne Versicherungsunterlagen mit Vatis Camper los, keine Landessprachkenntnisse, kein Telefon dabei. Aber sie haben später sicher stolz erzählt, dass es auch ohne das alles geht ;-)

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  3. 2. September 2014 um 14:23

    Danke für die Vorschau – wir sind in zwei Wochen in Frankreichs Süden unterwegs.

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  4. 8 karu02
    14. September 2014 um 18:10

    Hach, die französischen Märkte! Allein schon diese Knoblauch-Auswahl auf Deinem Foto! Wir sind auch gerade aus Frankreich zurück, haben natürlich Märkte besucht und festgestellt, dass sie dort sogar lebendige Tiere verkaufen, Hühner, Kaninchen, Entenküken.

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