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Irrfahrt in Bevern

Derzeit hält mich das echte Leben ziemlich auf Trab, sowohl beruflich als auch privat, so bleiben manche Dinge etwas auf der Strecke. Leider zählt dazu das Füttern dieser Seite auch dazu. Aber bevor alles im atemlosen Sauseschritt verblasst, soll doch die Irrfahrt in Bevern kurz auf’s Tapet kommen.

Vor einiger Zeit, quasi „damals“, als ich noch Mitschreiberin bei einer Veranstaltungsplattform war, die ich inzwischen verlassen habe, stolperte ich über einen Artikel über eine „Ölmühle am Solling“, die unter anderem, so versprach der Artikel von PJebsen auch Kokosöl feilbot. Kokosnüsse am Solling, diesem recht großen Mittelgebirgszug auf der östlichen Seite der Weser? Irgendwo nördlich von Kassel, westlich von Göttingen, südlich des Harzes, rund um Silberborn? Ich konnte es mir damals nicht vorstellen, heute noch viel weniger, zumal auch letzte Woche dieser Landstrich wieder unter Beweis stellte, dass der Frühling dort bis zu vier Wochen später Einzug hält als im angrenzenden Wesertal.

Damals entspann sich in der Kommentarspalte ein sinnfreier, dafür umso abstrus Spaß beim Schreiben bereitender Groschenroman um Auguste mit den roten Wangen, die durch die Wirren des Lebens irrte und natürlich auch die krausen Hirnwindungen der Autorinnen, die sich nie über den Fortgang dieser Internet-Novela absprachen.

Kurz und gut, ich fuhr schon öfters an Bevern, dem kleinen Ort mit dem schönen Renaissance-Schlösschen vorbei, wenn ich auf dem Weg nach Höxter war. Seitdem das Dorf eine großzügige Ortsumgehung hat, lässt man ihn nach wenigen Wimpernschlägen rechts hinter sich, schaut schon ins Wesertal und freut sich, dass man bald ankommen wird. Immer jedoch dachte ich an die Ölmühle am Solling, nie schaffte ich den Abstecher. Letzte Woche sollte es aber dann doch soweit sein: die Sonne schien, es war mitten am Tag und meine Schwester und ich hatten noch ein wenig Zeit übrig. Wir bogen ab, nach Bevern (sprich: ‚befern), in den Ort hinein. Viel hat sich nicht verändert, sogar der Fleischer hat noch seinen Laden im Dorf, nicht weit vor dem Abzweig zur Weserfähre nach Polle.Da wollten wir aber gar nicht hin, sondern zur Ölmühle am Solling. Zunächst versuchte ich es auf die „gute alte Art“: Fenster herunterkurbeln und Passanten auf der Straße befragen. Aber das hat schon früher selten wirklich gut funktioniert. Also zückte ich das mobile Telefon mit Anschluss an die große weite Datenwelt. Schnell war der Eintrag gefunden, die Adresse in die Straßen- und Kartensuche einer großen Suchmaschine eingegeben: Otto-Hahn-Straße 2. Relativ schnell waren wir in dem kleinen Gewerbegebiet im Nordosten des Dorfes, die Adresse war auch bald gefunden. Nur: keine Ölmühle! Ich stieg zaudernd aus, meine Schwester wartete in ihrem Auto mit laufendem Motor. Man weiß ja nie, da bei den Südniedersachsen (ostwestfälischer Sinnspruch). In der Mitte lag eine Werkshalle mit herunter gelassenem Tor, nur ein „o“ samt Logo war noch da. Links wohnte ein kleines Bauunternehmen, das schon zu Mittag pausierte, rechts davon eine Werkstatt, in der eine Art Schlosserei mit italienischen Wurzeln ihre Heimat gefunden hatte.

Das "O" ist noch da, der Rest ist fort...

Das "O" ist noch da, der Rest ist fort...

