18
Okt
08

Warum ich biozertifizierte Eltern hasse

Der Tag ist ein wunderbarer klarer Herbstsamstag, perfekt für einen Marktgang. Angehängt wird noch der Einkehrschwung im Bio-Supermarkt, weil die in der Gegend das beste Mehl haben, weil ich ja heute Ravioli zaubern will.

Nun gut, es ist natürlich mein Fehler, ganz klar, dass ich nicht zur Morgendämmerung bereit bin, auf den Markt zu gehen, denn dann sind nur die Beschicker und wirklich Besessene rund um den Boxhagener Platz unterwegs. Nur dann liegen die Kürbisse, Kartoffeln, Petersilienwurzeln, Äpfel und das andere Gedöns unverstellt für meinen prüfenden Blick bereit.

Ich bin es ja auch selber in Schuld (westfälisch für: mein Fehler), dass ich ein bisschen länger als vier Uhr fünfundvierzig wie wochentags schlafen und ein gemütliches Frühstück mit Kaffee, Croissant und Frühstücksei zelebrieren will. Daher kam ich erst gegen halb elf aus dem Haus.

Der Markt gruppiert sich in zwei Reihen um den Boxhagener Platz und bietet mit seinem „Laufsteg“ in der Mitte für die Fußgänger knappe 3 m Flanierbreite. Normalerweise ist das auch genug, aber am späteren Vormittag, wenn die dynamischen Jungeltern ihre Kids in die Klamotte gesteckt und mit dem schicken Kindervierrad losziehen, ist es für mich irgendwann so weit, dass ich stehen bleibe und eigentlich nur aus vollem Hals losschreien will. Manchmal bleibe ich auch stehen, lege den Kopf in den Nacken und schreie lautlos, ich will ja kein Aufsehen erregen, schließlich bin ich schüchtern. Man steht am Stand mit den guten Äpfeln an (un-bio, aber regional und lecker), da wird man das erste Mal mit so einer Blagenkarre von hinten angefahren. Statt einer Entschuldigung des Fahrpersonals starrt dieses angestrengt in die Kiste mit dem Wirsing (mögen die Blagen den Wirsing auf den weißen Teppich zuhause spucken!!!). Ich sage einfach mal laut: AUA! Keine Reaktion. Auch schön, ungehobeltes Pack!

Nach getanem Apfelkauf laufe ich weiter, an einem Espressostand vorbei. Die Eltern unterhalten sich angeregt mit dem Standbetreiber, das liebe Kleine tritt währenddessen ständig gegen das Standschild. Nicht mal ein „Lars-lass-das“ ist zu hören, der Espressomann schaut leicht gequält, ich gehe grinsend weiter.

Mit einem Laufrad fährt ein blondes Engelchen, welches eindeutig zu groß dafür ist, an mir vorbei und der älteren Frau mit der Gehhilfe erstmal gegen diesselbe. Die Mutter im coolen Friedrichshain-Style zieht das Kind weiter, und sagt „Leonie“, mehr nicht. Das Engelchen fährt munter weiter, die ältere Frau ist scheinbar froh, dass sie noch auf den Beinen steht. Wir schauen uns nur an, ich zucke die Schultern, sie schüttelt den Kopf.

Der Marktgang zieht sich auf diese Art weiter, mich ärgert diese Rücksichtslosigkeit der Eltern maßlos, nur sich und die eigene Brut in das Zentrum der Welt zu stellen, um das sich gefälligst der Rest klaglos herumdrehen soll.

Im Bioladen dasselbe: an der engsten Stelle steht ein Vater mit Einkaufswagen und telefoniert, weil er nicht weiß, ob Apfelmus dasselbe ist wie „Apfelmark“, was auf dem überteuerten Gläschen steht. Das Kind rollert auf seinem Minifahrrad herum und zusammen blockieren sie den Durchgang total. Eine Frau ohne Anhang will durch, fragt das Kind: „Darf ich mal durch?“ Das Kind glotzt sie blöd an und erstarrt. Sie versucht es nochmal: „Ich möchte mal durch, fährst du mal zur Seite?“ Ist doch klar formuliert, oder? Papi telefoniert weiter und reagiert gar nicht, er scheint zu bestätigen, dass Männer nur eine Sache auf einmal schaffen. Weder die Frau noch ich, nun von der anderen Seite vor dem Stau stehend, kommen weiter. Als der Papi endlich auflegt, schaut er uns beiden total dämlich an und meint: „Sie sehen doch, dass wir hier stehen.“ Da ist mir der Kragen geplatzt und ich habe in giftigem Ton gemeint: „Ja, soweit kann ich folgen, aber warum das so sein muss, verstehe ich beim besten Willen nicht. Mir wäre es lieber, wenn Sie sich endlich mal bewegen würden.“ Die andere Frau sagte nur: „Jo, dem ist nichts hinzuzufügen.“ Sie schob diese erwachsene Version eines Ar…lochkindes beiseite und ging endlich vorbei, ich dann auch, in die andere Richtung.

Bevor jemand was sagt, dass sich das alles hier kinderfeindlich anhört oder liest, nein, ich bin nur elternfeindlich!


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