Archiv für August 2009

22
Aug
09

Schiffsausflug MS-Weltfrieden

Karl Heine war ein Leipziger, aber was für einer. Mit dem Erbe des Großvaters kaufte er in den 1930er Jahren im Westen Leipzigs größere Ländereien auf, die er als Baugebiete mit dem Aushub des von ihm initiierten Kanalbauprojektes seit 1858 planierte und für Industrieansiedlungen und Wohngebiete bebaute. Gehört hatte ich von ihm allerdings vor dem letzten Wochenende in Leipzig noch nie, von diesem Visionär, der über 30 Jahre an einem Verbindungskanal zwischen Weißer Elster und Saale arbeiten ließ, weil er seine Stadt an die großen europäischen Wasserwege anbinden wollte.
Als uns unser Gastgeber in Leipzig die Fahrt auf der “MS Weltfrieden” vorschlug, dachte ich ja mal wieder an einen seiner kongenialen Einfälle, uns zu verwirren. Aber nein, das Schiff heisst wirklich so!
Das kleine Motorschiff wurde 1945 auf einer Werft in Parchim gebaut und war bis 1990 als Ausflugsdampfer auf dem Auensee unterwegs. Seit 1998, nach einer werftmäßigen Überholung, verkehrt das Boot mit Platz für bis zu 25 Ausflugswillige auf dem Karl-Heine-Kanal.
Es ist eine Brückenfahrt der besonderen Art, durch kleinste Brücken schlängelt sich das Schiff durch den teilweise grünen Tunnel des Kanals.

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Paddel- und Ruderboote begegneten uns, aber auch venezianische Gondeln, Partyflöße mit Rentnern bei Kaffee, Kuchen und Animation durch Witzeerzähler, unser Schiffsführer war eher ruhig, was ich ja sehr angenehm fand.
Anderthalb wunderbare Stunden schipperten wir gemütlich über den Kanal, immer mal wieder von laut knatternden, anderen, viel kleineren Ausflugsbooten überholt.
Die Entdeckung der Langsamkeit mit der “MS Weltfrieden”, ja, so war der Samstag der Sonntag unter den Besuchstagen in Leipzig!

05
Aug
09

Stadtgespräch

Die Nichte aus Oslo, süße zwölf Jahre, ist heute in Berlin mit dem Flugzeug eingeschwebt und von der einen Oma in Tegel abgeholt worden. Am Freitag wird sie zur anderen Oma per Auto von mir von Berlin ins Südniedersächsische mitgenommen.

Gut, über die Übergabemodalitäten muss nun noch mit Oma 1 am Telefon verhandelt werden. Die passende Festnetznummer bekomme ich von Oma 2. Also rufe ich Hilde mal an. Hilde wohnt in Westend, also am gegenüberliegenden Ende der Stadt.

*Bimmelim… bimmelim*

„Ja, hallo?“ (Oma 1 am Telefon)

„Guten Abend, Hilde! Ich wollte mal kurz mit Dir absprechen, wann ich Hannah abholen komme. Das wird so zwischen acht und halb neun morgens, da am Freitag.“

„Ach, so früh schon?“

„Nun ja, du hattest doch gesagt, dass wir früh los fahren sollen, weil ja alle Berliner dann schon auf’s Land fahren.“ (Vorsicht, sie darf die Ironie nicht so hören!!!! Sie selbst hatte mir diese westberliner Weisheit über Oma 2 zukommen lassen.)

„Ja, gut… es muss aber jemand bis zu meiner Wohnung hochkommen, um Hannah abzuholen.“ (Kann eine pfiffige Zwölfjährige nicht zwei Etagen alleine die Treppe hinuntergehen???)

„Na klar, kein Problem, mache ich.“

„Und…. habt ihr auch Sonne auf dem Balkon?“ (Hilde bemühte sich offensichtlich, noch etwas Gespräch zu veranstalten. Ich musste mich ordentlich beherrschen, nicht laut loszulachen, ob dieser offensichtlich ernst gemeinten Frage.)

„Na klar, ist ja nicht so weit von Dir zu mir…“ (Hilde als eingeborene Westberlinerin hegt immer noch ein gesundes Misstrauen den östlichen Stadtbezirken gegenüber.)

„Ach….“ (nun wusste sie auch nichts mehr zu sagen..) „… na dann, bis Freitag morgen…“

„Dir auch einen schönen Abend… Tschüss.“

„Tschüss…“

Als die Nichte vor ein paar Jahren mitsamt der liebenden Eltern im Westend weilte, wollte man sich auf ein Abendessen treffen. An dem Abend spielten die Rolling-Stones in Berlin, es herrschte sowas wie Ausnahmezustand in allen Bahnen gen Westend.

Es wurde beschlossen, im Grunewald essen zu fahren und die gute Oma 1 dirigierte den Schwiegersohn am Steuer des Wagens auf eine ausgedehnte Tour durch Villenviertel und Botschaftsecken inkl. am Standort ihres Tennisclubs vorbei, damit die arme, angeheiratet Verwandtschaft aus dem Ostteil der Stadt mal „schöne Häuser“ zu sehen bekam.

Naja, OSTwestfalen sind offensichtlich in Hildes Augen auch Menschen mit Migrationshintergrund, kurzum Ossis.

Freue mich schon auf Freitag!!




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