Ich fragte nach der Ölmühle am Solling, wurde etwas verwundert angeschaut und dann teilte man mir mit, dass sie kein Öl kaufen wollten. Ich wollte ja auch keins verkaufen, das traf sich gut. Nochmal gefragt, dieselbe Antwort, nun etwas interessierter, was ich denn nun wollte. Ein paar Mal ging das Frage- und Antwortspiel hin und her. Ich wusste nicht, ob man es mir übel nehmen würde, wenn ich das haltlose Gelächter, welches aus der Kehle drängte, rauslassen würde. Vorsichtshalber schlüpfte ich zu meiner Schwester ins Auto und keuchte: „Fahr, abba schnell…!“ Sie tat wie geheissen, ich lachte mich kaputt und rief, noch unter dem Eindruck dieser Enttäuschung, dass wir die Ölmühle nicht mehr angetroffen hatten, noch bei PJebsen an und beschwerte mich. Er hatte das zuverlässigere Internet und konnte mir flugs berichten, dass die Ölmühle von Bevern nach Boffzen umgezogen ist. Zwar mutmaßte er, dass sie nun wohl nicht mehr am Solling liegen würde, da konnte ich ihn beruhigen: der Solling ist groß und die Ölmühle liegt immer noch am Solling.

Ob wohl Kokosnüsse in Boffzen wachsen?? Wir bleiben dran, meine Schwester und ich. Und wenn wir mal wieder Zeit haben, dann machen wir uns nach Boffzen (sprich: ‚bofftsen) auf und wehe….!


7 Antworten to “Irrfahrt in Bevern”


  1. 1 kormoranflug
    30. März 2011 um 18:24

    Wunderschöne Schwurbelei mit Wörtern und Orten….,Öl drüber sobald die Mühle gefunden ist.

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  2. 1. April 2011 um 10:32

    :)) Wobei die Mühle mit Boffzen namensmäßig sicher den schönsten Standort gefunden hat.

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    • 3 richensa
      2. April 2011 um 19:42

      Hack, Lakritze, es gibt noch andere wunder(-liche)bare Ortsnamen: Lütmarsen, Bödexen, Moddegsen (fast wüstgefallen) oder gar Brakel (Türklinken-Heimat), Fürstenau, Rischenau…
      „Rischenau,
      da ist der Himmel blau,
      da tanzt der Ziegenbock
      mit seiner Frau im Unterrock..“
      (lokaler Kinderreim)
      Allerdings habe ich bis heute nicht herausbekommen, ob der Ziegenbock den Unterrock trägt oder die Gattin. Sachdienliche Hinweise usw. an mich bitte!

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  3. 2. April 2011 um 12:08

    Ich bin gespannt auf den Bericht vom Fundort, wenn Sie die Mühle wirklich gefunden haben werden!

    Polle an der Weser, meine Güte, Kindheitserinnerungen an den Spielplatz und den Friedhof dort, auf dem ein entfernter Großonkel begraben lag. Und zu dessen Grab wir einmal im Jahr von Hagen/Westfalen aus anreisten. Muss ich doch auch gleich mal googeln.

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    • 6 richensa
      2. April 2011 um 19:38

      Ich bin heute bei Polle vorbei gekommen! Oh, hätte ich DAS gewusst, dann hätte ich zumindest den Friedhof fotografiert. Des werten Großonkels Grab wird, sofern keine weitere familiäre Totenfolge stattgefunden hat, sicherlich nicht mehr existieren. Schade eigentlich, dass die Friedhofordnung da so streng ist. Heutzutage kann sich halt kaum jemand einen Familienfriedhof im eigenen Park oä. leisten oder besser noch: ein Großsteingrab…

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  4. 7 philipp1112
    5. April 2011 um 18:49

    Wenn schon Ortsnamen erwähnt werden, sollte man Ohr nicht unerwähnt lassen. Mein Lieblingsort in der Gegend war allerdings Allersheim, des Bieres wegen.

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