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Das musste einmal wieder sein: Quittenkonfekt

Nun habe ich dieses köstliche Konfekt in den letzten Jahren irgendwie nie zustande bekommen: einmal fehlten die Quitten, ein anderes Mal waren sie innen so braun, dass ich nur Gelee gekocht habe oder ich hatte gar keine Zeit. Gestern nun habe ich auf dem Markt am Boxhagener Platz kurz vor Toresschluss noch einen Armvoll Quitten überaus günstig bekommen, denn die Marktfrau wollte die letzten beiden Kilos nicht mehr mit nach Hause nehmen.
Schon der Duft war wunderbar aromatisch, als ich sie in die Einkaufstasche füllte, diese Mischung aus Birnen- und Apfelquitten. Und der Entschluss stand fest: heuer gibt es einmal wieder Konfekt!

Quitte mit Birne

Quittenkonfekt

Zutaten:
1 gehäufter EL getrocknete Lindenblüten
1 gehäufter EL Zitronen-Verbenen-Blätter
1 ½ kg Quitten
½ kg Birnen
1 kg Zucker
1 Vanilleschote
8 EL Zitronensaft
4 EL Rosenwasser
100 g geschälte Mandelhälften
wer mag: 2 EL Calvados
Zucker, zum Dekorieren
Lorbeerblätter, für die Aufbewahrung
Für 60 Stück

Lindenblüten und Verbene-Blätter in 300 ml Wasser 10 Minuten zugedeckt köcheln lassen. Den Sud durch ein Sieb gießen, gut ausdrücken.
Quitten und Birnen schälen und vierteln, das Kerngehäuse herausschneiden. Die Früchte auf der Gemüsereibe fein reiben (am einfachsten geht das mit der Küchenmaschine).
Kräutersud und Zucker in einem großen Topf vermischen. Die Vanilleschote längs aufschlitzen und das Mark herauskratzen, die Schote in 3 Stücke schneiden. Die Schotenstücke, das Vanillemark und den Zitronensaft in den Sud geben, bei mittlerer Hitze erwärmen und gelegentlich umrühren, bis sich der Zucker aufgelöst hat, dann 5 Minuten ziehen lassen.
Das geriebene Fruchtfleisch unterrühren, aufkochen und halb zugedeckt bei schwacher Hitze etwa 3 Stunden köcheln, bis ein sehr dickes, orange-rotes Mus entstanden ist – dabei gelegentlich umrühren, damit das Mus nicht ansetzt. Es ist dick genug, wenn sich mit dem Kochlöffel eine „Straße“ durch das Mus ziehen lässt. Sodann die Vanilleschoten entfernen und das Rosenwasser unter das Mus ziehen. Eine flache Kuchenform (28 x 42 cm) mit Backpapier auslegen und das Mus gleichmäßig etwa dauemendick darauf füllen. Den Backofen auf 50 Grad erhitzen und das Mus zum Trocknen für 5-6 Stunden auf die unterste Einschubleiste schieben, dabei einen Kochlöffel zwischen Tür und Backofen klemmen, damit die Feuchtigkeit entweichen kann. Nach 1 Stunde mit einem Messer Längsreihen im Abstand von 3 cm und Querreihen von 5 cm andeuten und in jedes entstandene Rechteck 1 Mandel drücken. Das Mus aus dem Ofen nehmen, mit einem Küchentuch abdecken und mindestens weitere 5-6 Stunden trocknen lassen, am besten über Nacht.
Die getrocknete Paste nach Geschmack dünn mit dem Calvados bestreichen und mit Zucker bestreuen. Konfektstücke an den markierten Linien auseinander schneiden, vorsichtig vom Papier lösen und in eine Dose schichten. Die einzelnen Lagen mit Butterbrotpapier trennen. Zwischen jede Lage ein Lorbeerblatt legen.
Verschlossen hält sich das Konfekt etwa ein halbes Jahr, rein theoretisch, aber praktisch nie länger als bis zum ersten Adventstee!

