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Sep
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Das Harzhorn und sein Event

Gestern wurde die Landesausstellung zur Schlacht am Harzhorn in Braunschweigischen Landesmuseum eröffnet. Vor fünf Jahren kamen zwei Sondengänger mit ihrem illegal ergrabenen Funden zur zuständigen Kreisarchäologin und legten ihr erste Funde mit römischem „Migrationshintergrund“ vor, welches schnell dem Militär zugeordnet werden konnten. An sich sollte es nach gängiger Forschungsmeinung kaum Römisches hier geben, abgesehen von Importgut, welches sich der wohlhabende Germane auf den Märkten hüben und drüben vom Limes besorgen ließen. Für die Archäologie war es neben Kalkriese mit den Hinweisen auf die Varusschlacht (9 n.Chr.) und dem Marschlager bei Hedemünden (ebenfalls um Chr. Geburt) der dritte „echte“ römische Fundplatz, dieses Mal aber einer mit mehr Sensationspotential. Denn die Funde datieren ins 3. Jahrhundert, in eine Zeit, als das Römische Reich schon in unruhiges Fahrwasser geriet. Germanische Trupps drangen als Räuberbanden bis weit in das Römische Reich vor und erbeuteten wahre Warenberge, wie zum Beispiel der „Schatz von Neupotz“ zeigt. Hier waren die Fluchtboote über den Rhein wohl so überladen, dass sie mitsamt der Beute sanken. Glück für die Archäologen! Die Funde waren vor einigen Jahren im Museum in Kalkriese zum „Varus-Jubiläum“ zu sehen.
Und was machte das so düpierte Römische Reich? Es sammelte seine Legionen und schickte sie hinter den Germanen her. Und um solch eine Strafexpedition scheint es sich gehandelt zu haben. Auf dem Rückweg scheinen die römischen Truppen an einem Pass (heutzutage direkt an der A 7 gelegen) in einen Hinterhalt geraten zu sein. Wer wirklich gewonnen hat, ist mir immer noch unklar. Die beteiligten Wissenschaftler sind der Meinung, dass in diesem Fall die Römer siegreich wieder zurück in ihre Lager am Rhein marschierten. Sandalennägel markieren ihren Weg weg von diesem Pass.
Nun, fünf Jahre nach der Entdeckung, nach unzähligen Stunden dort am Berg mit der Metallsonde der regionalen Denkmalbehörden sind die Ergebnisse in einer beeindruckenden Schau in Braunschweig zu sehen.
Gestern war die Eröffnung mit einer Menge Reden im offiziellen Teil im Dom St. Blasii und dem anschließenden Rundgang der VIPs durch die Ausstellung.
Auf 1000 qm sind in neun Kapiteln „Die Entdeckung eines Schlachtfeldes“, „Rom und Germanien – eine wechselvolle Geschichte“, „Eskalation in Germanien“, „Bilder einer Schlacht“, „Das Harzhorn-Ereignis. Rekonstruktion einer Schlacht“, „Triumph und Verdammnis“, „Die Toten der Schlacht“, „Römische Soldatenkaiser und germanische Fürsten“ die Ergebnisse der Arbeitsgruppe zu sehen, natürlich nicht nur die Funde vom Harzhorn, sondern auch eine Vielzahl von Informationen rund um das Römische Imperium, um die Legionäre aus aller Herren Länder. Optisch unterscheiden sich die Abteilungen stark voneinander: in denen es hauptsächlich um das Harzhorn und seine Erforschung geht sind in einem fast klinischen Weiß gehalten, andere, in denen es um die Ausrüstung, den Kampf und die unterschiedlichen Bestattungssitten von Römern und Germanen geht, in sehr dunklen Farben und abgedunkelten Räumen. Sehr beeindruckt hat mich der Raum, in dem die Soldaten aus allen Ecken des Römischen Reiches vorgestellt wurden, die offensichtlich auch an der Strafexpedition teilnahmen. Hier sind die unregelmäßig angeordneten Vitrinen mit ihren großflächigen Rückwänden mit Filmsequenzen bespielt, die dem Besucher das Gefühl vermitteln, mitten im Marsch, mitten im Kampf, einfach mittendrin zu sein. Die Exponate selber sind leider schlecht zu erkennen, die Beschriftung ist etwas für Leute mit extrem guten Augen oder Nachtsichtgerät. Aber dennoch sehr beeindruckend.
Dem geübten Museums- und Sonderausstellungsbesucher fallen noch ein paar Dinge auf: die Silhouetten der „1636“-Ausstellung sah ich wieder, die Vitrinengestaltung aus der Kalkrieser „IMPERIUM KONFLIKT MYTHOS. 2000 Jahre Varusschlacht” von 2009 wieder. Dennoch: Für mich ist klar, dass ich noch einmal zum Anschauen wieder kommen muss, denn neben den ersten Eindrücken ist das Plaudern mit den anderen Gästen ja auch sehr wichtig an so einem Abend!

Und die zweite Ausstellung im Herzog Anton-Ulrich-Museum in der Burg Dankwarderode auf der gegenüberliegenden Seite des Platzes habe ich gar nicht angeschaut: der Römische Soldat in der Kunst der frühen Neuzeit.

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Infos von HIER
Laufzeit: 1. September 2013 bis 19. Januar 2014
Öffnungszeiten: Di 10 – 20 Uhr, Mi bis So 10 – 18 Uhr

Eintrittspreise:
Erwachsene 10 €, ermäßigt 8 €
Kinder (6 – 16 Jahre) 3 €
Familienkarte 1 (2 Erwachsene + 3 Kinder bis 16 Jahre) 20 €
Familienkarte 2 (1 Erwachsener + 3 Kinder bis 16 Jahre) 13 €

Gruppenführungen:
10 – 25 Personen, Dauer 1 / 1,5 h, Kosten 60 € / 80 €
(Preise zzgl. ermäßigten Ausstellungseintritts pro Teilnehmer)
Vorherige Buchung erforderlich unter Tel 0531 – 1215 0

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4 Responses to “Das Harzhorn und sein Event”


  1. 1 Philipp Elph
    18. September 2013 um 14:45

    Interessant! Hatte noch nichts davon gehört. Dann wird sich Bad Gandersheim wohl bald nicht nur der Roswitha rühmen, sondern auch noch der Römer ;.)

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  2. 18. September 2013 um 15:54

    Darauf bin ich gerade vor zwei Wochen von einem Freund geschubst worden. Er hat es am Ende hier gelesen? Jedenfalls: noch was, was ich sehen muß. Auweia!

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  3. 13. Oktober 2013 um 14:52

    Spannend! Wünschte, der spärliche Geschichtsunterricht über die Römer und Germanen wäre nur annähernd so gewesen.

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