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Dreisatz auf dem Bürgersteig

Dieses Jahr begeht Berlin sein 775. Stadtjubiläum und dieses wirft seine Schatten voraus. An für die mittelalterliche Stadtentwicklung wichtigen Punkten werden in den nächsten Tagen kreischmagentafarbene Türmchen aufgebaut, von deren Aussichtsplattform der Interessierte die Aussicht genießen kann. Diese sollen zudem mit Informationen über die Lage in der mittelalterlichen Doppelstadt Berlin und Cölln ausgestattet sein und somit Touristen und Einheimischen helfen, sich in die Stadttopographie der frühen Neuzeit und des Mittelalters einzufinden.

In Mitte habe ich auf dem Bürgersteig in der Nähe des Roten Rathauses letzte Woche einige Kurzinfos gefunden, die allerdings so platt wie die Sprühschrift sind. Hoffentlich wird’s besser!

Mal ehrlich: Wer kauft denn noch beim Schneider oder Schuhmacher? Und welcher Bäcker oder Fleischer verdient diese Handwerksbezeichnung denn noch? Wir beziehen doch meistens die Waren des täglichen Bedarfs aus der Massenproduktion.

Damals wie heute: Profitiert haben vom Wirtschaftswachstum eher die Geldgeber als die Handwerker und Bauern.

Eben: wer konnte sich das schon leisten?

Mir ist natürlich klar, dass auf den Bürgersteig keine langen Abhandlungen gesprüht werden können, aber ein bisschen differenzierter hätte es schon sein können. „Sätze von der größe eines kleinen Bestecks“ forderte vor vielen Jahren einmal eine Ausstellungsdesignerin. Ob die hier auch dabei war?

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10 Responses to “Dreisatz auf dem Bürgersteig”


  1. 19. August 2012 um 11:24

    Grundsätzlich finde ich die Idee ganz schön, hier kommt sie allerdings ein wenig platt daher. Was nützt die schöne Form, wenn der Inhalt nicht stimmt …

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  2. 19. August 2012 um 12:25

    Die Frage ist doch: Wer hat diese Texte verfasst? Ich erinnere mich daran, so als Zehnjähriger geschrieben zu haben und nehme daher an, dass es sich um Worte von Schreibern dieser Altersgruppe handelt.

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  3. 3 joulupukki
    19. August 2012 um 12:58

    Na, immerhin hab ich nun erstmals von Cölln gehört. S’taugt also zumindest zur Horizonterweiterung kleiner Wienerinnen.

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  4. 19. August 2012 um 13:54

    Zuerst sprühen die Politischen und Andere die keine andere Plattform fanden „Tags“ auf das Pflaster und der etablierte Bürger war entzürnt. Dann nahmen sich die sog. Guerilla-Werbefuzis der Technik an und warben für Bier und Events oder startups und jetzt schmiert „Berlin“ selbst das Pflaster voll um die unwissenden Bürger zu belehren. Das kann ich wirklich kaum glauben!

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  5. 19. August 2012 um 16:49

    @haushirschhund, ein wahres Wort!
    @philipp, musste lachen, aber ich fürchte, dass die Schreiber durchaus älter sind und nur die Zielgruppe für minderbemittelt halten…
    @joulu, solltest du noch in Berlin weilen, würde ich mich über einen Besuch extrem freuen und der Weihnachtsfrau gerne mehr von Dingen in Cölln, um Cölln und um Cölln herum berichten ;-)
    @kormoran, doch, ich kann noch mehr Beispiele bringen, aber ich denke, dass diese dich nicht mehr erfreuen…

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    • 6 joulupukki
      19. August 2012 um 21:03

      Leider, meine Liebe, ich war nur im Mai für ein paar Tage in Berlin. Lass dich durch meine chronologische Aufholjagd nicht verwirren. ^^
      Aber ich komme wieder, keine Frage, und dann komm ich auf Dein Angebot zurück.

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  6. 19. August 2012 um 22:02

    Die Stadt ist ja leider sehr pleite und das knappe Budget ermöglicht wohl nur allzu preisgünstige Massnahmen, Agenturen, texter und macht sich dann so bemerkbar (im vergangenen Jahr beim Kudamm Jubiläum war es ähnlich).
    Dafür, das wir nun das erste Stadtjubiläum nach der Wiedervereinigung begehen, wirkt allerelie richtig dürftig. Immerhin beginnt nun am 20. August das alljährliche Geschichtsfestival Historiale und widmet sich über eine Woche dem gleichen Thema. Ich bin gespannt auf den direkten Vergleich.

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    • 20. August 2012 um 17:28

      @eichiberlin, ss werden allenthalben magentafarbene Aussichtplattformen aufgebaut, zumindest rund ums Rote Rathaus. Diese werden innen mit Infotafeln und Abbildungen ausgestattet. Habe heute mal probegelesen…… :-/

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  7. 20. August 2012 um 12:51

    Haha! Des Kormoran Gedanken hatte ich auch. Von der Sachbeschädigung zur Bürgerbelehrung.

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  8. 10 vau
    20. August 2012 um 21:51

    Hmm also ich kann mich noch sehr gut an die 750-Jahr-Feier erinnern. Aus bekanntlichen Gründen allerdings nur an die auf der östlichen Seite begangenen. Da wurde ’ne fünfstündige Parade auf die Beine gestellt von den Anfangen (sprich den ersten „Berlinern“ aus der Jungsteinzeit) bis zum gefeierten Dachdecker, der zum Oberhaupt der DDR wurde. Und das war, so erinnere ich mich, sehr schön. Nun ja, es müssen ja nicht unbedingt wieder 5 STunden sein. Aber wenn man so durch die Stadt läuft kriegt mann die 775 echt nur am Rand mit und alles wirkt so á´la: oh shit, das haben wir über BER & Co vergessen, also lasst uns schnell was auf den Boden stampfen (bzw. raufsprühen).
    Übrigens erinnern die Farben ein bißchen an „sponsored by Telekom“ Apropos: Kann sich noch jemand an das Brandenburger Tele-Tor erinnern? Hatte uns ja auch ein, zwei Jährchen erfreut.

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