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Musikinstrument des Tages: Lure

Die Lure ist, glaubt man den Archäologen, eine Art Kriegstrompete der Bronzezeit, die zwischen dem 13. und 7. vorchristlichen Jahrhundert in Skandinavien und Norddeutschland für irre Klangerlebnisse sorgte. Ein bisschen erinnert ihr Klang an die inzwischen sattsam bekannten Vuvuzelas oder aber auch, da es sich ja bei dem Instrument in Naturstimmung handelt, wie eine Trompete ohne Ventile bei den ersten Blasversuchen.
Nun denn, der skandinavische Bronzezeitler von Welt verstand es wohl, die Lure zum Klingen zu bringen, ob nun aus kriegerischen oder kultischen Gründen, lässt sich heute nicht mehr mit Sicherheit ermitteln.
Als ich vorletzte Woche in Kopenhagen weilte, fiel mir gleich auf dem Rathausplatz das Bronzedenkmal der beiden germanisch-kriegerisch dargestellten alten Dänen auf, die jeder mit Lure ausgestattet waren.

Auch abends machten sie eine stattliche Figur, dort oben auf ihrer Sandsteinstele. Immerhin schwiegen die Instrumente ja.

Im Nationalmuseet gibt es eine stattliche Sammlung dieser Originalinstrumente, die zumeist paarweise in Depotfunden angetroffen worden waren. Wie sie da in der großen Glasvitrine hängen, haben sie etwas von prähistorischen Elefantenrüsseln, aber eindrucksvoll sind sie schon.

Und zum Schluss gibt es noch ein kleines Klangbeispiel:

Ehrlich gesagt musste ich herzlich lachen… entschuldigt, ihr Bronzezeitler…


10 Antworten to “Musikinstrument des Tages: Lure”


  1. 1 karu02
    23. Juli 2010 um 11:21

    Von diesem Instrument wusste ich bisher nichts, was nicht am Klang gelegen haben wird. Danke für die Nachhilfe.

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  2. 2 kormoranflug
    23. Juli 2010 um 12:00

    Hört sich wunderbar archaisch an. Aussehen tun die Lure-Dinger auch toll. Kein Vergleich mit den heutigen Kunststofftröten.

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  3. 4 6kraska6
    23. Juli 2010 um 15:51

    Also ich schätz schon, die Grundintention von Lure und Vuvuzela ist schon dieselbe: Dem Feind/Gegner vorab den Nerv töten…

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  4. 26. Juli 2010 um 01:25

    Ich zittere gemeinsam mit Kraska vor der Vergabe eines Fußballturniers nach Skandinavien!

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    • 6 richensa
      27. Juli 2010 um 19:02

      Klar und dann setzen sie noch die Hörnerhelme auf, die ollen Skandinavier, die nachweislich nie ein Wikinger trug, aber es gibt einige wenige Stücke aus lurenzeitlichen Zusammenhängen…

      Und DANN erst hätte ich Anggst vor denen…

      Ob man wohl ABBA-Melodeien auf der Lure hinbekommt?

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  5. 26. Juli 2010 um 12:14

    Backen aufpusten bringt bekanntlich gar nix, aber dieses paarig-verschränkte Lure-Spiel sieht von weitem doch sehr malerisch aus. — Ich vermute, daß die Lure sich im Nichtsehrnahkampf auch als Schlaginstrument einsetzen ließ? Das hätte sie der Vuvuzela voraus.

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    • 8 richensa
      27. Juli 2010 um 19:04

      Leider habe ich nicht herausfinden können, wie schwer so eine Naturtrompete ist, aber es sieht schon nach gewisser Schlagkraft aus, auch der Aufprallton wird voller sein als bei der Vuvuzela, in der Tat!

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  6. 9 walterlenz
    2. August 2010 um 00:24

    Beeindruckend schön (ich bei der Tonprobe habe nicht gelacht).

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