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Mai
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Praxistest StaBi „Unter den Linden“

Gestern gemahnte mich Frau Vau an unseren gemeinsamen Besuch im vor nicht allzulanger Zeit wieder eröffneten und aufgehübschten Lesesaal der Staatsbiblothek zu Berlin, den ich damals versprach zu verbloggen. Dieses will ich nun nachholen.
Also, seit Ende März ist der erste Bauabschnitt der StaBi Ost aka Haus Unter den Linden abgeschlossen, der Lesesaal ist wieder zugänglich. Montags bis Freitags von 9 – 21 Uhr, Samstags ein Stündchen später und zwei Stunden kürzer von 10 – 19 Uhr. Hinein darf jeder, der einen Benutzerausweis hat, den es als Jahresabo für 25 € oder auch als Tageskarte gibt. Ich bin seit Jahren Jahresabonnent, obwohl nicht seit langem nicht mehr Studentin, aber auch sonst braucht frau ja frisches Wissen.
Nun, Frau Vau und ich hatten uns verabredet, um uns gemeinsam das neue Domizil der etwa 130.000 Bände anzuschauen. Derzeit ist der Zugang von der Dorotheenstraße eingerichtet, der von Unter den Linden wird erst nach Abschluss der gesamten Bauarbeiten wieder eingerichtet. Nun wandelt man, nachdem man sich natürlich die Schuhe gründlich abgeputzt hat, durch einen langen Gang, der hinsichtlich farblicher Gestaltung und Beleuchtung doch sehr an ein Krankenhaus erinnert, zur Eingangshalle, wo man überflüssigen Ballast an der Garderobe abgibt oder in den Schränken einschließt. Benutzerausweis und Bleistift, gerne auch Notizbuch oder Notebook dürfen mit in die Heiligen Hallen. Die mit rotem Teppich belegte Treppe schreitet der Bildungshungrige nun in den ersten Stock hinauf, dabei das „red carpet“-Gefühl genießend. Leider scheint der Teppich etwas fleckanfällig zu sein, aber wir heben den Blick schnell nach oben. Der Lesesaal öffnet sich nun zu einem luftigen Halle mit den balkonartigen Umgängen, von denen die Freihandbereiche abzweigen.
Im unteren Bereich sind 250 Leseplätze eingerichtet, hier finden sich auch Rechner für die Katalogrecherche und echte Bibliothekarinnen, die bei der Suche nach dem Buch weiterhelfen.
Über enge Treppen, für die mir das Wort „Stiege“ besser gefällt, steigt man zu den weiteren Etagen empor. Hier schließen sich nicht nur weitere Regale mit frei zugänglichen Beständen an, sondern auch die 140 reservierbaren „Forschungsleseplätze“ und die absperrbaren 20 „Carrels“, winzige Leseplätze mit Glastür, die gegen Gebühr ebenfalls reserviert werden können und den Vorteil einer abschließbaren Glastür besitzen. Hier irgendwo ist auch der einzige Blindenarbeitsplatz angesiedelt. In der obersten Etage sind diese abschließbaren Arbeitsplätze zum Inneren des Lesesaals ausgerichtet und offen, so dass sie auf mich wie eine Theaterloge wirkten. Und ich hätte Sorge, dass mir bei intensiven Studieren von Bücherstapeln das eine oder andere hinunterfällt und einen gemeinen Leser unten den wissbegierigen Schädel einschlägt. Aber das ist sicher nur meine persönliche kleine Höhenparanoia. Ach ja, im gesamten Lesesaal gibt es W-Lan. Die guten alten Papierkopierer sind nicht wieder aufgestellt worden, es gibt hier nur noch Scanner, die die kopierten Buchseiten wahlweise als pdf oder Ausdruck auswerfen, beides für 6 ct. Tip: Din A 3 einstellen und doppelseitig scannen.

