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Apr
09

Greifswald im Frühling

Vor drei Wochen verschlug es mich für eine Tagung nach Greifswald. Ich war sehr gespannt auf die alte Hansestadt, die durch ihre Universität und durch Stiftungen so etwas wie eine Frischzellenkur verpasst bekommen hat. Das erste Mal war ich im Sommer 1991 während einer Exkursion während meiner eigenen Studienzeit dort und war mir damals noch nicht so sicher, ob ich die Stadt mögen würde, wohingegen mir Stralsund auf Anhieb gefallen hatte. Mein nächster Besuch sollte knapp 13 Jahre auf sich warten lassen, genügend Zeit, sich ordentlich zu verändern, das galt für die Stadt als auch für mich selber. Meine Überraschung war groß, denn die Bebauung am Markt hatte sich ordentlich herausgeputzt, allenthalben war Betrieb in den Gassen und Straßen der Stadt, viele Studenten belebten die Cafés. Viel Zeit hatte ich damals nicht. Nun sollte ich für drei Tage in Greifswald sein, abgesehen von Vorträgen und Abendempfängen würde mir genügend Zeit zum Schauen und Wiederfinden übrig sein.

Es war ein echtes Wiedersehen, an viele Häuser, die mir während meines letzten Besuchs aufgefallen waren, konnte ich mich nun lebhafter erinnern: das Rathaus, die hanseatischen Giebelhäuser rund um den Marktplatz, die Nikolaikirche, liebevoll „Dom“ genannt und wieder das tagsüber recht lebhafte Treiben in der kleinen Stadt. Die „kleine Stadt“ möge man mir verzeihen, aber das mittelalterliche Schachbrett von Straßen und Gassen hat man zu Fuß schnell durchschritten und kann sich dann dem langsamen Schauen hingeben.

greifswald-rathaus1

greifswald-domgreifswald-marktplatzgreifswald-marktplatzz

Abseits der Hauptstraßen wartet die Hansestadt mit den kleinen Überraschungen auf:

greifswald_kuss

Das Bild der sich küssenden Verbindungsbrüder erinnert sehr an die Banksy-Graffitits, besonders an das der „Brighton Coppers“..

Für mich gänzlich unbekannt war bis vor drei Wochen die „pommersche Sphappo“ Sybilla Schwarz. Nur siebzehn Jahre wurde die hochgebildete Tochter des Greifswalder Bürgermeister alt, bevor sie 1638 an den Folgen der Ruhr starb. Schon als Zehnjährige hatte sie begonnen, Gedichte zu schreiben und zählt somit zu den wenigen deutschen Barockdichterinnen. Ihr Elternhaus steht nur wenige Schritte vom Markt entfernt.

Sybillas Elternhaus (Front)

Sybillas Elternhaus

Sybillas Gedicht

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11 Responses to “Greifswald im Frühling”


  1. 17. April 2009 um 19:52

    Was für ein schöner Spaziergang voller Erinnerungen.

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  2. 2 hyke
    22. April 2009 um 08:51

    Ich war auch 1991 das erste Mal dort. Einige meiner Vorfahren kamen aus Greifswald und ich war damals sehr gespannt und..enttäuscht, bzw. fast den Tränen nahe, alles grau und verfallen. Danke für den wunderbaren Rundgang, der hat meine traurigen Erinnerungen vertrieben und ich werde sicherlich bald hinfahren.

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  3. 3 richensa
    23. April 2009 um 19:44

    Liebe hyke,

    Greifswald ist für mich auf alle Fälle eine Reise wert! Aber ich weiß, was Du meinst: ähnlich ging es mir mit Stralsund, von dem ich bei meinem ersten Besuch Anfang der 1990er total begeistert, trotz traurigem Anblick war und mir nach meinem 2. Greifswald-Besuch auch einiges erhofft hatte. Und da wurde ich mit vielen städtebaulichen Sünden enttäuscht.. vielleicht isses auch da Zeit, wieder hinzufahren??
    Komm, trau dich nach Greifswald!! Tschakka!

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  4. 4 hyke
    24. April 2009 um 19:58

    Das werde ich tun! Ich denke, sogar schon im Mai und jetzt freu ich mich sogar, danke Dir !!!!
    …und Du nach Stralsund :-)

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  5. 5 kormoranflug
    25. April 2009 um 16:44

    Früher konnte man im Auslaufkanal vom Kraftwerk Greifswald im warmen Wasser schwimmen. Aber das ist jetzt abgeschaltet.
    Bleibt das kühle Meer…….
    Ganz schön bunt geworden in der Altstadt.

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  6. 6 richensa
    25. April 2009 um 19:35

    Habe mal meinen Terminkalender durchgeschaut und fürchte, dass Stralsund noch das eine oder andere Wochenende auf mich warten muss… Aber für Oktober sieht’s gut aus!

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  7. 2. Mai 2009 um 08:11

    Das ist schön. Vielleicht gar nicht so sehr die bunten Farben, aber die Vorstellung, daß hinter den Fassaden wahrscheinlich noch unentkernt die alten Häuser stehen. Und die Burschis sind spitze. :)

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  8. 2. Mai 2009 um 08:19

    Achja, und die Gedichte der bemerkenswerten Sibylla gibt es online:
    http://www.wortblume.de/dichterinnen/schwrz_i.htm

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  9. 24. Januar 2010 um 22:41

    Wie gut, dass du eine Suchfunktion hast, liebe richensa, nachdem ich es nun endlich geschafft habe nach Greifswald zu fahren, musste ich an deinen Beitrag denken.Und… es war wunderbar,jung, frisch, frech bunt und berauschend, du hattest recht. :-)

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    • 10 richensa
      24. Januar 2010 um 23:06

      Klasse!
      Das freut mich sowohl für Dich als auch für Greifswald!
      Im März geht’s für mich nach Görlitz, da war ich noch nie, habe aber viel tolles gehört… auch dazu werde ich hier natürlich berichten, gerne auch als Anregung ;-)

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