Mis en place

Mis dans la casserole

Wer nicht soviel Geduld hat, kann das Mus, nicht ganz so dick eingekocht als Brotaufstrich noch heiß in kleine Gläschen abfüllen, wie eine dicke Marmelade. Aber ehrlich gesagt, sollte man sich die Zeit nehmen, das Konfekt herzustellen. Und weil es noch auf dem Herd köchelt, dauert es noch etwas, bis die Bilder vom Resultat hier erscheinen…

viel später…

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12 Responses to “Das musste einmal wieder sein: Quittenkonfekt”


  1. 14. Oktober 2012 um 13:14

    Ich liebe Quitten, aber das Quittenkonfekt, das es in meiner Kindheit gab, schmeckte scheußlich, siehe http://spoonfulsofgermany.wordpress.com/2012/10/14/my-volte-face-on-quince
    Dein Rezept klingt jedoch wunderbar. Gerade gestern habe ich die letzten Quitten eingekocht, einfach nur pochiert und dann eingefroren, weil es schnell gehen musste, jetzt überlege ich mir, ob ich sie flugs wieder rausholen soll… Lindenblüten habe ich keine, dafür aber getrocknete Holunderblüten, das müsste auch passen. Verwendest du die Verbene frisch oder ebenfalls getrocknet?

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    • 14. Oktober 2012 um 13:32

      Die Verbene ist getrocknet, stammt aus Schwesters Garten. Ich trinke sie als Tee nach dem reichhaltigen Essen ganz gerne, wie in Frankreich.
      Bin mir sehr sicher, dass das Konfekt nicht so wie das in deiner Kindheit schmeckt ;-)

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  2. 14. Oktober 2012 um 17:07

    Das Foto „Quitten mit Birne“ sieht aus wie ein „alter Meister“. Super Foto.

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  3. 4 karu02
    14. Oktober 2012 um 17:46

    Da die Birnenquitten in diesem Jahr Fruchtbarkeitsverweigerung betrieben haben, stehen nur die Apfelquitten zur Verfügung. Muss ich jetzt statt der Birnen Äpfel hinzufügen? Ich habe übrigens, weil mir die lange Kochzeit und das dauernde Rühren zu viel wurde, Gelierzucker statt Zucker genommen und damit zweieinhalb Stunden eingespart. Weißt Du, welche Sorte da ist auf Deinem Foto? Unsere Birnenquitten sind ganz glatt in der Schale. Diese hier sehen schön altmodisch aus.

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  4. 14. Oktober 2012 um 19:51

    @kormoranflug, danke dir… diese unregelmäßigen Oberflächen und Strukturen sind wirklich wie aus einem Ölbild entsprungen, ja…

    @karu, leider habe ich keine Ahnung, welche Sorte das ist. Meine Beute bestand ja auch aus einer Mischung aus Apfel- und Birnenquitten, sicherlich kannst du auch Äpfel nehmen, dann wird der Geschmack etwas weniger birnig. Da ich aber ein paar Birnen hatte, die weg mussten, also auch schön weich waren, passt das ganz gut. Hätte die Menge nicht gerreicht, wären sicherlich auch noch Äpfel in den Topf gewandert.
    Und viel Rühren muss man auch nicht, zumindest nicht in den ersten beiden Stunden, nur auf sehr kleiner Flamme allmählich eindicken lassen. Rührt man zuviel, setzt es an, also Vorsicht am Topf.
    Wenn du Gelierzucker genommen hast, karu, ist die Farbe denn auch so schön rötlich geworden?
    Noch ist alles im Ofen…

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    • 6 karu02
      15. Oktober 2012 um 18:05

      Ja, die Farbe ist gleich geblieben, es wird nur nicht ganz so — jetzt finde ich kein Wort dafür — es wird ein bisschen trüber, schmeckt aber genau so gut.

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  5. 17. Oktober 2012 um 16:57

    Also, das ist mit Abstand das spannendste Quittenbrot-Rezept, das ich je gelesen habe! Vor allem die Lindenblüten haben’s mir angetan. Dieses Jahr wird’s sicher nix mit Quittenzauber, aber wenn, dann werde ich auf dieses Rezept zurückkommen.

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  6. 21. Oktober 2012 um 10:17

    In unseren Maerkten hier in Sued Indien! sind jetzt wieder Fruechte erschienen die genau wie die Quitten aussehen, aber ich wusste den Namen nie. Morgen sofort nachschauen und wenn ja, dann muss ich das obrige Rezept sofort ausprobieren. Danke im voraus. Mir gefallen die Photos. Gruesse an Berlin, hab 2 Jahre dort gelebt. Schoen. Tschuess, Carina

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