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Ungemach steht ins Haus

Mein Gefühl des Tages: Es steht Ungemach in Haus!

Letzte Woche lag ein Brief des Vermieters im Briefkasten. Normalerweise liegt zu dieser Jahreszeit die Nebenkostenabrechnung darin, auch nicht unbedingt ein Quell ewiger Freuden, dieses Mal aber wird es unangenehmer: Er schickt jemanden vorbei, der sich den Bauzustand 15 Wohnungen in Vorderhaus und Restseitenflügel anschauen will. Warum, das stand natürlich nicht im Brief. Aber da funktioniert doch das gute alte Buschtelefon hier im Haus, so dass ich von einer Nachbarin, die den Hausmeister getroffen hatte, gleich Gewissheit bekam: wir kriegen was auf’s Dach! Nein, keine Solaranlage oder Satellitenschüssel, es darf schon ein bisschen mehr sein. Unser Dachgeschoss wird ausgebaut und nicht nur das! Das seit dem 2. Weltkrieg fehlende Hinterhaus und der Rest vom Restseitenflügel werden wieder hochgezogen, kaum 66 Jahre nachdem der Schutt abtransportiert wurde.

So stand dann heute der zukünftige Bauleiter bei uns in der Wohnung, und erzählte uns nun aus erster Hand von den Plänen unseres Vermieters, der natürlich nicht nur unser Haus sein eigen nennt. Zum Jahresende müssen ja in Berlin die Dachböden gedämmt werden und nun wolle man die Chance nutzen, Kredite seien auch noch günstig und überhaup sei Berlin ja auch für Anleger interessant… MOMENT! Halt! Nun mal Butter bei die Fische! Es wird nicht nur ein Jahr lang hier rumgebaut, unser grüner Hinterhof, der eine Oase der Ruhe im quirlig-touristen Friedrichshain ist, wird zugunsten der Baustelleneinrichtung und dann eines Minirasens verschwinden und nun noch was? Ja, unser Haus wird in einzelne Einheiten aufgeteilt, die getrennt vermarktet werden können, schließlich sei ja Berlin die billigste Hauptstadt Europas. Zunächst wollte ich mit einem „preisgünstig“ verbessern, überlegte es mir anders, denn er hat irgendwie recht.

Das Viertel, der Simon-Dach-Kiez verändert sich rasend schnell. Im Moment scheint hier auch der Trend der Prenzlauer-Bergisierung hier einzusetzen. Noch ziehen die betrunkenen Jung-Touristen aus GB, Italien, Spanien und vermehrt auch Frankreich und Skandinavien durch die Kneipen, aber schon hört man von Investoren aus denselben Ländern, die hier Wohnungen für die eigenen Wochenendtrips nach Börlin kaufen. Rumors? No. Nun denn, jetzt trifft’s eben auch mich.

Der Bauleiter sagt, dass der Vermieter (zukünftig: der Verkäufer) zunächst natürlich die Wohnungen den jetztigen Mietern zum Kauf anbieten wolle, aber natürlich sei das Interesse daran, besonders an den Wohnungen hier in der oberen Haushälfte groß bei Investoren aus dem ganzen Bundesgebiet. Man könne ja mal im Internet schauen, für etwa 1900 € pro Quadratmeter sei das der ortsübliche Preis. Natürlich… schon klar… wie sind nun die Perspektiven? Ein Jahr Baulärm und -dreck? Der Einbau einer Zentralheizung, die ich nicht will, wo ich gerade meinen Gasanbieter gewechselt habe? Einen Aufzug vor dem Treppenhaus, so von draußen, dass der Garten noch kleiner wird? Achso, wir haben dann ja keinen mehr, aber wo wollen die denn den Aufzug hinbauen, wenn das Treppenhaus doch genau über dem Zugang zu Hinterhaus u Restgarten ist? Fragen über Fragen, allesamt von dräuendem Ungemach!

Jetzt gehe ich erstmal ans Plattenregal und suche die „Rebelsongs“-CD von Chumbawamba!

