23
Nov
08

Corvey spricht sich [korwei] aus

Hier ein Artikel, den ich ca. 2008 auf qype eingestellt hatte:
Corvey, die barocke Klosteranlage mit der bauernbarockenen Kirche, die aber das spätkarolingische Westwerk in wesentlichen Teilen noch beinhaltet, ist auf alle Fälle eine Reise wert!
Als die Franken ihre gierigen langen Finger nach den lieblichen Ländereien Westfalens und der nach Osten angrenzenden Gebiete ausstreckten, war vom Kloster in der Weseraue noch keine Rede. Die Besiedlung bestand zumeist in kleinen Gehöften und Dörfern, die leider in keiner Schriftquelle auftauchen, nur durch archäologische Aufschlüsse aus dem Dunkel der Geschichte aufblitzen.
Zunächst war der Plan, das Kloster im Solling zu gründen, dem östlich der Weser ansteigenden Höhenzug. Versuch macht kluch, dachte man sich wohl und entließ 816 die Mönche, die zumeist aus Nordfrankreich (und dem dortigen milderen Klima) stammten in die Ödnis des unerschlossenen Waldgebietes. Sieben Jahre versuchten sie es, litten unter Hunger, Kälte und Krankheiten. Dann kam 822 endlich der zweite Gründungsversuch im deutlich freundlicheren Wesertal zustande. Die Klostergemeinde wurde von Ludwig dem Frommen und seiner Frau mit reichem Landbesitz ausgestattet und dann klappte es. Kirchenbau in Stein, Klosteranlagen, jede Menge Novizen, der sächsische Adel schickte seine (männlichen) Sprösslinge hierher zur Ausbildung. Corvey war eine Kaderschmiede geworden.
Auch die Mission Skandinaviens wurde im 9. und 10. Jh. maßgeblich von Corvey aus bestritten, die Bischöfe von Hamburg u Bremen waren Corveyer Zöglinge gewesen. Es ging so erfolgreich weiter bis ins 12. Jh. Die deutschen Kaiser hatten ihre Interessen weiter im Südwesten, die versuchte Stadtgründung ging mit ihrer Zerstörung 1265 „total vor die Wand“ und das Reichskloster sank in der Bedeutung ziemlich ab, bis es 1803 als Kloster aufgelöst wurde. Überdauert haben die imposanten Barockanlagen und die Kirche.
(edit:) Deren Westwerk des späten 9. Jh.s, welches heute noch erhalten ist, gehört seit Juni 2014 zum Weltkulturerbe der Unesco.
Das Museum hat sich seit einigen Jahren auch ordentlich entstaubt, so dass es auch Spaß macht, da reinzuschauen.
Und da hat mein Vorschreiber Recht: in der „geschlossenen“ Jahreszeit ist es auch schön, die Stille zu genießen.

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