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Behind the scenes

Manchmal bekommt man die unverhoffte Gelegenheit, an Orte zu kommen, die nicht öffentlich zugänglich sind. Letzteres meist aus gutem Grund, aber neugierig sind wir ja doch alle. So kam ich am vergangenen Montag unverhofft in den spannenden Genuss, das Naturhistorische Museum in Wien nicht über den „Lieferanteneingang“, aber über den Wissenschaftlereingang betreten zu dürfen. Vor einiger Zeit ist die Abteilung zur Entwicklung der Menschheit im Museum neu gestaltet worden und diese bekamen wir obendrein von eine der Kuratorinnen gezeigt.
Aber zunächst ging es hoch auf’s Dach, an die frische Luft. Auch wenn das Wetter kein „Kaiserwetter“ wie noch am Vortag war, hat sich der Blick doch sehr gelohnt und unser Grüppchen ließ so einige „Ahhs“ und „Ohhs“ los.
panorama

Raus aus dem kalten Wind und durch ein Treppenhaus, einen langen Gang hinunter und schon standen wir oben auf der Galerie unter der imposanten Kuppel des Naturhistorischen Museums. Nicht für Leute mit Höhenangst, denn die Galerie mit Geländer ist nur sehr schmal.

Und weiter ging es in die Schädelsammlung des Hauses, das Herzstück der anthropologischen Sammlung. Zu Beginn der Sammlungstätigkeit wurden nur die Schädel in die frühen Museen überführt, der Rest des Skelettes interessierte die alten Forscher nicht so sehr. Heutzutage werden natürlich alle Knochen untersucht: Sterbealter, Geschlecht, Pathologien, Spuren der körperlichen Belastung sind dabei die Klassiker, gefolgt von einer Vielzahl von archäometrisch-chemischen Untersuchungen, mit deren Hilfe lassen sich die Umgebung, in der der Mensch seine Kindheit verbrachte, Krankheiten genauer bestimmen, aDNA-Untersuchungen und noch eine Menge mehr herausfinden.
Heute kommen die zu untersuchenden Knochen von Gräberfeldern aus der Region, früher wurden die Sammlungen in aller Welt regelrecht zusammengekauft. Derzeit werden an so einigen historischen Sammlungen die Exponate erneut untersucht und gegebenenfalls auch in die Ursprungslänger zurückgegeben, sofern dies gewünscht ist. Spannendes, manchmal bedrückendes Feld, auch vor dem Hintergrund der Kolonialgeschichte.

Die neue Abteilung zeigt dem Besucher nun auf moderne Weise, wie sich der heutige Mensch aus einer Vielzahl unterschiedlicher Früh- und Vormenschen entwickelt hat. Ein gut gelungener Balanceakt zwischen dem historischen Gebäude und aktuellen Forschungsergebnissen ist hier gelungen. Medienstationen, Modelle und zweisprachige Tafeln führen den Besucher in längst vergangene Zeiten. Besonders gelungen fand ich die „CSI“-Station mit riesigem Touchscreen, auf dem der Besucher die Bandbreite der osteologischen und archäometischen Untersuchungen auf spannende Weise erleben kann. Klasse gemacht!

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4 Responses to “Behind the scenes”


  1. 1 karu02
    14. November 2013 um 19:55

    Da wäre ich gerne dabei gewesen, oben auf dem Dach und bei den Schädeln natürlich auch. Danke für den Aus- und Einblick.

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  2. 19. November 2013 um 13:27

    Das ist spektakulär. Danke für die Führung.

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  3. 20. November 2013 um 22:17

    Oh, die Abteilung Mord und Totschlag auf Betriebsausflug?

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