10
Okt
08

Grand Cairn de Barnenez, Plouézoch

Eigentlich sollte man ja nicht denken, dass es in der Bretagne zuwenig Steine gibt, und schon gar nicht, dass man sich in der Region Europas, die für ihre megalithischen Denkmale am bekannten ist, an Grabhügeln vergreift.
Am 23. Mai 1955 meldete die Tageszeitungen im Finistère den spektakulären Fund eines riesigen Dolmens auf einer Baustelle am Kap von Barnenez, einer kleinen Halbinsel in der nördlichen Bretagne. Langsam wurde aber klar, dass seit mehr als einem Jahr zwei dieser gewaltigen vorgeschichtliche Grabbauten als Steinbruch genutztwurden, und als Baumaterial zum Bau einer Straße zur Pointe de Terenez endeten. Einer der Hügel war 1954 auf diese Weise vollständig verschwunden, der zweite 1955 in zwei aufsehenerregenden Prozessen vor der weiteren Zerstörung gerettet. Der Bauunternehmer wurde zu einer hohen Geldstrafe und zur Finanzierung von Rettungsmaßnahmen verurteilt. Dieses war der Beginn der Forschungen um die verbliebene Anlage, die bis 1968 andauernd sollten.
Die Untersuchungen unter der Leitung von Pierre-Roland Giot ergaben, dass der fast 72 m lange Hügel mit seinen insgesamt elf Grabkammern zwei Bauphasen erfuhr, eine um 4500 v. Chr. und eine zweite um 4200 – 3900 v. Chr.. Sogar das mutmaßliche Gewicht der Anlage aus sorgfältig geschichteten Schiefer- und Granitplatten wurde berechnet: bis zu 14.000 t schwer soll die Steinschüttung über den Grabkammern sein. In die elf Kammern führen jeweils parallel liegende Gänge, deren Decke von tonnenschweren Steinen getragen werden. Bei meinem Besuch vor zwei Jahren beschlich mich ein unwirkliches, fast ungutes Gefühl, verbunden mit der Frage, ob die Konstruktion wirklich hält. Das tat und tut sie aber auch nach noch mehr als 6500 Jahren! Auf diesen Megalithen finden sich auch Ritzungen, die noch nicht alle restlos entschlüsselt werden konnten.
Die Kammern selber sind allesamt als so genanntes falsches Gewölbe ausgeführt, ohne die Verwendung von Mörtel oder ähnlichem Verbundmaterial wurden die Steine von überaus geschickten Baumeistern so auflegt, dass der Durchmesser nach oben hin immer mehr abnahm und so eine Kuppel bildet.
Die Funde und deren kulturelle Einordnung kann man im Besucherzentrum anschauen, welches man passieren muss, um dieses phantastischen Platz zu besuchen. Ursprünglich war der Steinhügel noch mit einer Schüttung aus Erde überdeckt, die aber während der Restaurierungsarbeiten entfernt wurde. So entsteht zwar ein (prä-)historisch nicht identisches Bild, aber die allermeisten anderen Megalithanlagen hatten ebenfalls einen Hügel und stehen heute “nackich” in der Landschaft.
Richtig lachen musste ich bei meinem Besuch übrigens über ein niederländisches Pärchen, die mit einem handelsüblichen Zollstock den Hügel umkreisten und offensichtlich nach dem “megalithic yard” suchten, der Antwort auf alle esotherischen Vermessungsbemühungen.
Génial!

29252 Plouézoch
+33 2 98 67 24 73
barnenez.monuments-nationaux.fr/

Öffnungszeiten:
Mai bis August: täglich zwischen 10 Uhr und 18:30 Uhr
September bis April, Di – So 10 – 12:30; 14 bis 17:30
letzter Einlass eine halbe Stunde vor Schluss

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