Ach, übrigens soll das Nachbarhaus auch einer tiefgreifenden Modernisierung ausgesetzt werden, das wo die Hemden im Fenstern hingen.


9 Responses to “Ungemach steht ins Haus”


  1. 12. Mai 2011 um 19:52

    Oh nein! Das ist schrecklich. Und ich hatte dein Haus unbekannterweise doch recht liebgewonnen, mit dem Balkon, den Hemden natürlich und dem Regal unten im Flur …
    Das heißt, Richensa & Co sind jetzt offiziell auf Wohnungssuche?

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    • 2 richensa
      12. Mai 2011 um 19:56

      Nein!
      Ich bleibe natürlich… und dokumentiere natürlich ausführlich. Nächste Woche mache ich mal eine Fotosafari im Garten, dem Hinterhofidyll mit den beiden schwarzen Katzen… Kalle, der Würstchen liebt und so

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      • 12. Mai 2011 um 20:35

        Mach das; Gentrifizierung von innen betrachtet, das ist vielleicht eine ganz neue Kategorie … Trotzdem schade. (Ich komme aus einer Stadt, in der das hinten und vorn nicht klappt mit der Gentrifizierung. Im Saarland stehen die neuen teuren Wohnungen tatsächlich leer …)

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  2. 12. Mai 2011 um 19:54

    Die Musik tröstet vielleicht – für den Moment.
    Jammerschade um Dein kleines Hinterhofparadies.Und das muntere Investorenkarussell dreht sich weiter. Zum Kotzen.

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  3. 5 kormoranflug
    13. Mai 2011 um 11:24

    Kormoranrat: entweder kaufen 1900,-€/m2 ist wenn renoviert ist ganz o.k. evtl. kannst Du als Noch-Mieter noch einen Rabatt heraushandeln. Oder Du suchst Dir rechtzeitig etwas anderes Schönes und hast keinen Lärm und Staub etc. ;-)

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  4. 6 vau
    13. Mai 2011 um 13:23

    Och menno, arme Rich. Das Baugelärme hatte ich auch mal live. Fast 9 Monate. Da musste man früh aufpassen, wenn man das Licht anmacht, das einem die Bauarbeiter nicht beim Umziehen zuglotzen. Aber irgendwie hatten die ja dann auch mal Feierabend… Da wohnte ich in Mitte. Da war die mittige gentrif. schon voll im Gange (und die ist ja quasi jetzt schon abgeschlossen). Auf einmal wichen den kleinen süßen Läden so komische Schuhläden, wo nur drei Schuhe drin standen, die aber so teuer waren, dass man davon zwei Monatsmieten hätte bezahlen kann.
    Am schlimmsten fidne ich aber, dass die Wochenendwohnungen der Reicehn und Schönen dann den Rest des Jahres leer stehen. Im Gleichen Atemzug wird Wohnungsuchen in Berlin ja immer schlimmer…
    Wie dem auch sei, wünsch euch Nerven wie Stahlseile und eure Wohnung selbst ist ja immer noch sehr schön!

    @Kormoranflug: welcher Normalsterbliche kriegt denn heute noch einen Kredit zum Wohnungskauf? Die Banken klammern doch an völlig veralteten Arbeitskonzepten, die kaum ein Mensch heute noch erfüllt (Stichwort: unbefristeter Arbeitsvertrag) Ich kenn jedenfalls keinen.

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    • 7 kormoranflug
      13. Mai 2011 um 14:55

      @VAU: Ja die Banken ein sehr spezielles Thema. Für einen Kredit von 3 Mill hätte sich der Banker interressiert aber nicht für meine wg. tausend….., das kenne ich.

      @Rich: bei den Bauarbeitern gibt es ja auch ganz leckere Kerle….

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  5. 8 karu02
    13. Mai 2011 um 14:13

    Das tut mir leid für Dich. Der einzige Trost, den ich – aus eigenen Erfahrungen – spenden kann: Manchmal wird es nach Veränderungen besser, speziell dann, wenn man sich das ganz und gar nicht vorstellen kann. So etwas Ähnliches wünsche ich Dir.

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