So, die Kritikpunkte von Frau Vau und mir:
– zu wenige Arbeitsplätze!
Als wir an einem „normalen“ Donnerstag nachmittag gegen 17 Uhr dort waren, wurde es schon arg eng auf den billigen Plätzen.
– trotz luftig wirkender Architektur war die Atemluft extrem schlecht und trocken
Da waren wir gespannt, wie es dann im Sommer wohl ist?
– weite Wege zu den Toiletten
Die sind nämlich nur vor dem Aufgang mit dem roten Teppich, mehr gibt’s auf den drei fünf Etagen nicht. Schlecht für Forscher mit schwachen Blasen.
– stark eingeschränkte Möglichkeiten, sich als Arbeitsgruppe zusammen zu setzen, weil man ja überall sehr still sein soll
– keine Cafeteria, nur Automatengetränk
Bei der trockenen Luft habe ich schon nach dem Rundgang Durst gehabt, auch wenn die Bibliothek ja zum Lesen und Forschen da ist, sollte der „Wohlfühlfaktor“ nicht zu kurz kommen. Nein, es muss nicht der High-End-Konditor sein, schon klar…

Fazit: Warten wir mal ab, wie der Gesamteindruck nach der Fertigstellung der anderen Bereiche sein wird, wir müssen uns erst wieder mit der neuen StaBi Ost anfreunden. Die Scanner sind für mich ein eindeutiges Plus!

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9 Responses to “Praxistest StaBi „Unter den Linden“”


  1. 26. Mai 2013 um 15:10

    In die StaBi wollte ich auch bald mal gehen. Man gönnt sich ja sonst nichts. Schöne Fotos.

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  2. 2 karu02
    26. Mai 2013 um 17:45

    Trockene Luft schlägt mich sofort in die Flucht. Muss das wegen der Bücher sein, so wie in Museen?

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  3. 26. Mai 2013 um 18:05

    @kormoran, mach mal…
    @karu, ja, kann ich gut verstehen. In der StaBi West in der Potsdamer Straße finde ich es luftmäßig deutlich angenehmer, daher lasse ich mir die benötigten Bücher meist dorthin schicken. Voll ist es dort aber auch…

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  4. 4 vau
    26. Mai 2013 um 19:35

