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Baustelle

Noch mehr Kaufparks, noch mehr Baumärkte, noch mehr Einrichtungshäuser? Ich wundere mich oft darüber, denn irgendwie stelle ich bei mir selber fest, dass ich mein Geld dummerweise nur einmal und unwiederbringlich ausgeben kann. Dennoch kämpfen hier in Berlin und seinen Stadtteilen immer mehr Baumärkte, Einkaufsparks und Einrichtungshäuser um die Kunden.
Auch an der Schnellerstraße in Niederschöneweide entsteht wieder so ein Riesenmonstrum, für den die Bebauung aus der Zeit um 1880 – 1900 längst gewichen ist. Hier standen früher ein Werk der Berliner Metallhütten- und Halbzeugwerke, eine Kabeltrommelfabrik und die Bärenquell-Brauerei. Die Brauereigebäude stehen noch, sind durch den Denkmalschutz zunächst vom Abriss verschont geblieben. Der Rest ist eine weite Industriebrache, die demnächst von einem Riesenbaumarkt mit „drive-in“-Baustoffhandel und weiteren, noch nicht näher benannten Geschäfte überbaut werden (Quelle: BA Treptow-Köpenick von Berlin, Sanierungsverwaltungsstelle).
Die Fabrikantenvilla an der Schnellerstraße, nach 1990 von einer Polyklinik bewohnt, wurde ebenfalls abgerissen, obschon unter Denkmalschutz, wurde abgerissen, damit mehr Platz für Parkplätze ist.
Dank der Bilder bei street view gibt es ein paar Vorher- und Nachher-Impressionen.

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13 Responses to “Baustelle”


  1. 24. April 2012 um 20:47

    Das Bild mit dem großen Klinkerkomplex und der roten Baggerschnauze rechts: Das ist „vorher“ und jetzt alles abgerissen?

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    • 2 richensa
      24. April 2012 um 20:59

      Nein, das Bild vorher mit den grünen Eisenträgern ist das „vorher“. Obwohl… derzeit ist noch nicht klar, ob das Bild mit dem roten Baggerarm nicht im Moment das „vorher“ vor dem „nachher“ ist.

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      • 24. April 2012 um 21:01

        Ich mag diese alten Industriekomplexe sehr. Früher war ich von Berufs wegen viel in solchen Gebäuden unterwegs, damals hatte ich noch keine Kamera, was ich heute sehr bedauere.

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  2. 25. April 2012 um 06:42

    Und in allen Einkaufszentren dieser Republik finden sich im wesentlichen die gleichen Läden – alles normiert, alles austauschbar. Brauch ich nicht, da kauf ich lieber gleich online ein.

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  3. 25. April 2012 um 09:48

    Ich bin schon öfters genau hier vorbeigefahren und hab mir immer überlegt, was für tolle Sachen man hinter diesen Fassaden machen könnte… An Shoppen hab ich dabei nie gedacht.

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  4. 25. April 2012 um 10:51

    Es scheint so, als wollten Städte sich mit Gewalt das Gesicht nehmen. Klar, ist bestimmt aufwendig, so einen alten Industriekomplex nutzbar zu machen. Aber es will mir nicht in den Kopf, warum überall hochwertige Bauten (Ziegel!) durch Billigkram knapp überm Container ersetzt werden müssen. Daß das ein Wertverlust ist, müßte doch sogar Finanzmenschen einleuchten?

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  5. 25. April 2012 um 11:18

    erinnye, die Digitalkameras sind schon praktisch! Meine analoge schaue ich zwar wehmütig von Zeit zu Zeit an, bringe es aber nicht so weit, sie in Betrieb zu nehmen…

    vilmos, manches muss man halt anschauen oder anfassen, bevor man es kauft. Austauschbar ist das Angebot und auch die Gebäude aus dem Baukasten allemale, keine Frage.

    wassily, nur noch die Brauereigebäude stehen, es ist aber leider abgesperrt, mal schauen, ob ich mal ein paar mehr Fotos durch die Zäune machen kann.

    lakritze, ja, das passt genau: sich stadtplanerisch „mit Gewalt das Gesicht nehmen“. Die Weiternutzung alter Gebäude setzt sicher einen höheren Sanierungsaufwand voraus als vorgefertigte Betonteile wie beim Lego zusammenzupacken. Aber die Baumarkt-Kaufpark-Investoren scheinen mir nicht auf Nachhaltigkeit zu bauen, sondern als Abschreibungsobjekte. Und das leuchtet heller als bewahren und umnutzen…

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  6. 8 kormoranflug
    26. April 2012 um 08:40

    Die Stadtbilder wurden von den Industriebauten in Ziegel: „Metallhütten“ auch majorisiert und absolut verändert.
    Neue Baumärkte und Einkaufsgrosscenter braucht keiner.

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    • 26. April 2012 um 11:39

      Natürlich haben die Industriebauten damals Landschaft verschandelt. Aber wieviel Planungsaufwand, wieviel handwerkliches Können (allein die jahrelange Bauzeit!) sind da reingeflossen? Das wäre heute überhaupt nicht mehr finanzierbar. So eine Supermarkthalle wird in zwei Wochen hochgezogen und sieht in hundert Jahren garantiert nicht mehr gut aus — rechnet da wirklich niemand nach?

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      • 26. April 2012 um 11:49

        Stadtentwicklung verändert immer, auch im Mittelalter haben sie über Metallhämmer oder Wassermühlen als „neumodischen Kram“ gemeckert. Natürlich muss man sich durch den Kopf gehen lassen, wie viel Aufwand in einer handwerklich gefertigten Bebauung steckt und wie wenig nachhaltig neue Supermarktbebauungen sind. Und wie solche Industrieruinen nach wenigen Jahren aussehen, hat ein Freund von mir als Fotograf bei Halle für seine Abschlussarbeit gesammelt. Scheußlich, obwohl er natürlich eine gewissen Ästethik des Verfalls herausgezaubert hat…
        Aber Nachhaltigkeit ist kaum gefrag, weder bei den Kunden noch bei den Produzenten oder Planern von derartigen Industriebauten…

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  7. 11 opavati
    27. April 2012 um 13:32

    Das Berliner Pilsner von Bärenquell war seinerzeit das Beste.

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  8. 13 frauindica
    28. April 2012 um 11:52

    Oh, wie schön, dass Sie dort fotografieren waren. Neulich, auf der alten Heimatroute, bemerkte ich die Abrissarbeiten dort, konnte aber nicht spontan mit dem Auto anhalten.

    Aber wirklich, wer braucht da noch einen weiteren Baumarkt, wo doch ein großer seit kurz nach der Wende in der Nähe herumsteht? Und diese gesichtslosen Einkaufszentren mit dem immergleichen Angebot, die langweilen doch auch nur (und bringen dort in der Gegend ja noch nicht mal Nahversorgung). In FFO gibts auch so ein Riesencenter auf der grünen Wiese, das ich nur äußerst ungern aufsuche (Schwimmbrille im Sportladen nachkaufen oder so).

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