17
Okt
08

Zwischen die Beine oder zwischen die Augen?

Herr Jebsen warf mir vor einer Weile ein Stöckchen zu, in Form einer netten Nachricht auf einem anderen Kanal. Manche Dinge brauchen halt ihre Zeit, es ist ja eine Menge im „echten Leben“ passiert. Zurück zu Herrn P.: er wollte mit dem Stöckchenzuwerfen das Sammeln von Lieblingszitaten lostreten.

Eigentlich habe ich ja gar keine Lieblingszitate, was nicht daran liegt, dass ich andere Menschen, die etwas Schlaues sagen oder aufschreiben, nicht total toll finde. Natürlich bin ich nur neidisch, weil mir selber nie etwas zitatwürdiges, was dann später in gedruckter Form im „Hausschatz der Zitate“ oder „Zitate für jede Gelegenheit“ erscheint.

Dann kommt aber noch hinzu, dass ich mir so wunderbare Bonmots einfach nicht merken kann, das Gleiche gilt übrigens für Witze. Nur den, den mir Jutta mal erzählt hat, den merke ich mir boshafterweise seit Jahren.

Treffen sich eine Null und eine Acht. Sagt die Null zur Acht: „Oh, chic, heute mit Gürtel?“

Doof, ich weiß! Aber ich merke ihn mir, danke liebe Jutta!

Mein Prof sagte früher immer: „Sie müssen nicht alles wissen, aber Sie müssen wissen, wo es (geschrieben) steht!“ (†Walter Janssen, ca. 1989)  Daraufhin habe ich angefangen, meine bescheidene Privatbibliothek zumindest in einer Fachrichtung hin aufzupeppen, nun steht eine Menge bei mir im Arbeitszimmer. Aber da weiß ich trotzdem nicht immer, wo genau was steht.

Meine Ur-Oma könnte ich auch zitieren, die westfälische. Sie hat den Begriff „wohlschmeckende Stunde“ kreiert, der geschickt das Trinken von Wacholderschnaps vor dem Essen zum Anregen der Verdauung und nach dem Essen zur innerlichen Anwendung desselben umschreibt. Bei uns in der Familie weiß jeder bis heute, auch mein Neffe, der eigentlich von Alkohol noch gar nichts verstehen sollte, um was es geht.

Herrn von Goethe mag ich ja nicht besonders, aber meiner Meinung nach hat er vieles, was er von sich gegeben hat, wunderbar und kurz im „Buch der Sprüche“ im „West-östlichen Diwan“ auf den Punkt gebracht:

Getret’ner Quark

wird breit,

nicht stark.

Ein Zitat nach meinem Geschmack!

Dann war da noch Herr Ringelnatz: „Auch die besessensten Vegetarier beißen nicht gerne in’s Gras.“ Dem ist nichts hinzuzufügen, was ja streng genommen, der Witz bei Zitaten ist.

Achja, eines habe ich noch von Stromberg: „Können diese Augen lügen? Können diese Füße fremdgehen?“ Das muss er aber von mir haben, denn das frage ich auch manchmal: „Können diese Augen lügen?“ Wenn dann mein Gegenüber langsam den Kopf schüttelt, mich dabei paralysiert anstarrt, im Blaugrau meiner Augen versinkt, dann lächele ich leise und sage: „Nein, aber der Mund darunter..“ Wahrscheinlich ist es auch nur ein Zitat, ich weiß aber nicht mehr von wem, also klaue ich es gerne.

Nun, Herr Jebsen, sind Sie mit der Stöckchen-Ausbeute zufrieden? Besser spät als gar nichts, oder?

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9 Responses to “Zwischen die Beine oder zwischen die Augen?”


  1. 17. Oktober 2008 um 23:47

    Die „wohlschmeckende Stunde“ gefällt mir am besten. Aber ich wäre auch keine Westfälin, wenn mir dies nicht einginge.
    (erhebt ihr Glas) Prösterken, Richensas Ur-Oma!

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  2. 2 joulupukki
    18. Oktober 2008 um 02:45

    „es ist ja eine Menge im “echten Leben” passiert“
    Auch endlich unter der Haube? ^^

    Ja, diese Stöckchen Werfer! Erinnert mich immer ein bisschen an die Kettenbriefe, die ich in meiner Jugendzeit erhielt und natürlich brav weitersendete. Hast Du das Kleingedruckte auf Deinem Stöckchen eigentlich gelesen? -> „Werfen Sie dieses Stöckchen innerhalb von 7 Tagen anderen 3 Menschen an den Kopf. Zuwiederhandeln wird mit Beulenpest bis zur 7 Generation Ihrer Nachfahren geahndet…“

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  3. 18. Oktober 2008 um 07:06

    @Richensa: Herrlich, da hast du ja ein echtes Füllhorn über uns ausgeschüttet!

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  4. 18. Oktober 2008 um 10:05

    ät buchstäblich: meine Ur-Oma muss eine echt Klassefrau gewesen sein, sie hat auch über Kaiser Wilhelm gesagt, nachdem der in Dortmund damals in seinem Kaiser-Zug angehalten hatte: „Wer als Mann Federn auf dem Kopf trägt, tickt darunter nicht richtig.“

    ät joulu: musste meinen Flug nach Wien buchen, soweit zu Kaiser Wilhelms und meiner Haube…. Kleingedrucktes lese ich NIENIE, das erklärt vielleicht die vielen Waschmaschinen bei mir….

    ät Herr Jebsen: und *schwupps* ist noch ein unveröffentliches Zitat aus meinem Familienschatz hier reingeplumpst…

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  5. 5 joulupukki
    18. Oktober 2008 um 23:20

    Ha! Das Federnzitat ist ja das Allerbeste!
    Und lass von Dir hren, wenn Du in Wien bist! Wann isses so weit?

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  6. 18. Oktober 2008 um 23:35

    Die Uromma war aus Doatmund? Das erklärt einiges – es sind die Gene ….

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  7. 7 richensa
    19. Oktober 2008 um 11:07

    buchstäblich, streng genommen kam die Uroma aus Hiltrup bei Münsta, zog des Urgroßvaters wegen nach Doaatmund. Auf den Kaiser war sie später noch schlechter zu sprechen, denn der hatte drei ihrer Brüder auf dem Gewissen, der vierte kam zwar zurück aus dem WK 1, war aber nur noch eine verletzte Hülle, sein Geist ist in Verdun geblieben.

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  8. 8 berndb
    20. Oktober 2008 um 22:05

    Bissig. Wie die Kommentare. Vielen Dank für die erheiternden Minuten.

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  9. 20. Oktober 2008 um 22:53

    Richensa,
    die Dortmunder Jungs sind eben so anziehend, das reicht mal locker bis nach Hiltrup!
    Auf den Kaiser sind viele heute noch schlecht zu sprechen – das Kaiserstraßenfest ist so furchtbar wie es riesengroß ist. Aber auf den Kaiserbrunnen kacken treu die Tauben.

    Und die WKs haben die Dortmunder wie alle Anderen ohnehin gefressen wie zehn Sack Müll: Da haben viel Zuviele viel zuviel gelassen. Aber unser Humor war immer goldig.

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