20
Nov
08

Wien – Narrenturm

Wer bis in das 20. Jahrhundert hinein an einer schweren seelischen Erkrankung litt, konnte schnell im Gefängnis landen. Denn das waren die Orte, wo Menschen mit diesen Krankheiten wegsperrte. Grauenhafte Bilder entstehen im Kopf, wenn man heute daran denkt. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurde endlich eine Art Krankenhaus zur Behandlung gegründet, Kaiser Franz I. war der Schirmherr für den Bau des runden Turms. Das Gebäude bot Platz für 300 Patienten und war schon bald nach der Einweihung 1784 gut gefüllt. Seit dem Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der “Narrenturm” als Schwesternwohnheim für das nahe gelegene Allgemeine Krankenhaus (AKH) genutzt, auch Ärzte zogen bald ein, richteten hier Studierzimmer ein.
Die Studiensammlung der medizinischen Präparate wuchs im Laufe der Zeit, Teile davon sind als Museum inzwischen auch zu besuchen.
50000 Präparaten bilden heute das Rückgrat der Sammlung. Hier werden Mazerationspräparate (zumeist Knochen), Feuchtpräparate (in Formaldehyd konservierte Körperteile), Abgüsse vom lebenden Objekt aus Wachs und Geräte vor allem für Medizinstudenten, aber auch für den interessierten, aber auch “standfesten” Besucher aufbewahrt.
Wir waren letzte Woche an einem Spätnachmittag im Museum und konnten hier für 2 Euro an einer Führung teilnehmen. Ein Student war der Führer durch eine Etage des siebenstöckigen Turmes und zeigte uns von einem Raum mit Präparaten von Tuberkuloselungen ausgehend einen guten Querschnitt durch die Bestände. Hierzu gehörten die Skelette von Patienten, die an Rachitis gelitten hatten, siamesischen Zwillingen und vor allem auch die lebensecht kolorierten Wachsabgüsse von Krankheiten, die in Mitteleuropa ausgerottet oder bereits in einem Frühstadium medikamentös behandelbar sind.
Für mich war es eine überaus interessante Stunde, allerdings muss man sich als Besucher vorher intensiv fragen, ob die Nerven, der Magen oder alles zusammen, diesen Besuch mitmachen. Unser Museumsführer fragte stets betont teilnahmsvoll, ob “es” noch geht, ja, die ganze Gruppe hat die Tour durchgehalten, aber ehrlich gesagt hätte ich auch direkt nach dem Besuch noch kein Gulasch oder Apfelstrudel essen mögen.

Pathologisch-anatomisches Bundesmuseum in Wien

Spitalgasse 2, Zugang: Van-Swieten-Gasse, 1090 Wien
+43 +1 4068672/2
www.narrenturm.at/

Öffnungszeiten:

Mo – Sa: 9:00 – 19:00
So: geschlossen

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1 Response to “Wien – Narrenturm”


  1. 1 joulupukki
    24. November 2008 um 08:36

    Ah, da ist er ja, der Narrenturm! Der wurde nun also entqypt, oder wie darf ich das verstehen?
    (der Text des Artikels hat sich übrigens doppelt reingemoppelpastet)

    Gefällt mir


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