31
Okt
08

Pfui Spinne!

In manchen Gegenden Brandenburgs muss man froh sein, eine Unterkunft für eine gewisse Zeit zu finden, die einen an mehr oder weniger interessante Projekte bindet. Die Pension, die ich mir eigentlich ausgesucht hatte, stand nicht zur Verfügung, weil der Kollege, den ich während seines Urlaubs vertreten sollte, doch nicht Bescheid gesagt hat oder irgendwie umdisponiert hat. So schien die Bekannte der Pensionswirtin mit einer eigenen Zimmervermietung im Keller eine scheinbare Lösung.

Der Kellereingang ist mit einigen braunen Kästen von letzten Geranienpflanzen umstellt, die mitleidig im Wind nickten, als ich in den Keller hinabstieg.

Die Zimmer sind wirklich eng, zumal mit bis zu drei Betten voll gestellt, die ergeben auf die nächste Besatzung warten, und einer Sitzecke in Nachwendebraun sowie schwarzer Fernsehmöbel. Die Bilder an den Wänden hätten nicht sein müssen, besonders das mit den Zwillingstürmen nicht. Oder vielleicht soll es auch als Vanitas-Symbol an die Vergänglichkeit meiner Meckerei, die meines Daseins oder die aller Dinge erinnern, ich vermag es nicht zu sagen.

Was mich aber wirklich geärgert hat, ist, die Tatsache, dass ich drei Arbeitswochen hier abends mein Haupt betten sollte und in dieser Zeit der Staubsauger nicht wirklich den Weg in das Zimmer fand. Zudem war die Wäsche nicht gewechselt, als ich am 2. Montag wieder kam. Nun gut, ich sollte nur eine Nacht in jener Woche dort verbringen, hätte wahrscheinlich bei Rücksprache nicht einmal etwas dagegen gehabt. Aber ungefragt… nein, wirklich nicht!

Das Bad musste ich mir zudem teilen, da ich meinen Teilhaber im Nebenzimmer als Kollegen kannte, war auch das nicht ein großes Problem, dass wir Dusche und Toilette noch mit einem dritten, uns unbekannten Gast teilen sollten, war ebenfalls vorher nicht abgesprochen und uns nicht recht, aber nicht zu ändern.

Der Eingangsbereich in diese unterirdischen Gefilde ist mit einer weiteren Essecke, einem Herd, Kaffeemaschine, Toaster und Wasserkocher ausgestattet, Besteck und Geschirr, welches in der Bel-Etage offensichtlich ausrangiert wurde. Was gespült werden soll, stellt man der Wirtin in einem Körbchen hin, welches sie abholt, wenn die Gäste außerhäusig sind. Dann schließt sie die Tür jenseits der Kellertreppe auf und betritt mit Schlüsselbund das Reich. Auch wenn der Obulus entrichtet werden muss, erscheint die Herrin an der Tür, tritt ein, nimmt den vereinbarten Mietzins entgegen und schließt schnell hinter sich die Tür zur Oberwelt wieder ab.

Wir kamen uns irgendwie eingesperrt vor, als wir uns etwa ratlos ansahen. Kein Ort, den ich wirklich weiterempfehlen würde.

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