    Hmm, ich krieg gleich wieder schlechte Laune, wenn ich die Bilder sehe (was natürlich nichts mit Dir zu tun hat, liebste Richensa). Weil hier mal wieder ganz klar gezeigt wurde, dass Formschönheit (naja Geschmacksache) vor Pragmatismus geht. Und da das beim Grimm-Zentrum, der relativ neuen Universitätsbibliothek der HU auch schon so war, frage ich mich langsam ernsthaft, ob Architekten überhaupt jemals eine Bibliothek von innen gesehen haben. Wie kann man ansonsten so unpraktisch planen? Zum Beispiel das Klackerschuhproblem. Viele Frauen tragen KLackerschuhe. Die meisten sehen zwar nicht so aus (also Schuhe, nicht die Frauen), aber in hohen und eher stillen Räumen hallt es dann schon von den Wänden. Lösung? Geräuschdämmendes Bodenmaterial, z.B. ’nen ollen Teppich. Sieht nicht so schön aus, weil wird leichter schmutzig und so, wäre aber sinnvoll.
    Das andere, was mich ziemlich aufgeregt hat (und das hat Frau Richensa nicht genug hervorgehoben, aber ich habe nun mal eher ein Pionierbläschen): 5 Etagen (Fünf!!!) und nur ganz unten sind die Örtlichkeiten!!!! Und zwar genau 8 Stück. Finde ich, ehrlich gesagt, ein bißchen wenig. Als ich oben im 5. Stück nach einem WC gefragt habe und meinen Unmut zu der Anwort geäussert habe, wurde mir gesagt, naja es gäbe halt nicht so viel Platz hier. Hallo???? Das Ding wurde neu konzipiert. Weitere Männchen- und Weibchennasszellen hätte man m.E. schon irgendwo einbauen können. Also heißt das entweder fünf Treppen laufen oder hoffen, dass der Handapparat, den man benutzen muss, in der 1. Etage steht… Freundlich wurde ich allerdings darauf hingewiesen, dass es ja zwei Fahrstühle gibt. Genau, dass ist es, was ich auf jeden Fall machen würde: freiwillig mit voller Blase in einen Fahrstuhl steigen…
    Zu den Stiegen (das ist wirklich die treffendere Wortwahl) möchte ich noch folgendes ergänzen: Ich verstehe nicht, wieso diese so schmal und symmetrisch konzipiert worden sind. Bricht da mal eine Panik aus wg. Feuer oder so…
    Also unter dem Strich: früher habe ich gerne in der Stabi Ost gearbeitet. Ich war schnell da und zum Mittag bin ich in die HU-Mensa gehüpft, denn da ist das Essen nämlich auch für Nicht-Studenten erschwinglich.
    Jetzt irritiert mich die schlechte Luft und dass es keine Möglichkeit gibt, innerhalb der Bibliothek etwas zu trinken. Zu den Automaten oder dem eigenen Rucksack muss man nämlich wieder ganz raus. Aber wenn ich nicht genug trinke, wird mein Gehirn matschig und ich kann nicht denken, aber selbst der Wasserhahn ist ja in der untersten Etage…
    Das einzige Plus sind wirklich die Scanner. Kleiner Tipp: wer vorher eine Copy-karte der Stabi Ost hatte, kann sich das Geld problemlos auf den Stabiausweis überschreiben lassen (also auf die neuen mit dem Bild). Das hieß für mich ein Plastikdingens weniger im Ausweis. Sehr schön. Aber arbeiten werde ich sobald wohl nicht hier. Obwohl ich nicht drumrumkommen werde, da es zwei, drei Bücher nur hier im Handapparat und damit unausleihbar sind, hoffe ich, dass die bis dahin das Schlechte-Luft-Problem gelöst haben. Vielleicht war das ja zumindest wirklich noch baubedingt.

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  5. 27. Mai 2013 um 15:13

    Ja Frau Vau toller Kommentar. Also wenn ich zum lesen lost gehe, war ich vorher auf dem Örtchen (lach). Manche mögen das Klackern der Frauen (na gut ist ein anderes Thema). Muss ich mir mal anhören…!

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  6. 28. Mai 2013 um 09:16

    Ich kannte bislang nur Fotos von der neuen Ost-Stabi, bin ja auch nicht mehr oft in Stabis. Schade, dass das, was so schön aussieht, so wenig praxiskompatibel ist.

    Ich bin ja alte Stabi-West-Benutzerin und weiß daher natürlich die Features: Café, Toiletten in ordentlicher Menge und Sortierung und Teppiche zu schätzen. Ja, zu wenige und zu weit weg seiende Frauenklos, das geht gar nicht. Das wäre auch für meine Sextanerblase nix!

    Nicht zuletzt: Wie viele Paare sollen sich in der Cafeteria schon kennen gelernt haben? Und ein ordentliches Quätschchen mit Kaffee (von welch zweifelhafter Qualität auch immer) muss alle zwei Stunden auch mal sein … nee, ich bleib im Zweifelsfall wohl besser bei der Stabi-West.

    Frau Vau, ich habe Sie eindeutig auf den Fotos erkannt (der Knödel, das Temperament!). Herzlichen Glückwunsch zur gelungenen Prüfung auch an dieser Stelle! Mal so ganz o.t. …

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  7. 5. Juni 2013 um 18:19

    Mittelprächtig gute Nachrichten für durstige Seelen in der StaBi: Es darf Wasser in durchsichtigen Flaschen mit hineingenommen werden!
    http://staatsbibliothek-berlin.de/fileadmin/user_upload/zentrale_Seiten/benutzungsabteilung/pdf/INFO0613.pdf

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